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Schreiben des Präsidenten des Landes-Pferdezuchtoereins vom 4. und 10. Octoder lfd. Js. verlesen.

Gutsverwalter Beilstein von Obbornhofen und Bürgermeister Bopp von Bellersheim sprechen sich über die in diesem Jahre bezogenen Saugfohlen norddeutscher Race sehr lobend auS; der Preis betrage nur etwa 210 JL pro Stück.

Nach einer wegen der vorgerückten Zeit nur kurzen Discussion, woran sich

Dr. GroS und Stadtverordneter Wortmar,n belherligen, wurde die weitere Ver­handlung wegen der damit zusammenhängenden Frage über die Unterstützung des Unternehmens aus der Vereinskasse auf die demnächst stattfindende Budgetberathung vertagt und damit die Versammlung geschlossen.

Der Director: Der Secretär:

Dr. B o e k m a n n, Provinzial-Director. Nover, Kreisasjessor.

A l l g e m e i n e r A n z e i g e r.

Zur bevorstehenden Dolkzählung.

Im Leben der deutschen Nation sind wiederum nahezu fünf Jahre seit der letzten großen Volkszählung verflossen. Am 1. December dieses Jahres soll diese wichtige Staatshandlung im neuen deutschen Reiche zum dritten Male stattfinden. Alle aus deutscher Erde weilenden Personen sollen an diesem Tage aus Millionen von Zählkarten oder Haushaltungs-Listen verzeichnet, um von da weiter auf die Hauptbücher der Einzelstaaten und schließlich in dir tabellari­schen Uebersichten des Reiches übertragen zu werden.

Wir Bürger der modernen Staaten haben es bequemer als die Bewoh­ner des römischen Reichs zur Zett vor Christi Geburt, an welcheein Gebot vom Kaiser Augustus erging, daß alle Welt geschätzt würde . . . und Jeder­mann ging, daß er sich schätzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt." Wir werden geschätzt und gezählt, ohne daß wir unsere Wohnung zu verlassen brauchen. Der Zähler bringt 1 oder 2 Tage vor dem 1. December die Zäh- lungsltsten in jedes Haus und der Staat verlangt weiter nichts, als daß alle Haushaltungsvorstände die Formulare aufmerksam durchlesen und die verschie­denen Rubriken am Morgen des 1. December gewissenhaft ausfüllen, damit sie an demselben oder am nächsten Tage von dem Zähler wieder abgeholt werden können.

So einfach und mühelos auch diese Aufgabe für jeden einzelnen Bewoh­ner ist, so gtebt es doch leider Viele, welche den Volkszählungen argwöhnisch gegenüberstehen und dahinter fiskalische ober militärische Zwecke vermuthen. Beides ist unbegründet. Der Fiskus und die Militärbehörden kommen auf anderen Wegen zu ihren Zielen und wiederholen alljährlich ihre Nachforschun­gen ; aber die Volkszählungen finden in jedem Jahrzehnt nur zweimal statt und dienen lediglich zur Kenntntß des allgemeinen Zustandes der Bevölke­rung. Alter und Geschlecht, Familienstand und Religion, Beruf und Erwerb, Staats- und Ortsangehörigkeit der Bewohner sollen in einem Gesammtbilde dargestellt werden. Staat und Reich können sich nicht um die Altersverhält- nisie und Lebensschicksale jedes Einzelnen kümmern, sondern verlangen nur Klar­heit über die Gesammtzahl ihrer Männer und Frauen, ihrer schulpflichtigen und wehrpflichtigen Jugend, ihrer Verhetratheten und Ledigen, ihrer Wittwer und Wittwen, ihrer berufsfähigen und berufslosen Volksgenoffen. Wer darüber unrichtige Angaben macht, oder Personen und Thatsachen verschweigt, fälscht das Gesammtergebniß und verletzt eine wichtige öffentliche Pflicht gegen Ge­meinde, Staat und Nation!

Die Zählung soll in abgegrenzten Zählbezirken und unter Leitung der Localbehörden mit Bethülfe freiwilliger Zähle: ausgeführt werden. Das Amt der Zähler ist ein Ehrenamt und die Wahl ist daher aus solche Personen zu richten, deren Gcmeinsinn und Befähigung dafür bürgen, daß sie die Zählungs- geschäfte mit Umsicht tnstructionsmäßig aussühren werden. Jeder Zähler soll nur 40 bis 50, nach Befinden noch weniger Haushaltungen übernehmen und die Mühe wird daher nicht groß sein.

Man darf wohl vertrauen, daß die hohe polit'.sche und sociale Bedeu­tung des Zählungswerkes überall in deutschen Landen verstanden wird und daß sich am 1. December Millionen Deutsche mit Stolz als Glieder eines Ganzen fühlen werden. Vor 10 Jahren unterblieb die Volkszählung, weil Deutschlands wehrpflichtige Mannschaft in Feindesland stand. Am 1. Decbr. 1871 zählte man 41,058.792, den 1. Decbr. 1875: 42 727,366 Bewohner. Die durchschnittliche jährliche Bevölkerungs-Zunahme von 187175 betrug 1 pCt. der mittleren Bevölkerung.

Welches Resultat wird das Jahrfünft 187580 ergeben? Welchen Ein­fluß wird der Ueberschuß der Geburten auf der einen und die zunehmende Aus­wanderung auf der andern Seite ausgeübt haben? Wird das männliche oder das weibliche Geschlecht, die Zahl der Verheiratheten oder Ledigen zugenommen haben? Welche Gliederung der Altersstufen und der Berufsstände wird sich ergeben? Alle diese Fragen sind von größter praktischer Wichtigkeit für alle Staats- und Gemeindehörden, und es liegen darin zugleich tiefe Probleme der Bevölkerungs- und Soctalwtffenschaft verborgen. Die Zählung vom 1. Decem­ber 1880 wird zu ihrer Lösung neue Bausteine herbeischaffen und die Kenntniß der vaterländischen Zustände erweitern und vertiefen.

Deutschland.

Darmstadt, 10. Novbr. In der 56. Sitzung der zweiten Kammer der Stände ging folgende Interpellation des Abg. Stephan (Osthofen) ein:

Bei der Ausfertigung der Zahlbefehle, Vollstreckungsbefehle und sonstigen gerichtlichen Urkunden durch die Großh. Gertchtsschreiberei wird eine Schreib­art angewendet, welche einer Papierverschwendung gleichkommt. Für die Ur­kunde, welche höchstens eine Bogensette erfordert, werden mindestens 4 Seiten verwendet. Da nun aber für jede Sette 10 H Schretbgebühren erhoben werden, so vermehrt diese Art der Ausführung nicht unwesentlich die ohnedies sehr hohen Gertchtskosten. Ich erlaube mir daher an Großh. Ministerium des Innern und der Justiz die ergebenen Anfragen: 1) Wird diese Aussührungs- art auf Grund Verfügung Großh. Ministeriums oder willkürlich durch die Gerichtsschretbcret geübt? 2) Ist Großh. Ministerium des Innern und der Justiz nicht gewillt, diesen M ßftand zu beseitigen?

m. Darmstadt, 10. November. sZweite Kammer der Stände. 57. Sitzung.) Als Einläufe werden verkündigt eine Antwort Großh. Regierung auf die Interpellation des Abg. Schröder, das Landstreicherwesen betreffend; ein Gesetzesentwurf, betr. die Pfändung in dem nichtgerichtlichen Beitreibungsocrfahren, insbesondere in dem Steuerexecutions- und in dem administrativen Beitreibungsverfahren, endlich eine Proposition der Regierung, welche das Ansinnen an die Stände richtete, ihre Zustimmung dazu zu erklären, daß die durch den im Laufe des Baues der Außenarbeiter- und Zellengebäude in Marienschloß eingelretenen Einsturz veranlaßten Mehrkosten aus paraten Mitteln der Großh. Hauptstaatskasse verwandt werden, vorbehältlich etwaiger Ersatz- und Regreßansprüche an von Rechtens nach dem Ergebniß' der bereits einge­leiteten gerichtlichen und administrativen Untersuchung. Im weiteren Verlauf der Generaldebatte über den Gesetzesentwurf, den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogthum betreffend, wünscht Hallwachs, daß die Regierung an dem von ihr aufgestellten Principe nicht fcstgebalten, sondern zugegeben hätte, daß die Bau- und Unterhaltungspflicht der Vicinalstraßen Staats- oder Provinzialangelegenheit sei.

Abg. Freiherr v. Nordeck zur Rabenau spricht dafür, daß man im Wegbau so- woyl, wie in der Anlage von Sccundärbahnen die Grundsätze der ausgleichenden Gerechtigkeit gegen ärmere und entlegenere Gegenden müsse walten lassen. Der Abg. Freiherr v. Wedekind beantragt: Die Regierung wolle der Kammer einen Gesetzesentwurf vorlegen, worin dem Grundsatz Rechnung getragen wird, daß nicht nur die dcrmaligen Staatsstraßen, sondern auch die Vicinalwege für die Folge unter den durch das Gesetz zu bezeichnenden Voraussetzungen wenn nicht vom Staate so doch von den Provinzen übernommen und aus deren Kosten unterhalten werden. Abg. Freiherr v. Jungenfeld beantragt: Großh. Regierung zu ersuchen, der 2. Kammer einen Gesetzesentwurf vorzulegen, worin dem Grundsätze Rechnung getragen wird, daß auch die Vicinalwege für die Folge unter den durch das Gesetz zu bezeichnenden Voraus- setzungeu vom Staate übernommen, resp. erbaut und unterhalten werden mit der Modification, daß die durch die Erbauung und Unterhaltung derselben entstehenden Kosten nach einem zu bestimmenden Procentsatz unter Staat, die betreffenden Ge­meinden und die Kreise vertheilt werden. Abg Osann beantragt: Die Kammer wolle über die Gesetzesvorlage mit der Bitte zur Tagesordnung übergehen, daß die Großh. Staatsreglerung den Ständen eine Gesetzesvorlage baldthunlichst zugehen lasse, worin grundsätzlich der Bau und die Unterhaltung der Vicinalstraßen unter näher zu bestimmenden Modisicationen vom Staate übernommen werden. Die Abgg. Schröder und Muhl beantragen, die Kammer wolle, indem sie die Erwartung aus­spricht, daß Großh. Regierung baldthunlichst einen anderweiten Gesetzesentwurf vor­legt, welcher den Dau und die Unterhaltung der Vicinalwege unter näher zu be­stimmenden Voraussetzungen und Modisicationen dem Staate oder den Provinzen über­trägt, zur Tagesordnung übergehen. Ministerpräsident Freiherr v. Starck Exc. hält an dem Princip des Gesetzesentwurfes fest und bemerkt, die angeregte Idee wegen Uebernahme der gesammten Bau- und Unterhaltungspflicht durch den Staat fei zu neu, um darüber jetzt schon eine definitive Entschließung zu fassen. Metz ist entschieoen gegen die Ideen des Staatsbauwesens und für den Antrag der Majorität des Aus- fchuffes. Möllinger beantragt Zurückverweisung des ganzen Gegenstandes an den Ausschuß, welcher Antrag von Racke und Metz unterstützt wird. Letzterer bean­tragt für diesen Fall Verstärkung des Ausschusses durch den Abg. Möllinger. Die Abstimmung ergibt Ablehnung sämmtlicher Anträge mit Ausnahme des ersten Theiles des Majoritätsantrages, wonach die Kammer die Regierung um Zurückziehung des Gesetzesentwurfes ersucht.

Die Vorlage der Regierung wegen des Ankaufs von Gelände zur Anlegung von Kohlenlagerplätzen be der Main-Neckar-Bohnstation Darmstadt wird ohne Debatte einstimmig genehmigt und sodann in die Beratbung der Recommunication der ersten Kammer bezüglich des Gesetzesentwurfes, die allgemeine Bauordnung betreffend, ein- getreten, welche bis incl. Art. 76 zu Ende geführt wurde. Bei einer Reihe von Punkten wird Beitritt zu den Beschlüssen der ersten Kammer beschlossen, so namentlich bezüglich der gesetzlichen Uebertragung der Baupolizei an die Bürgermeister in den Städten. Nächste Sitzung morgen.

Krankreich.

Paris, 7. November. Die Belagerung des auf einem Felsen gelege­nen Klosters der Prämonstratenser bei Tarascon dauert fort. Die aus In­fanterie und Kavallerie bestehende Belagerungsarmee campirt wie im Kriege und hat alle Zugänge mit einem doppelten Cordon. besetzt; die Truppen haben den Befehl, Jede mann heraus, Niemand hinein zu lassen. Gestern erhielten die Belagerer 600 wollene Decken und Proviant für mehrere Tage. ES sollen ca. 1000 Bauern mit den Mönchen im Kloster cernirt sein; 250 Frauen hat man heute Herausgelaffen. Bisher chat kein Zwischenfall stattgefun­den. Eine große Menschenmenge ist von Avignon, Taraseon und allen benach­barten Orten zusammengeströmt. Es herrscht allgemeine Aufregung. Das Kloster der Benedictiner zu Solesmes bei Sable hat ebenfalls durch Truppen längere Zeit belagert werden müffen. Nach der Entnahme wurden 20 von den internirten 80 Mönchen mit Gewalt hinausbefördert; die andern halten noch aus und 7 derselben sind hoch oben im Glockenthurme verbarricadirt; sie können um so weniger gefaßt werden, als sie die Treppen haben wegneh­men laffen. Die Kapuziner und die ärmeren Mönchsorden überhaupt haben mehr getobt als gekämpft, sie hatten weniger zu verlieren, als die reichen Prä­monstratenser bei Tarascon, die Benedictiner von solesmes, die Trappisten von Tamin bei Ehambery und von Bellefontaine bei Angers und die Trappi­sten des Klosters de la Grace de Dieu bei Beaume im Departement des Doubs. Die Mönche, die sich hier der besonderen Gnade Gortes weihten, sind große Unternehmer, Grundbesitzer, Inhaber einer großen Mühle und einer Sägemühle und berühmte Liqueurfabrikanten.

Pari-, 8. November. Die Blockirung des Prämonstratenser-Klosters bei Tarascon wurde mit der größten Strenge gehandhabt, da die Bauern der Umgegend in Hellen Haufen zum Entsätze herbeiströmten. Es kam wiederholt zu Händeln, bei denen das Militär einschreit-n mußte. Eine Anzahl junger Leute aus Avignon zeigten sich dabei besonders fanatisch. Laut einer diesen Abend eingetroffenen Prioatdep.esche wurde das Kloster diesen Morgen genom­men. Die Mönche hatten eine Ausfallpforte nicht verbarricadirt, um Verbin- düngen mit ihren heranziehendmFreunden" nicht zu unterbrechen. Durch diese Pforte drangen die Truppen heute Morgen in's Kloster ein, wo sie dann keinen ernstlichen Widerstand fanden. Unter Kavallerie-Bedeckung wurden die Mönche nach Tarascon gebracht. (K. Z.)

ßngtarrd.

London, 10. November. Die Rede Gladstone's bei dem Lordmayors- Banket bezeichnet die irische Angelegenheit als eine Hauptsorge seit dem Schluß der Session. Trotz der reichlichen Ernte seien Unordnungen entstanden. So sehr eine Reform oder Verbesserung des Gesetzes nothwendig sein möge, stehe doch die Pflicht, die Ordnung aufrechtzuerhalten, noch höher. Er werde, wenn nöthig, was er aber nicht hoffe, die Verleihung größerer Gewalten nachsuchen. In der Orientfrage habe die Regierung die Ziele des vorigen Cabmets aus­nehmen können und gesucht, die Erfüllung deS Berliner Vertrags durch das europäische Concert zu erreichen.Wir wünschten keine separate Action und hielten es nicht für wünschenswerth, uns von dem europäischen Concert zu trennen. Wir verzweifeln nicht gänzlich, wenigstens etwas durch das euro- päische Concert zu gewinnen. In den letzten 12 Stunden erhielten wir auf Specialbefehl des Sultan- abgesandte Telegramme, nach welchen der Sultan gute Hoffnung habe, heute oder morgen würden befriedigende Nachrichten von Dulcigno eingehm. In den letzten 2 Stunden ist ein Telegramm eingegangen, welches constatirte, der Sultan glaube, die nächste Nachricht werde darin be- stehen, daß die Uebergabe Dulcigno- durchgeführt sei.

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