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Freitag den 12. November

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Erscheint mit Ausnahme des

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Vom 15. November I. I. an wird der seitherige Droschkenhalteplatz, Ecke der Wallthoistraße und Brandgasse, an das Seltersthor, Ecke der

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Frankfurterstraße und Südanlage, verlegt. Gießen, den 10. November 1880.

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Prei4 vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch b« Poft bezogen vierköljährlich 2 Marl 50 Pf.

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius.

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Nachdem der Direktor dem Redner Namens der Versammlung für den lehr­reichen und anregenden Vortrag gedankt hatte, spricht sich Herr Meyer Katz von Steinbach dahin aus, daß zur Hebung der Viehzuäxr jährlich eine Vrehausstellung mit Prämiirung stattfinden möchte, worauf erwidert wird, daß die Frage wegen der Prä- mtiMngrn demnächst im landwirthschastlichen Provinzialvcreine zum Austrage kommen werde.

Der zweite angekündigte Vortrag: über die Nothwendigkeit des Samenwechsels beim Körnerbau mußte wegen Verhinderung des Referenten ausfallen.

Zum dritten Gegenstad der Tagesordnung : Besprechung über das neue Vieh­seuchengesetz vom 23. Juni l. I., sowie über das Local-Polizeireglement wegen Unter­drückung des Milzbrandes in der Welterau (s.Anzgr. Nr. 201) bemerkt der Director bezüglich des letzteren Reglements, daß solches nach der Berathung einer Commission und des Kreis-Ausschusies erlassen worden sei. Es habe vielfachen Widerspruch erfahren und es sei auch beantragt worden, dasselbe wieder aufzuheben, oder zu modificiren. Ehe hierauf jedoch eingegangen werden könne, müßten erst Erfahrungen gesammelt werden. Mittlerweile sei auch das Reichsgesetz vom 23. Juni l.J. erschienen, das sehr strenge Bestimmungen enthalte. Bevor dieses Gesetz in Kraft getreten, weide eine Aenderung nicht vorgenommen werden können. Bezüglich dieses Reichsgesetzes gebe er dem Secretäre des Vereins, zugleich Referenten des Kreisamtes in dieser Sache, das Wori. r.

Der Secretär des Vereins erörtert hierauf die wesentlichen Bestimmungen dieses Gesetzes und macht auf die für die Laudwirthe wichtigsten Bestimmungen besonders aufmerksam. Nach einer hieran sich anschließenden Discussion, an welcher sich der Vicepiäsident des landw. Provinz,aloereins, Dr. Gros von Gießen, der Secretär des­selben, Gros von Lich, Generalsccretär Dr. Weidenhammer und der praktische Veterinärarzt Dr. Schneider von Lich beteiligen, spricht sich der Director dabin aus, daß von einem speciellen Eingehen auf das Gesetz für heute abzufehen fein möchte, da die in Aussicht gestellte Instruction und die Ausführungs-Verordnung noch nicht erlaffen fei und schlägt vor, sich mit dem kürzlich gefaßten Beschlusfe des landwirth- schaftlichen Provinzialvereins,daß vor Erlaß der Ausführungsvsrschrifteu die land- wirthschaftlichen Vertreter gehört werden möchten" einverstanden zu erklären. Die Versammlung stimmt dem zu.

Zum vierten Gegenstände der Tagesordnung, Verhandlung über die anläßlich des Frostschadens an den Obstbäumen zu ergreifenden Maßnahmen bringt der Director zunächst ein Schreiben des landw. Provinzialvereins vom 23. Ium L I- zur KenMniß der Versammlung, wonach für den Ankauf von Obstbäumen die Vermittlung der Bezirks­vereine und Zuschuß derselben zu den Transpoitkosten empfohlen wird.

lieber diesen Gegenstand entwickelt sich eine lebhafte Besprechung, woran der Director, Bürgermeister Zimmer von V'llingen, Secretär Gros, Generalsecretär Dr. Weid enh amm er, Stadtverordneter W ortm ann von Gießen, Katz von Stein­bach und Pächter Hofmann von Hof-Güll Theil nehmen.

Die meisten Redner sprechen sich, theils unter Bezugnahme auf Autoritäten, da­hin aus, daß es nicht räthlich sei, in diesem Jahre schon Bezüge aus Baumschulen zu machen, weil man den Schaden in den Schulen selbst noch nicht übersehen konne^ datz auch mancher für ei froren geglaubte Baum noch ausschlagen oder Wurzelsproßlinge treiben könne und daß auch die jetzt geforderten Preise zu hoch seien.

Der Director theilt ferner noch das Ergebniß der Aufnahme über die durch den Frost zerstörten und gesund gebliebenen Obstbäume des Kreises Gießen mu- Derselbe warnt sodann davor, neue Bäumchen auf die Plätze der alten zu sitzen, indem, wenn man dies tbue, ein Gedeihen nicht zu erwarten sei, und widerspricht der Ansicht, daß in einer rauhen Lage nur Bäume aus rauher Gegend gedeihen konnten. Es komme vielmehr nur darauf an, daß der Baum in der Jugend gut gezogen fei und daß sich die Sorte für das rauhe Klima eigne. Im Kreise Groß-Gerau habe man eine große Anzahl von Bäumen aus Frankreich (Angers) bezogen, welche vortrefflich gediehen seien. Die Preise seien wegen der dortigen günstigen Verhaltnissi sehr g^rmg ge­wesen. Unrichtig wäre es endlich auch, nach den F^stlchaben bestimmen zu wollen, welche Sorten sich für die Gegend nicht eigneten. ®ier^ir^u5,®cn S^oitcs feien mitunter in dickt bei einander liegenden Distiicten der,eiben Gemarkung ganz ver­schieden. Es würden daher die besten unb bannt auch erträglichsten Sorten anzuschaffen fein, auch wenn solche diesmal erfroren sind

Die Versammlung beschließt hierauf jiuf Antrag des Dlrectors, die Beschluß- faffung über diese Frage bis zum nächsten Sommer auszufetzen. »

Qum letzten Punkte der Tagesordnung: Verhandlung über den we.teren Ankauf von Stutenfohlen norddeutscher Race und die Abhaltung von Stutenschauen werden zwe.

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Betreffend: Die Ableistung des Verfaffungsetdes. Gießen, am 10. November 1880.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die GroHherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Diejenigen, welche unser im Anzeiger enthaltenes Ausschreiben obigen Betreffs vom 29. v. Mts. noch nicht beantwortet haben, an die baldige Erledigung deffelben.

__________Dr. Boekmann.__________________________________________________

Betreffend: Volkszählung im Jahre 1880. Gießen, am 10. November 1880.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir theilen Ihnen zur Nachachtung mit, daß es nach hoher Verfügung vom 6. Juli I. I. auch bei der diesmaligen Volkszählung keinem Anstand unterliegt, die Lehrer als Zähler zu verwenden und für die nöthige Zeit in den betr. Schulen und Schulklaffen den Unterricht auszufetzen.

Dr. Boekmann.

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Leürer-Conserenz des Eonferenz-Bezirks GießenGrost-LindenLollur Mittwoch den 17. Novbr., Vorm.^10 zu Giesten

Lehrer-Conferenz des Conferenz-Bezirks Grost-Bufeek Donnerstag den 18. Novbr., Vorm. 10 Uhr, zu Grost Buseck.

Gießen, den 10. November 1880. Büchner, Kre'sschulinsveclor.

Nrotocoll

über die General - Versammlung deS landwirthschastlichen BezirksvereiuS Gießen am 1 November 1880 zu Lich.

Nach Begrüßung der Versammlung durch den Director des Vereins erhält zu dem angefünbigten Voitrage über Viehhaltung Generalsecretär Dr. Weidenhammer das Wort. Derselbe führt m einem längeren Vortrage u. A. aus:

Die Landwirthschaft habe eine stets steigende Concurrenz durch die Producte anderer unter günstigeren Verhältnissen befindlichen Länder 'Rußland, Amerika, Indien, Aegypten, Australien) zu bestehen. Sich hiergegen durch Zölle schützen zu wollen, erscheine unmöglich. Gegenüber den von der Landwirthschaft errungenen Zöllen feien solche der Industrie in noch viel höherem Maße zu Theil geworden. 93ei_ weiterer Absperrung würde nun verhungern. Redner betrachtet es daher als seine Pflicht, da­rauf aufmerksam zu machen, daß man aus dieser Quelle keine Hoffnung schöpfen dürfe. Hilf dir selbst, fei auch hier der Wahlspruch. Das einzige Mittel, welches der deutsche Landwirth ergreifen müsse, um mit Erfolg probuciren zu können, sei bas, baß er de- beutenbe Mengen von Dünger erziele und daß der Dünger nichts, oder doch wenig koste. Anderwärts könne man künstliche Düngemittel kaufen, wir seien auf den Ltall- mist angewiesen. Die Viehhaltung fei daher der einzige Anker der deutschen Landwirth- schast. Wo der Dünger theuer sei, würden auch die Producte theuer sein. Alsdann könne man aber mit dem Auslande nicht coucurriren.

Bei der Viehhaltung sei besonders zu beachten:

1) Daß die Thiere die größtmöglichste Leistungsfähigkeit besäßen und daß daher nur das allerbeste Vieh zur Zucht ausgewählt werbe Sonst nütze alle Pflege unb Sorgfalt nichts. 2) Daß man bei der Fütterung diejenigen Stoffe reiche welche zum Erzielen der gewollten Producte nöthig seien. Das meiste Futter diene zur Er­haltung des Thieres. Die Hauptsache sei ober das Producttonssutter. Die arme Fütterung sei die theuerste. Je mehr ein Thier sresse, umso besser sei es. Die Umwandlung der Rohmaterialien in neue Werthe erscheine als die Hauptaufgabe jedes Producenten. 'Die Futterstoffe müffen in Fleisch und Milch umgesitzt werden, wcßhalb in sm Futtermitteln bestimmte Verhältnisse zu beobachten sind. Tausende gehen jähr­lich wodurch verloren, daß der Landwirth nicht berechnet, welche Stoffverhältniffe er in feinen Futtermitteln habe. Seit einer Reihe von Jahren enthält jeder Kalender Ta­bellen über die Zusammensetzung der Futtermittel. Deren Gehalt an Eiweis unb Fett s,- hauptsächlich zu beachten. Habe man bas Erforberliche nicht, so müsse bas Fehlende gekauft werden, sonst verliere man den Erfolg seines Futters ganz und gar.

Von großem Einfluß sei sodann noch die Aufzucht des Jungviehs, besonders der Kälber ' Bei 11/2 Jahren müsse das Rind so entwickelt fein, daß es zum Stiere kommen könne. ,Dieses setze kräftige Ernährung in der Jugend voraus. Das Kalb habe die erften 34 Wochen süße Milch zu erhalten Nach 9 Wochen müsse das Thier von der Milch ab.'ewöhnt sein und mit einer Tränke, etwa aus Leinkuchen und Hafermehl, er­nährt werden. Dies könne man 45 Monate so fortsetzen, worauf Trockenfutter zu geben sei. Hierdurch würden der Rumpf und die Verdauungswerkzeuge ausgebildet Mit 12 Monaten müsse das Thier große Mengen von Nauhfutter vertragen können. Gefährlich sei den Kälbern grüner Klee.

Um größere Erfolge in der Landwirthschaft zu erzielen, müßten jedoch auch die nöthigen Vorbedingungen geschaffen werben. Bei zerstückeltem Grunbbesitz sei eine richtige Fruchtfolge, eine zweckmäßige Benutzung bes Ackers unmöglich. In biesem Falle könne nur eine Zusammenlegung ber Grunbstücke Helsen. Weiter müsse unter ben Gemeinbevorstänben bas Verstänbniß herrschen, baß für bie Viehhaltung auch Opfer zu bringen feien- Nicht bie billigsten Bullen bürsten gekauft, nicht bem Wenigsinehmen- ben bürsten sie vergeben werben. Was solle aus ber Lanbwirthschast werben, wenn man nicht mit aller Energie gegen bie brohenben Gefahren vorgehe? Es müsse so weit kommen baß in jeher Gemeinbe eine bestimmte Richtung in ber Viehzüchtung planmäßig eingeschlagen werbe. Wolle man Zugviel)Milch- ober Mastvieh? Eebirgs- ober Nieberunasschlag? Dies sei nach ben localen Verhältnissen, ber wnthsihaftlichen Lage ber Gemeinbe zu bemessen Es müßten auch Rinbvsihzuchtvereine gebilbet wer­den, womit man im Kreise Erbach kürzlich ben Anfang gemacht habe.

Ebenso sei bas Prämiirungswesen sorgfältig und planmäßig zu handhaben, wie in Preußen und Bayern geschehe. In Preußen würden besondere Staatspre.se, die mindestens 100 X betrügen, gegeben und in Bayern wende der Staat jährlich an 40,000 x für Prämiirungen auf. , , . . ,

Redner gibt sich schließlich der Hoffnung hin, daß es auch bet uns immer mehr Licht werbe unb baß bie Bestrebungen ber Lanowtrthe mit Ersolg gekrönt sein mochten-

(fridkner -Anzeiger

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