verleihen, den abgesetzten Erzbischof zurückzurufen und auch sonst einem großen Thell der katholischen Beschwerden abzuhelfen. Allein schroff und trotzig wurde ein Gesetz zurückgewiesen, in welchem nach Auffassung aller Liberalen viel mehr geboten war, als der Staat bieten durste. Und trotzdem jetzt ein Bittgesuch an den Landesherrn, dem er nach Lage der Gesetzgebung gar nicht entsprechen könnte. Die kaiserliche Antwort auf das Ansinnen, eine Immediateingabe solchen Inhalts entgegenzunehmen, ist denn auch nicht auSgeblieben. Der ganze ultramontane Feldzugsvlan gegenüber dem Dombaufeste ist voll falscher Berechnungen und darum voll Enttäuschungen.
Berlin, 9. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Eröffnung des Landtags am 28. ds. als keinem Zweifel mehr unterliegend. Das Staatsmtnistertum werde einige Tage vor dem 15. October zu einer Plenarsitzung zusammentreten, um die Festsetzung der wesentlichen Landtagsvorlagen herbeizuführen. — Daffelbe Blatt hört, die diesjährigen Erntebertchte würden bis Ende dieses Monats veröffentlicht werden können. — Bezüglich der Regu- lirung der Weichsel und der Nogat schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Nachdem der Minister für Landwtrthschaft jetzt an Ort und Stelle die zumeist in Betracht kommenden Uferstrecken besichtigt habe, stelle sich die Frage auf's Neue zur Erwägung, welches Regultrungsproject vorzuziehen sei. Dem Der- nehmen nach wünschten die tnteresstrten Bewohner Westpreußens überwiegend, daß dem großen Projekte der Vorzug gegeben werde, weil dadurch eine große Fläche der Marienburger Niederung und des Danziger und Elbinger Werders der Landwtrthschaft wtedergegeben und den Detchverbänden eine große Last abgenommen werde. Inwieweit diesen Wünschen nachgegeben werden solle, sei zur Zett noch nicht bestimmt.
— Ueber den heute Nacht um halb 1 Uhr unweit Spandau stattgehabten Eisenbahnunfall auf der Lehrter Bahn meldet der BetriebSinspector Kling dem „Staats-Anz.": Der Unfall fand in Folge der ruchlosen Lockerung der Fahrschtene statt. Weder Reisende noch Fahrpersonal erlitten nennens- werthe Beschädigungen, dagegen wurde das Material des Zuges bedeutend beschädigt. Die Maschine stürzte von dem Bahnkörper in einen Graben.
München, 9. Octbr. Das Central-Comtts des deutschen Schützenbundes beschloß, das 7. deutsche Bundesschießen in der Woche vom 24. bis 31. Juli 1881 auf der hiesigen Theresienwiese abzuhalten. Zur Thetlnahme an den Sitzungen sind Fabrtctus und Best aus Frankfurt a. M. eingetroffen.
— Der König hat den Gesandten v. Rudhart auf deffen Ansuchen unv unter Bestimmung anderweitiger dienstlicher Verwendung deffelben aus Berlin abberufen. An deffen Stelle ernannte der König den Legationsrath an der königl. Gesandtschaft in Wien, Grafen Hugo v. Lerchenfeld, als Gesandten am preußischen Hofe.
IrarrLreich.
Paris, 9. Octbr. Meldungen der „Agence Havas." Aus Cattaro: Riza Pascha hat am 8. October alle regulären Truppen aus dem Dtstrtct Dulcigno zurückgezogen. Man glaubt, er wolle die Montenegriner auf diese Weise zum Angriff veranlassen, um sich selbst mit den Albanesen zu verbinden, welche unter dem Befehle Iussuf Socotich'S die Mazurahöhen besetzt halten. Als nächstes Ziel der Flotte werde Malta angegeben. — Aus Skutart L In Montenegro wohnende und dort Handel treibende christliche Albanesen wurden ausgewiesen und gezwungen, ihre Maaren mit bedeutenden Verlusten zu verkaufen. Die montenegrinische Regierung nahm das aus dem Verkaufe erzielte Geld in Beschlag. Viele Ausgewtesene sind hier eingetroffen.
Paris, 9. Octbr. Der internationale Postcongreß ist heute im Ministerium des Aeußern eröffnet worden. Postenmtnister Cochery führt den Vorsitz. In einer Eröffnungsrede hob derselbe hervor, daß Frankreich, wo Jedermann die Erhaltung des Friedens wünsche, die von den Conferenzen ausgehenden Vorschläge stets günstig aufnehmen werde, weil sie die Vollendung des friedlichen Werkes, daö die ganze Welt interesstre, bezweckten.
tzngtand.
London, 9. Octbr. Die Minister Granville, Northbrook und Spencer confertrten gestern mit Glodstone; die Unterredung dauerte über eine Stunde. Es heißt, wichtige Depeschen seien von mehreren Mächten emgegangen.
Dublin, 9. Octbr. Ein Erlaß der Regierung therlt mit, daß in Rücksicht auf die in den Grafschaften Galway und Mayo herrschenden außergewöhnlichen Zustände eine Verstärkung der Polizeiwache verlangt worden sei.
Portsmouth, 9. October. Die Abfahrt des Transport-Dampfers „Assistance" ist auf morgen verschoben, weil derselbe noch 50 Tonnen Kriegs- munttion und 54 Gatlinggeschütze an Bord nehmen soll, welche für das Geschwader im mittelländischen Meere bestimmt sind. — Wie es heißt, beabsichtigt die Admiralität nach dem mittelländischen Meere ein Geschwader zu senden, welches die Bezeichnung „Detached Squadron" führt und augenblicklich bereits segelferiig ist.
Montenegro.
Cettinje, 9 Octbr. „Glas Czernagora", offictelles Organ von Montenegro, veröffentlicht einen Artikel gegen die Türkei und Riza Pascha, worin erklärt wird: Montenegro habe keineswegs gedacht, nachzugeben; es sei bereit, die Herausforderung der Türket anzunehmen. Der Artikel bedauert, daß die Signatarmächte des Berliner Vertrags die Pforte nicht zur vollständigen Ausführung des Vertrages gezwungen haben. Riza Pascha, der entsandt worden, die Uebergabe von Dulcigno zu bewirken, suche nur neue Schwierigkeiten hervorzurufen, Montenegro zu täuschen und mit den Mächten sein Spiel zu treiben.
Türkei.
Baostch, 9. Octbr. Der heutige Kriegsrath wurde vertagt. Admiral Seymour, welcher Instructionen seiner Regierung erhalten haben soll, confe- rtrte mit den einzelnen Commandanten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Correspondenz-Bureau.
Paris, 10. Octbr. Die „Agence Havas" meldet aus Baofich: Riza Pascha werde, von Skutari kommend, in Podgoritza erwartet. Man glaube, er werde, wenn möglich, über ein Arrangement mit den montenegrinischen Führern verhandeln.
— Die „Agence Havas" meldet: Die Meldung verschiedener Blätter, der Ministerrath habe gestern beschlossen, die Flotte zurückzurufen, ist völlig
unrichtig. Die „Agence Havas" will wissen, der Ministerrath werde in nächster Woche über die Haltung berathen, welche Frankreich Angesichts der neuen Lage, die durch die angeblich zögernde Haltung Deutschlands und Oesterreichs gegen- über den englischen Vorschlägen geschaffen sei. zu beobachten habe. — Mouy wurde zum Gesandten in Athen ernannt.
Petersburg, 10. Octbr. Die „Agence Russe" bemerkt, die Rückkehr des russischen Gesandten in China, v. Bützow, nach Petersburg, erf.lge nicht aus pessimistischen Gründen, welche die Zeitungen vielfach angäben, sondern bezwecke durch eine mündliche Rücksprache mit dem chinesischen Gesandten, die geeigneten Mittel ausfindig zu machen, um die Differenzen zwischen beiden Reichen beiiulegen.
Fulda, 10. Octbr. Der Bisthumsverweser Hahne ist gestern Abend gestorben.
Konstantinopel, 10. October. Der deutsche und der französtsche Botschafter machten einen Versuch, den Sultan zur Nachgiebigkeit zu bewegeu. Der Erfolg ist noch unbekannt.
Loudon, 11. October. Die heutige „Times" schreibt: Nach einem ihr zugekommenen, Mangels offictellec Bestätigung aber mit aller Vorsicht aufzunehmenden Gerücht, hätte der Sultan nach dem gestrigen Cabinetsrath in die bedingungslose Uebergabe von Dulcigno etngewilligt. „Daily News" erfährt, das britische Cabtnet proponirte das Einlaufen des vereinigten Geschwaders in den Golf von Smyrna, um diese Stadt mit Embargo (Hafen- sperre) zu belegen.
Lokales.
Gießen, 11. October. Eine eigenthümltche Begriffsverwechslung ließ sich ein Bauer von Watzenborn zu Schulden kommen. Derselbe wurde mit dem hier wohnenden Besitzer eines Grundstückes dahin einig, daß er dessen Kohlrabi gegen Ueberlasten des Krautes nach Hause fahren wollte. Statt jedoch das Kraut für sich zu behalten, heimste er Kraut und Knollen ein und ist nun dieserhalb Strafantrag gegen ihn gestellt worden.
— Ein Droschkenkutscher, welcher seinem Herrn Fahrgeld unterschlagen, wurde am Samstag verhaftet.
— Bewohner eines Hauses auf der Heuchelheimer Straße lieferten sich in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Gefecht, bei welchem es blutige Köpfe absetzte.
— In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in einem Hauic in der Gartenstraße mittelst Einsteigcns durch ein offenes Fenster gestohlen: 1 Muschel-Portemonnaie mit 5 JL, bestehend aus Silber- und Nickelmünzen, einem Uhrschlüffel und 3 Briefmarken Inhalt ; t golv. Damen-Cylinderuhr Nr. 11422, Reperatur Nr. B. 1634, mit blauen Stahlzetgern, weißem Zifferblatt mit römischen Zahlen, auf dem Rückdeckel befindet sich in Emaille der verschlungene Namenszug M. P, nebst kurzer goldener Kette aus platten Gliedern, an der Kette fehlen zwei Quastchen; 1 Notizbuch, schwarz eingebunden; 1 Taschenkaiendcr; 1 dlcker goldener Ring (Alterthum) mit 1 großen Achat und im Innern A. D. 8. eingramrt; 1 silberner Ring mit der Inschrift „Gott schütze Dich"; 1 silberner Ring, glatter Reif, ehedem vergoldet, mit der Inschrift „6. Juni 1819"; 1 goldener Ring mit 5 Granaten; 1 kleines eisernes Kreuz ; 1 kleine kupferne Kriegsdenkmünze mit dem Bilde Napoleons; 1 Frauenhose, welche mit Stickerei verziert und am Bund M. P. gezeichnet ist; 1 Frauenstrumpf von rother Wolle, gezeichnet M. P.; 2 gebrauchte welßleinene Taschentücher, gezeichnet M. P. und 1 kleine schlanke Stickscheere.
— Eine Familie, bestehend aus Mann, Frau und 2 Kindern, wurde am Samstag aus einem Hause der Kaplansgaffe durch einen Gerichtsvollzieher cxmittirt. Spät am Abend wurden die Kinder als Unterkunftslos auf die Polizei-Wache verbracht, jedoch durch den Vater wieder abgeholt. Letzterer ist seit gestern verschwunden mit dem Bedeuten, daß er nicht wtederkomme.
— Heute Nacht gegen 1 Uhr vergnügte sich auf dem Ltndenplatz ein junger Mann mit dem Exercttium einer 12 Fuß langen Diele. Stramm und fest wurde Gewehr auf und ab gemacht. Die Schutzleute haben jedoch kein Verständniß für solche Liebhabereien und notirten sich den nächtlichen Krieger.
Vermischtes.
— Die Actiengcsellschaft des bürgerlichen Brauhauses zu P t l s e n ist in der Lage, jedem der 140 brauberechtigten Häuser in Pilsen als Jahresgcwtnn einen Betrag von 1200 fl. zu verthetlen. Ein Beweis, welch' glänzende Geschäfte mit dem Pilsener Bier gemacht werben.
— (Gehärtetes Papier.) Man hat vor Kurzem die Entdeckung gemacht, daß, wenn man Papier oder Papierganzzeug der Einwirkung von Chlorzink unterwirft und dann einem starken Druck aussetzt, man eine Substanz erhält, welche die charakteristischen Eigenschaften des Leders und Holzes zugleich befigt. Es bestehen noch einige andere Methoden, in Folge deffen Papier in eine Pergament oder lederartige Substanz von verschiedenen, von der betreffenden Behandlung abhängigen Eigenschaften verwandelt worden >st. Eine der seltsamsten und nützlichsten Anwendungen solchen Papiers besteht darin, cs in paffenden Rollen ober Blättern als Packpapier zu benutzen, oder, wenn in das Papierganzzeuq Graphit hineingemischt wird, ein treff- liches Packungsmaterial für Dampfmaschinen und Pumpen zu erhalten.
— (Das Meter-System.) Das Meter-System wurde im Juli dieses Jahres in Spanien und seinen Colonien obligatorisch eingeführt. Auch die türkische Regierung macht Anstalten, dieses System in allen ihren Provinzen incl. Arabien bekannt zu machen und so der Einführung desselben vorzuarbeiiten.
Gingesandt.
In den beiden Besprechungen des letzten Extra-Concertes des hiesigen Concert-Vcreins hat weder das Urtheil, noch die Stimmung des hiesigen Publikums entsprechenden Ausdruck gefunden.
Die competentesten Berliner Kritiker wie Würst, Gumprecht, Ehrlich, Reißmann u A. haben die Leistungen des Frl. Lilli Lehmann schon so oft gewürdigt unv die Jnvioibualilät der Künstlerin als cinztge und unvergleichliche bezeichnet, sodaß man in Gießen bet einer solchen Erscheinung darauf verzichten sollte, eine verletzende Kritik in Loralblättern zu üben. Wir haben nur zu constatiren, daß die Vorträge von Frl. Lehmann ungetheilte Begeisterung hervorriefen und daß dieselben über jeb<n Tavel erhaben waren.
Der Pianist Herr Dtngeldey, welcher Fräulein Lehmann accompagnirte, ist ein Lieblingsschüler Liszt's und hat seit seinem letzten Auftreten bei uns an Virtuosität bedeutend gewonnen.
Mit dem Vortrage der Sonate von Beethoven durch Herrrn Musidtrector Freiberg konnten wir uns insofern nicht einverstanden erklären, als bei derartigen classischen Werken das Tempo rubato nicht zulässig ist Das Perpetuum mobile war vorzüglich gelungen und zeigte Herrn Freiberg's Technik und Ausdauer in bestem Lichte.
Durch Arrangement des Extra - Concertes hat sich der Vorstand den Dank der hiesigen Kunstfreunde erworben.
Handel und Berkeyr.
Lauterbach, 4. October. (Viehmarkt.) Zugeführt 1076 Stück. Das Geschäft in Rindvieh vollzog sich schleppend, zu ungefähr letzten Marktpreisen Man bezahlte für Ochsen 36—42 Karolin das Paar, für Kühe per Stück 8—12 Karolin. Schweine, wovon 6u7 Stück angetrieben, waren theuer, wenn auch gegen letzten Markt etwas rückgängig. Größere Schweine waren gesucht, dagegen blieben Ferkel viel unverkauft.
Nächster Markr 1. November.
Frankfurt, 9. October. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strobmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Ctr. Jü 2.50—3.00, Stroh JL 2.20—2.50 Butter das Pfd im Großen 1. Qual, ju 1.00—00, 2 Qual JL 0.90—00, im Detail das Pft. JL 1.20—25, 2. Qual. JL 1.10—00. Eier das Hundert ital. JL 8 00, deutsche Eier 6.00 v*L Ochsenstench per Pfund 65—70,3), Kuh, Rind und Farrenfleisch 45—60 Kalbfleisch 45—55 Hammelfleisch 40—65 3,, Schweinefleisch 70-80 H, ein Hahn JL 1.30 biS 1.80, ein Huhn JL 1.70—3.00, eine Ente JL 2.00 — 2.20, eine Taube 45—50 Gans JL 5.00 -6 00, Hasen das Stück JL 3.50—4.00, Feldhuhn JL 1.00-1.50, Rehbock das Pfd. 75-80 3>, Kapaunen 0-0.00, Wälscher Hahn JL 0—0. Kartoffeln 100 Ko JL 5.50—6 Kohlrabi 6—8 H, Blumenkohl 1 St. 20—50 3>, Wirsing 10—15 H, Gelberübcn 1 Bund 10—20 H, Zwiebeln 1 Bund 6 Sellerie das Stück 6 Meerrettig 1 Stück 00—00 H, Spargel das Pfund 00—00,3), Romain-Salat 30 - 00 H, Endivien 10—0 3>, Rothkraut K—20 H, Weißkraut 10—20 H, Artischoken 50 3s, Erbsen das Pfb. 00 3s, Bohnen 1 Ctr 10—14 Gurken das Hundert JL 0.50— 1.50.
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1) Heinrich Si
Londorf, zuletz ballend, 31 Jo
2) Peter Scho aus Keffelbach, aufhaltend, 32
3) Peter Bräu
Merlau, zuletzt haltend, 38 Ja
4) Peter Spr, aus Lmda, p 33 Iche alt,
5) Jost Rede Merlau, zull haltend, 26 I deren ÄchchM werden beschuldigt a * bez-r. als A «ehr ohne Erlauk ju sein, Uebertret 3fr 3 des Strafen Dieselben toeibr Mwch di» l;j Vormitta J» das Großh.
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