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Skr. 290» Samstag den 11. December 1880.
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Amtlicher Hsteil.
Das Großherzogliche Steuer-Commiffariat Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Wir ersuchen Sie bis Ende l. M. Bescheinigungen über die im laufenden Jahre abgebrannten oder niedergelegten und an derselben Stelle bis dahin nicht wieder aufgebauten Gebäude, und zwar für jede Hofraithe auf einen besonderen halben Bogen, aufzustellen und hierher vorzulegen.
Die Ortsexemplare der Brandkataster wollen Sie, zur Wahrung dieser Veränderungen und der Besitzwechsel, falls solche nicht mit Declarationen noch an uns gelangen, gleichfalls in dem genannten Termine etnsenden.
Gießen, den 9. December 1880. Großherzogltches Steuer-Commiffariat Gießen.
I. B. G- St. C.:
Schäcker, Distrtcts-Etnnehmer.
Deutschland.
Darmstadt, 9. December. Der „Frkftr. Ztg." wird geschrieben: .Das von den benachbarte preußischen Bahnen gegen die hessische Ludwigs- bahn-Gesellschaft beliebte Verfahre hat im Lande unliebsames Aufsehen erregt; in der zweiten Kammer Hal die allgemein gefühlte Mißstimmung beredten Ausdruck gefunden. Man ventilirte hierbei die Frage, wie es gekommen, daß die Rente der Main-W!serbahn von Jahr zu Jahr sank, bis die Bahn als reife Frucht in den preußischen Schooß fiel. Es gewinnt fast den Anschein, als ob man ein ähnliches Vorgehen gegen die hessische Ludwtqsbabn-Gesellschaft beabsichtige, um günstigere Conjuncturen zu dem Ankauf ihrer Linien zu gewinnen. Denn daß der Ve'kauf dieses Bahnnetzes über kurz oder lang eine Nothwen- digkeit ist und daß Preußen oder das Reich — in Wirklichkeit in diesem Falle ja ziemlich identisch ,—■_ den käuflichen Erwerb dieser auch strategisch sehr wichtigen Linien ernstlich in Betracht zieht, darüber gibt man sich in weiter blickenden Kreisen keiner Täuschung mehr hin.
Mainz, 8. Decbr. Nach dem eben veröffentlichten Protokoll hat sich die hiesige Handelskammer in ihrer letzten Sitzung eingehend mit der preußischen Eisenbahn-Politik beschäftigt. Die Kammer verurtbetlte auf das Schärfste die ausgesprochene Absicht der preußischen StaatSbahn-Verwaltungen, sämmt- liche Verkehre, an welchen preußische Staatsbahnen betheiligt sind, durch die für die letzteren günstigen Linien zu bedienen. Die Leitung der Frachtsendungen über naturwidrige Umwegsrouten und die vollzogene Kündigung der bestehenden binden Tarife mit der hessischen Ludwigsbahn und über dieselbe hinaus bezeichnet die Handelskammer als mit den Vorschiilten des Betrtcbs- Reglcments und der Reichsverfaffung unveretnbarlich, und faßte in Folge besten den Beschluß, die hessische Staatsregierung zum Schutze der bedrohten Jn- teresten der einschlägigen Frachtempfänger, die für ihre Güter den naturgemäßen bitecien Weg verlangen müssen, anzurufen unb gleichzeitig bei bem Reichskanzler gegen bi? gegen Geist und Inhalt der Reichsverfaffung verstoßenden Verkehrsmoßregeln der preußffcken Staatsbahn-Verwaltungen den nachdrücklichsten Protest zu erheben. Der Reichskanzler soll gebeten werden, in Gemäßheit der desfallstaen Vorschriften der Reichsverfastung Remedur eintreten zu lasten.
Berlin, 8. Decbr. Gegenwärtig ist wieder in Erinnerung gebracht worden, daß Militärpflichtige, welche sich freiwillig zu einer vierjährigen Dienstzeit bei der Kavallerie verstehen, während der Friedenszeit von Reserve-Uebun- gen befreit sind und nur drei Jahre in der Landwehr zu dienen brauchen, so daß ihre Lan.dwehrpflicht um zwei Jahre verkürzt ist.
Mannheim, 7. December. Auf den gegründeten Verdacht hin, daß mehrere Arbeiter der Fabrik von Bopp und Reuther hier sich an strafbaren soctaldemokratischen Umtrieben bethetligen, fanden gestern Vormittag Haussuchungen in den Wohnungen der betreffenden Arbeiter und gleichzeitig Durchsuchungen der meisten Arbeiter in der Fabrik selbst statt. Die Recherchen waren sehr eingehende, doch ist uns über das Resultat selbst bis jetzt nichts bekannt geworden. Hauptsächlich ist diese Maßregel dadurch veranlaßt worden, daß der hiesigen Polizei bekannt geworden ist, mehrere Arbeiter hätten neulich einer socialistischen Versammlung in Eberstadt angewohnt, welche verbotene Agitationen zum Zweck gehabt. (N. B. L.-Ztg.).
Aus Elsaß-Lothringen, 8. December. Man scheint den Versuch gemacht zu haben, die Agitation gegen die Juden auch in die militärischen Kreise des Reichslandes zu tragen. In Folge dcffen hat der Feldmarschall v. Manteuffel dieser Tage einen Befehl an die Officiere und Beamten deS 15. Armee-Corps erlassen, sich von der Agitation der Antisemiten-Liga fern zu halten und in gleichem Sinne auch bet ihren Untergebenen zu wirken.
Irankrerch.
Paris, 6. December. Mit dem heutigen Tage sind die seit mehr als 13 Jahren unterbrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Mexiko wieder hergestellt. Um 2 Uhr empfing der Präsident Grevy den Gesandten der mexikanischen Republik, Herrn Velasco. welcher ihm feine Beglaubigungs-Schreiben mit folgender Ansprache überreichte:
„Herr Präsident I Indem die mexikanische Regierung diplomatische Beziehungen mit Frankreich wieder anknüpft, gehorcht sie nur den Gefühlen und Wünschen des mexikanischen Volkes, welches für Frankreich warme Sympathie hegt. Wenn man die Geschichte der Civilisation in Mexiko studtrt, erkennt
man auch überall, in den Sitten, wie in den Gesetzen des Landes, den Einfluß des liberalen und fortschrittlichen Frankreichs. Meine Regierung und daS Volk von Mexiko waren, als sie mir den Auftrag ertheilten, sie bei Euer Excellenz zu repräsentiren, vor Allem von bem Wunsche geleitet, den Handelsund gewerblichen Verkehr zwischen den beiden Ländern gefördert zu sehen, welche mehr als irgend etwas Anderes dazu beitragen werden, die Bande alter Freundschaft, welche die beiden Völker schon umschlingen, noch enger zu ziehen. Für diese mir anvertraute Aufgabe, an der ich ohne Unterlaß arbeiten will, vertraue ich, Herr Präsident, auf Ihren und Ihrer Regierung gütigen Beistand."
Der Präsident der Republik dankte dem mexikanischen Gesandten für diese freundlicken Gesinnungen und versicherte ihm, daß dieselben von Seiten Frankreichs auf das Herzlichste erwidert würden.
^ParkS, 7. December. Rochefort's Gesuch betreffs Errichtung eines Denkmals zu Ehren der Commune wurde heute im Gemeinderath vorgelegt; derselbe aber ging mit 33 gegen 29 Stimmen zur einfachen Tagesord- nung über.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Covrespondenz-Bureair.
London, 9. December. Im City-Artikel der „Times" wird mitge- theilt: Hier eingegangene Telegramme melden einige große Fallissements von Kaffee-Spekulanten in Amerika; die zwei größten sanden in New-Aork statt, es in Boston, wodurch Panik am Kaffeemarkt verursacht wurde. Das Ge- schäft in Mincinglane scheint nicht beeinflußt.
— Ein Gerichtsexecutor wurde während der Vornahme einer Pfändung bei einem Pächter unweit Cookstown (Grafschaft Tyrone in Irland) erschossen. Der Mörder hat sich geflüchtet.
Nom, 9. Decbr. Wie verlautet, werden der Handelsvertrag mit der Schweiz, die Handels- und Schifffahrts-Verträge mit Belgien und England, sowie der Schifffahrts-Vertrag demnächst auf ein Jahr verlängert. Bezüglich Deutschlands dürfte sich Italien, da die Verlängerung des italienisch-deutschen Handels-Verirages nicht zu Stande gekommen, mit Festsetzung der Reciprocttät auf Grundlage des Verhältnisses der meistbegünstigten Nationen begnügen. — Nach Mittheilungen, die dem Minister des Auswärtigen zugegangen, sind die Hauptschuldigen, welche sich an italienischen Fischern in Myttlene vergriffen, Tücken, und bereits verhaftet.
Petersburg, 9. December. Bei dem gestrigen Georgsfest fand um 12j/2 Uhr im Winterpalais ein feierlicher Gottesdienst statt, welchem sämmt- liche anwesende Ritter des Georgs-Ordens unb Inhaber des goldenen Ehrensäbels beiwohnten. Nach dem Gottesdienst schritt der Kaiser in Begleitung des Großherzogs von Oldenburg die Front der Truppen ab und begrüßte dieselben. Abends war Gala-Tafel, an welcher der Kaiser, die Mitglieder der kaiserlichen Familie, der Großherzog von Oldenburg und die Ritter des Georgs- OrdenS theilnahmen. Während der Tafel traf ein Gratulations-Telegramm des Kaisers Wilhelm ein, nach dessen Verlesung Kaiser Alexander einen Toast auf das Wohl des Kaisers Wilhelm, des äliesten Ritters des Georgs-Ordens, ausbrachte.
Berlin, 9. Decbr. Abgeordnetenhaus. Berathung des Cultusetat. Die Einnahmen werden ohne Debatte genehmigt. Bei Cap. 109 der dauernden Ausgaben erklärt Windthorst, er und seine Freunde würden den Cultusetat wiederum benutzen, ihre Klagen vorzubringen. Die noch bestehenden Maigesetze würden in allen wesentlichen Punkten streng angewendet, obwohl der Minister möglichst versucht habe, Erleichterungen zu verschaffen. Das Centrum habe dem .gegenüber kein anderes Mittel als fortdauernd die Hauptbeschwerden vorzutragen, bis sie schließlich zu einer Stelle gelangen, von wo Abhülfe geschehen kann. Der Versuch einer Erleichterung der. Lage der Katholiken war verfehlt; dazu hätte das Centrum seine Hand nicht bieten können- Redner fuhrt einzelne Beschwerden des Centrums aus. Die Regieiung habe Ursache im Laufe der Session aus Abstellung von zu weit. gehenden Bestimmungen der Gesetze zu sinnen und eine organische Gesetzgebung vorzubereiten. Das Centrum wurde solche Anträge stellen und kündige einen Gesetzentwurf an, der das Spenden der Sacramente und Lesen der Messe für straffrei erkläre. Redner fragt an, ob die Regierung beabsichtige, die Unterhandlungen mit Rom wieder aufzunehmen, ob Schritte in dieser Richtung geschehen und wann sie die Wiederaufnahme vorzunehmen gedenke. Wenn gesagt worden, daß der passive Widerstand gegen die Gesetze unzulässig sei, so würde man zum denkbar ärgsten Byzantinismus gelangen. Es sei unwahr, daß das Centrum zur Verletzung der Gesetze 'aufforderte.


