Hamburg, 9. Novbr. Die Strafkammer des Landgerichts sprach den Kapitän Keyn von der „Franconia" von der Anklage aus fahrlässige Tödtung frei.
Brüssel, 9. Novbr. Die Thronrede des Königs bei der heutigen Eröffnung der Kammern gedenkt der Festlichkeiten bet der Jubelfeier und dankt dem Lande für die patriotischen Kundgebungen. Die Verbindung der Prinzessin Stephanie mit dem Kronprinzen Rudolf erfülle allseitig gehegte Wünsche. Belgien empfange fortgesetzt von allen Mächten Beweise der Freundschaft und Sympathie. Ursachen, welche den Kammern bekannt seien, hätten zu dem Bruche mit dem Vatikan geführt. Mit den neuen Staaten im Orient seien diplomatische Beziehungen angeknüpft worden. Der Ernte-Ertrag habe denjenigen deS Vorjahres überstiegen. Die gebefferte Lage des Staatsschatzes berechtige zu der Hoffnung aus Herstellung des Gleichgewichts im Budget von 1880. Die vermehrten Einnahmen würden eine lebhafte Förderung des öffent- lichen Unterrichts gestatten. Die Thronrede kündigt schließlich die Errichtung mehrerer neuer Consularposten und ein Gesetz über die Flußfischerei und ein Landwirthschaftsgesetz an.
Pari-, 9. Novbr. Die erwartete ministerielle Erklärung besagt: Der Wechsel im Ministerium hat die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten nicht modificirt. Wir sind der durch die Verhandlungen der Kammer angezetgtcn Politik treu geblieben. Wir haben nicht geglaubt, es sei möglich, das Inkrafttreten der Gesetze zu suspendiren wegen des Wtoerstandes, welchem die Ausführung begegnete. Die französischen Gesetze, welche das Congregationswesen regeln, sind keine Gesetze des Zufalls oder der Gewalt, sondern Gesetze der Klugheit, der Nothwendtgkeit und der Ueberlieferung; sie find Garantien für die bürgerliche Gesellschaft und die Rechte des Staates, welche die Regierung nicht ermatten lassen kann; fie sind Grundgesetze und berühren weder das Dogma noch das Gcwiffen; sie zu verleugnen, hieße den Staat verleugnen. Ein solches ist aber das Schauspiel, welches wir erleben, in Scene gesetzt von mehr politischen als religiösen Leidenschaften, die Rebellion gegen das Gesetz I Es war dringend nöthig, einer Situation ein Ende zu machen, die den öffentlichen Frieden bedrohte. 261 Niederlassungen nicht autorrstrter Kongregationen sind aufgelöst worden. Die Auflösung erstreckte sich auf alle Manner Kon- gregationen, denen der gesetzliche Titel fehlte. W.r haben nicht dikj Absicht, die Deerete auf die weiblichen Kongregationen auszudehnen.
— Auf die Nachricht von der Austreibung der Maristen in Tourcoing sammelten sich vor dem Ordenshause an 5000 Menschen an, -denen sich die Mitglieder der katholischen Vereine zugesellten. Es kam zu ernsthaften Zusammenstößen, da sich zahlreiche Anhänger der Decrete unter der Menge befanden. Der Central-Kommissar und der Präfecturrath suchten vergeblich, die Menge zu beschwichtigen. Die Klosterfenster wurden durch Stcinwürfe zertrümmert. Es wurden an 60 Menschen, mehrere davon schwer, verwundet. Die Gensdarmerie schritt endlich zum Angriff und zerstreute die Menge.
Wien, 9. November, Abends. Heute Morgen gegen 7 Uhr 45 Min. wurde Hierselbst ein heftiges Erdbeben mit wiederholten Stößen aufwärts und abwärts, begleitet von schwingenden Bewegungen wahrgenommen. Zahlreiche Telegramme an die meteorologische Anstalt constatiren, daß das Erdbeben auch in Serajewo, Dervent, Borod, Pola, Triest, Zilli, Klagenfurt, Fünfkirchen, Oedenburg, Marburg, Laibach und Groß-Kanicsza verspürt worden ist. In Agram ereignete sich überdies ein zweiter und eine Stunde später ein dritter Erdstoß. Fast jedes Haus daselbst ist beschädigt; auch sind Zusammenstürze von Gebäuden dort vorgekommen. Der Schaden ist ungeheuer. Bisher wurden 30 schwere und leichte Verletzungen constatirt. Die Behörden treffen geeignete Maßnahmen. Der Magistrat nimmt Delegirungen vor. Unter der Bevölkerung von Agram herrscht allgemeine Panik.
Lokales.
Gießen, 10. November. In der auf Samstag, den 13. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, im RegierungSgcbäude anberaumten Sitzung des Kreis-Ausschusses kommen nach Erledigung einer Anzahl von Fällen in geheimer Verhandlung folgende Gegenstände zur öffentlichen Verhandlung :
1. Reclamatton gegen die Gemeinderathswahl zu Großen-Buscck,
2. „ „ „ > „ „ Muschenheim,
3. „ „ „ ,, „ Harbach,
4. Reclamation, die Zusammenlegung der Grundstücke in der Gemarkung Grüningen betreffend.
Gießen, 10. November. In der unter dem Vorsitz des Ausschußpräsidenten, Herrn Oberst Rütt, und in Anwesenheit deS Großh. RegterungscommiffarS, Herrn Generalsecrctär Dr. Weidenhammcr am 4. dss. Hierselbst stattgehabten Generalversammlung der Viehversichc- rungs-Anstalt für das Großherzogthum Heffen beachtete zunächst die Direction über die Erfolge der Anstalt, die Rechnungsergebnlffe im verfloffenen und die muthmaßlichen Resultate im laufenden Derwaltungsjahre, sodann wurde der Versammlung die bereits abgeschloffene und von einem Beamten Großh. Oberrechnungskammer geprüfte Rechnung für das Jahr 1879/80 vorgelegt und die von dem Ausschuß bezüglich dieser Rechnung erthctlte Decharge genehmigt. Weiter gab die Direction Kenntniß von einem an Großh. Rcgterungscommtffär der Anstalt erstatteten - ■■ ■iirr.ii । ■ i.
Berichte und constatirte die Versammlung, unter § 12 oer Statuten der National -'Vieh - D-r - sicherungs-Gesellschaft zu Cassel, daß die hessische Anstalt „Zuschlagsprämien" bis jetzt nicht erhoben habe. Hierauf schritt man zur Neuwahl der Äasschußmitglieoer für die Provinz Ober - heffen, aus welcher folgende Herren hervorgingen: Philipp Best II. zu Bruchenbrücken Pachter Güngcrtch zum Albacherhof, Otto Hill zu Fauerbach b. F, Heinrich Bender zu Griedel L. Bingel zu Mittelst-Mühle, Caspar Jung IV., Holzhändler zu Großen Linden, Co...ao Hofmann zu Wölfersheim, Georg Noll zu Gießen, Philipp Größer daselbst, Pachter Kammer zu Hungen, Wilhelm Koch zu Affenheim, Fr. Hermburg zu Bönstadt, Georg Steinmetz zu Nieder- Eschbach und H. Hill zu Groß-Karben-
Auf eine von Großh. Oberlanvesgericht ausgegangene Entscheidung, daß der Ausschuß keine Berechtigung habe, besonders gefährliche Risiken mit einem höheren, als dem gewöhnlichen Tarife zu belasten, da ein solches Anfahren mit dem Prinzip der Gegenseitigkeit, auf welchem die Anstalt beruhe, im Widerspruch stehe, beschloß Die Versammlung, von einer solchen Aus- nahme-Tarifirung vorerst adzusehen, jedoch den Statuten einen Paragraphen huizuzufügen, der dem Ausschuß ein solches Vorgehen gestalte. Das durch eine Commission, bestehend aus den Herren Rentner Dyckerhoff, Rechtsanwalt Dr. Osann, Krnßveterlnärarzt Rothermel, Dr. Schäfer und Stabsveterinärarzt Zimmer abgcfaßte Gutachten über den Einfluß, welchen das am 1. April k. I m Wirksamkeit tretende Gesetz, betreff»nb Die Abwehr und die Unterdrückung der Viehseuchen, auf die Anstalt bezw. deren Statuten auszuüben geeignet ist, kam hierauf zur Verlesung, und glaubt die Versammlung, diese Arbeit nach Erlaß des Einfü »rungsgesctzes einer außerordentlichen Ausschußsitzung und alsdann einer nach Darmstadt zu berufenden außerorde.it- lichen Generalversammlung zur weiteren Behandlung und Beschlußfaffung anheimgeben zu sollen.
— ^Sterblichkeit in Gießen. In dcr Woche vom 31. October bis 6. November war das SlerbUchkeitßverhältniß in Gießen wieder ein sehr geringes. Es starben nur 2 Personen, ein sicbcnjährigcs Kind an Diphtheritiö und ein Mann von auswärts an einer organischen Htrzkrankheit. q.
— Herr G. Stahl aus Altona, der vor längeren Jahren bereits hier Unterricht im Beseitigen flanzösischcr künstlicher Blumen crtheiUe, halt sich gegenwärtig zu dem gleichen Zwecke einige Wochen hier aus. Die Kunstfertigkeit des Herrn St. wird allerwärts rühmlichst anerkannt. Wie er sich auf Verfertigung geschmackvoller Ball- und Vasenbouquets, verzierter Vampen scbirme und Lichtmanschctten trefflich versteht, so ist er nach den Z ugnisstn sachverständiger Manner auch Meister der noch schwereren Kunst, feine Geschicklichkeit lehrend auf Andere zu übirtragen. Wir verfehlen daher nicht, unsere Leserinnen auf die Gelegenheit aufmerksam zu machen, gegen ein mäßiges Honorar sich eine so wünschcnswerthe Fertigkeit aneignen zu können.
— Einem Bauersmann wurde gestern Abend von seinem Wagen, welcher in der Hof- raithe deS WirthS Luft stand, em Sack mit verschiedenem Inhalt, als Kaffee, Nudeln rc. re. gestohlen.
— Gestern Morgen sollte am Schöffengerichte ein Stromer wegen Bettelns verurthrilt werden. Auf die Frage des Richters: „Haben Sie gebettelt" antwortete er? „Ich wollte mir nur einmal das Arresthaus von innen betrachten". Er erhielt wegen dieser Antwort statt 4 Tage 10 Tage Haft, mithin Zeit, sich dasselbe genau ansehen zu können.
— Gestern Nachmittag brach in der Scheuer des Conrad Döring zu Oppenrod auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feu-r aus, das diese, sowie drei Holzschuppen in Asche legte. Weiterer Schaden wurde durch rasches Einschreiten der O'tseinwohner verhütct
Verwischtes.
— Nack einer Notiz im „Schulboten für Heffen" ist neuerdings die Verordnung vom 17. October 1836, wonach die Lehrer bekannt zu geben haben, daß überhaupt keinen schulpflichtigen Kindern, und am wenigsten ohne Begleitung ihrer Eltern, der Besuch öffentlicher Tanzbelustigungen gestattet werde, wiederholt in Erinnerung und Anwendung gebracht worden.
— Aus Leipzig kommt die Mittheilung, daß daselbst ein höchst wichtiger literarischer Fund gemacht worden, der in nichts Gertngerem besteht, als einem ersten Entwürfe zu einem Schauspiele von Göthe. Von der Existenz dieses Entwurfes hatte man bisher nicht Die geringste Ahnung; ein Zweifel an der Lecklheit deS Schriftstückes, welches sich bisher tm Privatbesitz befand, ist völlig ausgeschloffen. Kenner, wie der berühmte Germanist Profeffor Zarncke, haben daffelbe geprüft und für ächt befunden. In den Leipziger Gelehrrenkrcisen berrscht selbstverständlich große Freude, welche überall ihren Widerhall finden wird. Das Verdienst, Den so lange verborgenen Schatz gehoben zu haben, gebührt dem Profeffor Arndt, früheren -Ritarbeiter der „Mon. Germ. Hist." und jetzigen Lehrer für Verfaffungsgeschichte, Paläographie rc. an der Leipziger Universität.
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Literarisches.
Lauer, Weltgeschichte, 7. Auflage. 30 Bogen. Preis JL 2, —. Vcrlag von Emil Roth, Gießen.
Mit Bezug auf das günstige Referat, Repert. 1877, pag. 348 wird die neue Auflage des Buckes angezeigt. Die Auswahl des Wiffenswürdlgsten für Die Jugend in 274 Abschnitten ist sehr gut, die Darstellung anziehend, fließend, anschaulich, umsicktlich und lehrreich. Die bezeichnete Aussprache von Namen kann nur willkommen fein. Auch jüngeren Lehrern taugt das Buch in vortrefflicher Weise zur festeren Einübung deL btstorischen Materials, sowie Fortbtl- dungssckülern im Alter von 14—17 Jahren oder zur selbstständigen Lectüre für Jünglinge und Jungfrauen. Es ist eine gelungene, überall verwendenswerthe Schrift.
L u z, Oberlehrer in Biberach.
SefeJfifafoerÄG'lh». Mitgethellt von Dem Agenten des norodeurschen Llord, C. W. DLrtz in Gießen.
Bremen, 8. November. fPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Weser, Capt. C. Wiegand, vom Norddeut'chen Llovd in Bremen, welcher am 27. Octbr. von Bremen abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 8. Novbr. fPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. October von Bremen und am 23. October von Havre abgegangen war, ist heute früh wohlbehalten in Havanna an gekommen.
Bremen, 9. November. Der Postdampfer Main, Capt I. Barre, vom Norodeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 30. October von Newyork abgrgangen war, ist heute 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Paffagiere, Post und Ladung heute 1 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 93 Paffagiere und volle Ladung.
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