Ausgabe 
11.9.1880
 
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1880*

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Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr^

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

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Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat August 1880 veröffentlicht:

Hafer «X 14,20 Heu <X 6,20 Stroh «X 5 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 8. September 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. ____________

Gießen, am 9. September 1880'

Betreffend: Zetchenkursus für Volksschullehrer.

Die Großherzoaliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstqnde des Kreises.

Vom 27. September an soll ein lOtägiger Zeichenkursus unter Leitung des Herrn Professors Kumpa in Darmstadt abgehalten werden. Lehrer, die nicht auf eigene Kosten oder durch Unterstützungen aus Gemeinden, Sparkassen oder anderen öffentlichen Anstalten anwohnen können, erhalten Ersatz ihrer Reisekosten und 4 <X Diäten pro Tag aus Staatsmitteln.

Sie wollen die Lehrer Ihrer Gemeinden hiervon in Kenntniß setzen und dahin bedeuten, daß vorzugsweise solche Lehrer berücksichtigt werden, die noch keinem Cursus angewohnt haben.

Anmeldungen sind unfehlbar innerhalb 8 Tagen an uns einzusenden.

Dr. Boekmann. '

Landes Baugewerkschule Darmstadt

Bedingungen zur Aufnahme sind:

Die Landes-Bauaewerkschule zu Darmstadt beginnt einen

neuen Jahres-Kursus am 15. November l- I , welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1881 andauert

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischer Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlen- bauerr, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwer­ben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Par- llerern, Bauaufsehern rc. dienen.

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren ertherlt: Architekt Professor Hermann Müller, Architekt Kuhlmann, Ingenieur Reuter, Techniker L. W. Möser, Che­miker Kraus, Handelslebrer Peters und Bildhauer Fölix.

Die Schule umfaßt vorerst 2 Klassen mit folgenden Untenichts- Gegenständen: Frethand- und geometrisches Zeichnen, Darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschl. Stabilitäts- und Festigkeits-Berechnungen), Elemente d?r Maschinen- Constructiomn, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschl. Tri­gonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insb. Materialienkunde und Anfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Grundzüge der Gewerbe-Chemie, Modelliren in Thon, Holz rc.

Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstratze Nr- 3, unfern von den Bureaulocalitüten der Bibliothek und derj technischen Mustersammlung des Großh. Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können.

1) Für die untere Abtheilung, die I. Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine, mindestens einjährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet.

1 Dagegen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklafle einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt zu­gänglich werde.

2) Für die obere Abtheilung, die II. Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemessenen Fertig, kett im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung ein­facher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden.

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit = 30 «X. und ist beim Beginn des Cursus voraus zu bezahlen.

Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst ftühzeitig und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Bureau derselben Neckarstraße 3 im III. Stock bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der Vorhände- iien Unterrichts-Localitäten erfolgen kann.

Darmstadt, am 28. August 1880.

Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.

Fink. Busch.

Der leichtsinnige Kredit.

Wenn auch in der Aera wirthschastlicher Bedrängnisse die vor etwa einem Jahrzehnt in Deutschland angeregte Agitation für die Einführung der Baar­zahlung in den Hintergrund getreten ist, so ist man in der deutschen Geschäfts- weit, wenigstens in jenen soliden Kreisen, welche die Parole haben:Ehrlich währt am längsten", noch heute ein Feind des leichten und langen Credites, welchen der Grossist dem Detailisten und dieser dem Consumenten gewohnheits­mäßig gewährt. Dieser Credit ist der eigentliche Krebsschaden des deutschen Geschäfts, denn er steigert den Consum in ungesunder und künstlicher Weise weit über die finanzielle Leistungsfähigkeit unseres Volkes hinaus; er erzeugt dadurch luxuriöse Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten, die sich wirthschaftlich nur ein im Besitze großer Reichthümer befindliches Volk gestatten dürste; er schraubt das durchschnittliche Bedürfntß-Niveau auf eine künstliche, auf die Dauer unhaltbare Höhe, ruft eine ungerechtfertigte Vertheuerung der Lebens- bedürfnisse hervor, schafft einen falschen Maßstab, woran Jeder sein physisches und häusliches Behagen, sowie die Zufriedenheit seines Herzens und den Grad des Glückes bemißt, das er erstrebt oder gefunden, sowie des Unglückes, das er erleidet und bekämpft.

In der Aussicht auf den langen und leichten Waarencredit wachsen nament­lich die Detailgeschäfte wie Pilze aus der Erde. Um sich zu erhalten, gewäh­ren fie zu viel Credit und verleiten das Publikum zu Einkäufen, die seiner wirklichen Kapitalkrast nicht entsprechen. Die nachtheiligen Folgen sind natur- gemäß wirthschaftlich nachtheilig; fie äußern sich in drückenden Schulden, welche den Consumenten derangiren, in den schlechten Buchwerthen, mit welchen brr Detailist sich überbürdet und ruinirt, und in der Vertheuerung der Mte-

then, welche die künstlich erzeugte Nachfrage nach Geschäftslokalen verursacht, die in Wirklichkeit vielfach überflüssig sind. Die socialen Nachtheile beruhen darin, daß eine viel zu große Menge von Leuten, wie die Statistik di«S nach- weist, sich der unproductiven distributiven Thätigkett ergtebt, so daß der Pro­duction fleißige Hände entzogen werden, und hauptsächlich in de» Endresultat, daß die neuen Geschäfte häufig nicht auf dem realen Bedürfnisse beruhen, daher, betrieben ohne sittlichen Ernst und geschäftliche Energie, ohne Lebens­und Entwickelungssähigkeit sind. Der Schein tritt an die Stelle der Wirk­lichkeit, das sociale Leben ist zum Thetl statt auf ein solides Fundament in die Lust gebaut, und täglich brechen haltlose Existenzen zusammen. Man un­terschätzt den sittlichen Nachtheil, der in der Vergeudung zahlloser socialer Kräfte und Werthe beruht, denn eine mörderische Concurrenz treibt nicht allein die Waaren, sondern auch thättge Menschen in falsche Bahnen. Der geschäftliche Schwindel macht sich schließlich breit, und die Moral leidet durch die unreelle Ueberlistung und einen nahezu organistrten Betrug. Das Nach­spiel findet tn dem Gertchtsztmmer, vor dem ConcurS- oder gar vor dem Strafrichter statt. Der kaufmännische Beruf ist ruhelos geworden und die in dem Concurrenzkrtege gehetzten und gequälten Kaufleute werden des Lebens nicht froh.

Alle diese moralischen Nachtheile verschuldet in erster Linie da- leicht- fertige Creditsystem. Auf ihm fußt die rationalistische Irrlehre mit dem Motto:Je mehr Bedürfnisse, desto mehr Cultur!" Wäre die Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse aus Credit, wenn nicht unmöglich, so doch erschwerter als jetzt, so würde die bloße Begierde an der Armuth des Volkes scheitern, und gerade in einer Zeit der Noth wäre es höchst wünschenswerth, daß die