Ausgabe 
11.5.1880
 
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Theaterstücke thut eine Person des Stücks, welche einer andern Person dessel­ben. die den Doctortitel führt. Eins anhängen will, die Aeußerung, daß der Doctor" seinenDoctorgrad" einfach in Amerika gekauft habe. In einem kürzlich erschienenen Roman eines beliebten deutschen Schriftstellers begibt sich der Schurke der Erzählung, nachdem er der Just z in Deutschland entflohen ist, nach Amerika, und nach den letzten Nachrichten von dort hatte er eine recht einträgliche ärztliche Praxis auf Grund eines von ihm erkauften falschen Doctordiploms." Herr White führt verschiedene direct zu seiner Kenntniß gelangte Fälle von derartigen in Deutschland selbst spukenden amerikanischen Doctordiplomen an und hebt besonders hervor, daß die Aechtheit eines dieser falschen Diplome die Bescheinigung eines Philadelphiaer Notars Namens Greger, früheren Vorstandes eines Lehrerinnen-Semtnars, trägt, welcher bezeugt, daßThe Ämer.can Universtty of Philadelphia" eine geachtete mebicimsche Schule sei. Der Vorsteher des Erziehungs-Bureau in Washington, Herr Eaton, hat soeben ein Schreiben an den Philadelphiaer Bürgermeister Sto- keley gerichtet, worin er diesen ebenfalls aufmerksam macht, daß Philadelphiaer Schwindel-Doctor-Fabriken noch immer ihr Unwesen treiben, und worin er «ine Untersuchung gegen folgendeAnstalten" verlangt:The American Uni- versity of Philadelphia and Ecletic Medical College of Pennsylvania, Nr. 514, Pinestr., John Buchanan, Medicinä Doctor, Präsident der Anstalt." Ferner: The Philadelphia University of Medicine and Surgery, Nr. 203 N. 10 Str., T. B. Miller, Medicinä Doctor, Decan." Ferner: The Pennsylvania Medi­cal University or College, Brownstr., öftl. von 12 Str." Die amerikanischen uns vorliegenden Zeitungen versagen den Anstrengungen der Behörden zur Unterdrückung des Schwindels ihre Anerkennung nicht. Aber sie bezweifeln sehr, ob es gelingen wird, das Unwesen vollständig auszurotten. Und sie weisen ferner nicht mit Unrecht darauf hin, daß zur Ausübung des Betruges immer Zwei nöthig sind, vor Allem aber Derjenige, welcher darauf aus ist, sich ein solches Schwindeldiplom zu kaufen.

Berlin, 7. Mai. Die Stempelsteuer-Commission des Reichstags be­schloß die Besteuerung der inländischen und ausländischen Actien mit 5 pro Mille, lehnte dagegen mit 11 gegen 9 Stimmen die Besteuerung der Lombard- Darlehen und mit 15 gegen 5 Stimmen die Besteuerung der Cheks und Giro-Anweisungen ab. Die Commission vertagte sich darauf bis Mittwoch.

Im 4. hiesigen Landtagswahlbezirk wurde heute Dr. Hermes (Fort­schrittspartei) an Stelle des verstorbenen Dr. Zimmermann fast einstimmig zum M'tgl'ede des preußischen Abgeordnetenhauses gewählt.

Berlin, 8. Mai. Der Chef-Redacieur desMilitär-Wochenblatts", General L eutenant v. Witzleben, ist gestern gestorben.

Dresden, 8. Mai. DasDresd. Journal" bringt einen ausführ­lichen Artikel, welcher die in der Reichstagsfitzung vom 16. April gethane Behauptung des Deputirten Liebknecht, ein sächsischer Staatsanwalt, welcher streng gegen die Socialdemokraten vorgegangen, habe dagegen einen Mann in Freiheit gefitzt, welcher sich schwerer Unzucht schuldig gemacht, in allen Theilen für unrichtig erklärt. Ebenso unrichtig sei die Behauptung des Reichstags- Mitgliedes Sonnemann, eine in Chemnitz am 13. April stattgehabte Versamm- lung sei durch einen Polizei. Cornmissär aufgelöst worden.

Oesterreich.

Wien, 8. Mai. DiePoltt. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Die Pforte beabsichtigt in der Montenegro-Angelegenheit eine internationale Enquete an Ort und Stelle zu beantragen. Die Pforte würde nach dem Ergebniß der Enquete bereit sein, im Einvernehmen mit den Mäch­ten weitere Maßregeln zu beschließen.

Frankreich.

Paris, 8. Mai. Die Vorsteher der nicht autorisirten Congregationen scheinen entschlossen, keinerlei Autorisationen nachzusuchen und im Falle sie durch militärische Gewalt ausgewiesen sein sollten, Verletzung des Domicils und Privateigenthums geltend zu machen. Die Regierung hat diese Eventua­lität vorgesehen. Es wird versichert, daß die Präfekten nach Paris berufen werden sollen, um mündliche Instructionen bezüglich der Ausführung der Decrete vom 29. März entgegenzunehmen.

England.

London, 7. Mai. Die amtliche Bestätigung der Meldung, daß das Canalgetchwader auf seiner Kreuzungsfahrt nach den Azoren keiner Spur von dem SchulschiffeAtalanta" begegnet, hat in Portsmouth die größte Bestür­zung verursacht. Man gibt das Schiff verloren unb viele Angehörige der 320 Personen, die sich an Bord deffelben befanden, haben schon Trauer ange­legt. Die Admiralität will indeß dieAtalanta" nicht von der Marineliste streichen, noch auch schon jetzt Maßregeln zur Unterstützung der Hinterbliebenen Wittwen und Waisen treffen, bis Bestimmtes über das Schicksal des Schiffes Entdeckt worden.

Außland.

Petersburg, 8. Mai. Der Proceß des Dr. Weymar ist auf den 18. Mai verschoben worden. Die 11 Angeklagten sind: Adrian Michailow, Orest Weymar, Wladimir Saburow, Leonti Berdnikoff, Leib Löwenthal, Leonid Bulanow, Wasstly Troschtschansky, Maria Kolemin, Alexandra Malinowska, Olga Natanson und Olga Witaniew. Die Ankläger sind die Procureur- Gehülfen der Moskauer und Petersburger Bezirkskriegsgerichte, Oberstlieute­nant Keffel und Capitän Rielke. Der Präsident des Gerichts ist General­

Major Leicht, die beständigen Mitglieder deffelben die General-Majore W-litschkowsky und Wrubel. Außerdem sind 6 Obersten der hiesigen Garde- Regimenter zeitweilige Mitglieder des Gerichts.

Nottugal.

Madeira, 8. Mai. Der der Union-Company gehörige Postdampfer American" ist auf dem Wege nach dem Cip der guten Hoffnung am 23. April in der Nähe des Aequators untergegangen. Sämmtliche Pasiagiere uno Mannschaf-en haben sich glücklich in 8 Booten eingeschifft, wovon 3 von Schiffen ausgenommen, die übrigen 5 aber nach dem Cap Palmas gehend ge- sehen worden sind.

«rlrgraphischr Pepeschen.

Waguer's telegr. EorrefpmUrut -

Darmstadt, 9. Mai. Der Großherzog und die Prinzessinnen Vic­toria und Elisabeth sind zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin von Wales nach England abgereist.

London, 9. Mai. Sämmtliche Minister, die sich einer Neuwahl un­terzogen, mit Ausnahme Harcoun's, find wieder zu Unterhausmitgiledern ge­wählt. In Leeds erfolgte fast einstimmig die Wahl Herbert Gladstone's, des Sohnes des Premier-Ministers.

Lokales.

Gießen, 10. Mat. Seine König!. Hoheit ver Großheizog haben allergnävigst geruht, einer unterthäntgsten Bitte des Vorstandes des evangelischen Kirchengesangvcretns zu Darmstadt stattgebend, bem;dben nachstehende allerhöchste Resolution zu ertheilen:

Sie haben den Wunsch ausgesprochen, daß Ich das Protektorat über Ihren Verein, sowie über die mit demselben unter dem Namendes evangelischen Kirchen-Gesang^Vereins für Hessen" verbündeten Vereine übernehmen möge. Ich erfülle diesen Wunsch mit besonderem Ver­gnügen in gerechter Würdigung ter Verdienste, welche sich der Verein um die Hebung des Kirchengcsangs und dadurch um die Förderung des kirchlichen Lebens erworben hat und noch fortwährend erwirbt, und ebenso in dankbarer Anerkennung seiner Mitwirkung bei so mancher, durch Ereignisse in Meiner Familie veranlaßten kirchltchen Feier. Daß die Bestrebungen des Vorstandes, die Erreichung der Vercinszwecke im ganzen Lande zu ermöglichen und dereinst vielleicht die Gründung eines evangelischen Kirchen^Gesang-Vereins für ganz Deutschland herbei­zuführen, von Erfolg sein möchten, das ist Mcrn aufrichtiger Wunsch.

Darmstadt, den 26. April 1880.

Ludwig.

Gießen, 10. Mai. Gestern Vormittag fand die Eröffnung der Soumissionen zur Erbauung der Festhalle rc. zum V. deutschen Turnfest in Frankfurt a. M. statt. Es erhielten den Zuschlag für Erbauung der Festhalle Gebr. Helf mann für 26,000 JL, Per­sonentribüne Hanke für 16,000 JL, verschiedene Küchen Zimmermann Metzger für 11,880 JL, 8 Btcrhallen Gebr Helfmann 7000 J4, Eingangsportal Zimmermeister Söldner 1,350 jt, 4 Kassenhäuschen Zimmermann Metzger 1921 äußere Einfriedigung H. Bock 4790 Jt, innere Einfriedigung (Gerätheplatz) L. unv F. B ock 1179 JL, 50 Mastbäume 1000 JL, 2 Tanzböden Ztmmermeister Söldner 1400 JL, Musikpodium (derselbe) 489 Jt, 2 Dienst­gebäude (Post, Telegraphie, Aerzte u. s. w.) 4100 JL, Planirarbett 4271 J4. Ferner erhält Baron v. Rothschild für leihweise Ueberlassung des Platzes 9600 JL Die Vergebung der Turngeräthe erfolgt in den nächsten Tagen. Für die decorative Ausstattung des Festzuge« wurden 35,000 Jt. verwilligt, für Musik 15,000 j-L Es wurde ferner in der gestrigen Sitzung des Krcisausschusies u. A. beschlossen, daß eintägige Festkarten (Sonntag) unter Ver­zicht auf Quartier an Turner zu 2 ausgegeben werden sollen.

Gießen. 10. Mai. Am Mittwoch, den 12. Mai, wird Emil Palleske im Saal des Hotelszum Einhorn" Kletst's klassisches LustspielDer zerbrochene Krug", einige Scenen aus Shakesspcare'sSommernachtstraum" und Fritz Reuter'sche Dichtungen vortragen. Näheres in unserem Jnseratenthe»!.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 8. Mai. <Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner JL 23.00, Stroh 2.003.00. Butter das Pfd im Großen 1. Qual. JL 1.20-00, 2. Qual. 1.1000, im Detail das Pft. »♦t 1.4000, 2. Qual. JL 1.3000. Eier das Hundert ital. JL 5.50, deutsche Eier 4.50 Jt, Ganze Erbsen das Pfv. 2026 geschälte Erbsen 32-37 H, Bohnen 2729 Linsen 4050 H. Weißkraut das Stück 2025 H, Rothkraut, 1 St. 3035 Kohlrabi Ä Kohlkraut H, Blumenkohl 1 St. 40WuH, Wirsing 2o25^, Kartoffeln 100 Ko. JL 60.00, Zwiebeln 1 Bund 6 Merrettig 100 St. 14-16 JL, 1 Stück 1220 H. Ochsenstench per Pfund 60-70 Rindfleisch 45-60 H, Kuhfleisch 45-60 Kalbfleisch 45-55 Hammel­fleisch 44-65 H, Schweinefleisch 65-70 ein Hahn Jt 1.902.30, ein Huhn JL 1.90-2.50, eine Ente^/L 2.50-3.00, eine Taube 50-60 H, Wätscher Hahn JL 511, Kapaun 3-0.00.

Berichtigung.

In Nr. 105 desAnzeiger" bitten wir in demVermischten" zu lesen, Zeile 22 auf ber 2. (Säte rechts:Ein polyglottes Fest" anstattEin polygottes Fest".__________

Kirchliche Anzeigen der evangeiischen Gemeinde Gießen.

Das von der Laudessynode genehmigte neue Gesangbuch soll nach dem einstimmigen Beschluß des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung auch in unserer Gemeinde allmählich eingesührt werden. Die Confirmanden sollen sich nur das neue Gesangbuch anschaffen. In den Gottesdiensten werden vor­erst nur solche Lieder gesungen, die in dem alten und neuen Gesangbuch gemeinsam stehen. Um die Nummern der Lieder aus be den Büchern erkennt­lich zu machen, werden die Tafeln je zur Hälfte die UeberschrtftenAlt" und Neu" erhalten; die mitAlt" bezeichneten Tafeln geben die Nummern auS dem alten, die anderen die aus dem neuen Gesangbuch an. Am kommenden Pfingstfest wird hiermit der Anfang gemacht werden.

Weiter machen wir der Gemeinde bekannt, daß nach einem Beschluß des Kirchenvorstandes der Vormtttagsgottesdienft auch den Sommer hindurch nicht um 9, sondern um 9*/2 Uhr beginnen soll.

Gießen, den 10. Mai 1880.

Der evangelische Kirchenvorstand. Dr. Carl Naumann, Pfarrer.

Allgemeiner Anzeiger.

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