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der Mitwirkung der Bezirksregierungen nicht entbehren können, namentlich wenn es sich um die Bethetligung derLchrer handelt. Der Unterrichtsminister fordert daher in einem Erlaß vom 26. Mai die Regierungen unter Mitthet- lung eines ausführlichen Berichtes über den Stand der Angelegenheit aus, die hervortretenden Bestrebungen für die Einrichtung von Feriencolonieen thunltchst zu fördern.

Frankreich.

Paris, 6. Juni. Der 29. Juni rückt heran, und noch immer haben die nicht erlaubten Ordensgemeinschaften nicht die nöthigen Schritte gethan, um ihr Leben zu fristen. Die Jesuiten, welche keine Aussicht auf Erlaubniß haben, wollen zur größer» Ehre Loyolas, daß es den andern nicht bester ergehe als ihnen. Das soll tmponiren. In den Ministerien des Innern und des Cultus begannen bereits die Besuche der Präfecten, die nacheinander zu erschei­nen haben, um persönliche Weisungen für den 29. ds. entgegen zu nehmen. Die Präfecten von Oise, Marne und Loire, Orne, Nieder-Pyrenäen und Arriöge erhielten ganz besondere Weisungen, weil ihre Departements vorzugs­weise durchwühlt sind.

Die hiesigen communisttschen Organe und Boulevardsblätter sind mit langen Berichten über das Duell zwischen Rochefort und Köchlin, der früher Kavallerie-Ofsicter war, angesüllt. Die übrigen Blätter behandeln die Sache als eine einfache Duellgeschtchte. Bemerkt zu werden verdient nur, daß Köchlin, den Rochefort aus so höchst gemeine Weise behandelt hat, sich nach den Aussagen der Freunde des Letzteren sehr edelmüthig benahm, und als er sah, daß seinem Gegner der Degen entglitt, seinen Stoß zurückhielt, so daß derselbe nicht tödtlich verwundet wurde. Die communisttschen Blätter suchen Rochefort als einen Helden darzustellen und behaupten, daßganz Parts" voll Sympathie für ihn seil Dies ist jedoch so wenig der Fall, daß man selbst in den excentrischen Faubourgs über den Laternenmann die Achseln zuckt. Die Regierung steht der nächsten Zukunft mit großer Ruhe entgegen. Dabei darf man nicht übersehen, daß die klerikal-communisttschen Agitatoren bei den Pariser Arbeite!n wenig Anklang finden. Die Arbeiter wollen das, was sie wünschen, mit dem Stimmzettel durchsetzen und nicht mehr durch unnütze Straßen-Kundgebungen ihre Haut zu Markte tragen. Die Vorgänge vom 23. Mat sind in dieser Beziehung lehrreich: fast alle Arbeiter blieben der Kundgebung fern, und die Organisatoren dieser Kundgebung gaben Gegen­befehl, als sie sich überzeugt hatten, daß die Arbeiter nicht marschtren würden. Man verdenkt es Köchlin, daß er Rochefort heraussorderte, und er hätte viel bester gethan, zu erklären, daß dieser Mensch unzurechnungsfähig sei, Der beste Beweis, wie die Stimmung betreffs Rochesort's in Paris ist, ist- der, daß derRappel", besten Mitarbeiter Rochefort bis zu seinem Duell war, ihn nicht zu Vertheidigen wagte.

Belgien. V

Brüssel, 7. Juni. Auf Antrag Bischofs Dumont b^etzen zwei Gensd'armen wegen seiner angeblich bedrohten Sicherheit Schloß Villers- Perwin. Seine Papiere, mehr als tausend Briefe, sind sichern Ortö deponirt. In einem Schreiben Dumont's an dieTribüne" in Mons verurthetlt er in den heftigsten Worten das Treiben der politisch-katholischen Partei in Frank» reich wie in Belgien, wo ihre eigentliche Brutstätte sei. Er klagt Leo XIII. an, daß er sich mit Verkennung aller Rechte der Religion bediene, um die Welt seiner politischen Präponderanz zu unterwerfen.

Nußland.

Petersburg, 6. Juni. Gestern fand die Überführung der entschla« fenen Kaiserin von dem Sterbeztmmer in die Schloß Kirche statt. Nachdem der langjährige Beichtvater der Kaiserin, Baschanow, im Sterbezimmer die Liturgie gelesen, erfolgte die Sarglegung im Beisein der kaiserlichen Familie. Sonst waren nur die Staatsdamen du jour zugegen. Mittlerweile hatten sich gegen i/ziZ Uhr die Generalität, andere Standespersonen sowie die Stabs- und Ober-Osfiztere der Garnison und der Marine im weißen und Alexander- saal versammelt. Um 12 Uhr verkündeten die Ceremontenmetster das Heran­nahen des Trauerzuges. Voraus schritten die Kammerlakaien und Hof-Ktrchen- sänger, ihnen folgten Offiziere des Cürassir-Regtments der Kaiserin, welche nebst zwei Kammerherren den goldenen Sargdeckel trugen; dahintec schritten zwei Generaladjutanten und zwei Hosmetster, welche die prachtvolle goldbro­katene, reich mit Hermelin verbrämte Sargdecke hielten. Sodann folgten die Chorknaben, Sterbelieder singend, und Diener der Kaiserin mit brennenden Kerzen in der Hand. Einige Geistliche gingen dicht vor dem offenen Sarg, der vom Kaiser und den sämmtlichen hier anwesenden 18 Großfürsten getragen wurde. Der Kaiser hatte die Cürassier-U- iform des Regiments der Kaiserin angelegt und hielt die Hand am Kopfende des Sarges. Er sah tief ergriffen und sehr bleich aus. Die todte Kaiserin ruhte in dem metallenen, mit Gold­platten überzogenen Sarge in einem weißen Sterbekletde, das Antlitz war mit einem Gazeschleier bedeckt, hinter dem Sarge schritten die Großfürstinnen, an ihrer Spitze die Thronfolgerin und die Königin von Griechenland; dann folgte der gesammte Hofstaat. Der Sarg wurde in der Mitte der Schloßktrche unter einem goldenen, mit Hermelin gefütterten Baldachin ausgebahrt auf einem dreistufigen Catafalk nebst Postament, das mit carmotsinrothem Sammet überzogen ist. Der offene Sarg ist dicht mit Blumen bedeckt. Zwei Offiziere des Regiments der Kaiserin, zwei Generäle und ein Flügeladjutant bilden nebst drei Damen der Kaiserin die Ehrenwache. Das Antlitz der hohen Entschla­fenen gleicht einer sanft Schlummernden, der man nur wenig die lange schwere Letdenszeit ansieht. Um 1 Uhr verließ die Kaiserfamilie die Palaiskirche. Alle Diejenigen, welche nicht der Todtenmesie beigewohnt, begaben sich nun in die Kirche zum Handkuß bei der entschlafenen Kaiserin. Während der ganzen Feierlichkeit wurde der düstere Ernst noch erhöht durch ein Gewitter, welches sich zusammengezogen hatte und sich gleich darauf entlud.

Telegraphische Depeschen.

Wagver'» telegr. Evrresp»vde«r - Brrrea«.

Berlin, 8. Ju-n- Der Bundesrath hat heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers in erster Berathung mit großer Stimmenmehrheit den An­trag Preußens, betr. die Einverleibung der Unter-Elbe in das Zollgebiet angenommen.

Der Kaiser begibt sich voraussichtlich am 18. Juni nach Ems.

Paris, 8. Juni. Deputirtenkammer. Der Kriegsmintster theilt mit, daß die Regierung beschloffen habe, die Fahnen der Republik am 14. Juli an alle Armeecorps zu vertheilen; derselbe bringt zugleich einen Gesetz- Entwurf ein, in welchem ein Ergänzungöcredit für Decorattonen zu dieser Ceremonie gefordert wird. Der Entwurf wird an die Budget-Commission verwiesen. Blachere (v. d. Rechten) interpellwt die Regierung wegen ihrer inneren Politik; er tadelt die zahlreichen Absetzungen von Beamten in der Armee und im Rtchterstande als den Dienst desorgantsirend und geeignet, das Land mißvergnügt zu machen. Der Kriegsmintster erwidert bezüglich der ge­tadelten Absetzungen in der Armee unv sagt: Was die Armee desorgantsirt, das ist die Einführung der Politik in die Armee. Die Interpellation hat weiter keine Folge. Die Kammer nimmt einen Antrag Raspail's an, worin erklärt wird, daß das Nattonalsest am 14. Juli als Jahrestag der Erstürmung der Bastille gefeiert wird.

Berlin, 8. Juni. DerReichsanzeiger" sagt: Verschiedene Zeitungen haben neuerdings Mtttheilungen mit der Einleitung versehen.Osficiös wird uns geschrieben" oderMan schreibt uns officiös". Die Redaction desReichS- anzeigers" ist mit Rücksicht auf den weiten Spielraum, den solche Andeutungen für Vermuthungen bezüglich der Urheberschaft solcher Artikel verstatten, zu der Erklärung ermächtigt, daß aus der erwähnten Bezeichnung niemals der Schluß aus eine Betheütgung oder Verantwortlichkeit seitens der Reichsbehörden ge­zogen werden kann.

Chicago, 8. Juni. Die 36 Abstimmung ergab für Garfield 399, für Grant 306 für Blatne 42, für Sherman 3 und für Washburne 3 Stimmen. Conkltng, der Führer der Anhänger Grants, beantragte, Garfield einstimmig zum Präsidentschafts -Candidaten zu ernennen. Der Antrag wurde ang.'nommen und Garfield enthusiastisch mit Einstimmigkeit ernannt. Garfield, welcher bis jetzt Mitglied des Repräsentantenhauses von Ohio war, winde kürzlich zum Senator für Ohio ernannt.

Dortmund, 8. Juni. DieWests. Ztg." meldet: Heute Morgen sand im Schacht 2 der benachbarten ZecheNeu Iserlohn" eine Entzündung schlagender Wetter statt, wobei mehrere Bergleute getödtet wurden. Bis Mitiag wurden bereits 8 Todte zu Tage geschafft.

Späterer Meldung zufolge blieben bei der Explosion in Zeche Neu- Iserlohn todt 19 und wurden verwundet 7 Bergleute. Die Ursache der Ex- plosion ist nickt bekannt.

Petersburg, 8. Juni. Laut osficteller Bekanntmachung erfolgt die Beerdigung der Kaiserin am 9. Juni, Morgens 10 Uhr, in der Peter-Pauls- Kathedrale.

Lokales.

Gießen, 9. Juni. ^Sterblichkeit in Gießen.) Im verfloßenen Monat Mai betrug die Zahl der in Gießen vorgekommenen Todesfälle im Ganzen 41 und zwar wurden betroffen 21 Ewachsene, 8 Kinder im ersten Lebensjahre und 12 Kinder, welche sich im 2. bis 15. Jahre befanden. Von den Erwachsenen starben an Lungenschwindsuckt 8, an Lungenentzündung, Schlagfluß, Kindbettfieber je 2, an Brighttscher Krankheit, Vergrößerung der Prostata, Fett­herz, chronischem Nierenleiden, Altersschwäche, Harnruhr je 1. Ein von auswärts hierher ge­brachter Mann, der in einem Bergwerk verunglückt war, erlag bald seinen Verletzungen. Von den 8 Kindern im ersten Lebensjahre konnten 3 wegen angeborener Schwäche ihr Leben nicht fortsetzen, 2 starben an Krämpfen, 2 an Darmcatarrh, 1 an Gehirnentzündung. Von den älteren Kindern erlagen Gehirnentzündungen 3, häutiger Bräune, Rachenbräunc, Scharlach, Lungenschwindsucht, Lungenentzündung, Brochienentzündung, Keuchhusten, Brighttscher Krankheit je 1. Einmal ließ sich eine bestimmte Todesursache nicht angeben.

Dergleichen wir die gleichnamigen Monate der beiden früheren Jahre, so finden wir verzeichnet im 9Jiat 1879 im Ganzen 24 Todesfälle, darunter 7 bei Kindern im ersten Jahre und 5 bei älteren Kindern, im Mai 1878 im Ganzen 40 Sterbfälle, wovon 11 auf Kinder im ersten Lebensjahre und 15 auf ältere Kinder entfielen. G.

Gießen, 9. Juni. Ein Schwindler und Betrüger von Profession, welcher schon zum öfteren mit der Polizei Bekanntscbaft gemacht hatte, schwindelte gestern auf fremden Namen 4 Kistchen Cigarren aus. Der Kaufmann schickte zur Vorsorge seinen Hauöburschen zur Em­pfangnahme des Gelbes resp. der richtigen Ablieferung mit. Der Schwtnvler machte dem Hausburschen aber die Sache insofern leicht oder schwer, daß er denselben im Rhein. Hof sitzen ließ und er selbst die Cigarren forttragen unv dann bas Geld abliefern wollte. Der Haus- bursche wartete und wartete, aber wer nicht kam war unser Bursche. Die Schutzmannschaft nahm sich ver Sache an und verhaftete den Betrüger.

Vermischtes.

Darmstadt, 5. Juni. Der vor einiger Zett durch den hiesigen Schwurgcrichtshof zum Tode verurtheilte Muttermörder Pfaff von Oberramstadt hat, nachdem daß Reichsgericht die von ihm verfolgte Revision als unbegrünbet verworfen, den Gnadenweg beschritten. Sicherem Vernehmen nach haben sich indessen die über das Gesuch des Verurthetlten mit Bericht gehörten Behörden gegen eine Gewährung ausgesprochen Sowohl in oem Gnadengesuche wie dem Ge» fängnißgeistlichen gegenüber beharrt Pfaff auf seiner Unschuld, indem er, entgegen bem objectiv und subjektiv festgestellten Thatbestande des Erwürgens und darauf folgenden Aufhängens |einer Mutter einen Selbstmord der lctztern behauptet. Bezeichnend ist, daß die Verwandten Pfaffs das Ansinnen des Ver.heidiges desselben, sich für eine Begnadigung zu verwenden, ablchnten. Die endliche Entschließung des Regenten steht unmittelbar bevor.

Mainz, 8. Juni. Das Eisenbahnunglück bei Lampertheim bildet noch immer daS Tagesgespräch, denn es ist fast keine Familie in Mainz, welche nicht unter den 387 Mitglicbern des VereinsMoguntia" einen Freund, einen Verwandten oder Bekannten gehabt hätte. Nach­dem der erste Schrecken vorüber ist, hat sich tndeffen herausgestellt, daß die Zahl der nicht er­heblich Verwundeten eine ganz beträchtliche ist und dtescrbalb eine Reihe von Personen sich ärztlicher Pflege unrerziehen mußten. Die Schwerverwundeten, Frau Schäfer und Herr Sautler, befinden sich den Verhältniffen nach ziemlich wohl, während das Befinden des Herrn Lipelt deßhalb besorgnißerregend ist, da in den meisten Fällen solche Verletzungen eine Amputation nach sich ziehen.

Allgemeine Entrüstung herrscht übrigens über das Betragen der Bevölkerung Lampert­heims nach dem Unglücksfall. Mit den Händen in den Taschen standen die Lampertheimer an der Un->lücksstätte und ergossen sich sogar einige Leute, welche zur Hülfe angerufen wurden, in gemeinen, beleidigenden Ausdrücken. Ein Arzt, welcher Waffer für einen der Verletzten ver­langte, erhielt zur Antwort:Die l Mainzer hätten ja zu Hause bleiben können, wir holen kein Wasser und dann nur, wenn es die Bahn bezahlt." Das Zugpersonal ist vorläufig seines Dienstes suspendirt worden und fanden gestern bereits die ersten Verhöre statt (Meine gärige Notiz über den Unglücksfall bedarf insofern einer Berichtigung, als es nicht ein Wormser Zug war, welcher mit dem Dergnügungszug zusammenstieß, sondern der Zug Nr. 168 von Frankfurt kommend.) (8- 3 )

Berlin, 7. Juni. Der Reichs-Anzeiger meldet: Im Anschlüsse an die in Nr. 127 des Reichs- und Staatsanzeigcrs enthaltene vorläufige Mittheilung über das beklagenswerthe Eisenbahnunglück bei Blumenberg kann über das Ergebntß der von einem Commiffar deS Ministers der öffentlichen Arbeiten angestclllen Ermittelungen an Ort und Stelle folgendes mit- getheilt werden: Der Schnellzug von Berlin über Kreiensen nach Köln, ab Berlin 8 Uhr 45 Meuten Vormittags, ist, nachdem er 11 Uhr 52 Minuten Vormittags (Berliner Zeit) die Station Blumenberg passirt hatte, ungefähr 2 km westlich derselben auf freier Bahn entgleist. Der Zughaken des Tenders ist während der Entgleisung zerrißen, die Maschine an der süd­lichen Seite des etwa 3 m hohen Dammes herabgestürzt, während die neun Wagen ocs ZugeS an der nördlichen concaven Seite des Geleises ebenfalls theilweise bis an den Fuß des DammeS gestürzt sind. Die vorgenommene Untersuchung hat ergeben, daß weder ein Defect an dem rollenden Betriebsmateriale noch auch ein fehlerhafter Zustand des Bahnkörpers zu dem Unfälle Anlaß gegeben hat; insbesondere scheinen Locomottve und Wagen sämmtlich in bestem Zustand« gewesen zu sein. Der auf der Strecke Magdeburg-Oschersleben befindliche Oberbau entspricht

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