Werthe von 535 «,/£.). Bei der Roheisen-Production waren 1004 Oefen in i Betrieb, welche 32,793,515 Ctr. im Werthe von 89,893,440 «X producirten.
Oesterreich.
Wien, 7. October. Alle Mächte sind darüber einig, daß eine weitere Discufsion mit der Pforte zwecklos ist. Die englischen Vorschläge, weiche über die Flottendemonstration hinausgehende Zwangsmaßnahmen befürworten, werden im Princtp auch von den conservattven Mächten gebilligt.
Ilrankreich.
Paris, 6. Octbr. Der Krtegsmtnister hat in einem Rundschreiben an die Eorps.Commandanten dieselben aufgefordert, besondere Locale herzustrllen, in welchen sich die Soldaten in ihren freien Stunden versammeln, um unter der „väterlichen Überwachung" eines Unterofficters lesen und schreiben und sich untereinander unterhalten zu können. Dieses Local muß sich in der Nähe der Regimentsbibliothek befinden, deren Bücher den Soldaten zur Verfügung gestellt werden. Sie erhalten außerdem zu ihren Studien und zur Correspon- denz mit ihren Familien das nölhtge Papier unentgeltlich. Ein besonderer Saal wird für die Unlerofficierc hergestellt werden.
Paris, 7. Octbr. Nachdem alle Cabinete die neueste türkische Note für indiscutabel erklärt haben, schlägt England die Jnpfandnahme mehrerer türkischer Hafenplätze vor, um die Türkei durch die Beschlagnahme von Einkünften zum Nachgeben zu zwingen. Der Vorschlag wurde auch von Deutschland und Oesterreich als discuttrbar erklärt. Alle Mächte sind dafür, daß energische Zwangsmaßregeln anzuwenden seien. Frankreich gedenkt sich auf gleicher Linie mit Deutschland zu halten.
tzngtand.
London, 6. Octbr. Em Großgrundbesitzer in Irland, Sir Edward Denny, hat die Pächter seiner Besitzungen, welche die Stadt Tralee und das Land in der Umgegend meilenweit umfasien, durch ein Rundschreiben benachrichtigen lasten, daß er den gegenwärtigen Pächtern Pachtverträge für ewige Zetten gewähren wolle. Der im Jahre 1829 festgesetzte Pachtzins soll betbr- halten und außerdem ein sechsjähriger Pachtzins als Gegenleistung für die Bewilligung des ungestörten Pachtbefitzes gezahlt werden. Die Pächterschaft erachtet diesen Vorschlag als den besten, der bis jetzt zur Lösung der Landfrage in Irland gemacht worden.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Offenbach, 7. Octbr. Morgen Nachmittag treffen zu einem sechs' tägigen Besuche des Prinzen Georg und seiner Schwester, der Prinzessin Louise von Hesten, der König und die Königin von Dänemark (von Gmünden kommend) gleichzeitig mit der Herzogin von Nassau in Rumpenheim ein.
Stuttgart, 7. Octbr. Die „Würtcmb. LandeSztg." meldet: Der General-Auditeur Oelschläger ist heute von Berlin hier eingetroffen und con- ferirte mit dem Krtegsmtnister v. Wundt, wie verlautet wegen einer Vereinbarung bezüglich der deutschen Miltkär-Strafproeeß Ordnung.
Wien, 7. Octbr. Dem „Wiener Tagebl." zufolge bestünde ein neuer Vorschlag darin, daß die europäische Flotte im Archipel erscheine und eine der türkischen Inseln in Besitz nehme, um die Pforte zur Erfüllung ihrer Ver- pfltchtungen zu zwingen. — Londoner Meldungen der „Neuen Fr. Pr." zufolge würde es sich um einen Cordon zur See zwischen den europäischen und astatischen Küsten der Türkei handeln.
Paris, 7. Octbr. Die „Republtque francaise" bespricht ebenfalls die jüngste Note der Pforte und meint, sie übersteige jedes Maß in dem Grade, daß man die Note so behandeln dürfe, wie die Handlungen und Worte von Leuten, welche theilwetse der Urthetlskraft beraubt seien. Es werde gut sein, wenn die Mächte nicht die Natur des zu überwindenden Hindernisses aus den Augen verlören. Dieses Hinderntß sei einzig und allein der Wille des Sultans. Es gebe unterrichtete Leute in Konstantinopel, welche diese Hartnäckigkeit des Sultans einer gewissen Geistesstörung beilegen zu müssen glaubten. Wenn es auch kein anderes Hinderniß zu überwinden gebe, so sei gegenwärtig die Lage der Dinge nicht minder schwierig und es sei angezeigt, derselben die größte Aufmerksamkeit bei den Verhandlungen zuzuwenden, welche die türkische Note veranlassen würde. — Das „Parlament" schlägt vor, Montenegro einen Theil der Herzegowina zu überlassen und Oesterreich zu gestatten, von Novibazar und Prestina Besitz zu ergreifen.
Wien, 7. October. In einem hiesigen Hotel garni wurde ein Geld- briefträger, der einen Geldbrtef brachte, von einem Passagier vergiftet. Dieser ergriff iodann die Flucht, ohne die Geldbriefe geraubt zu haben.
Santander, 7. Octbr. Eine Feuersbrunst zerstörte hierselbst mehrere Häuser. Der Schaden ist sehr erheblich.
Now, 7. Octbr. Der „Italic" zufolge wird der König von Griechenland übermorgen vom Papste empfangen werden. Der Papst forderte den Staatssecretär Cardinal Nina auf, nach Rom zurückzukehren und der Begca- nung beizuwohnen. — Nuntius Jacobini wird demnächst hier erwartet.
London, 7. Octbr. Gladstone und Granville conferirten heute zusammen. Der russische Botschafter machte Granville einen Besuch.
Berlrn, 8. October. Die „Nordd. Allgem. Zig." schreibt: Im gegen- wärtlgen Augenblicke, wo die Executive gegen die Türket von einigen Seiten auf die Tag sordnung gesetzt wird, dürfte es nicht ohne Interesse sein, die einschlägigen Bestimmungen des Berliner Friedens ins Gedächtntß zurückzu- rufen. — Das genannte Blatt veiöffntltcht sodann den Wortlaut der be- treffenden Stellen aus dem Protocoll XVIII v m 11. Juli 1878, wonach die russische Proposition nebst einem österreichischen Amendement über die Contro- lirung und Beaufsichtigung der Ausführung der Stipulationen des Berliner Friedens vom Congreß nicht angenommen wurde und der türkische Bevollmächtigte erklärte, die Pforte sei bereit, den Vertrag, soweit derselbe sie betreffe, auszuführen, sie lehne aber ab, eine Controle auszuüben, oder sich einer solchen zu unterwerfen.
Verwischtes.
W ürzburg, 2. Octvber. Unsere Schwurgerichtsverbandlungcn bitten gewöhnlich ein sehr trauriges Bild menschlicher Verkommenheit, aber zum Glücke dürfte selten ein solcher Kall ^nporender Brutalität zur Verhandlung gelangt sein, wie der gestern gegen den Dienstkneckt Zenner von Rothensand und dcssen Verlobte, die 43jährige GürtlerSwittwc Hetzel von Kirchlich. Tie Verhandlung entrollte gräßliche Details einer fortgesetzten Kette von Grausamkeiten die ein gereifter Mann mit kaltem Blute an einem 4jährigen Kmde beging, um es nach und'nach 1
aus der Welt zu schaffen. Die Sache ist nach dem „Fränk Volksblatt" folgende. Kunigunde Hetzel hatte von ihrem Manne 3 Kinder aus der ersten Ehe zugebracht bekommen. Zu Lebzeiten ihres Mannes und auch nach deffcn Tode war sie diesen ihren Stiefkindern eine wirkliche Mutter gewesen und hatte liebevoll für sie gesorgt, biß sie sich im September des vorigen Jahres mit dem 43jäh,igen Joh. Renn-r, ledigen Dlrnstknecht von Rothenjand, verlobte. Mit diesem Manne, der sofort mit seinem Vater bei seiner Braut Wohnung nahm, zog ein böiev Geist in's Haus, die drei Kinder waren ihm ein Dorn im Äuge, und besonders gegen das jüngste richtete sich seine Wuth; es ist leicht erklärlich, daß Renner die Wittwe nur wegen ihr-s Änwesens und ihrer sonstigen geringen Habseligkeiten heirathen wollte, daß ihm abcr die drei Kinder bedeutend im Wege standen, und es geht aus allem hervor, daß er beabsichtigte, zuerst den ohnehin schwächlichen Andreas aus dem Wege zu räumen. Er quälte unv malträti'rte das Kind auf die schauerlichste Weise, indem er dasselbe täglich mit der Hand, mit einem Lineal, Dachschindeln und Schleisenspähnen, namentlich an jene Körpertheile schlug, die von früheren Mißhandlungen her wund waren und eiterten, indem er ferner diesen Knaben am Ärme riß, daß letzterer luxirt wurde, indem er denselben im Zimmer herumhetzte, mit Füßen nach ihm trat, indem er endlich denselben in einen Schweinestall bei der größten Kälte im Winter sperrte, oder ihn mit bloßen Füßen auf einem Stein stehen liefe. K. Hetzel ist beichuldigt, in derselben Zeit dem Kinde ungenügende Kost, Kleidung und Lagerstätte gegeben zu haben, indem dasselbe des Tagest nur einmal Warmes erhielt, Abends oftmals hungrig zu Bett gehen mußte, bei der größten Kälte seine Lagerstätte unter dem Dach hatte und barfuß zu geben gezwungen war, ferner dem Renner, ihrem Bräutigam, bei dessen Mißhandlung nicht ernstlich entgegengetreten zu sein, somit beide im Einverständnisse gehandelt zu haben in der Absicht, den Andreas Hetzel vorsätzlich zu tobten. Das arme Kind, das vorher sich gut entwickelte, wurde nach der Anklage ganz geschwächt und wäre es bei kurzer Fortsetzung obiger Behandlungsweise sicher dem Tode verfallen, wenn sie nicht an der weiteren Ausführung nur durch die seitens des Vormundes erstattete Anzeige und das Eingreifen der Behörden gebindert worden wären. Die Geschworenen sprachen gestern den Renner wegen Mordversuchs schuldig und die Hetzel des Vergehens der Verwahrlosung ihrer Kinder. Urtheil- Renner 5 Jahre Zuchthaus, Hetzel 4 Wochen Haft.
London, 1. October. Das traurige Tagewerk, die Leichen der in der Sheamgrube verunglückten Bergleute zu Tage zu fördern, geht seinen langsamen Gang. Heute wurden deren acht ans Tageslicht gebracht. In der Wasserflasche eines derselben fand sich folgender an seine Frau geschriebene Brief. „Liebe Margarethe! Wir sind hier jetzt unser vierzig beisammen- Einige beten, meine Gedanken aber verweilen bei unserem lieben kranken Kinde. Ich denke, es und ich werden gleichzeitig in den Himmel kommen. Gott schütze Dich, liebes Weid, und'die Kinder. Liedes Weid, lebe wohl. Meine letzten Gedanken sind bet Dir und den Kleinen Lehre diese für mich beten. O, wie gräßlich ist unsere Lage." (Das kranke Kind war am Tage der Explosion gestorben.) Mit welcher Ergebung die Verschüttrten ihr Ende erwarteten zeigt folgende Inschrift, die an einer Ventilationsthür in der Tiefe des Schachtes entdeckt wurde: „Wir leben noch alle. 3 Uhr. Gott erbarme sich unser. Wir beten alle zu ihm um Hülfe. Rodert Johnson." Auf einer Planke in einem anderen Theil deS Schachtes fand man folgende in festen Schriftzügen mit Kreide geschriebenen Worte: „Gott der Hcrr war mit uns. Wir sind alle bereit für den Himmel."
Braunschweig. Der Hausknecht eines hiesigen Kaufmanns bestahl seinen Brod- herrn um eine geringe Summe; da er sich später wieder gut machte, schrieb der Herr ihm nach Jahresfrist beim Dienstabgang „ehrlich" in'L Buch, woraufhin er bald bei einem anderen Kaufmann in Dienst kam. Nicht lange, so ergriff er jedoch die Gelegenheit, seinem neuen Principal eine größere Summe zu stehlen; nachdem er sie vergeudet, tarn es an's Licht, fein früherer Principal wurde auf Ersatz verklagt und mußte die ganze Summe — 2ii00 jl zahlen! Man hüte sich daher vor Ausstellung unrichtiger Zeugnisse
— Eine schreckliche Entde^ung bat ein Lootsendoot von Newyork gemacht. Die Mannschaft desselben berichtet, daß es zwei Tagereisen vom Hafen entfernt, dem britischen Schone „Gladiator", mit dem Kiel aufwärts, begegnet sei. Das verunglückte Fahrzeug befand sich in der Fahrstraße, wcßhald eine Bootsmannschaft ausgesandt wurde, um es zum Sinken zu dringen. Der aus dem Innern des Schiffsraumes aufsteigende Gestank von verwesten Leichen war jedoch so entsetzlich, daß die Mannschaft ihr Vorhaben aufgcden mußte. Am Bugsprit hing die Leiche eines Matrosen und die Lootsen sind überzeugt, daß sich die Leichen der ganzen Schiffsbemannung in dem Fahrzeuge befinden.
— [Der Gensdarm als Kunstkritikers Mars ist den Künsten nicht hold. Man kann das Nämliche mit demselben Rechte von modernen Gensdarmen, zumal von jenen im Lande Tirol, behaupten. Dies beweist ein Geschichtchen, das in nachstehender Weise erzählt wirb: Die Rainer, das ist die bekannte Tyroler Sängergesellschaft, welche Winters mit ihren Liedern und Jodlern die Welt durchstreift, eröffnen alljährlich zur Sommerszeit in Achensee einen Gast Hof, der keinem Touristen fremd ist, denn das ländliche Hotel, welches auch die Sängerinnen der Jodlergesellschaft, zumeist schmucke, frische Mädchen, während ihres Sommeraufenthalts be^ herbergt, hat dadurch einen pikanten Reiz ganz eigener Art gewonnen und ist längst der Anziehungspunkt von Künstlern und Poeten geworden. Einen ganz deutlichen Beweis hiervon giot das Album der Gesellschaft Rainer, in welches sich zahlreiche berühmte Namen eingetragen haben und nicht selten auf stimmungsvollen Gedenkblättern ober unter lieblichen Hanozeichnunaen. Das Album barf sich sogar rühmen, ein ganz interessantes Werk zu fein; denn zumal unter den Handzeichnungen findet man den Stift Defreggers, Markarts und Angelis, sowie anderer hervorragender Maler vertreten, deren Beiträge den künstlenichen Werth der Sammlung bedeutsam erhöhen. Es traf sich nun vor Kurzem, daß ein Gensdaim — wie man sie dienst- befllffen und nach allerlei Böscwichtern fahndend, oft ländliche Streifungen unternehmen sieht — in den Gasthof der Rainer einkehrte, nicht um Labsal und Erholung zu suchen,'sondern um zu vigiliren und zu tbun, was „seines Amtes ist". Er fragt nach dem Fremdenbuche und arg. los wurde ihm das Album gereicht, im Grunde genommen auch ein Fremdenbuch. Der gestrenge Gensdarm durchblätterte die Autographe und Zeichungen, schüttelte den Kopf und langt sodann nach der Westentasche, aus welcher er ein Stück Röthel hervorzieht, welches grimmig in den Fingern des gestrengen Sicherheilswächters funkelt. Und mit einer raschen Wendung fährt der Mann über eine Der Zeichnungen, dann über eine zweite und dritte hin. Das ver- hängnißvolle Röthel gräbt tiefe Furchen in die schönen Blätter. Da naht zufällig ein Mädchen der Rainer'schen Gesellschaft, erblickt das Vernichtungswerk und fällt mit einem Aufschrei des Entsetzens dem Gensdarmen hindernd in den Arm. Der aber blickt empor, als ob Nichts geschehen wäre und spricht mit klassischer Ruhe die oenkwüidigen Worte: „Gehört sich das in ein Fremdenbuch? Da hat man nur Namen, Stand und Charakter und die Art der Legitimation einzuschreiben. Das Uebrige gehört sich nicht." Sprach's und ging.
— [6in Rechen-xempel.j Ein Wiener Banquier, bekannt durch seine Munifizenz gegen Künstler und Künstlerinnen, selbstverständlich gegen letztere in größerem Maße, erhielt dieser Tage einen Brief von einem auch am Thespiskarren ziehenden Bekannten, der Vater einer gros-m Familie ist und der sich in einer momentanen Geldverlegenheit befand. Der Brief lautete kurz: „Herr, ich habe zwölf Kinder, Sie haben nur fünf, leihen Sie mir 25 Gulden. Achtungsvoll rc." Der Banquier las den Brief und schrieb als Antwort: „Ich kenne Sie und Ihre Lage und bin gern bereit, Ihnen zu helfen. Sie irren aber, wenn Sie sagen, ich hätte fünf Kinder, ich habe deren sechs, Sie werden daher entschuldigen, wenn ich Ihnen statt der gewünschten 25 Gulden für Ihre 12 Kinder, nur 23 Gulden 50 Kr sende, indem ich 1 Gulden 50 Kr. für mein sechstes Kind in Abzug bringe; ich hoffe, daß Sic einsehen werden, daß ich Ihnen daffelbe ohnehin billigst berechne. Mil Gruß Ihr rc rc."
InschbüLer in Gießen.
Sonntag, den 10. October. Christian Faß, Neue Bäue. Louis Kämmerer, Seltersweg. Ludwig Schneider, Neustadt.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeindezuGiehen.
Gottesdienst:
Sonntag, den 10 October.
Morgens 9i/z Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag, den 17. Oktober, wird das heil. Abendmahl gefeiert; die Beichte findet Tags zuvor Nachmittags 2 Uhr statt.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom W. bis 16. Oktober besorgt Pfarrer Schlosser.


