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Kassel, 6. Septbr. In Folge der Betriebsübemahme der Main- Weser-Bahn für alleinige Rechnung des preußischen Staates werden die pen- fiontrten Beamten der genannten Bahn, die seither ihre Pension aus dem Eisenbahnbetriebsfonds bezogen, nunmehr auf den allgemeinen preußischen Staatspenstonsfonds übernommen und erhalten für die Folge ihre Pensionen für Rechnung der Regierungs-Hauptkasie zu Kasiel bezw. zu Wiesbaden durch die Steuerkaffen ausgezahlt. Bezüglich der im Großherzozthum Hessen wohnenden Pensionäre ist die Einrichtung getroffen, daß dieselben auch ferner ihre Pensionen durch die zunächst gelegenen Stattonskaffen der früheren Mrtn- Weser-Bahn, jedoch für Rechnung der Regierungs-Hauptkaffe zu Kassel, beziehen.
Fürst Bismarck und Baron Haymerle.
Die Minister der auswärtigen Angelegenheiten Deutschlands und Oesterreichs, Fürst Bismarck und Baron Haymerle, haben in Friedrichsruhe conferirt. Man braucht keinen besonderen Scharfsinn, um — selbst etwaigen Dementis gegenüber — annehmen zu können, daß die Berathung der Balkanhalbinsel gewidmet war. Von Tag zu Tag wird es deutlicher, daß Deutschland und Oesterreich in Vertretung wichtiger Lebensintereffen ihre Position im Orient festigen. Der Fürst von Rumänien, dessen Proclamtrung zum König bevorstehen dürste, scheint zum Vorposten der deutsch-österreichischen Stellung im Orient berufen zu sein, falls es sich um acttve Schritte, sei es nun gegen die Türkei oder um Pressionen auf Rußland oder England handelt. Die Politik der alliirten Kaisermächte Mitteleuropas verfolgt große Ziele, nicht allein, weil man dies von der Bismarck'schen Politik gewöhnt ist, sondern weil es noth- w endig ist, die berechtigte Machtstellung Deutschland - Oesterreichs zum mindesten zwei rivalistrenden groß angelegten politischen Systemen gegenüber zur Geltung zu bringen. Diese beiden feindlichen Systeme sind die Welthandelspolitik Englands und die großrussische Politik, welche vom griechischen Kreuz auf der Sophtenmoschee noch heute so lebhaft träumt, wie zur Zeit Peters des Großen. Die orientalische Frage hat sich so gestaltet, daß ihre Wichtigkeit nicht im Schicksal der europäischen Türkei, so weit es die Pforte angeht, nicht in der Gestaltung der kleinen Balkanstaaten, sondern in ihrer Bedeutung für den europäischen Frieden, in der großen Gefahr beruht. Colltstonen zwischen England, Rußland und Deutschland-Oesterreich zu erzeugen, bet denen auch die Großmächte Italien und Frankreich nicht neutral bleiben könnten. Dies ist gewissermaßen eine wenig erfreuliche Fernsicht auf das orientalische Panorama, und eine solche Rundschau, gerade jetzt im Augenblick einer entscheidenden Wendung in der Politik der Großmächte, dürfte die beiden leitenden Staatsmänner Deutschlands und Oesterreichs beschäftigen.
Die Perspective auf die näherltegenden actuellen Verhältnisse ist eine wenig erfreuliche. Kaum ist mit vieler diplomatischer Anstrengung durch die Einigkeit in der Flottendemonstratton das europäische Concert besiegelt, als schon Gladstone nicht übel Lust bezeugt, es zu sprengen. In Wien und Lon- don deutet man die sensationelle Erklärung Gladstones im Unterhause in diesem Sinne. Gleichzeitig wachsen die Schwierigkeiten auf der Balkanhalbinsel, woselbst die Frage wegen der unteren Donau ebenso in den Vordergrund tritt, wie die Frage der großbulgartschen Interessen und die Frage Montene- gros und Griechenlands. Die Zett der Verhandlungen scheint vorüber zu sein, und die Zusammenkunft des Fürsten Bismarck unb des Baron Haymerle dürfte den Hauptzweck im Auge gehabt haben, den Ereignissen im Orient gegenüber, die — erwartet oder unerwartet — bald hervortreten werden, einig, entschlossen und schlagfertig dazustehen.
Hngtand.
London, 6. Septbr., Abends. Depesche des Generals Roberts aus Kandahar vom 3. ds.: Die Kavallerie-Brigade rückt gegen Kandahar vor. Die meisten Verwundeten befinden sich gut. Der Gesammtoerlust der Engländer am 13. August unv 1. Septbr. betrug 248. Es sind 32 Geschütze genommen; Ayub Khan soll kein einziges Geschütz gerettet haben.
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Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.
London, 7. Septbr. Amtlich wird aus Kandahar vom 3. ds. gemeldet: Ayub Khan, begleitet von Hasfim Khan und der heratischen Retterei, ist in voller Flucht nach Herat begriffen.
Wien, 7. Septbr. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Psorre hat die türkischen Botschafter angewiesen, Schritte bei den Großmächten zu thun, um dieselben unter Hinweis auf die Verwickelungen, welche die Flottendemonstration nach sich ziehen könnte, zu bestimmen, von letzterer Abstand zu nehmen.
Kassel, 7. Septbr. Der Erste deutsche Bergmannstaz wurde heute früh durch Berghauptmann Prinz von Schönaich Carolath im Namen des Central-ComrtsZ eröffnet. Die Präsenzliste weist ca. 160 Namen von Nota- bilitäten des deutschen Bergbaues auf. Oberberghauptmann v. Dechen leitet die Verhandlungen.
Bukarest, 7. Septbr. Zwischen Rumänien und Oesterreich ist heute ein Ueberemkommen abgeschlossen worden, betr. Rückoerlezung des rumänischen Zolloienstes von Burdujeni nach Jtzkany.
Nastätten, 7. Septbr. Der deutsche Kronprinz nahm heute Vormittag 9 Uhr bei Endlichhofen die Parade über bie 4t. (nassauische) Brigade ab, worauf sich letztere in Gefechtsformation gegen einen markirten Feind entwickelte. Nach beendetem Manöver zog um 12 Uhr der Kronprinz hier ein, von den Behörden und der äußerst zahlreich Herbetgeströmten Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Nach einem im Deutschen Hause eingenommenen Dejeuner reiste der Kronprinz über Nassau nach Berlin weiter.
London, 7. Septbr. Die Nachricht deS „Daily Telegraph" auS Konstantinopel vom 6. ds., die Botschafter hätten der Pforte in Folge deren letzten unbefriedigenden Vorschlages zur Lösung der Dulcigno-Frage angekün- dtgl, daß dte Flottendemonstration stattfinden würde, wird in hiesigen diplo- matischen Kreisen als durchaus ungenau bezeichnet.
London, 8. Septbr. „Daily Telegraph" meldet aus Konstantinopel vom 7. ds.: Die Pforte überreichte heute Abend den Botschaftern eine Note, worin sie die Mächte benachrichtigt, daß es, Dank der Bemühungen Riza Pascha, gelungen sei, daß die Albanesen in die Abtretung Dulcignos an Montenegro willigen. Riza Pascha sei in Folge dessen beordert worden, Stadt und District von Dulcigno an die Montenegriner zu übergeben. Eine anderweitige Bestätigung liegt noch nicht vor.
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Lokales.
Gießen, 8. (September Das „Darmst. Tagbl." schreibt: In Betreff der Garnison Butzbach ist nunmehr die Definitive Entscheidung getroffen, daß cs bei dem seitherigen Verhält- niß zu verbleiben habe. Es werden sonach b:e beiden seither in Butzbach garntsontrenden Escadrons nach den Manövern wieder dorthin zurückkehren und kommt das neu zu errichtende 3. Bataillon des 2. Inf. Reg. Nr. 116 nach Gießen.
— Es cursiren eben in der Stadt falsche 10-Pfcnnigstücke, welche jedoch zufolge thres schlechten Aussehens sehr leicht zu erkennen sind.
— f'Sterblickkeit in Gießens Im Monat August ereigneten sich in Gießen 40 Todesfälle und zwar wurden betroffen 11 Kinder im ersten Lebensjahre, 13 Kinder vom 2 bis 15. Jahre und 16 erwachsene Personen. Von den Kindern im ersten Jahre starben 3 an Darmcatarrb, 3 an allgemeiner Abzebrung. je eins an Krämpfen, Lungenentzündung, Keuchhusten; bet zweien, die nicht ärztlich behandelt worden, konnte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit angegeben werden. Bon den älteren Kindern wurden 6 von Diphtherilis weg- gerafft, 2 starben an Darmcatarrh, 2 an Masern, je eins an Bronckienentzündung, Gehirn; entzündung, organischer Herzkrankheit. Bet den verstorbenen Erwachsenen war Todesursache: Lungenschwindsucht 3mal, oroanische Herzkrankheit 3mal, Altersschwäche 2mal, Krebs 2mal, Schlagfluß, Knochenfraß, eingeklemmter Bruch, Vergrößerung der Postatadrüie je einmal. Ein Mann ertrank durch unglücklichen Zufall und einer suchte freiwillig den Tod in
Im August des Jahres 1878 waren in Gießen im Ganzen 26 Sterbefälle zu verzeichnen wovon sich 4 bei Kindern im ersten und 3 bei Kmdern in spateren Lebensjahren ereigneten'. Im gleichnamigen Monate 1879 hatten wir im Ganzen 45 Todesfälle, darunter 8 bei Kindern im ersten Lebensjahre und 8 bei Kindern vom 2. bis 15. Jahre. G.
Grundlifte
über den Rindviehstand in....., im Kreise....., aufgest.llt behufs der
Controlirung während der herrschenden Lungenseuche unter dem Rindvieh.
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Deutschland.
Darmstadt, 7. Septbr. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 43 enthält: Ausschreiben vom 31. August 1880 an die Großh. Amtsgerichte und Staatsanwaltschaften, betr. dte Organisation der Kreis-Vetertnärämter.
Darmstadt, 7. September. Durch die Regiments-Commandeure wurde heute den gestern insptcirten Truppen in Allerhöchstem Auftrag mitge- theilt, daß der Kronprinz seine höchste Befriedigung über die ganz ausgezeichnete Haltung derselben ausgesprochen habe und denselben die größte Anerkennung zolle.
m. Darmstadt, 7. September. Die auf den 26. August anberaumt gewesene Sitzung des Finanzausschusses der zweiten Kammer, welche wegen Beschlußunfähigkeit nicht abgehalten werden konnte, wird nunmehr auf desfallsige Einladung des Ausschußpräsidenten, HerrnAbg. Theobald, Donnerstag den 9. d. M- stattfinden. Auf der Tagesordnung steht außer der Vorlage Großh. Finanzministeriums in Betreff der stattgehabten und noch stattfindenden Berichtigungen der Grundbücher über die Domänen des Großherzoglichen Familienfideicommisses und des Landeseigenthums, der Antrag der Abgg. Schröder und Genossen auf Erhöhung der Dotation für die Ackerbauschulen, bezw. deren Neuorganisation. Schließlich wird eine Reihe anderer noch unerledigter Berichte zum Vortrag gelangen. Dem Vernehmen nach sollen in dem besonderen Ausschuß für die allgemeine Bauordnung und das Weggesetz die betreffenden Arbeiten so beschleunigt werden, daß ein Zusammentritt des Plenums der Kammer noch im Laufe dieses Monats möglich sein dürfte.
Berlin, 7. Septbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet auf Grund ihrer Informationen dte Nachricht einiger Blätter, wonach Staatssecretär Stephan zum Verkehrsminister, Geh. Rath Tiedemann zum Chef des Reichsamts des Innern ernannt und Wtrkl. Geh. Rath Hertzog mit dem Vorsitze im Bundesrathe betraut sei, welche Ernennungen Anfangs October publictrt werden würden, als in jeder Hinsicht grundlos.
— Ueber dte Fahnenfrage schreibt man der „Nat.-Ztg." aus Süd- Deutschland : Leider schwimmen dte deutschen Hoheitszeichen nur auf dem Meere herum und flattern an dem Gesandtschafts-Hotel der Botschafter im Auslande; warum fehlt das gemeinsame deutsche Feldzeichen an allen Helmen und Fahnen des großen deutschen Heeres neben den Landesfarben? Hierzu bemerkt die Redaction: „Wir würden es an der Zeit halten, wenn jetzt, 10 Jahre nach der Schlacht bei Sedan und der Gründung des deutschen Reiches, die Farben dieses Reiches auch äußerlich dte thr gebührende Stellung erhielten. In erster Reihe sind sie berufen, das gemeinsame Feldzeichen des deutschen Heeres abzugeben, das eines solchen noch entbehrt."
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Genesen seitdem d. Krankheit grassirt-
Gefallen seitdem dieKrankh. grassirt
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