Ausgabe 
9.6.1880
 
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tragen zu Pferds. Ihm schlossen sich sämmlliche Mitglieder der kaiserlichen Familie, sowie die höchsten Hof- und Staatswürdenträger an. An den Ein­gängen zum Platz vor dem Palais tvann trotz heftigen Regens bereits am Morgen große Menschenmaffen versammelt. Mittags hellte sich das Wetter auf.

Mainz, 7. Juni, lieber den bereits gemeldeten Eisenbahn-Unfall wird aus guter Quelle noch umgetheilt: Der Extra-Vergnügungszug der GesellschaftMoguntta" stieß gestern Abend gegen 10 Uhr in Station Lam­pertheim mit dem fahrplanmäßigen Zuge Nr. 168 (welcher Abends 8 Uhr 3 Min. von Sachsenhausen abfährt) zusammen. Von dem Zugpersonal wurde Niemand, von den Pastagieren mehrere, meist leicht, beschädigt. Verursacht wurde der Unfall durch Uebersahren des Haltesignals durch den Ver­gnügungszug.

München, 7. Juni. Das hiesige Oberlandesgericht hat die Revt- fionsbeschwerde der Würzburger Staatsanwaltschaft in dem bekannten Würz­burger Amsel-Proceß als unbegründet zurückgewiesen.

London, 7. Juni, Abends. Oberhaus. Lordgeheimsiegel-Bewahrer Argyll erklärt auf eine Anfrage Stanley's: Unter den obwaltenden Verhält- niffen sei die Aufhebung des englischen Postamtes in Konstantinopel unthunlich. Granville theilt in Folge mehrerer Anfragen mit: Außer 61,000 Pf. St. für den letzten Februar-Coupon der garantirten Anleihen habe die Pforte die Auslagen für Zinsen entrichtet. Er könne jetzt nicht sagen, welche Politik zweckmäßig sei, um die pünktliche Zahlung der fälligen Beträge der Anleihen Seitens der Pforte zu sichern. Unterhaus. Die Regierung kündigt an, sie werde die Abschaffung der Prügelstrafe bei Armee und Marine in nächster Session beantragen. Bet der Specialdebatte erklärte Admiralitäts- Secretär Lesevre: Die Regierung habe den Beginn des Baues zweier neuer Panzerschiffe vertagt und beeile statt desten die Fertigstellung von 2 bereits im Bau begriffenen, desAjax" undAgamemnon", welche nunmehr Ende December 1881, resp. 1. März 1882 fertig sein sollen. Unterstaatssecretär Dilke theilt auf Befragen Bartlett's mit: Consul Mitchell in Philtppopel habe selbst Urlaub aus Gesundheitsrücksichten gewünscht und erhalten; ein Nach­folger sei nicht ernannt.

München, 8. Juni. Der bayerische Gesandte in Berlin, v. Rudhart, ist gestern hier eüigetroffen, sofort nach Schloß Berg beschieden und Abends vom König in Audienz empfangen worden. Rudhart begibt sich mit seiner Gemahlin nächster Tage nach Italien._________________________________________

Lokales.

Gießen, 8. Juni. (Spruch liste für das Schwurgericht der Provinz Oberhessen im 2. Quartal 1880.]

1. Beigeordneter Joseph Vetter, Burggrafenrod. 2. Landwirth Georg Ewald IV., Ockstadt. 3. Muller Friedrich Philippi, Büdesheim. 4. Fruchthändler Juda Eulau, Rohrbach. 5. Landwirth Wilhelm Seibel, Ratnrod. 6. Landwirth Gerhard Hörle, Kaichen. 7. Landwirth Konrad Franck, Langenbergheim. 8. Müller Wilhelm Brotzler, Büdingen. -9. Bäcker Wilhelm Kircher, Laubach. 10. Fabrikant Karl Trapp, Friedberg. 11. Müller Karl Geiß, Klein-Felda. 12. Gemeinderechner Konrad Opper, Trais a. d. Lumda. 13. Gemeinderechner Philipp Kammer III., Bellersheim. 14. Fabrikant Otto Zinscr, Schlitz. 15. Schlosser Karl Stohr, Gießen. 16. Bürgermeister Johannes Göbel II., Pfordt. 17. Landwirth Ludwig Balser I., Albach. 18. Kaufmann Ernst Friedrich Häberle, Friedberg. 19. Gastwtrth Heinrich Velten III., Groß-Linden. 20. Landwirth Johannes Faber I., Lang Göns. 21. Fürstlicher Kammerassessor Drehwald, Büdingen. 22. Kaufmann Bernhard Schwarz, Reichelsheim. 23. Johannes Pommer, Kirch-Göns. 24. Wirth Christoph Siegfried, Groß-Duseck. 25. Landwirth Christian Bück, Grünberg. 26 Isaak Flörsheim, Romrod 27. Georg Menz, Eifa. 28. Uhrmacher Theodor Geismar, Gießen. 29. Agent Johann Baptist Spiegel, Gießen. 30. Friedrich Wetz, Münzenberg.

Gießen, 8. Juni. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag, den 10. Juni 1880, Nachmittags 4 Uhr, im alten Realschul­gebäude :

1. Die Ausloosung der aus der Stadtverordnetm Versammlung ausscheidenden Mit­glieder.

2. Die Holznatural-Rechnung für 1879 betr.

3. Ausrückung eines Lehrers in eine höhere Gehaltsclasie.

4. Die Ueberfüllung der zweiten Classe der Stadtknaben-Schule, hier Errichtung einer neuen Lehrerstelle.

5. Versteigerung von Bauplätzen in der Schillerstraße.

6. Die Reparatur des Wehrs bet der Ober-Mühle.

7. Die Aufräumung der Fluthgräben im Neustädter Feld-

8. Gesuch des Philipp Wilhelm um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.

9. Gesuch des Weißbinbermststers Wilhelm Seipp um Erlaubniß zur thetlwcisen Ueber Wölbung eines städtischen Grabens.

10. Gesuch des Johannes Dern von Watzenborn um Erlaubniß zur Ueberbrückung eines städtischen Grabens.

11. Gesuch des Bäckermeisters Ludwig Kroneberg um pachtweise Ueberlassung eines Lagerplatzes für Holz am Lutherberg.

12. Gesuch des Georg Euler um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.

13. Gesuch des Schneidermeisters Johannes Becker um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungcn.

14. Gesuch des Schmtedemeisters Emil Mai wegen desgleichen.

15. Gesuch des Fabrikanten Karl Jughardt um Erlaubniß zur Vornahme von Bau­veränderungen.

16. Gesuch des Friedrich Rüger wegen desgleichen.

17. Gesuch des Wilhelm Orbig um Erlaubniß zur Erbauung eines Hinterhauses.

18. Gesuch des Daniel Wichard um Erlaubniß zum Erbauen einer Waschküche.

19. Gesuch der Christian Löber I. Wittwe um Erlaubniß zur Erbauung eines Schuppens.

20. Gesuch des Melchior Schäfer um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung und eines Windfangs.

21. Gesuch des Jacob Thomas um Erlaubniß zur Errichtung einer Einfriedigung.

22. Gesuch der Frau Dr. Bruel Wittwe um Erlaubniß zur Erbauung einer Gartenhütte.

23. Gesuch des Johannes Buch um Erlaubniß zur Aufstellung einer Wasterbude.

24 Decretur von Kosten-Rechnungen.

Gie ßen, 8. Juni. Heute Morgen wurde ein Frauenzimmer (Dienstmagd), welche bet einer Frau, wo sie nach einer Stelle fragte, 5 Jt gestohlen hatte, verhaftet.

Gie ßen, 8. Juni. Am 5. I. Mts. wurde in einem Gesträuche bei der Uniermühle zu Hungen die Leiche eines Schweinehändlers aus Hungen aufgefunden. Die gerichtliche und ärztltche Antersuchung eonstatirtc Selbstmord durch Erschießen.____________

Verwischtes.

Mainz, 7. Juni. Seit gestern Abend 11 Uhr ist unsere Stadt in keine geringe Auf­regung versetzt. Mit Telegraph langte heute Nacht die Mittheilung hier ein, daß der Ver­gnügungszug des VereinsMoguntta" in der Nähe der Station Lampertheim mit einem andern Zuge zusammengestoßen und wie das Gerücht erzählt Todte und Verwundete die Strecke bedecken. Der VereinMoguntta" war an dem Morgen mittelst eines Extrazuges nach Heidel­berg gefahren und nachdem sich hier die aus 300 Personen bestehende Gesellschaft auf bas Beste vergnügt hatte, wurve gegen 10 Uhr die Rückreise angetreten. Kaum hatte aber der Zug die Station Lampertheim verlassen, als ein fürchterlicher Stop erfolgte und sämmtliche in dem Zuge befindliche Personen mit ungeheurer Gewalt gegeneinander gestoßen wurden. Die Jnsasien der Wagen drängten nun alle nach den Thüren, um zu sehen, was geschehen war, und alsbald wurde festzestellt, daß der Zug Nr. 170, von Worms kommend, mit dem 23 er- gnügungszug zusammengestoßen sei. Die Aufregung der Paffagiere 'st kaum zu beschreiben; die Damen sanken ohnmächtig auf daß Perron, die Verwundeten riefen um Hülfe, es war bet der herrschenden Dunkelheit ein wahres Bild der vollständigen Rathlosigkeit. Als sich die

Aufregung etwas gelegt und die Passagiere sich sämmtlich in dem Wartesaal zusammengefunden hatten, da war man doch insofern erleichtert, daß das Unglück keine Opser gefordert hat. Ver­wundungen sind sehr viele, doch zum Glück nur drei schwere Verletzungen vorgekommen, Quetschungen, besondeis im Gesicht, waren sehr zahlreich. Schwer verletzt sind: Herr Kauf­mann Lippel von hier, demselben wurde die Fußsohle und die Ferse zum Thetl abgerissen, ferner die Frau des Dampfmühlenbesitzers Herrn Schäfer von hier; diese trug einen Bruch des einen Beines davon, währenddem Herrn Mathias Sautter von hier durch eine Fensterscheibe die rechte Seite des Gesichts vom Auge bis zum Kinn vollständig zerrissen wurde. Die beiden in Lampertheim wohnenden Aerzte hatten alle Hände voll zu thun, um den Verletzten beizustehen, doch wurde sehr darüber Klage geführt, daß auf der Station kein Verbandzeug vorhanden war und mußten die Reisenden ihre Taschentücher als Verbandzeug hergeben. Nach 4 VJtünbigem harten kam endlich ein Extrazug von Mainz, welcher die Reisenden aufnahm, nur Herr Sautier und Frau Schäfer mußten, weil sie nicht transportfähig waren, in Lampertheim zurück- bleiben. Um 4 Uhr heute Morgen langten endlich dieVergnügungszügler" hier ein, von ihren Verwandten, welche in größter Besorgni» waren, auf dem Bahnhof in Empfang genommen. Eine Untersuchung über den Unglücksfall ist bereits eingeleitet.

Dem Magistratsbericht pro 1879 von Berlin entnehmen wir über die dortige Feuerwehr folgende interessante Notizen: Das Corps der Reichshauptstadt besteht gegenwärtig aus dem Direetor. bim Brandinspector, 5 Branbmeistern, 6 Felbwebeln, 49 Oberfeuermännern, 4 Maschinenmeistern, 202 Feuermännern unb bet 513 Köpfe zählcnben Spritzenmannschaft. Für seine Bewegung werden 92 Pferde mit 46 Kutschern gehalten. Die gesammte Mannschaft ist in 5 Compagnien eingekeilt. An Fahrzeugen waren vorhanden 2 Dampfspritzen nebst 2 dazu gehörigen Schlauchwagen, 22 große Handspritzen mit 16 Schlauchwagen, 13 Wasserwagen, 33 zweirädrige Wasserwagen und 4 Utensilienwagen. Allarmirmungen fanden 1635 statt, da­runter 28 zu großem, 52 zu Mittel- und 1390 zu kleinem Feuer. An Wasser wurden ver­braucht 2,743,213 Liter, im Ganzen war die Feuerwehr über 625 Stunden thätig. Körperliche Verletzungen erlitten 44, darunter nur 6 erhebliche. Verunglückt oder in Lebensgefahr waren 113 Personen, von denen 43 durch die Feuerwehr gerettet wurden. Zieht man die Ausdehnung von Berlin in Betracht, so muß man die Leistungen dieses Corps als mustergültig bezeichnen.

Magdeburg, 2. Juni. Ueber das schreckliche Eisenbahnunglück bei Blumenberg gehen derMagdeb. Ztg." noch folgende nähere Mittheilungen zu: Glücklicherweise war ein Arzt (Ober-Stabsarzt Dr. Schilling aus Halberstadt) im Zuge und ein zweiter (Dr. Boye aus Wanzleben) zufällig in der Nähe des Unfallortes, so daß den Verletzten sofort die nöthige Hilfe gewährt werben konnte; auch folgte dem ersten Hilfszuge mit Betriebsbeamten von Magdeburg bald ein anderer mit mehreren Aerztcn (Sanitätsrath Dr. Hageborn mit zwei Assistenten), unter deren Leitung der Transport der Schwerverwundeten in das Magdeburger Krankenbaus erfolgte. Wunderbarer Weise ist das am meisten exponirie Locomotivpersonal mit leichten 23er lktzungen davongekommen. Wie schon oben erwähnt, ist die Ursache des traurigen Unglücks­falles noch nicht zu ermitteln gewesen. Maschine und Wagen, die sofort durch Sachverständige untersucht wurden, befanden sich im besten Zustande und ebenso war der Zustand des Geleises vor der Unfallstelle, wie unter Zuziehung mehrerer höherer Eisenbahntechniker und in Gegen­wart des Herrn Amtsvorstehers Baron v, Kotze constatirt wurde, ein durchaus normaler, was schon daraus hervorgeht, daß das Geleis nachgewiesenermaßen erst im vorigen Herbste sorgfältig revidirt und durch Einziehung zahlreicher neuer Schwellen verbessert war. In der unmittel­baren Nähe der Entgleisungsstelle fanden sich einige auffallende Spurerweiterungen, die ohne Zweifel eine Folge der Stöße der in starke Schwankungen (sog. Schlingern) gerathenen Loco- motive waren; an der Unfallstelle selbst war das nördliche Geleis auf etwa 150 Meter Länge total zerstört, während das südliche Gleis, welches die entgleiste Maschine durchbrochen hatte, nur auf einige Schienenlängen vernichtet war und nach wenigen Stunden wieder fahrbar her- gestellt wurde. Endlich erhält das genannte Blatt noch von seinem Braunschweiger Corre- spondenten folgende Zuschrift: Der fragliche Zug fuhr bald nach 11 Uhr Mittags von Magdeburg ab und hatte eben Blumenberg passirt, als ein furchtbarer Stoß die Passagiere auf das im nächsten Moment erfolgende Unglück vorbereitete. Zunächst sei bemerkt, daß der Zug von so viel ich weiß bergisch-märkischem Personal begleitet wurde. Die Maschine leitete ber Lokomotivführer Müller. Hinter derselben ging der Tender, dann folgten Packwagen und 5 Personenwagen, zwischen welch letztere Der Postwagen geschoben war. Der oben erwähnte Stoß nun war dadurch hervorgerufen worden, daß Maschine und Tender vom Geleise ab gesprungen und sich von dem übrigen Train losgerissen hatten. Unglücklicherweise fand diese Trennung des Zuges an einer Stelle statt, an welcher der Bahndamm gegen 15 Fuß aufs geschüttet worden ist. Die Maschine und ber Tenber liefen links ab über das zweite Geleis, zerschnitten dasselbe und stürzten an der andern Seite den Damm hinab. Merkwürdiger Weise setzten die Wagen des Zuges rechts ab und fielen auf der andern Seite der Böschung hinunter. Nur die beiden letzten Wagen blieben auf dem Damme stehen, nachdem die Koppelung zerrissen war. Das Wehgeschrei, welches aus dem Wagen ertönte, war furchtbar. Zunächst waren die gesund gebliebenen Personen vor Schreck vollständig unfähig, den verwundeten Reisegefährten beizuspringen. Schon ein Blick auf die Trümmer Der in der Tiefe liegenden Wagen, welche sich tief in das Erdreich hineingebohrt hatten, ließ die schreckliche Gewißheit vor das Auge treten, daß es grauenhaft in denselben aussehen mußte, zumal der Zug gut besetzt war. Die Wagen waren zum Theil förmlich ineinanocr geschoben. Als man sich erholt hatte unv nun an das Rettungswerk ging, zog man zunächst aus einem Coupe zweiter Classe des vorberen Wagens die Leichen zweier Männer, von denen eine als die eines Kaufmanns aus Breslau recognoscirt.wurde. Die Papiere dieses Herrn und seine Werthsachen wurden in sichere Ver­wahrung genommen. Die zweite Leiche soll einen fürchterlichen Anblick gewährt haben und im Augenblick nicht haben recognoscirt werden können. Soweit es ging, wurde zunächst den im Zuge befindlichen Damen Hilfe geleistet, von denen einige sehr schwer ver-etzt schienen Im Ganzen mögen, von den beiden Tobten abgesehen, fünfzehn Passagiere erheblich verletzt worben sein. Gräßlich sah ein Postbeamter aus, bem der Kopf gänzlich zerschmettert war; ber Un­glückliche soll auch alsbald, wie ich höre, den schweren Verletzungen erlegen sein. Vom Fahr- personal würbe ein Schaffner am Arm, ein anberer an den Beinen und burch eine Brust- quetschung schwer beschädigt. Der Zugführer und ein dritter Schaffner sind heil geblieben, ebenso auch drei braunschweigige Fahrbeamte, welche einen Extrazug nach Magdeburg geführt hatten und den Schnellzug zur Rückfahrt benutzen wollten. Diese drei Herren konnten nun wacker mit Hülfe leisten, um die Passagiere aus den Wagen zu schaffen und die Postsachen zu bergen. Vorn Packmeister habe ich nichts vernommen, auch darüber nicht, wie es möglich war, daß der Locomotivführer gänzlich unbeschädigt blieb; der Heizer Dagegen kam nicht ganz unver­letzt davon, doch wird er bald wieder seinen Dienst verrichten können. Locomotivführer und Heizer werden sich wohl durch einen kühnen Sprung von der Maschine gerettet hahen.

Frankfurt, 5. Juni. In der vielbesprochenen Sache Sachs u. Com. werden täglich neue Einzelheiten laut, die an das Empörendste grenzen. So erschien dieser Tage auch ein Mann aus Aschaffenburg, um sich mehrere Hundert Mark Zinsen zu holen. Er fand da8 Geschäftslocal verschlossen und war nicht wenig erregt, wie ihm von anderen ßeuten die Mit­theilung wurde, daß feine Gläubiger ausgcrisscn seien. Auch er muß sich mit Liquidirung Der Forderung im Concursverfahren begnügen. Hauptsächlich laufen auch die Liquidationen von Forderungen der Betrogenen aus kleinen Orten Württembergs, Badens, Hessens und selbst aus den Reichslanden ein, theils in sehr beträchtlicher Höhe. Uebrigens dürften den bedeutenden Passiven doch einige, wenn auch nur geringe Activen gegenüberstehen, da die Durchgänger die ihnen anvertrauten Papiere theils stückweise, theils in Pausck und Bogen gegen geringe Summen bet hiesigen Bankhäusern versetzt haben sollen. Leider hat bis jetzt sich die Verhaftung der Brüder Sachs noch nicht bewerkstelligen lassen.

Die Vesuvbahn ist fertig, aber es scheint, daß die beaufsichtigende Behörde noch Ausstellungen zu machen hat, so baß ber Betrieb noch nicht eröffnet ist. Die Führer ver­wünschen bie Bahn unb hoffen, baß nächstens ein Lavastrom das Ding zerstören werde. Der Vesuv war jüngst wieder in größerer Aufregung, so daß ein Ausbruch erwartet wird. Prof. Palmieri ist indeß anderer Ansicht, der Seismograph ist immer bei Doll- und Neumond un­ruhiger als gewöhnlich, verräth aber keinen Ausbruch. Die Königin hat den Vesuv bestiegen.

Mainz. 6. Juni. In unserer Nachbarstadt Caste! hat sich gestern Mittag ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Ein Beamter der Nassauischen L-taatsbahn be­fand sich zu dieser Zeit in Caste! und wollte einen nach Wiesbaden fahrenden Zug benutzen, um nach seiner Station zurückzukehren. Der Zug hatte sich bereits m Be­wegung gesetzt, als der Beamte, ein schon bejahrter ManN, demselben nacheilte und auf das Laufbrett springen wollte. Der Beamte verfehlte aber sein Ziel und fiel so unglücklich zwischen die Wagen, daß ihm beide Beine abgefahren wurden. Der Schwer­verletzte liegt hoffnungslos darnieder. Der Provinzialtag der Provinz Rheinhessen wird künftigen Samstag den 12. Juni seine diesjährige öffentliche Sitzung in dem Saale der Stadtoerordneten-Versammlung abhalten. Es werden zehn Gegenstände, welche auf der Tagesordnung stehen, zur Berathung kommen. (D. Z.)

Der PariserRappel" erzählt: Auf einem Uebungsmarsche von Romans nach Chatcauneuf d'Jsdre wurde der Lieutenant Ponsard vom 22. Linien-Jnfanterie- Regiment durch einen seiner Leute, einen Corsen Namens Peraldi, erschossen. Lieute­nant Ponsard hatte auf dem Marsche die Tornister der Soldaten revidirt, wobei sich herausstellte, daß Peraldi nicht vorschriftsmäßig gepackt hatte. Lieutenant Ponsard gab ihm dafür vier Tage Arrest. Der Mann erwiderte nichts und setzte sich ruhig an den

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