Ausgabe 
9.5.1880 Zweites Blatt
 
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sei aber zur Zeit nicht ausführbar, da die Abgeordneten zum größten Thetle der deutfchen Sprache nicht mächtig seien ober sie nur mühsam verstänoen. Ein Zwang lasie sich daher nicht üben, ohne einen erheblichen Theil der Ver. sammlung mundtodt zu machen. Die parlamentarischen auch von den Abze« ordneten empfundenen Schwierigkeiten seien groß genug, um allen Betheiligten den Wunsch nach Verhandlung in Einer Sprache nahe zulegen.

Augenblicklich sei die Sache nicht zu ändern. Man dürfe nicht vergesien, daß der größere Theil der Abgeordneten auf Grund früherer Wahlen in den Landesausschuß eingetreten sei. Wollte man die nur französisch redenden Mit­glieder des Ausschuffes nöthtgcn, ihrer Sprache sich zu enthalten, so schlöffe man sie von der Arbeit im Landesaurschuffe aus und zwänge sie mittelbar zum Austritt. DieElsaß-Lothr. Ztg." zweifelt, ob eine derartige Behänd- lung der Sache für die politische Entwicklung im Reichsland dienlich sei. und nicht minder, ob Neuwahlen unter solchen Umständen nur deutschredende Abge­ordnete in den Landesausschuß bringen würden.In solchen Fragen ist die wachsende Einsicht der beste Zwang. Wir denken, daß Wähler und Gewählte zu der ersteren bald gelangen werden und daß es sich um einen Uebergang handelt, den auf alle Weise abzukürzen das Interesse an den gemeinsamen parlamentarischen Arbeiten und die politisch? Klugheit Abgeordneten wie Wäh­lern gleichmäßig rächen."

Vermischtes.

Hamburg. [(Sine Schmuggelgrschichte.j Am 18. v. M. beschäftigte sich die Straf­kammer zu Altona mit einer netten Schmugglerbande: nicht weniger als sieben polnische Juden waren des complotmäßigen Schmuggelns angeklagt. Der Zollbehörde in Harburg war im Februar b. I die Anzeige zugegangen, daß eine Anzahl polnischer Juden, die täglich zwei Mal dort auf der Eisenbahn von Hamburg einträfen, sehr corpulent in den GasthofDrei Kronen" zu Harburg gingen und sehr dünn wieder herauskämen, worauf sie per Dampfboot wieder nach Hamburg zurückkehrten. Zwei Zollbeamte fanden sich am 22. Februar auf dem hiesigen Venloer Bahnhof ein und iahen nun. tote zuerst 8 bis 10 polnische Juden in langen Röcken ober Pelzen ankamen. Ihre Zahl vergrößerte sich dann auf 17. Dieselben gingen in die Revisionshalle, begaben sich, nachdem sie dort abgefertigt waren, in die Wartesäle und fuhren dann nach Ham­burg Die Zollbeamten wagten noch nicht, die Verdächtigen anzuhaiten, sondern beschränkten sich darauf, sie beobachten zu lasten, wodurch sie erfuhren, daß die polnischen Juden in den Drei Kronen", wohin sie sich begaben, mit großer Geschwindigkeit jeder sechs Röcke, die sie unter ihren eigenen Röcken übereinander getragen, verstohlen abgeworfen hatten und bann zum Dampfschiff geeilt seien. In denDrei Kronen" wurden die zurückgelastenen Röcke von anberen polnischen Juden in Empfang genommen, in Kolli verpackt und abgesendel. Am nächsten Tage faßten die Zollbeamten die sieben polnischen Juden- Je nach dem stärkeren oder geringeren Grade ihrer natürlichen Beleibtheit trugen sie je 5 bis 7 verschiedene alte Röcke, vom eleganten Frack bis zum schwersten Paletot übereinander, so daß auf jeden Einzelnen sechs Röcke kamen. Der Werth der von den polnischen Juden geschmuggelten Sachen ist auf über 4000 AL an­gegeben. Die Vernehmung der Angeklagten rief viel heitere Scenen hervor. Die 7 Angeklagten sprudelten förmlich in ihrem Jargon über und der Präsident ließ ihnen volle Redefreiheit bis zur Ermüdung. Einer der Angeklagten, der angeblicheMacher", wurde zu 1 Jahr und 4 Monaten Gcfängniß oerurtheilt, die übrigen erhielten je 6 Wochen Gefängniß.

Mit Bezug auf die neue Orthographie entnimmt dasKl- Journ." einem sächsischen Blatte folgenden Herzenserguß;

Die taitsche Eentgkett ts zwar sähr scheen, Doch mich erfillt's mit frohem Fanadismus, In die Ordbichrafih erpliet zu sähn An kleenes Bischen Bardigularismus!

Und hat erscht 'ne Rechtschreibung ganz per se Alleene jeder taltsche Staat, Kott weeß esl Ich sag's mit Stolz: mir Sachsen brauchen zwee 'N ne harte undne weeche, ai Hercheses!

Von einer Hausfrau.

Zu Pfingsten hatte ich meinem Knaben leinene Anzüge machen lassen, vorsorg­lich aber für etwaiges schlechtes Wetter auch einen neuen wollenen Anzug beim Schnei­der bestellt. In der Meinung, daß für alles gesorgt sei, wurde inzwischen der bisherige Sonntagsanzug als Schulanzug getragen, uno wie ein wilder Knabe in wenigen Tagen einen neuen Schulanzug zurichlet, das weiß man. Das Pfingstweiter war nicht dazu angethan, Leinenkleider zu tragen und der Schneider, der den wollenen Anzug zu lie­fern versprochen hatte, hielt wie gewöhnlich nicht Wort. Der Knabe war untre ft l ch, daß er einen beabsichtigten Pfingilausflug nun nicht mitmachen könne, und ich nicht minder. In dieser Verlegenheit, es war Samstagmorgen vor Pfingsten, gedachte ich Hudsons Seifenextract. Ich nahm die Hälfte eines Packelchens ä 15 machte daraus zwei Auflösungen in lauem Wasser, weil ich voraussah, daß eine einmalige Wäsche des argbeschmutzten Anzuges nicht genügen würde. In der That färbte sich die erste Auflösung sofort tintenschwarz, als ich aber dann m der zweiten Auflösung weiter wusch, sonderte sich nur noch wenig Schmutz ab und die Farben des Stoffes erschienen klar und leuchtend. Ich wusch sodann den Anzug in reinem kalten Wasser aus, trock­nete ihn. was man bei Wollenstoffen stets thun soll, so viel wie möglich zwischen reinen Leinentüchern, hängte ihn sodann in die Nähe des warmen Küchenheerdes und bügelte ihn gegen Abend in noch etwas feuchtem Zustande. Als die Glocken das Pfingstfest anläuteten, war der Anzug vollständig wie neu, der Knabe war hoch erfreut und ich hatte mir für H Hudsons Seifenextract und mit geringer Arbeit über eine recht ärgerliche Verlegenheit hinweggeholfen. Hudsons Seifenextract ist fürwahr für den Haushalt ein wohlthätiges, geräuschlos, im Stillen arbeitendes Wichtelmännchen, wel­ches hundertfache wichtige Dienste leistet, wenn man es versteht, den richtigen Gebrauch davon zu machen.

Diese Betrachtungen sind von einer praktischen Hausfrau im vorigen Jahre niedergeschrieben. Was über das damalige Pfingstwelter gesagt ist, wird ja hoffent­lich in diesem Jahre nicht wieder eintreffen; was jedoch über Hudsons Seifenextract gesagt ist, bleibt zutreffend für jetzt und alle Zeiten, und deßhalb bricht sich dieses oor- zügliche Waschmittel in Deutschland auch mehr und mehr Bahn. (3220

Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat April 1880.

Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige-

AL -5;

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AL

AL 4

AL Ah

AL

12-

9 75

8 - 2,5U 2 25

13 25

10 50

3

13 50

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75

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Je V2 Kilogramm kostet Mark und Pfennige.

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Kuh- und i | Rindfleisch. 1

| Kalbfleisch. I

1 Hammel- I fleisch

Schweine- \ fleisch. /

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Noggenmehl.ff

IRoggenbrod. t

Kaffee, gebr 1 in Bohnen. 1

1 Salz. | \

Speck,

geräuchert- |

Schweine- / schmalz.

Bier

1 Hectottter. 1

Branntwein | 1 Hektoliter. 1

Mich

1 Liter.

Petroleum 1 1 Liker. |

(Ster 10 Stück. |

AL $

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AL Ahl-AL Ah\-AL

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