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Hegen die Vorlage. Solche Vergewaltigung des Menschengeistes sei unmöglich. Jeder solcher Versuche müsse zu traurigen Resultaten führen. Wohl könne die Politik der Majoritatspartei die Entwickelung der Dinge auf einige Jahrzehnte hinaussckieben, aber am Ende werde doch die Lehre der Socialdeinokratie Siegerin bleiben. Lasker tadelt, daß das Socialistengesetz so gehandhabt fet, daß schon die Bctheiligung von Social­demokraten an und für sich harmlosen Vereinen genügt habe, um diese mit dem Gesetze zu treffen. Eine nochmalige Verlängerung dieses Ausnahmegesetzes werde diesem den Charakter einer ständigen Institution geben. Er werde darum die Verlängerung ab­lehnen. Marquardsen erklärt, daß Lasker nur im eigenen Namen gesprochen, die nationalliberale Partei aber dem Gesetze zustimmen werde. Bundesbeoollmächtigter Graf Eulenburg führt Lasker gegenüber aus, wie die Negierung in Ausführung des Gesetzes streng loyal und correct vorgegangen sei. Windthorst spricht sich im Sinne v. Hertling's aus. Die Vorlage wird darauf an eine Commission von 14 Mit­gliedern verwiesen.

Berlin, 6. März. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Meldung verschiedener Blätter, der Kaiser habe bet seinem neulichen Besuche des Reichs­kanzlers diesen bettlägerig gefunden, mit allen daran geknüpften Vermuthungen für durchaus unbegründet. Es sei dem Fürsten Bismarck wegen erheblicher Erkältungen untersagt, das Zimmer zu verlassen. Das Bett zu hüten, sei derselbe keinen Tag genöthtgt gewesen. Er habe den Kaiser am 27. Februar zwar nicht wie sonst am Wagen, wohl aber an der Außenthür des ersten Vor­zimmers in Uniform mit Helm und Degen empfangen.

DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Mittheilung derVoss. Zig.", der Generalpostmetster habe für sein Ressort die Einführung der neuen Recht­schreibung zum 1. April angeordnet, für gänzlich unwahr. DerReichs- anzeiger" meldet, daß Se. Mas. der Kaiser dem Seehandlungs - Prästdenten Bitter den Adel verliehen hat. Heute Nachmittag 4 Uhr hielt Fürst Bis­marck dem Kaiser Vortrag.

Berlin, 6. März. DieNat.-Ztg." schreibt: Fast gleichzeitig mit der Kunde von dem Mordanschlag auf Graf Loris-Melikoff geht uns eine neue nihilistische Proklamation zu. Sie ist auf einem Octavblatt starken weißen Papiers mit ungleichmäßigen russtschen Lettern hergestellt, und zwar nicht mit der Druckpresse, sondern mit einem sog. Bürstenabzüge. Wir theilen das revolutionäre Bulletin in wörtlicher Uebersetzung als zeitgenössisches Actenstück mit, indem wir nur zwei Ausdrücke wildester persönlicher Beschimpfung gegen Kaiser Alexander, der sicher nichts weniger als den Vorwurf der Grausamkeit verdient, unterdrücken:

Auf Befehl des Executtv-Comit^s ist um 6 Uhr 22 Min. des Nachmit­tags vom 5./17. Februar ein neues Attentat auf das Leben des . . . Alexan­der ausgeführt worden. Der Plan, auf dessen sicheres Gelingen man gehofft, ist vereitelt worden, da der Czar die gewöhnliche Eßstunde nicht innehielt. Die Explosion fand ihn aus dem Wege zum Speisesaal. So ist das Unglück unZ seres Vaterlandes gerettet worden. Mit tiefer Betrübniß erfüllt uns der Tod jener armen Soldaten, dieser unglücklichen gezwungenen Leibwächter des ge­krönten ... Da indeffen die Armee es ist, auf welche der Despotismus sich stützt, so wird man sich auf derartige tragische Ereignisse gefaßt holten müssen, bis sie zu der Einsicht gelangt sein wird, daß die heiligsten Interessen des Vaterlandes von ihr erheischen, sich sür das Volk gegen den Czaren zu erklären. Noch einmal führen wir es ganz Rußland vor die Seele: Nur gezwungen haben wir den Kampf begonnen, gezwungen durch den Despotismus, durch den Druck der Tyrannei; unser Endzweck ist das Glück deS Volkes. Die Regie­rung ist das größte Hinderniß einer freiheitlichen Entwickelung des nationalen Lebens: sie läßt dem anständigen Manne nur die Wahl zwischen dem unbe­dingten Aufgeben eines jeden dem Volkswohl sich guwendenden Gedankens und dem Kampfe bis auf's Messer gegen die jetzigen Gewalthaber. Noch einmal erklären wir: Wir werden von diesem Kampfe nicht abstehen, bis Alexander II. seine Macht in die Hände des Volkes ntedergelegt, bis eine constituirende National'Versammlung die Grundlagen einer socialen Reform festgestellt haben wird. Wenn dieser erste Schritt gethan ist, dann endet unser Befretungswerk von selbst. Wir rufen allen russischen Bürgern zu, uns in unserem Kampfe gegen diesen verdammenden und unmenschlichen'Despotismus zu unterstützen, unter dessen Druck die edelsten Kräfte des Vaterlandes ersterben.

Das Executive Comit6.

Nach einem Telegramm des RotterdamerN. Courant" aus Peters­burg hat das Nihtltsten-Comtts die Summe von 6000 Rubel an das stnnlän- dische Garde-Regiment gesandt, um dieselben an die Angehörigen desselben, die bei der Explosion im Winterpalaste verwundet, oder an die Hinterbliebenen der Umqekommenen zu verthetlen.

Hagen, 6. März. Der frühere Abg. Friedrich Harkort ist heute Mittag gestorben.

ArauLreich.

Paris, 6. März, Nachm. 3 Uhr 25 Min. An dem Mtnisterconseil, der heute früh abgehalten worden, wurde, wie bereits gemeldet, der Bericht verlesen, den der Justtzmintster gestern in Sachen Meyer-Hartmann an den Präsidenten der Republik erstattete. Indem der Bericht sich auf die Ergebnisse der Ermittelungen stützt, welche durch den Procurator der Republik in Ge­mäßheit des ministeriellen Circulars vom 12. Dctober 1875 vorgenommen worden und auf die Gutachten, welche am 2. März d. Js. sowohl von dem Vorstande des ParguetS am Seine-Tribunal, als auch von dem General- Procurator bei dem Appellhofe abgegeben worden, kommt derselbe zu dem gleichen Schluffe wie die vorgenannten Rechtsgelehrten, daß, da die Identität deS Jnculpaten und seine Betheiligung au den ihm zur Last gelegten That- sachen nicht festgestellt seien, die Auslieferung desselben nicht stattzufinden habe. Dieser Schlußantrag des Großsiegelbewahrers ist von dem Mtnisterrath ange­nommen und die Entscheidung dem russtschen Botschafter sofort zur Kennt- niß gebracht worden.

Der heute Vormittag im Mintsterconsetl verlesene Bericht des Justiz. mtmsterS Cazot kommt zu dem Anträge, Hartmann nicht an Rußland auszu- liefern, da seine Identität und Strafbarkeit nicht genügend sestzestellt seien.

Temps" schreibt: Die in einigen Zeitungen veröffentlichten angeblichen Manifeste eines revolutionären Comitss seien das Werk von Agents provo- cateurs, welche Frankreich und Rußland zu entzweien suchten.

Paris, 6. März, Die Regierung hat Maßregeln für die Ausweisung Hartmann'S ergriffen. Derselbe wird wahrscheinlich nach einem Hafenplatz am Emtal gebracht werden, von wo er sich nach England einschiffen wird.

Der Senat wählte Albert Grevy, Generalgouverneur von Algerien, zum »«absetzbaren Senator. 0

P<*iS, 6. März. Es heißt, Hartmann sei heute Nachmittag nach Dieppe abgereist, um sich Abends nach England einzuschiffen.

ItaNeu.

Rom, 6. März.Diritto" veröffentlicht ein Resums der Reden des deutschen Botschafters v. Keudell und des Ministerpräsidenten Cairoli bet dem Bankete in der deutschen Botschaft anläßlich der Vollendung des Gotthard- Durchstiches. Herr v. Keudell gab der lebhaften Anerkennung Deutschlands für Italien Ausdruck. Dasselbe habe die Jnitiat.ve ergriffen zu diesem Riesen­werke, welches zwischen den Thälern des Rheins und des Po einen leichten Verkehr eröffnet und die Entfernung aus einige Stunden zwischen beiden Nationen verringert habe, die durch ein tapferes, aus seine hundertjährigen Traditionen, auf feine Unabhängkeit und Freiheit eifersüchtiges Volk getrennt sind. Dieses Werk eröffne die Aussicht aus eine friedliche Zukunft. Es sei n wAU verüben/ daß Italien moralisch wie finanziell den Hauptantheil habe an diesem Unternehmen und es sei demnach nur das Gefühl der Dankbarkeit, welchem ihm den Toast auf den König von Italien ausbringen ließe. Cairoli dankte dem Vertreter der großen deutschen Nation, welche mit Italien durch Bande unerschütterlicher Zuneigung vereinigt sei. Die gegenwärtige Feierlich­keit sei nrcht blos ein Fest der Wissenschaft, der Arbeit, der Industrie und des Handels, sondern auch für die heilige Sache des Friedens, welchem die Anstrengungen der Staatsmänner gewidmet seien und welche das höchste Ziel der italienischen Politik sei. Durch intimer zu gestaltende Beziehungen werde man eine mächtigere Solidarität der freundschaftlichen Interessen und Pflichten erreichen. Redner, welcher die sympathischen Gefühle Keudell's sür Italien kenne, sei wohl überzeugt, daß der bche Wunsch, den er für ihn sowohl, als den schweizerischen Gesandten ausdrückm könne, der sei, daß der neue Weg zwischen den drei Ländern die Freundschaft und natürliche Allianz der Arbeit und des freien Verkehrs befestige. Er denke nur an das glorreiche Deutsch­land und die arbeitsame Schwerz, wenn er aus den deutschen Kaiser und den schweizerischen Bundespräsidenten einen Toast ausbringe.

Rom, 6. März. Die Nachricht desMessagero", daß der Kriegs­minister Circulare an die Militärdlstricte erlassen habe, sich für eine probe­weise Mobilisirung bereit zu halten, wird von derLiberta" für unbegründet erklärt..

Amerika.

Rrtv-Norik, 5. März. Nach Meldung desHerald" aus Hong­kong triffl China große Kriegsvorbereitungen und macht ansehnliche Waffen- Ankäuse.

Rio de Janeiro, 5. März. Die chilenische Flotte hat Arica ange­griffen. Der Commandant des SchiffesHuascar" ist gefallen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Correfpantzeur - Bnrean.

Konstantinopel, 7. März. Der britische Botschafter Layard hat der Pforte nonfkirl, die Berliner Signatarmächte würden eine internationale Commission zur Beilegung der griechisch.türkischen Differenzen aus Grundlage des 13. Protokolls des Berliner Vertrags emsetzen. Die Commission würde ihre Entscheidungen nach Stimmenmehrheit treffen und der Türkei und Grie­chenland ihre Beschlüsse bezüglich der neuen Grenzlinie durch eine Collecttv- Note der Mächte mittheilen. Der griechische Gesandte constatirte amtlich, daß seine Regierung die Unterhandlungsbasis der letzten Note Sawas Paschas für unannehmbar halte und die Wiederaufnahme der Unterhandlungen ablehne. Aleko Pascha ist nach b?m District Herdjeli abgereist zum Zwecke der Unter­suchung der dortigen Unruhen. Derselbe trifft in Hermanly mit Reuf Pascha behufs Verabredung gemeinsamer Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ord­nung zusammen.

Petersburg, 7. März. DerRegierunzsbote" veröffentlicht ein kai­serliches Rescnpt an den Großfürsten Constantin, welches seiner der russischen Flotte erwiesenen Dienstleistungen voll Anerkennung gedenkt.

Washington, 7. März. Die Specialcommisston des Repräsentanten­hauses zur Prüfung des Entwurfs, betreffend den Bau des interoceanischen Canals von Panama hat beschlossen, einen Bericht an das Repräsentantenhaus zu richten, welcher die Annahme einer gemeinschaftlichen Resolution beider Kammern empfiehlt, wonach auf das Kategorischste die Monroe-Doctrin auf- rechierhalten wird. Es wäre die Leitung und Controle des Verkchrs durch den Isthmus den Unionsstaaten zu unterstellen, und diese hätten jeden Versuch einer europäischen Macht, ein Prötectorat in einem unabhängigen amerikani­schen Staate herzustellen, als dem Frieden und der Sicherheit des Landes gefährlich zu betrachten. Der Präsident der Vereinigten Staaten soll aufge­fordert werden, Maßregeln zu ergreifen, um jeden obiger Erklärung zuwider- laufenden Vertrag aufzuheben.

Wien, 7. März. DasOcherr. Corresp.-Bureau" meldet: Wie wir vernehmen, hat sich Kronprinz Rudolph mit der Prinzessin Stephanie von Belgien verlobt.

Vermischtes.

SQn au, 5. März. l.Wasser8noth.) Eine höchst aufregende Nacht war die ver­gangene für Alle, die von hohem Wasserstande der Kinzig zu leiden haben. War auch durch die diesige Behörve und durch unser Blatt eintretendes Hochwasier in Folge von Wolkenbrüchen zeitig angekündigl und zur Vorsicht ermahnt worden und waren deßhalb auch Seitens der Jnteressirten umfasiende Vorkehrungen getroffen worben, daran dachten Wenige oder vielleicht Niemand, daß die Kinzig einen so hohen Wafferstand, wie wir ihn in gleicher Höhe bei ihr eit langen Jahren nicht gesehen, erhallen sollte. Im Laufe des gestrigen Nachmittags schwoll die Kinzig Merklich an, aber gegen 10 Uhr Abends wälzten sich die Waffermaffen mit solcher Gewalt heran, wie es ältere Leute in solcher Weise gesehen zu haben sich nicht erinnern. - Es mußten außerordentliche Hülfsmtttel angewandt werden, um der Gewalt des entfeffelten Elements soweit als thunlich entgegenzuarbeiten, und so trat die Mannschaft der 6. Compagnie unseres Füsilierbataillons, ebenso in anerkennenswerthester Weise die sogenannte Sturmkolonne unserer frerwilllgen Feuerwehr zu erfolgreicher Aufführung von Dammbauten bei der Scndel- mühle (hier war das Wehr gebrochen und drang das Waffer in die Ställe, so daß das Vieh chleunigst gerettet werden mußte) in Aktion und verblieben sämmtltche Hülfeleistenden bis gegen 4 Uhr heute Morgen, von welchem Zeitpunkte ab ein Fallen bemerklich wurde, am Platze Wie die Flutben gehaust haben und Alles zerstörten oder mit sich riffen, was ihnen in den Weg kam, dafür liegen viele Beweise vor: Vieh, Holz in Masse, Körbe, Möbel, Geräthschaften re. sogar ein Bahnwärterhaus, trieben in rasender Schnelligkeit vorüber. Heute Morgen fand sich noch ein todtes Schwein auf Heuser's Wiese vor. Hiobsposten aus der Umgegend werden wir in Masse zu erwarten haben. Daß daS ganze Kinzigthal fast einem See glich, ist selbst­verständlich. . (Han. Anz.)

Zwischen WächterSbach und Salmünster wurde gestern Nachmittag der Eisenbahn- * dämm vom Hochwasser durchbrochen und müssen die Passagiere an der ftagltchen Stelle umstetgen.

Wie wir hören, hat das Hochwasser der Kinzig auch den Damm der Friedberger

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