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rauf die Beamten zur Exmission schreiten wollten, jedoch von ihren Beschützern getrennt und erschrecklich durchgebläut wurden. Viele Polizisten trugen Verwundungen am Kopfe und im Gesichte davon. Einem Constabler wurde das
Brüssel, 5. Januar. In Lüttich yat sich die klerikale Presse geweigert, mit der liberalen gemeinschaftliche Sache zn machen in der Unterstützung der Nothleibeuden. Die „Gazette de Liege" sammelt auf eigene Faust für ihre Armen, „Journal de L^ge" und „Meuse" sorgen für die ihrigen. Der Wetteifer der Blätter, es emander im Ertrage zuvorzuthun, kommt den Bedürftigen sehr zu Statten.
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Gesicht durch einen Steinwurf entsetzlich entstellt.
Belgien.
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England.
London, 5. Januar. W'.e wir erfahren, wird das furchtbare Unglück, die Tay-Brücke in Schottland betroffen hat, das großartige Unternehmen Forth-Brücke, ebenfalls in Schottland, welches etwa 25,000,000 JL
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr. Correspondeur - Bureav.
Berlin, 7. Januar. Die „Prov-Corresp." legt in einem Artikel unter der Ueberschrtft „die Geschäftslage des Landtages" gegen die Annahme, daß die Regierung den Gedanken an den Abschluß der vorgelegtLN Verwal- tungs-Resormgesetze in der laufenden Session aufgegeben habe, entschiedene Verwahrung ein. Die jetzt vorgelegten Verwaltungs-Reformgesetze bezögen sich wesentlich auf die allgemeine Landesverwaltung; bevor dieselbe seststehe, sei es unmöglich, die Provinzial- und Kretsordnungen für diejenigen Provinzen vorzu- bereiteu, welche dieselben noch nicht besäßen. Die Regierung werde dem Abgeordnetenhause dringend an's Herz legen muffen, den Abschluß der bezeichneten Gesetzentwürfe noch innerhalb der gegenwärtigen Session ernstlich tn'S Auge zu faffen; die V^ge dazu würoen sich finden lassen, sei es auch durch Vertagung des Landtags bis nach Schluß des Reichstags.
— Die „Nordd. Mg. Ztg." erklärt die Nachricht verschiedener Blätter, in der letzten Bundesrathssitzung sei Seitens des Präsidiums die Vorlegung der Gesetzentwürfe über Erhöh mg der Brausteuer und Einführung der Bör- senstcuer angekündigt, für unbegründet; es habe keine derartige Mitthellung staitgefunden.
Pesth, 7. Januar, Mittags. Der Eisstoß auf der Donau setzt sich in Bewegung.
New-Nork, 7 Jan. Der Präsident von Peru, Prado, ist gestern hier eingetroffe.i. Dem „Panama Star and Herald" vom 27. December zufolge, erklärte Prado, der Zweck seiner Reise nach Europa wäre der Ankauf von Panzerschiffen für die peruanische Marine.
Wien, 7. Januar. Meldung der „Polit. Corresp." aus Ragusa: Albanesen concentriren sich in den l tzten Tagen nahe bei Gusstnje. Es wird ein Angriff auf Montenegro befürchtet. Die Montenegriner beschlossen, tu der De^nsive zu verharren.
Wien, 7. Januar, Abends. Der Eisstoß aus dem bayerischen Theil der Donau passirte heute Nachmittag Wien, ohne den geringsten Schaden anzurichte^
Lemberg, 7. Januar. Die Weichsel -Überschwemmung nimmt zu; in Folge eines zweiten Dammbruches sind abermals mehrere Ortschaften über- fittbes und bedeutender Schadrn vdrursocht.
kosten wird, nicht beeinträchtigen. Nicht allein Sheffield, sondern auch Deutschland hat Lieferungen zu dieser l^/r Meilen oder 2.4km langen Brücke, deren Pfeiler nahezu 180m hoch sein werden, erhalten. Die deutsche Bessemer- Stahl - Industrie hat bei der Vergebung der Lieferungen in diesem Artikel die englischen Werke geschlagen, ein neuer Beweis, daß die deutsche Industrie in diesem Zweige nicht allein keinen Schutz bedarf, sondern stark aenug ist, die Engländer im eigenen Lande anzugreifen und zu schlagen. Fr. Krupp in Essen hat den zu der Blöcke nöthigen Beffemer-Stahl von 10,000 Tons erhrlten; dagegen find die übrigen zur Brücke benöthigten Metall-Materialien nach Sheffield vergeben worven. Vickers Sons u. Comp. haben die Lieferung der Stahl- ketten erhalten, während die Firma Jonas u. Colver Continental Steel Works, ebenfalls Sheffield (Herr Jonas ist ein Rheinländer), mit der Lieferung des Werkzeugstahls, der Hämmer, Feilen und dergl. beauftragt ist, und um sich einen Begriff von der Großartigkeit dieses Brücken-Unternehmens machen zu können, erwähnen wir, daß letzterer Contract, der sich also nur auf Werkzeuge und auf Materialien zur Herstellung von Werkzeugen erstreckt, einen Betrag von 500,000 darstellt. (Köln. Ztg.)
Dublin, 5. Jan. Es herrscht hier große Aufregung in Folge eines heule Mittag veröffentlichten Berichtes über ernstliche im Westen Irlands ausgebrochene Unruhen und ein Zusammentreffen der Polizei mit dem Volke. Die Ruhestörungen entstanden durch Exmissionen, welche auf den Gütern Mr. Kirwan's in Carraoe, einem überaus unfruchtbaren Dtstrict, zwanzig Meilen westlich von Galway an der Connemara-Küste, vorgenommen wurden. Die Polizisten, welche die mit der Exmission betrauten Beamten beschützten, wurden aus's Leidenschaftlichste von der Volksmenge angegriffen, die zu Hunderten zählten, urd waren schließlich genöthigt, einen Angriff mit dem Bajonet zu machen. Mehrere Personen wurden schwer verwundet. Der ganze Dtstrict soll sich tur Zustande des Aufruhrs befinden und werden weitere Ausschreitungen befürchtet. Die Behörden haben größere Abthetlungen Polizeimannschaft abgeschickt, um den ganzen Dtstrict zu besetzen und sollen alle Städte im Westen Verstärkungen erhalten. Einem Bericht von Freeman's Journal zufolge, soll die Polizei durch den starken Hagel von Steinen derart erbittert worden sein, daß sie in ihrer Wuth vier Schüsse auf das Volk — allerdings über desscn Köpfe — abgegeben habe. Ferner habe die Polizei wüthende Bajonetangriffe gemacht, wobei es schwere Verwundungen abgefttzt habe. Eine arme Frau, welche sich als Zuschauerin an Ort und Stelle befunden, erhielt eine schreckliche Bajonetwunde am Hals, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Es wird jedoch hier beigefügt, daß die Weiber, wie bet der berühmten Vertheidigurg von Limertk, die gefährlichsten Gegner gewesen seien. Ter Kampf habe eine Zeit lang mit wechselnden Erfolgen gedauert. Erst machte das Volk den Versuch, die Exmissionsbcamten zu ergreifen und ihnen die gerichtlichen Papiere zu entreißen, was ihnen denn auch gelang. Nach heftigem Kampfe gelang es der Polizei, die Papiere wieder zu erlangen, wo-
Plenum beschäftigte ur.d nur zur Durchberathung in der Commission gelangte, zur Verhandlung gelangen. In den Jahren 1878 und 1879 wurden bereits 6 und 12 Millionen im Extraordinarium des E-ats zu diesem Zweck bewilligt. Da aber das Auskunftsmitiel, den Bau von Kssernen durch den Etat herbei- zusühren, nicht als hinreichend etkannt worden ist, und man einerseits daran festhält, daß besonders die Kavallerie-Regimenter, die bis jetzt tn 4 ober 5 kleinen Städten garnisontren, nach Einführung des neuen Exercier-Reglements unter den Augen des Regiments - Commandeurs in einer Garnison vereinigt werden müssen, andererseits, daß man die Bürger von der Einquartierung entlasten und dem Soldaten mit dem besseren Quartier auch eine wirksamere Handhabung der Disciplin gewähren muß, so wird es nöthlg, das Kaserni- rungsgesetz, wenn auch nicht tn dem früheren Umfange, wieder etnzubrtngen.
Berlin, 6. Januar. Die Vorlage, betreffend die Maßregeln gegen den oberschlestschen Nothstand, ist, wie man hört, soweit vollendet, daß bas Abgeordnetenhaus unmittelbar nach seinem Zusammentritt im Besitz desselben sein wird.
Karlsruhe, 5. Januar. Dem „Pf. Kur." wird geschrieben: Dieser Tage hat sich ein Rechtsstreit vor dem Landgerichte Freiburg abgespielt, der eine recht ergötzliche Illustration des alten Sprichworts bildet: „Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selber hinein." Vor einigen Jahren nämlich, als tn Folge unserer neuen kirchlichen Gesetzgebung dem Kloster auf dem Linden- Lerge bei St. Peter die Aushebung drohte, dachten die Schlauen den Schlag dadurch abzuwenden, daß sie sämmtliche liegende und fahrende Habe des Klosters der Schwester Veronica Benitz zu wahrem Eigenrhum zuschrieben und diese m dem Anwesen als Prioat-Gigenthümerin auftrat. Das ging so eine schöne Zeit lang und die Freiburger Füchse hatten sicher ihre Helle Freude an der Nase, die sie dem Gesetze gedreht hatten. Aber eö sollte anders kommen. Die Veronica Benitz legte sich zum Sterben und segnete in der That am 24. Juli v. Js. das Zeitliche. Auch für diesen Fall war gesorgt, denn nun trat der ultramontane Adoocat und Rechtsanwalt Marbe in Freiburg als Testamentserbe auf und beanspruchte die ganze Hinterlassenschaft der Benitz. Jedermann war klar, daß dies wieder nur eine Finte sei, um das ganze Hof- bezw. Klostergut jener kirchlichen Genossenschaft zu erhalten. Hierauf gründeten die Jntestaterben der V. Benitz eine Klage beim Großh. Landgericht Freiburg, dahin gehend, daß sie verlangten, das oben erwähnte Testament sei für rechtlich unwirksam zu erklären, weil Maibe nur eine untergeschobene Person sei. Das Großh. Landgericht gab auf Grund des Art. 916 des badischen Landrechts dem Klagbegehren statt und so erben nun, wenn nicht die
höheren Instanzen dieses Unheil ausheben, Verwandte der Benitz das ganze schöne Hosgut, das einen Werth von etwa 70,000 Mk. hat. Der Fall ist für die Ultramontanen um so ärgerlicher, als sich hierunter nicht nur das von der Benitz in die klösterliche Gemeinschast eingebrachte Vermögen befindet, sondern auch das anderer früherer Klosterfrauen, da aus dem Ltndenberge hauptsächlich aus vermögliche Bauerntöchter Jagd gemacht wurde. Jnsoferne ist der Versuch, dem Gesetze eine Nase zu drehen, sehr Übel ausgefallen. Herr Marbe verließ nach der Publication des Spruches den Gerichtssaal mit den von der En tiüstung über das Fehlschlagen des Manövers eingegebenen Worten: „In Leipzig gtebt's auch noch Richter!" Diese ultramontane Version ,il y a des juges ä Berlin“ erregte natürlich allgemeine Heiterkeit.
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Berliner Skizzen.
Berlin, 5. Januar.
Das Jahr fängt gut an. In Paris werden die Friedensschalmayen so lebhaft geblasen, als gelte es, die Besorgnisse, welche in Bezug auf die Möglichkeit einer Friedensstörung, wie die Neujahrsansprache des deutschen Kaisers an die Generale zeigte, auch an höchster Stelle gehegt wurden, zu zerstreuen. Früher übernahm es der greife Feldmarschall Wrangel, der gleich den Berlinern im Allgemeinen und den Bewohnern des Mühlendamms im Besonderen mit dem Dativ und Akkusativ stets auf dem Kriegsfuße stand, bei der großen Neujahrscour das Wort zu führen. Seitdem der große Schweiger Graf Moltke die Führung der Generalität bei dieser ofsiciellen Feier übernommen, wird die Gratulation nur in Form einer knappen militärischen Meldung dem Kaiser dargebracht. Der Rest ist Schweigen, aber der Kaiser versteht es trotzdem, etwas Fluß in die Unterhaltung zu bringen und nimmt von seinen alten Generalen selbst ein freimüthiges Wort nicht übel.
Fürst Bismarck fehlte bei der Cour; er hat die Erlaubnis gleich fremden Souveränen seinen Glückwunsch telegraphisch abzustatten. In den nächsten Tagen wird der Kanzler wieder in Berlin weilen, und nicht nur in den verschiedenen Ressorts der Min'sterien zum Rechten sehen, sondern auch seinen Enkel, den kleinen Otto Grafen von Rantzau aus der Taufe heben. Seine Durchlaucht ist, wie man sagt, da ihm die Nervenschmerzen mehr zu Leibe gehen, als die Franzosen und Russen, regierungsmüde, er zöge gern die göttliche Muße im Sachsenwalde und auf den hinterpommerschen Gefilden dem heißen Kampfe im Reichstage vor, er fühle das Bedürfnis, mehr Großpapa als Reichskanzler zu sein. Aber ein höherer Wunsch, der ihm Befehl ist, verlangt das Ausharr-n auf dem beschwerlichen Platz; der Kaiser liebt es bekanntlich nicht, alte treue Rathgeber, selbst wenn sie es dringend verlangen, gehen zu lassen; er selbst, soll Se. Majestät bei einem wiederholten Demissionsgesuch gesagt haben, müsse ja auch aushalten; warum sollte er denn gleich Jeden gehen lassen, dem irgend etwas nicht gefalle.
Dem Kaiser gefällt auch mancherlei nicht. Auf seinen Wunsch nahm der Kronprinz Anlaß, den Vertretern der jüdischen Gemeinde zu erklären, daß man bei Hofe die moderne Judenhetze mißbillige. So spielte die Wohlthätigkeit eine zur Versöhnung mahnende Rolle. Die Berliner Judenschaft gab durch das großartige Concert in der neuen Synagoge einen schönen Beweis von Mitgefühl für das Elend in Oberschlesien. Richard Wagner, der das Judenthum in der Musik haßt, soll allerdings gegen den Vortrag seiner Meisterwerke in einem jüdischen Gotteshause Protest eingelegt haben, um so herrlicher erklang Beethoven's 6-woII-Symphonie in der mächtigen Halle. Die blaublütigfte Aristokratie mar entzückt und ein Gardelieutenant, ein Sohn eines Granden der Uckermark, wagte die Aeußerung, daß ihn der Jehovahtempel feierlicher stimme als die Garnisonkirche.
Fast um dieselbe Zeit standen in einem evangelischen Gotteshause zwei Särge nebeneinander, die den 92jährigen Gatten und die 86jährige Gattin umschlossen. Der Tod hatte das Marggrassche Ehepaar, dem der Turnvater Jahn nahe stand, am selben Tage abberufen. Drei Generationen von Nachkommen umstanden die Grabstätte, neben rosenwangigen Knaben standen Greise in Silberhaaren, die des alten Marggraf Schüler waren, die besten Bürger gaben das Grabgeleit. Und als liebende Hände die Gruft bis zum Rande mit Blumen gefüllt hatten, gedachte man der Worte in der Voß'schen Idylle Philemon und Baucis, die hier erfüllt waren: „Ihr allgütigen Götter, .... weil wir in friedlicher Eintracht stets mit einander gelebt, so flehen mir, nehmet uns in einer Stund' hinweg, und Keiner begrab einst weinend den Andern".
Das laufende Jahr bringt uns die umfassende Fischerei-Ausstellung. Unsere Spreefischerei, bekannt durch Stinte und Plötzen, steht allerdings auf keiner hohen Stufe, aber Berlin wird dennoch ein reiches Ausstellungsmaterial liefern. Die Reichs- Hauptstadt ist nämlich eine Art Schatzkammern für Perlen, welche ebenso zünftig in dieser Ausstellung sind, als Schildpatt, Korallen, Schwämme und Seehundsfellportc- monnaies. Viele berühmte Perlen befinden sich hier in Privatbesitz und auch der königliche Tresor und die prinzlichen Schatzkammern werden ihre Perlen zum Schmuck der Ausstellung senden. Die Perle von Meppen wird jedoch nur als Gast zugelassen j werden. Viel' Perlen — sagt man — bedeuten Tbränen, aber diese Thränen der lieb- ' lichen Perlmutter werden hoffentlich kein Ausstellungs-Deficit beweinen. J. St.


