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Darmstadt, 4. December. Gestern Nachmittag wurdm 4 Personen, dem Aibetterstand angehörig, nach stattgehabten Haussuchungen unter dec An­klage dcS Hochverraths verhaftet. Bet einem ver Betreffenden, der tn der Merck'schen Fabrik gearbeitet, fand man ein größeres Quantum Strichnin vor. Die tn Darmstadt verstorbene Frau Geh. Rath Kohlermann, geb- Machenhauer, hat Se. König!. Hoheit den Großherzog zum Universalerben ihres 500,000 JL betragenden Vermögens mit der Bi te eingesetzt, den Nach­laß einer der Städte Darmstadt, Mainz oder Gießen zu überweisen, falls eine derselben sich verbindlich mache, ein Ftndelhaus damit zu gründen. Im Falle der Ablehnung soll eine Stiftung zum Zwecke der Unterstützung von hülssbedürftigen, unverhetratheten Civilbeamten-Löchtern (mit Ausschluß der Pfarrers-Töchter) gegründet werden. Die Stiftung soll den NamenKohler- mann'sche Stiftung" erhalten und unter der Aufsicht des Großh. Ministeriums stehen, welchem auch der Nachlaß zum Zwicke seiner Verwendung nach genauer Vorschrift überwiesen werden soll-

Berlin, 2. December. Gestern Vormittag hat das neue verbefferte Repettrgewehr mit Magazin seine Feuerprobe im wahren Sinne des Worte- bestanden. Eine zu 100 Mann combinirte Compagnie des Gardc-Schützen- Bataillons, bet welchem bekanntlich daffelbe seit einigen Monaten eingesührt worden, war nach dem Tegeler Schießplätze gerückt, um dort vor der mit Prüfung dieser Waffe betrauten Jmmedtat-Commission und den dlreclen Vor­gesetzten ein Musterschteßen vorzuführen. Die Compagnie gab zunächst, in zwei Gliedern rangirt, Schnellfeuer tn Linie auf die Colonnensche'.be, wobei sie auf 600 Meter Entfernung 99 pCt. Treffer erzielte; dann folgte Schützenfeuer eines ausgeschwärmten Zuges auf 36 m gebrochener Linie auf 400 Meter aufgestellte Figurenscheiben, wobei das Resultat 85 pCt. Treffer waren. Darauf fchoß ein Zug liegend auf 250 Meter Entfernung auf halbe Ftguren- scheiben,. sodann die Compagnie geschloffen auf 150 Meter auf Kopfscheiben. Den Schluß bildete Schießen auf Scheiben, die Kavallerie und Artillerie dar­stellten, auf 900, 1000 und 1100 Meter Entfernung, also auf Distanzen, bet denen nahezu die Sehkraft aufhört. Die Resultate waren bet jeder der Uebungen überraschend, so daß die Commission, deren Vorsitzender der General der Infanterie v. Groß, gen. v. Schwarzhoff, ist, nicht nur erstaunt, sondern überaus befriedigt war. In diesem Sinne wird denn wohl auch der Imme- dtätbertcht an den Kaiser sich aussprechen, der bis zum letzten Augenblicke gewillt war, dem Schießen beizuwohnen, aus Schonung jedoch an dem rauhen Tage sich lieber fernhalten sollte. Das gestrige Schießen hat die Einführung des betr. Repettr-Magaztns am Gewehre wohl entschieden, da dadurch eine jo rasante Feuerwirkung erreicht wird, wie sie bei der allen anderen überlegenen Infanterie des deutschen Heeres selbst bisher noch nicht gekannt war, für den Ernstfall eines Krieges aber wohl wesentlich mitentscheidend sein dürfte.

Belgien.

Brüssel, 4. December. Der ehemalige Bischof von Tournat, Msgr. Dumont, hat dem Herausgeber der MonatsschriftDeutsche Revue", der sich brieflich an ihn gewandt, ein Antwortschreiben zukommen lassen, aus welchcm wir folgende Sätze wörtlich anführen:

Wenn die Bischöfe tn Deutschland die wirkliche Lage der Dinge kennten, so würde der Friede mit der römisch-katholischen Kirche nicht nur möglich, son­dern auch leicht unter ehrenvollen Bedingungen zu erreichen fein, die weder die katholische Religion noch das Gewtffen der Bischöfe verletzen. Wenn sie daran glauben könnten, was leider thatsächliche Wahrheit ist, so würden sie vom Papst Leo XIII. über die perfide Handhabung der vattcanischen Diplomatie Erklärungen erbitten und verlangen. Ich bin Katholik tn innerster Seele; tch habe gelitten und leide mit meinen Brüdern tn Deutschland; aber tch sehe offen, daß sie das, was sie heute erleiden, hauptsächlich wegen der ehrgeizigen und weltlichen Absichten Leo's XIII. und zahlreich.» Prälaten feines Hofes erdulden. Es bedarf langer Zett, bis katholische Bischöfe zu dem Glauben gelangen, daß ein Papst etwas Anderes suche, als die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Die Bischöfe Deutschlands können sich bei den belgischen Bischöfen informtren. Ich hoffe, daß in ein oder zwei Jahren die gegen­wärtige vaticanische Diplomatie dermaßen entlarvt sein wird, daß sie aufhört, eine Gefahr für den inneren Frieden der Staaten und den Frieden wahrhaft katholischer Gewiffen zu sein.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Correspondenz-Bureau.

Paris, 6. Decbr. Madame Thiers ist gestorben.

Straßburg, 6. Decbr. Der Landesausschuß ist heute Nachmittag mit einer kurzen Ansprache des Statthalters eröffnet worden.

London, 6. December.Daily News" ist zu folgender Mittherlung ermächtigt: Nachdem alle Mächte dem britischen Vorschläge, daß die bei Cattaro ankernden Flotten nach gegenseitiger Mittheilung sich nach ihren respec- tiven Bestimmungen zerstreuen sollen, beigetreten waren, erhielt Admiral Sey­mour den Befehl, das Signal zum Aufbruch zu geben.Times" erklärt: Die Flottendemonstration sei auf förmlichen Vorschlag der britischen Regierung zum Abschluß gebracht; wünsche Europa die vollständige Lösung der orientali­schen Frage, so werde England nicht zurückstehen, allein sich nur dann rühren, wenn andere Mächte vorgehen. England habe keine Sonder-Jntereffen im Orient.Times" meldet aus Philadelphia vom 5. bs.: Die Jahresbot-

schäft des Präsidenten Hayes empsi Hit Convertirang von 6proc. und 5proc. Obligationen im Benage von 672,000,000 Doll, in 31/»' oder 3procent ge' Ferner dringt die Botschaft auf Eclaß strenger Gesetze zur Unterdrückung ver Vielweiberei in Utah.

New »Bork, 6. December. Nach amtlicher Mittheilung sind Ge- treide-Transporre im Belaufe von 5,419,055 Scheffel im Erie-Kanal von Eis eingeschloffen.

Konstantinopel, 6. Decbr. Die Pforte, mit dem Studium der Maßregeln zur Erhöhung der Einnahmen beschäftigt, hat insbefondere die Er­höhung der Zollgebühren und einen neuen Zoll auf die Ausfuhr von Tabak tn's Auge gefaßt. Die Pforte rieth der persischen Regierung an, die zahl, reichen nach Kurdistan geflüchteten persischen Familien zu amnestiren.

Lokale-.

Gießen, 7. December- Nach der neuesten Volkszählung betrug die SeelenzM »ach der vorläufigen Zusammenstellung incl. Militär 16,894.

Vermischte-.

Karlsruhe, 3. Decbr. In dem benachbarten Grünwinkel hat sich gestern Abends V2 6 Uhr ein entsetzliches Unglück zugetragen. Beim Abräumen des Schuller von einem frisch genrauerten Gewölbe, womit etwa 25 Arbeiter beschäftigt waren, $jt; : k.m d-efelben plvtzlflch^einen Krach und zugleich stürzte das Gewölbe zusammen, jaft alle in eine Tiefe von 30 Fuß mit sich reiyenb. Zwei kamen mit dem Schrecken da- von, 11 sind tobt, 1 schwer unb 11 leicht oeraunbet. Unter ben Tobten sind 7 oen heiroth.'te Maurer, die zum Theil 6, 8 und 10 Kinder hinterlassen. An der Unglücks: stätte erschienen alsbald die Behörden von Karlsruhe und der Bezirksarzr, um bie nöthige erste Hülfe zu gewähren Ob Fahrlässigkeit vorliegt, kann bis jetzt noch nicht angegeben weiden. Die sonst als zuverlässige Geschäftsleute bekannten Bau-Unten nehiner, welche gestern Abend noch ins Amtsgefängniß abgeführt wurden, sind heut wieder entlassen morden. Sachverständige meinen, die Belastung des bei sehr feucht« Witterung geschlossenen Gewölbes, welches eine Spannung von etwa 30 Fuß halte sei zu groß gewesen.

(Eine merkwürdige Reliquie) aus Oberammergau passirte in diesen Tagen Gemünden, nämlich der Esel, auf dem Christus bei feinem feierlichen Einzuge in dos Oberammergauer Jerusalem saß. Ein reicher Engländer hat diesen Esel für eine hohe Summe gekauft, um ihn in seiner Heimath anstaunen zu lassen.

.. (@in tragikomisches Ereigniß) passirte am Sonntag Nachmittag einem Btt: liner Bürger im Aquarium. Um die possirlichen Purzelbäume des menschlichen Ur­vaters recht eingehend zu strzdiren, war er, als Kurzsichtiger eine goldene iBnUj tra­gend, dicht an bas^ Gitter "getreten. Mit kühnem Griff nahm ihm der Vierhänder, welcher ganz i'wch Menschenart am Golde hängt, die Brille von der Nase, hüpfte"au' bie höchste Spitze seines Kletterbaumes, setzte sich uffter allerhand Grimassen bie Brille auf und konnte nur durch den her beigerufenen Wärter dazu vermocht werden, die Brille wieder herauszugeben. In welchem Z stände sich diese befand, kann'man sich denken.

Handel und Berkeyr.

Gtesten, 7. December. Auf dem heutigen Wockenmarkt« kostet«: Butter per Pst,, jl 1,15 dtS JL 1.20, Hühnereier 1 Stück 7k>H, 2 St. 00 GZnseeler 1 St. 11- 12 H. Ws« per Stück 59 Kasematte per Stück 30 Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 26 H, Lauben das

Paar 6000 Hühner p. St. JL 0.801.20, Hahnen p. St. 0.701.10, Gänse pr.

Pfd. 5160 H, Enten per Stück4t 1.50-0 00, Dosenfleisch 66- CO H per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 4550 H, Kalbfleisch 5000 H, Hammelfleisch 50- 66 Schweinefleisch 6468 Kartoffeln per 100 Kilo Ji. 4.00 - 0.00 Zwiebeln p. Ltr. JL 100, Milch per Liter 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück JL. 4. 05.00.

Geld liegt auf der Straße hört man oft sagen und wir können diesem Aus­spruche nur beipflichten, wenn wir die vielen kleinen und großen Ausgaben berücksich­tigen, die gemacht werden, ohne auch nur die geringste Gegenleistung dafür zu haben Am meisten trifft dies im Haushalte zu, was uns jede practische Hausfrau bestätigen kann. Es sind so manche Dinge, die billig hergestellt werden könnten, aber zur un­rechten Zeit beschafft, viel Geld kosten, was leicht zu erhalten wäre. Besonders gilt dies von Wäsche unb Kleidungsstücken, zwei ziemlich kostspieligen Facioren einer Haus­haltung. Wie oft wirb ein Wäsche- ober Kleidungsstück nicht unpassend oder unmodern und dann durch ein neues ersetzt, wenn es zweckmäßig geändert und modernisirt werden könnte. Viel läßt sich auf diese Weise in kinderreichen Familien sparen, wenn für den jüngeren Nachwuchs die entwachsenen Sachen der älteren Sprößlinge zurecht gemacht werden- Doch läßt sich dies natürlich nicht alles mit der Hand beschaffen, sondern es ist rathsam, sich der nimmer rastenden Gefährtin, der Nähmaschine zu bedienen. Eine solche Nähmaschine, die sich am besten für den Haushalt eignet, ist bie Original Singer Nähmaschine von ber Singer Manufacturing Company in New-Aork. Die­selbe näht ohne irgenb welche Veränderung ben feinsten Mull ebenso vorzüglich, wie dicken Stoff unb Leber, sie >st leicht zu hanbhaben, von einfacher Construction und zeichnet sich badurch, sowie burch ihre Dauerhaftigkeit unb solche geschmackvolle Aus­führung von anberen Nähmaschinen aus. Besonders sei erwähnt, baß bieselben jetzt mit neu erfundenen Standeinrichtungen geliefert »erben, welche bas Treten wesentlich erleichtern unb ein völlig geräuschloses Arbeiten ermöglichen. Auch finb bieselben mit Fußrollen versehen, so baß bie Maschine ohne Mühe leicht von einem Platze ,um andern gerollt werben kann, währenb sie früher getragen werden mußte. Neue sinn­reiche Apparate, bie ben Original Singer Nähmaschinen jetzt beigegeben werben, er­möglichen selbst Ungeübten Arbeiten, wie Faltenlegen, Einfassen und Stickereien nut staunenswerther Accuratesse unb Schnelligkeit herzustellen Die berühmte Fabrik dieser Maschinen fertigt jedes Theilchen dazu selbst an und ist somit in ber Lage, das Beste billigst zu liefern. Außer Familien-Nähmaschinen liefert bie Manufacturing Company in New-Aork Nähmaschinen für jebes nur benkdare Gewerbe unb für Fabrikation^ zwecke, selbst Riesennähmaschinen, bie nur mit Dampfkrast in Bewegung gesetzt werden können In ganz Deutschland sind ihre Fabrikate burch ben General-Agenten Herrn G. Neidlinqer zu Haden, ber auch am hiesigen Orte (Neichensanb-Bahnhofstraße) eine Filiale hat unb können wir Jebem, ber sich bafür interessirt, nur empfehlen, di.se vor­züglichen Maschinen in Augenschein zu nehmen Da sich Herr Neidlinger nicht nur nebenbei, sondern ausschließlich mit dem Nähmaschinengeschäste befaßt, ist er als Fach­mann in der Lage, Jedem für seinen Zweck das Richtige zu liefern. Jedem Käufer läßt derselbe gründlichen Unterricht ertheilen und leistet für alle Maschinen volle schrisilichc Garantie. Die Preise für die Original Singer Nähmaschinen sind billiger, als für andere Nähmaschinen. Dieselben werden bereitwilligst gegen niedere Ratenzahlungen, abgegeben unb selbst alte Maschinen in Zahlung astgenommen, so baß auch in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig bleibt.

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