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Mittwoch den 8. September
1880
Str. 200
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerloha. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark SO
AedactionSbureaur \ Schulstraße B. 18.
ExpeditionSburean r /
Amtlicher Hheil.
Gießen, am 4. September 1880.
Betreffend: Statistische Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenuhung und des Erndteertrags.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzogliche« Bürgermeistereien.
Diejenigen von Ihnen, welche dem Schlußsätze unserer Verfügung vom 15. Juli d. I. - Anzeiger Nr. 165 — noch nicht nachgekommen sind, werden an Erledigung dieser Auslage mit Frist von 8 Tagen erinnert.
Dr. Boekmann. _________________________________
-------------------------------- " Gießen, am 6. September 1880.
Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der Ktrchenfonds und geistlichen Stiftungsfonds für 1881.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die evang. Kirchenvorstände und geistlichen Stiftungsfonds.
Nachdem durch Ausschreiben Großherzoglichen Oberconsistoriums Rr. XXIV vom 28. August d. I. bestimmt worden ist,, daß die>n diesem Jahre aufzustellenden Voranschläge für die evang. Kirchen und geistlichen Sttftungsfonds die Zeit vom 1. Januar 1881 bis (Snte JDtärj 1882 bczw. Bei jähriger Budgetvcriodc die Zett vom 1. Januar 1881 bis Ende März 1884 zu umfassen haben, lasten wir Ihnen das genannte Ausschreiben, sowie ^ bereits eingesandten Voranschläge mit nächster Post unter der Auflage zugehen, alsbald hiernach die nöthigen Zusatze und Abänderungen in den Voianschlägcn vorzm nehmen und diese baldmöglichst wieder durch die Decanate Hierher gelangen zu lasten. . .
Da es sich um Ausbringung neuer Mittel handelt, ist der Voranschlag auch der Kirchengemeindcvertretung nochmals vorzulegm-. Auch sind die Gemeinden, welche Zuschüffe in die Kirchenkasten zu leisten baben, alsbald von deren Erhöhung in Kenntniß zu setzen, damit die Großh. Bürgermeister in den oben aufzustellenden Gemetndevoranschlägen das Erforderliche wahren können. In dem Berathungsprotokoll werden sich die^Zusatz«! und Abänderungen leicht vornehmen lasten, während die Zahlenvoranschläge neu aufgestellt werden müffen, weil sonst die Voranschläge durch vieles Ausstretchen der Zahlen an Deu lichkett verlieren würden.
Sie wollen hiernach schleunigst verfahren und in etwaigen Zweifelsfallen sofort hierher berichten.
Dr. B oe kmgnn.
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Die neuen Steuerprojecte.
Etn Chaos von Gerüchten schwebt über den neuen Steucrprojecten des Reiches. Es ist dies um so erklärlicher, als in den Kreisen der Regierung gleichfalls roch Unklarheit zu herrschen scheint, welche Steuern und in welcher Form diese dem Reichstage vorzulegen und plausibel zu machen sine. Die Steuersrage ist verworren und zerfahren, und so wenig jeder Reichstag prin- cipiell abgeneigt sein dürfte, der Regierung die Mittel zu bewilligen, welche das Reich bedarf, so dürfte ein weiteres Expertmentiren ohne Vorlegung eines festen Planes keinerlei Aussicht auf Erfolg haben.
Wie verlautet, soll in dieser Beziehung allerdings dem Reichstage eine Denkschrift zugehen, welche die Nothwendigkeit der neu zu bewilligenden indi- recten Steuern nachweisen, falls es mit der Entlastung von den direkten Steuern in den Einzelstaaten Ernst werden soll. Tie Mehrheit des Reichstages aber dürste mit einem solchen Nachweis nicht befriedigt werden, sondern auf die Vorlage eines definitiven Steuerreform-Programmes hindrängen. Man hat mit den bisher bewilligten Steuern die gewünschten Ueberschüste nicht zu erzielen vermocht, und da die Steuern das wirthschastliche Leben bedrücken, so daß ein beträchtlicher Rückgang in den Steuererträgen zu verzeichnen ist, so bieten auch die neuen Steuern keine Garantie für die Erzielung von Ueber- schüsten. Ehe man daher immer und immer wieder dem Verkehr und dem Geschäftsleben in hart bedrängter Zeit Geld entzieht, dürfte eine Ruhepause, deren Schwierigkeiten nicht durch neue Steuern, sondern durch eine Reichsanleihe zu beheben sind, sich empfehlen.
Fürst Bismarck ist allerdings anderer Meinung, denn er hält die neuen Steuern für eine Art nothwcndiger Ergänzung seiner Steuerpolitik. Man berichtet daher, der Kanzler gebe sich die außerordcntlichste Mühe, für die neu projectirten Steuern eine Mehrheit im Reichstage zu erzielen, und er sei ent» schloffen. für den Fall der abermaligen Ablehnung der Steuervorlagen von der Auflösung des Reichstags Gebrauch zu machen. Bei der herrschenden Volksstimmung dürften aber die Wahlen das Resultat haben, die Zahl der Gegner neuer Steuern im Reichstage beträchtlich zu vermehren.
Deutschland.
Darmstadt, 6. Septbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog fuhren heute früh mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Deutschen Kronprinzen nach dem Griesheimer Schießplatz, woselbst scfort die bereit gehaltenen Pferde bestiegen wurden und die Truppenbesichtigung pattfand. Seine König!. Hoheit der Erbgroßherzog war ebendaselbst von Wolfsgarten zu Wagen, Seine Großh. Hoheit der Prinz Wilhelm und das Gefolge von hier aus zu Pferde eingetroffen.
Die Truppen waren, Front gegen Norden mit Anlehnung des rechten Flügels an die „Kanonenhügel", um 6% Uhr zum Einrücken in das Alignement bereit. Unter dem Commando des Divisions-Commandeurs Prinzen Heinrich Großherzogliche Hoheit standen in der Parade: Im ersten Treffen (Generalmajor Graf v. Herzberg) die 49. Infanterie-Brigade, im zweiten Treffen (Generalmajor v. Radecke), die 25. Cavallerie-Brigade, sowie das Großherzogliche Feld-Artilleric-Regimeut Nr. 25 (Großhcrzogliches Artillerie- Corps).
An den Parademarsch, der von der Infanterie mit aufgepflanztem Seiten
gewehr erfolgte, schloß sich eine Gefechtsübung, deren gemeinsame Idee die Abwehr eines Angriffes von Westen her bedeutete. Das Feld-Artillcrie-Regi- meut Nr. 25 griff mit der reitenden Batterie in das Manöver der Cavallerie- Brigade, in dasjenige der Jnfanterie-Brigade mit einer Fußbatterie ein.
Nach der Besichtigung, welcher auch der commandirende General Frhr. v. Schlotheim beiwohnte, sprach Se. Kaiser!. Hoheit der Kronprinz den Truppen die hohe Anerkennung bezüglich ihrer Leistungen aus und begab sich um 10>/4 Uhr mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog nach dem Schlöffe zurück, woselbst um 12 Uhr im Kreise der Großherzoglichcn Familie das Frühstück eingenommen wurde.
Die Abreise Seiner Kaiserlichen Hoheit nach Mainz erfolgte mit dem Schnellzug 1 Uhr 53 Minuten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Heinrich gaben das Geleite bis auf den Perron der hessischen Ludwigsbahn, woselbst das anwesende Publikum mit lebhaftem Hoäwusen grüßte.
Berlin, 4. Septbr. Nach der „Nat.-Ztg." ist die Eröffnung des Landtags erst in der dritten Octoberwoche zu erwarten. Erntebcrichte offi» ciellen Ursprungs stellen wirklichen Nothstand nur in Oberschlesien und Westpreußen in Aussicht, dennoch will die Regierung in systematischer Weise Abhüfe schaffen. Den bedrohtesten Distrlcten werden vielfach Erleichterungen zu Theil, außerdem werden öffentliche Bauten vorbereitet. — Das „Tageblatt" meldet: Nach einer Londoner Meldung der „Polit. Corresp." hat da? Cabinet de- schloffen, falls die Pforte der Flottendemonstration nicht weiche, mit oder ohne Alliirten die entschiedenste Haltung anzunehmen und das Möglichste aufzubicten, um der Pforte zu zeigen, daß sie, wenn sie auch Gesammt-Europa mißachten zu dürfen glaube, dies ungestraft einer Macht gegenüber nicht thnn dürfe.
— Der Kaiser legt ein ganz besonderes Jnterefle für die möglichst feier» liche und denkwürdige Veranstaltung des Kölner Dombaufestes an den Tag. Beide Majestäten, das kronprinzliche Paar, womöglich alle preußischen Prinzen und, wie es heißt, mehrere deutsche Souveräne werden dem Feste beiwohnen, über deffen Einzelheiten eine Vereinbarung zwischen den Kölner Veranstaltern und den hiesigen Centralstellen stattfinden wird.
Berlin, 5. Septbr. Der Kaiser gedenkt, soweit dies bis jetzt festge- stellt worden ist, etwa am 22. d. Mts. sich von Berlin nach Baden-Baden zu begeben. Die kronprinzlichen Herrschaften gehen Ende September nach Kiel, um dort den heimkehrenden Prinzen Heinrich zu empfangen; wahrscheiMich werden dort auch der Prinz Wilhelm und feine Brant anwesend sein. Der Prinz Heinrich wird sich sodann unmittelbar zum Kaiser nach Baden begeben. — Für die Anwesenheit des griechischen Königspaares und des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich werden am Hose glänze Feste vorbereitet.
Köln, 4. Septbr. Die kaiserliche Cabinetsordre, welche die Abhaltung des Dombaufestes aus den 15. k. Mts. festsetzt, hat, wie bereits mitgetheilt wurde, einen Beschluß des hiesigen Metropolttan-Dorncapitels jur geige , wonach auch dieses sich durch Abhaltung eines Gottesdienstes an der Feier betheiligen wird: sodann ist der Vorstand des Central-Dombau-^ereins und das Stadtvrrordneten-Collegium wegen des Festes in Beraihung getreten- J)iunmebr beginnt auch die Bürgerschaft sich für das Fest zu regen. Gestern Abend and in dem Restaurations-Saale des Gürzenich eine Versammlung statt, in welcher Über die Idee, am 15. October einen historischen Festzug zu veranstalten,


