Ausgabe 
8.8.1880 Erstes Blatt
 
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worden war, machte in vergangener Nacht einen Durchbruchsvcrsuch aus bim hiesigen neuen Arresthause, ver ihm auch soweit gelungen wäre, wenn ihn nicht noch rechtzeitig die Militär- Wachmannschaft entdeckt hätte.

Derselbe hatte einen Stab von dem Eisengitter seiner Zelle durchgesagt, war so in den Hof gelangt und war eben im Begriffe, die selbst verfertigte Strickleiter über die Umfangs­mauer zu werfen, als er gestört, sich in ein Regenfaß setzte und in bemjelbrn von der Wacht- mannschaft vorgcfunden wurde. Hoffentlich wird er für die Zukunft besser verwahrt werden.

Verwischtes.

Mainz, 4. August Die militärische Brieftaubenstation der Festung Mainz ist soeben sehr mit der Aufzucht von Brieftauben beschäftigt. Gegenwärtig läßt man die flügge gewordenen Lauben in der Neustadt auffllegen und mit sehr wenigen Ausnahmen finoen dieselben sich wieder zurecht, indem sie ihre Futterplätze in der Bauhofkaserne wieder aufjuchen. Diese Versuche werden öfters wiederholt und später größere Entfernungen gewählt. Als nächster Aufstugort ist Nierstein bestimmt, alsdann Weinheim und später Straßburg und Metz. Leider fallen viele Brieftauben den zahlreich hier in unserer Gegend versammelten Raubvögeln zum Opfer.

In Los heim wurde dieser Tage ein junger Mann zur Erde bestattet, welcher auf eine schreckliche Weise seinen Tod gefunden hatte. Derselbe war, nach derBernk. Ztg." im Begriffe, einen Stier zur Tränke zu führen und wurde in der Nahe des Brunnens von dem Plötzlich wüthend gewordenen Unthter ergriffen. Ehe er sich retten konnte, hatte der Surr ihm die Eingeweide herausgeriffen. ,

Geestemünde. Eine großartige Schmuggelei wurde, wie dieEmder Ztg." mittheilt, dieser Tage beim hiesigen Hauptzollamt entdeckt. Zwei mit Torf beladene Wagen wollten näm­lich Den Zoll passuen, wobei einem der Beamten eine kegelförmige Spitze auffiel, die aus der Ladung hervorlugte. Bei genauem Nachsehen fand sich, daß der Torf das Wenigste auf dem Wagen war, das schwarze Brennmaterial war vielmehr nur alS Decke für eine größere Quantität des schönsten weißen Hutzuckers benutzt worden. Die beiden Fuhrwerke mitsammt den Pferden und der Ladung wurden natürlich confiscirt.

sDie französische Ernte.) Man schreibt aus Paris vom 26 Juli: Im nördlichen Frankreich yat die Reife des Weizens sich unter sehr günstigen Verhältnissen ihrem Enve ge­nähert, während im Centrum und im Süden die Erntearbeiten im besten Gange sind. Falls die günstige Witterung auch diese Woche anhält, wird binnen acht Tagen auch im Norden der Weizenschnitt beginnen können. Die Qualität des neuen Weizens ist im Allgemeinen eine sehr befriedigende. Zahlreiche Druschproben, welche bisher in verschiedenen Gegenden vorgenommen wurden, ergaben mitunter 8082 Kg. pro Hect. und im Durchschnitt 7879 pro Hect. Dieses günstige Resultat wird einen bedeutenden Ersatz für den Ausfall in der Quantität geben, und die Schätzungen, wonach Frankreich heuer eine gute Mittelernte erzielen dürfte, scheinen vollauf bestätigt. Auch alle anderen Cerealien versprechen recht günstige Erträgniffe.

sFür Ehrgeizige.) Wer Lust hat, Fürst, Herzog oder dergleichen zu werden, braucht sich künftig nicht mehr an die Republik von San Marino oder cm den Papst zu wenden; man kann dasselbe jetzt auch bei der italienischen Regierung haben. Um den Aus­fall in den Finanzen zu decken, welchen die Aufhebung der Mahlsteuer herbeifuhrt, hat das italienische Parlament auf Anregung der Regierung allerlei kleine Finanzgesetze bewilligt. Unter diesen befindet sich auch ein Tarif über die Erwerbung von Adelstiteln u. s. w. Diesem Tarif nach kostet künftig der Fürstentitel 30,009 Lire, der Herzogtitel 25,000 Lire, der Marquistitel 20,000 Lire, der Grafentitel (Comte) 15,000 Lire, der Titel eines Barons oder Vicomte 10,000 Lire, jeder andere Adelstitel 5000 Lire. Wünscht man, daß der Titel nur einmal ad personam verliehen wird, so gibt die Regierung zwei Fünftel Rabatt von obigen Preisen. Die Gewährung eines Adelswappens wird künftig 700 Francs kosten. Bei solch billigen Preisen kann sich sogar der Minderbemittelte das Vergnügen einerStandes-Erhöhung" vergönnen.

Wien, 3. Aug. Der Selbstmord eines Gelehrten von namhaftem Rufe erregt heute hier viel Aufsehen. Der k. f. Bergrath und Vorstand des chemischen Labora­toriums der geologischen Reichsanstalt, Karl Ritter v. Hauer, hat sich gestern Vor­mittag in seinem Laboratorium durch Cyankali vergiftet. Der Verblichene, der Bruder des Directors der genannten Reichsanstalt, Dr. Franz Ritter v. Hauer, war ungefähr 50 Jahre alt. Zerrüttete Vermögcnsverhältnisse werden als Ursache des Selbstmordes bezeichnet. Vorgestern Abend barst bei Dunaföldvar auf dem Dampfer Drau der Dampfeinströmungsstutzen; ein Maschinenwärter ist durch die Dampfausströmung er­stickt, zwei Feuerlcute wurden lebensgefährlich verbrüht- Das Schiff erlitt keinerlei Beschädigung. Der wegen zahlloser Unterschleife steckbrieflich verfolgte ehemalige Vicegespan des Szörenyer Comitats, Pausz, ist in Bukarest verhaftet worden und soll nach Karansebes gebracht werden-

Handel und Verkehr.

Gießen, 7. August. Auf dem heutigen Wochenmarkte koftrrr. Butter per Pfd. 0,80 bls^L 0.88, Hühnereier 1 Stück 56 H, 2 St. Enteneier 1 Stück 0-0H. Käse per Stück 49 H, Käsematte per Stück 30 H, Erbsen 1 Liter 20 Linsen 1 Liter 22 H, Tauben das Paar 5070 Hühner p. St. JL 0.851.20, Hahnen p. St. X 0.500.90, Wälsche <X 0.000 00, Enten per Stück JL 1.301.70, Ochsenfleisch 68- 00 per Pfd-, Kuh. und Rindfleisch 5056 H, Kalbfleisch 4044 H, Hammelfleisch 65-70 H, Schweinefleisch 6468 4, Kartoffeln per 100 Kilo Jt 5.50-7.0«), Zwiebeln p. Ctr X 910, Milch per Liter 16 und 18 H. _

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen

Vom 31. Juli bis 6. August 1880.

Aufgebote.

August. 4. Kaufmann Friedrich Karl Wilhelm Christian Weber von Gießen mit Nanette Louise Müller, Tochter des Postconducteurs Andreas Müller von Friedberg.

Eheschließungen.

August. 1. Kaufmann Heinrich Ludwig Wilhelm Lang zu Gießen mit Eva Kloos. Tochter des verst. Anatomiedtenes Heinrich Kloos zu Gießen. 1. Kaufmann Wilhelm Fürth von Darmstaot mit Henriette Katzenstein, Tochter des Holzhändlers Susmann Katzenstein von Gießen.

Geborene.

Juli. 29. Dem Agenten Jean Böck ein Sohn. 26. Dem Metzgermeister August Hofmann ein Sohn. 29. Hermann Ludwig, Sohn des Locomottvführers Ludwig Bremer. 28. Dem Gerichtsvollzieher Emil Geißler em Sohn. 31. Dem Schaffner Wilhelm Both eine Tochter. 29. Katharine Elisabeth, Tochter des Arbeiters Friedrich Kauntz- 30. Ein unehel. Sohn von hier- 30. Dem Hilfsführer Johann Peter Manns eine Tochter. Aug. 2. Mar­garethe Elisabeth Karoline, Tochter des Professors Carl Zöppritz. Juli. 23. Louise N. von auswärts. 29. Dem Kaufmann Friedrich Schaaf ein Sohn. August. 3. Otto Heinrich, Sohn des Vicefeldwebels Heinrich Seim. 3. Ein Sohn von auswärts.

Gestorbene.

August. 31. Johannette Margarethe Philtppine Konradine Aoolphine Bieler, 55 I. alt. Schreiner Konrad Bachus, 23 I. alt, von Hirzenhain. August. 1. Lundwirth Ludwig Gürnrri II., 64 I. alt, von Queckborn. 2. Mathilde Katharine, 2 I. alt, Tochter des Lackirers Wilhelm Karl Philipp Christian Martin Schmall. 2. Emma Christiane, 10 M. alt, Tochter des Werkführers Caspar Reuter. 2. Christian Johannes Theodor Heinrich, 23 T. alt, Sohn des Maurers Carl Christian Engel. 4. Dem Postschaffner Wilhelm Magen eine todtgeborene Tochter.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute.

Den 30. Juli. Max Simon, Schuhmacher dahier, Wittwer, und Marie Roth aus Ruttershausen.

Den 5. August. Heinrich Ludwig Wilhelm Lang, Kaufmann dahier, und Eva Kloos, des verst. Anatomiedieners Johann Heinrich Kloos dahier ledige Tochter.

Getaufte

Den 31. Juli. Dem Buchbinder Heinrich Gebhard II. eine Tochter, Wilhelmine Jo­hanna Ernestine, geb. den 8. Juli.

Den 1. August. Dem Maurer Carl Christian Engel ein Sohn, Christian Johannes Theodor Heinrich, geb. den 10. Juli.

Denselben. Dem Weißbinder und Lackirer Ludwig Hellmold ein Sohn, Heinrich Ludwig, geb. den 30. Juni.

Denselben. Dem Canzlisten Gottfried Pfeiffer eine Tochter, Elise Ottilie, geb. 8. Juli.

Denselben. Dem Schreiner Hermann Muhl ein Sohn, Wilhelm Johannes, geb. den 19. Juni.

Denselben. Dem Tapezier Pantaleon Hollmann ein Sohn, Friedrich Jacob Arthur, geb. den 26. Juni.

Denselben. Dem Hilfsheizer Carl Braun ein Sohn, Carl Heinrich, geb. den 1. Juli.

Den 2. August. Dem Schlosser Wilhelm Schumann eine Tochter, Bertha Louise, geb. den 11. Juli.

Den 4. August. Dem Hilfs-Locomotivführer Carl Köhler eine Tochter, Marie, geb. den 9. Juni.

Beerdigte.

Den 1. August. Johannette Margarethe Philtppine Konradine Adolphine Bieler, des Rendanten Bieler dahier ledige Tochter, alt 55 I., gest. den 30. Juli.

Für die Wafferbeschädigten der Lausitz gingen weiter bei uns ein: A. Kraatz 5 JL ®. 2B. 2 cX, Frau M. K. 2 E. Hensel 10 «X, mit den bereits früher veröffentlichten Beiträgen nunmehr <X 249.7. Den freundlichen Gebern herzlichen Dank sagend schließen wir hiermit diese Sammlung. Für das Kinderhospital in Bad Nauheim empfingen: von G- W. 3 <X, E. Hensel 10 «X, v. M. 3 Summa 26 <X Wir bitten für diele segensreiche

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