lr«H»
s.
Abends,
111 ««" tz«rll«k.
' 3' 9«rtl- - Gutmann. " dioScovicz.
> Kaum.
- P. ^trnk.
v Bran-t.
- Atwanu-
» Tlltmauu.
■ Echrffl.
■ »mm.
v Bö!.
Nr. 183. Erstes Blatt. Sonntag den 8. August 1880.
Mchener Anzeiger
AMige- Md Amtsblatt für den Kreis Gießen.
' " : ;---------------------- ” "T mz 2 I Preis vierteljährlich 2 Mari 20 Pf. mit Vringerlohn.
NedaclionSbureaur I Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. bie mort bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 •$,
Expeditionsbureau r J J
Amtlicher Hheil.
Gefundene Gegen st ander
1 Bügeleisen, 2 Portemonnaie'^ mit Inhalt, 1 Halskettchen, 1 Taschentuch, 1 goldener Ring mit Stein, 1 Drahtkörbchen.
Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Wetdengasie 93) ausbewahrt.
Gießen, den «. August 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
sndsSIJhr:
oberes Local.
®autumfeft. Turnfest.
Vorstand.
»Oft.
uitnbtrg eiisgeskßie fett
qtt» Preisen lenfeto । rqt-course. (412f
ach
.jnu’of' .
iW
... Kießeo i
2 P' w 9S- |l, v- 19 V
1880:
mit MW
M ,tfcetn fahren fw
Vor zehn Jahren.
Ein Decennium ist verflossen seit den historischen Tagen von Weißenburg, Wörth und Spichern. Das deutsche Volk gedenkt der glorreichen Zeit nicht in lautem Festjubel, sondern in stiller, dankbarer Erinnerung. Die eigentliche Festfreudigkeit zum officiellen Jubeln fehlt tm Volke und es ist so weit gekommen, daß wir alle Ursache haben, an die Erinnerung der schönen Einigkeit der deuischen Volksstämwe in der Stunde der Gefahr des Vaterlandes die Mahnung zu knüpfen, einig zu werden über die nächsten Ziele und die besten Wege der inneren Entw cklung des deutschen Reiches. So lange die fetten Jahre anhielten, ging auch die politische Entwicklung rasch und glücklich vorwärts; nun ober, da die sieben mageren Jahre Pharav's im deutschen Reiche herrschen, begegnen wir eitel Mißvergnügen und innerem Hader, theils kopfhängerisch, theils murrend sieht das Volk der Zukunft entgegen, zu der es kein rechtes Vertrauen zu fasten vermag. Tie Einheit ist dem Illben Vaterlande geworden, aber sein Weg zum Glück, zur Freiheit und zum nationalen Wohlstand scheint mit Dornen besäet und mit spitzen Steinen gepflastert zu jein.
Wo wäre aber unsere Wackerheit und Tapferkeit tm Felde ohne das Vertrauen auf Gott, auf die Führer ver Armee und auf sich selbst hin- gerathcn? Hier, meinen wir, kann das deutsche Heer, das Volk in Waffen, uns auch heute noch, wo wir seiner Heldenthaten bei einem Rückblicke nach zehn Jahren unS «rivner», als Muster dienen. ES setzte sein Leben ein, um das Leben zu gewinnen, und darum ward ihm der Steg! — Der Kaiser schloß seine letzte Kriegsdepesche aus Versailles mit den Worten: „Der Herr der Heerschaaren hat überall unsere Unternehmungen sichtbar gesegnet und den ruhmvollen Frieden in seiner Gnade gelingen losten. Ihm sei die Ehre I Der Armee und dem Vaterlande mit tief erregtem Herzen meinen Tank!"
Und heute, wo Manches nicht im Vaterland- nach unseres Herzens Wunsch geht, sollte eine ganze Nation kleingläubiger und unwuthiger sein, als in der Stunde der böchsten Gefäbrdung ihrer Existenz? Nehmen wir doch an, daß unser ganzes Volk sich im Kriegszustand befinde gegen vaterlandsfetnd- ltchc Gewalten, gegen inneren Hader und Zwist, gegen Verarmung, Arbeitslosigkeit und Roth! — machen wir aber auch gleichzeitig mobil gegen alle Gewalten, die unsere freiheitliche Entwicklung und unser Streben nach dem nationalen Wohlstand bedrohen. Nun wohlanI in diesem Kampfe muß jeder Mann ebenfalls auf seinem Posten stehen und seine sociale Pflicht erfüllen, auch in diesem Kriege darf uns das Vertrauen aus die Vorsehung, auf die Führer der Nation und vor Allem auf unsere Eigenkrast nicht verlaffcn, und Gott wird seine Deutschen nicht verlosten. Sind wir geschlagen auf der Bahn friedlicher Entwicklung, unterlegen im Kampfe für das materielle Wohl, im Streben nach dem Religtonsfrieden, so ist Damit noch nicht gesagt, daß wir ncht in einem zweiten Sn lauf die Positionen nehmen und uns unverzagt durch ehrliche Arbeit das nationale Glück und den water ullen Wohlstand erringen, dessen jedes strebsame Volk würdig ist. Der Rückblick aus unsere kriegerischen Erfolge soll uns ermuihigen, auch den Erfolg friedlichen Strebens für sicher und unausbleiblich zu halten!
Berlin, 5. August. Unter den Vorschlägen zur Bekämpfung der leichtsinnigen Bankerotte befindet sich auch der der Handelskammer zu Mannheim, durch gesetzliche Anordnung einen jeden Bankerotteur, der unter 10 oder 15 pCt. g bt, vor die Criminaljustiz zur Rechtfertigung zu verwetsen. Eine derartige Bestimmung, wie sie in England besteht, meint die Handelskammer, würde dem in den letzten Jahren Vielfall zu Tage getretenen Uebelstande ab- belfen, daß bei den Bankerotten das Ergebniß der Masse häufig gleich Null ist weil das Bankerottmachen von Vielen nicht mehr für schimpflich gehalten und deshalb mit an Betrug grenzenden Leichtsinn sortgewirthschaftet wird, bis nichts mehr vorhanden ist. , t
Berlin, 6. August. Die Pforte verlängerte bis 31. Juli den Fer- man für deutsche Ausgrabungen in Olympia. — Der „Nat.-Ztg." zufolge ist b>s heute noch nach keiner Richtung Disposition über erneute Vorlegung der in letzter Session obgelchnten Steuerentwürfe getroffen. — Gestern Abend fand im Restaurant der „Akademischen Bierhallen", einem sehr besuchten Lokal hinter der Un'versttät, eine fürchterliche Explosion statt. Im Keller explod rte zuerst ein Ballon mit Gasä.hcr, mit welchem drei Hausbedienstete beschäftig waren. D.es.lben sind fefcn,« wl^t. SDle geuertrcl^ jo ort ml» in den Keller ein ohne Wessen, daß dort noch mehr Ballons sind. Plötzlich folgt eine zweite furchtbare Explosion. Neun Feuerwehrleute wurden im Raum schwer verstümmelt. Kameraden schleppten di- Unglücklichen todesmuthig heraus alle wurden fürchterlich verbrannt und zerquetscht. Die einzelnen Gesichter sind völlig verkohlt, so daß zuerst Niemand zu recognosctren war.
Telegraphische Depeschen, »eß*«’» td«ß«. aerrefpvn’eeK] -
Berlin, «• August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge bezogen sich die vertraulichen Besprechungen der Finanzminister in Koburg nicht auf Aufstellung neuer oder auf Discussion schon vorhandener Steuerprojecte, sondern auf die Frage, ob und in welchem Umfange der bisher vermißte Zusammen- Hang zwischen Reichssteucrresorm und entsprechender Steuerermäßigung in den einzelnen Bundesstaaten herzustellen sei. Es soll einstimmig beschloffen worden sein, die Mehreinnahmen aus den in der letzten Bundesraihs- und Reichstazs- Sessior, in Aussicht genommenen Besteuerungs-Gegenständen unverkürzt der Verminderung der Steuerlast in den einzelnen Staaten zu widmen.
Ratibor, 6. August. Heute Nacht ist die Ober ausgetreten und hat mehrere Straße» unter Waffer gesetzt. Große Waffen Getreide treiben vorüber. Die österreichische Post ist ausgeblieben, weil der Eisenbahndamm bet Frtedekmistek weggespült ist.
London, 6. August. Es verlautet, 1000 Mann Marinetruppen seien nach Irland beordert, da die Regierung Ruhestörungen besorge. — Meldung der Daily News" aus Kabul vom 5. ds. Nach dem Abmarsch der Division Roberts nach Kandahar räumen die übrigen britischen Truppen Kabul binnen WocheiffristeEv, ß August. Die englische Panzerfregatte „Jnvincible" ist gestern Abend mit einer österreichischen Barke im Schlepptau hier eingetroffen. Die Barke, welche entmastet und verlassen 130 Seemeilen von hier aufgefun- den wurde, war mit Kanonen und alten unbrauchbaren Projectilen beladen.
London, «• August. Die Besserung in Giadstone's Befinden laßt hoffen, daß er in nächster Woche auf's Land gehen kann. Derselbe wird wahrscheinlich noch einer Sitzung des Unterhauses vor dessen Vertagung 6einobn n^^ ß gugu[}- Osficielle Meldung aus Kabul vom 5. ds. Die Division Roberts marschirt Sonnabend von Kabul nach Kandahar. Der Rest der in Kabul stehenden Trnppen bricht Dienstag oder Mittwoch nach Sun- da"^Naiibor, 6. August, Abends. Die (bereits gemeldeten) Ueberschwem- mungen der Oder find durch Wolkenbrüche in den Karpathen und drettägig-n Regen herbcigcsührt. Der heutige Wasseistand der Oder >st der höchste m diesem Jahrhundert. Der Schaden ist um so größer, als die Bevölkerung in voller Ermearbeit begriffen war und Niemand bei dem bisher: sehr nkdr gen Wasserstande eine so große Ueberschwemmung ahnte. In den Kreisen Ratibor und Kosel sind 20—25 Ortschaften vollständig und 15 th"lweise inunbitt. In der Stadt Ratibor feiern die Fabriken, da dieselben nebst den Straßen thcilweise unter Wasser gesetzt sind. Die Verlust- sind noch unberechenbar. Di- Communication mit der Umgegend sowie mlt
Wün, Jägerndorf und Neisse ist unterbrochen. Das Wasser ist erst einen Fuß gefallen.
8 p l # I t !•
ra,„6-„ 7 (Siner der Diebe, bie im vorigen Frühjahr den Einbruchsdiebstabl
im Kraukgriuqchen Hause dahier verübten und welcher zu 5 Jahren Zuchthaus «erurtheilt
Kassel, 5. August. Der Rechtsstreit des Prinzen Wilhelm von Hessen gegen die preußische Krone wird nicht mehr, wie eS Anfangs hieß, die dritte Instanz beschäftigen. Wie wir aus bester Qmlle erfahren, hat der Vertreter des klägerischen Prinzen, Herr Rechtsanwalt Laymann von hier, am Freitag in Berlin mit der königlichen Regierung Verhandlungen eingeleitet und zum Abschluß gebracht, wonach nunmehr auch Prinz Wilhelm dem Seitens der übrigen drei Agnaten mit der Krone Preußen abgeschlossenen Vergleiche beitritt. Die bezüglichen Entschließungen des Prinzen sollen hauptsächlich den Einwirkungen seines Schwiegervaters, des Prinzen von Bentheim-Steinfurt, zuzuschreiben sein. Der Vergleich geht in der Hauptsache dahin, daß sämmt- lichen Agnaten zusammen eine jährliche Revenüe von. 100,000 Thalern gezahlt wird, die Schlösser zu Wabern, Rotenburg, Schönfeld und ein Theil beS hie- sigen Bellevueschlosses den agnatischen Prinzen überwiesen werden und bensel- ben einige fürstliche Ehrenrechte vorb-halten bleiben. Mit dieser Wendung der Dinge ist die Erfüllung eines Herzenswunsches der Kaffelaner wesentlich näher gerückt. Es besteht jetzt nicht mehr diejenige zarte Rücksichtnahme, welche es den Mitgliedern des preußischen Herrscherbauses schwer machte, ihren Aufent- halt in einem angefochtenen Besitz, wozu ja auch die herrliche Wilhelmshöhe gehörte, länger als vorübergehend auszudehnen. Diese Schranke ist nunmehr g. fallen und es besteht nach dem U-bereinkommen mit den Agnaten kein Hin- derniß mehr, Kassel - Wilhelmshöhe zu einer wirklichen Residenz irgend eines Anverwandten des, königlichen Hauses zu erheben. (H. M.)


