Rußland.
Petersburg, 5. Juni. Heute Mittag fand im Beisein des Hofes, der Staatswüldenträger und der Generalität die Urbersührung der Leiche der Kaiserin aus dem Sterbezimmer nach der Schloßkirche statt, wo dieselbe bis zur Urbersührung nach der Peter-Pauls-Kathedrale bleibt. Die Beisetzung der Leiche erfolgt am Mittwoch.
Türkei.
Konstantinopel, 5. Juni. Es heißt, Layard habe vor seiner Abreise dem Sultan einen Cabtnetswechsel vorgeschlagen. Bezüglich der Stellung Said Paschas circuliren widersprechende Gerüchte; nach dem einen soll derselbe das Vertrauen des Sultans ununterbrochen besitzen, nach dem anderen wäre sein Rücktritt bevorstehend.
Aegypten.
Kairo, 5. Juni. Die hiesigen General-Consule sind zur Berathung von Modtficattonen für die Zusammensetzung der internationalen Gerichtshöfe zusammengetreten. Nachdem einige vorläufige Bestimmungen getroffen, hat sich die Conserenz vertagt, damit die General-Consule Instructionen ihrer Regierungen einholen.
Amerika.
Unter der Urberschrist: „Unreellttäten im Exportgeschäft" schreibt die in Rio Janeiro erscheinende „Allg. deutsche Ztg." für Brasilien:
„Zur richtigen Wahrung ihrer Jntereffen werden manche Fabrikanten einen Hang zu unreellen Lieferungen, der ihren überseeischen Verbindungen ebenso schaden muß, wie er es im Inlands thun würde, steuern müssen. So hat, um nur einen Artikel anzuführen, sich noch keine Marke deutschen Bieres im Auslande eine dauernde Beliebtheit verschaffen können, denn sobald ein solches Fabrikat durch einige gute Sendungen in Aufnahme gekommen, pflegt es durch geringere Nachlieferungen seinen guten Namen wieder etnzubüßen. So hat z. B. der Verbrauch einiger Biersorten (die das Blatt namhaft macht) in Südamerika ganz entschieden abgenommen."
Daffelbe Blatt macht seine Leser darauf aufmerksam, daß der hauptsächlichste Ausfuhrartikel der Provinz Para der Kautschuk sei und bemerkt dann:
„Deutschlands directer Handel mit Para ist sehr unbedeutend, der Umfang des tndirecten, der sehr bedeutend sein soll, läßt sich aber nicht ermitteln. Unter den im Jahre 1876 ausgeführten Producten sind auch Chinarinde für 235,917 «y*t. und auf 362,644 «A chilenische Strohhüte angegeben, beides aus Bolivia kommend. Bet der immer höheren Bedeutung, welche die Gummi- Manufaktur in Deutschland gewinnt, wäre es doch sehr wünschenswerth, daß endlich der leidige Zwischenhandel aufhörte und durch Initiative deutscher Kaufleute und Gummiwaaren-Fabrtkanten ein directer commercteller Verkehr zwischen Deutschland und Para in's Leben gerufen würde."
Telegraphische Depeschen.
Wagner« telegr. Eorrespsuderrz ° Bvrea».
Mainz, 7. Juni, Morgens. Ein Extrazug mit circa 300 Mitgliedern des hiesigen Vereins „Moguntta", der gestern eine Lustparthie nach Heidelberg gemacht, erlitt Abends 10 Uhr bet Lampertheim einen Zusammenstoß, in Folge dessen dem Vernehmen nach viele Personen nicht unerheblich verwundet wurden.
Berlin, 6. Juni. In den politischen Kreisen wird dem Artikel der „Kölnischen Zeitung" im heutigen ersten Blatte, betitelt: „Fürst Bismarcks Urthetl über die Lage", worin ein Gespräch des Reichskanzlers mit einem hoch- gestellten Diplomaten über die Kirchenvorlage wtedergegeben wird, große Bedeutung beigelegt.
Paris, 6. Juni. Bei dem heutigen Rennen um den großen Preis von Parts (100,000 Frcs.) war „Robert the Devtl" (englisches Pferd) erstes, „Destrier" zweites und „Milan" drittes Pferd.
Wien, 6. Juni. Der Zusammentritt der Botschafter-Conferenz in Berlin ist nunmehr auf den 16. Juni festgesetzt.
Lokales.
Gießen, 5. Juni. fNach der Redaction des. Sonntagsblattes eingefanbt.J Das sechste Concert des Concert-Vereins brachte uns gestern die auf der Durchreise zu Dem dreitägigen Lübecker Musikfeste befindliche Familie des Herrn Jean Becker aus Mann- Leim. Wir hatten von Neuem die Freude, die Vorzüge des in jeder Beziehung ausgezeichneten Violinspielers, die das hiesige Publikum schon einige Male in dem Florentiner Quartette entzückt haben, bewundern zu können. Fräulein Jeanne Becker wies sich als ausgezeichnete Cla- viersptelerin mit seelenvollem Vortrage und vollendeter Technik, Herr Hans Becker, der Violoncellist spielte Grützmackers „Ungarische Fantasie" vortrefflich, wiewohl uns sein Spiel in den Quartetten fast noch höher befriedigte, was wohl in der Eigenart der Composition gelegen sein mag. — Wie in dem Florentiner Quartette so zeigte sich auch hier bei dem Zusammenipielen der hochmusikaltschen Familie die genaueste Einübung und das innigste harmonische Zusammenwirken. —
Was die Wahl des Programms betrifft, so muß dieselbe für das kiesige musikver- ständige Publikum durchaus entsprechend bezeichnet werden. Dies gilt namentlich auch in Bezug auf die Quartettvorträge (Nr. I und V), über deren Componisten — und besonders in den hier vorgetragenen Stücken — die Besten unter den Kritikern längst ihr vollwichtiges Endurtheil abgegeben haben.
Wenn wir recht unterrichtet sind, so hat Gießen zuerst die Ehre gehabt, das Quartett von Jean Becker" in dieser Zusammensetzung zu hören; wir wünschen von Herzen," daß wir bald wieder Gelegenheit haben werden, die vortrefflichen, gefeierten Künstler bet uns zu sehen.
Vermischtes.
— Die Bremer Lebensversicherungs-Bank ist Seitens der am 3. Juni stattgefundenen Generalversammlung ermächtigt worden, vom 1. Juli d. J8. ab ihre Wirksamkeit auch auf andere Branchen des Versicherungswesens auszudehnen, und Renten-, Aussteuer- und Militärdienst-Versicherungen zu übernehmen. Letztere werden voraussichtlich bald überall die verdiente Beachtung finden, da durch dieselben jeder Militärpflichtige bei seinem Eintritt in das Heer oder in die Flotte in den Besitz der erforderlichen Mittel gelangen kann.
Es wurde ferner beschlossen, bankseittg für Interessenten', die bei ihrem Eintritt in den Staatsdienst erforderlichen Cautionen, wenn sie es beantragen, zu hinterlegen, sowie auch Cor- porationsversicherungen seitens Behörden oder Personenveretnen zuzulaffen.
Die Generalversammlung beschloß endlich, die Maximalsumme der zu übernehmenden Versicherungen von 30,000 auf 45,000 X zu erhöhen und den Jntereffenten, welche momentan nicht in der Lage sein sollten, Die fälligen Prämien zu zahlen, diesen unter Berechnung von Verzugszinsen eine Stundungsfrist von zwölf Monaten, statt bisher sechs einzuräumen
Durch dies jedenfalls höchst zweckmäßige und praktische Vorgehen der Bremer Lebensversicherungs-Bank wird dieselbe mit Recht eine immer größere Bedeutung erlangen.
— Die Geschichte von dem bei vier Todten etngesperrten und aus Furcht gestorbenen Mädchen in Magdeburg wird als erfunDen widerrufen.
n, Ha"au, 4. Juni. Eine Vergiftungsgeschichte, leider mit traurigem Ausgange, trua sich gestern hier zu. Ein Knabe von etwa 9 Jahren pflückte auf einer Weise Herbstzeitlose, eine der gefährlichsten Giftpflanzen, die zur Zett gerade ihren Samen ansetzen. Drei kleinere Kinder kosteten von dem unreifen Samen und Die Folge «Davon war, daß das eine Kind Diese Unbor*
c 1 i eit mit dem Leben zahlen mußte, die beiden anderen liegen schwer erkrankt darnieder und erscheint es noch fraglich, ob sie gerettet werden. Wir bitten Eltern und Lehrer, die Kinder auf tote Gefährlichkeit dieser Pflanze, welche in diesem Jahre überaus stark verbreitet ist unb d»e 'n allen ihren Theilen (Blatt, Zwiebel, Samen) starkes Gift birgt, immer und immer wieder aufmerksam zu machen. j
o Oberhessen, 1. Juni. Der 1879er Rechenschaftsbericht der
Landesbrandkasse liefert wieder einmal den klarsten Beweis, daß sich unsere Provinz, trotz der vielfach noch vorhandenen Stroh- unD Schinveldäcker und der mangelhaften Löschanstalten in vielen kleinen abgelegenen Orten rühmen darf, daß in ihr die Feuersbrünste weit seltener vor- Eotnmen, wie in Rheinhessen trotz seiner durchgängig sehr soliDen Bauart und meist überall gut^ orgamsirten Loschwesen. In letztgenannter Provinz kamen an Entschädigungen und Ab- schatzungskosten 511(111 X 88 zur Auszahlung, in Oberheffen, dessen Versicherungskapital hinter bcmjenigen Rheinhessens nur um etwa 15 pCt. zurückbleibt, dagegen erst 215 911 X 90 H, ein gewiß schreiendes Mißverhältnis welches nicht etwa nur in diesem Jahre zu Tage getreten ist. Die Folge hiervon ist, daß Oberhessen an Brandvcrsicherungßbeiträgen für das laufende Jahr 340,812 X zu entrichten hat, obwohl es nur 215,911 x empfing während die Provinz Rheinheffen mit 511,111 x Brandschäden erst 415,123^ Beiträge au'fzubrinaen verpflichtet ist. (H. $-) 8
Volkmarsen, 1. Juni. Heute verbreitete sich das Gerücht von einem schrecklichen Ereigniß, das im Walde bei Wildbadeffen, Kreis Warburg, Station der Westfälischen Bahn von grausam ruchlosen Händen verübt worden ist. Der Oberförster des Gutsbesitzers Herrn v. Frede war mit seinem Eleven heute früh 5 Uhr in den Wald gegangen- Um 10 Uhr wurden beide als Leichen im Walde gefunden und von dem Auffinder auf einem Karren, Den derselbe, um Holz zu holen, mit sich führte, zum Entsetzen der Angehörigen in's Dorf gebracht. Die That soll von Wilddieben verübt worDen sein. Dem Oherförster, Der leider eine Frau mit 5 Kindern hinterläßt, war die rechte Hand, jedenfalls in dem Moment, als er auf die Schurken anlegte, durchschoffen; ein zweiter Schuß traf ihn in's Bein und ein dritter, der ihm den Todesstoß gab, hatte ihm das Herz durchbohrt. Sein Begleiter war mit einem Schuß in die Brust niedergestreckt. GensDarmerie und Polizisten sind in voller Thätigkeit. Möge es ihnen gelingen, der Verbrecher habhaft zu werden. (<£ u, yj
— Bei einer landgerichtlichen Verhandlung in Bamberg (29. Mai) stürzte sich plötzlich der angeklagte Dieb, Taglöhner Betz, mit voller Wuth auf den Staatsanwalt und packte ihn am Hals. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn der Gensdarm sich nicht im Nu auf den Kerl geworfen und ihn überwältigt hätte.
— (Die Nachtfröste und die Ernte.j Der „B. V." schreibt man: Der Schaden, den die Nachtfröste in der zweiten Hälfte des Mai den Getreidefeldern zugefügt haben, stellt sich jetzt als viel bedeutender heraus, als man Anfangs gefürchtet hatte. In dem größten Thetle Ost- und Westpreußens, in ganz Posen und der Mark zeigen sich die Roggenfelder von oben so weiß, wie zur Zeit der Reife. Es haben deßhalb viele Besitzer auch schön jetzt den Roggen abgemäht, auf jeden weiteren Ertrag aus demselben verzichtend, und glücklich schätzen sich in einzelnen Kreisen diejenigen, die mit einem Verluste von 1/3 bis 1/2 der sonstigen Ernte abzukommen glauben, geringeren Schaden hat der Frost an Dem Sommergetreide gemacht, nur früh bestellte Erbsen- und Wickensaaten haben so gelitten, daß zur weiteren günstigen Entwickelung schon recht warmes fruchtbares Wetter erforderlich ist. Die Küstenstrichs scheinen durch den Frost nicht, oder doch nur sehr geringen Schaden erlitten zu haben, wie denn auch später Roggen, der zur Zeit der ärgsten Nachtfröste noch nicht geschoßt Latte, unverletzt geblieben ist.
— sAuch ein Gedenktag.) Am 1. Juni waren es volle vierhundert Jahre, seitdem daS Institut der heiligen Inquisition eingeführt wurde. Am 1 Juni H80 hat nämlich der damals in Toledo versammelte spanische Reichstag das ihm vom Cardinal Pedro Gonzalez de Mendoza unterbreitete und von dem Königspaare Ferdinand und Isabella der Katholischen gutgeheißene Project, ein Glaubensgericht einzusetzen und demselben sogar das Recht der Ketzerverbrennung einzuräumen, zum Gesetze erhoben. Das königliche Paar ernannte noch am selben Tage zwei Inquisitoren, die aber später, weil sie gegen die Ketzer etwas zu milde waren, durch den strengen Thomas de Torquemado ersetzt wurden, ter bekanntlich 88- 0 Menschen zur größeren Ehre Gottes dem Flammentode überliefert hat. In Spanien herrschte die Inquisition bis zum Jahre 1808 und während ihrer Amtsthätigkeit hat sie dort 31,911 Ketzer verbrennen lassen. Heutzutage beschränkt sich inoeß die ganze Thätigkeit des Cardinal-Groß.Inquisitors auf das unschuldige Vergnügen, hie und da ein Buch auf den Index zu setzen und so für daffelbe Reclame zu machen.
— (Schachteln aus Papiermaffe.s In Boston macht man nach dem „Eng." jetzt Papp- kasten und Schachteln unmittelbar aus Papiermasse; die Schachteln u. a. werden in jeder Ge- ßalt und Größe hergestellt. Nach dem Trocknen gebt ein Theil der Schachteln durch eine zweite Maschine, wo ihnen erhabene Verzierungen aufgepreßt werden. Don dem Augenblicke ab, wo bie Papiermaffc aus ber Verpackung genommen und der Maschine übergeben ist, bis zur Ablieferung der fertigen Schachtel wird von keinerlei Handarbeit Gebrauch gemacht. Mik einem Satze dieser Maschinen, der etwa 200 Arbeiter ersetzt, können täglich 30,000 Schachteln gemacht werden, zu einem Preise, der nicht den dritten Theil der mit der Hand herqestellten Schachteln beträgt.
— Eine neue Gctreideart, welcke mehr Nahrungsstoff enthalten soll, als Mais, Roggen und Gerste, und die selbst in den dürrsten Gegenden des Westens fortkommen soll, findet sich, Dem Ackerbaudepartement des Staates Kansas zufolge, neuerDings in Kansas uno Neu Mexio vor. Diese neue Getreideart wird verschiedentlich als „Pampasreis", „Reiskorn" ober „egyptisches Korn" bezeichnet unb soll von aus Südrußlanb eingeroanberten Mennoniten nach ben Vereinigten Staaten gebracht worden sein.
— (Borax-Waffer zum Händewaschens Eß entfernt sofort allen Schmutz und Flecken von den Händen und heilt alle Riffe und Schrunden. Um es herzustellen, werfe man einige robe Stücke Borax in eine große Flasche unb schütte Wasser barauk. Wenn ber Borax auf* gelöfl ist, schütte man noch mehr Wasser hinzu, bis es zuletzt nicht mehr absorbirt wird unb ein Bodensatz sich in ber Flasche bildet In das Waffer nun, in welchem man die Hände nach der Arbeit waschen toitt, schütte man so viel aus der erwähnten Flasche, daß es recht weich wird. Es reinigt gründlich unb ist heilenb. Bei bcm Gebrauche dieses Mittels werden Die Hände stets in guter Beschaffenheit sein — glatt, weich und weiß.
Verzeichnis
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstande in der Stadt Gießen
vom Monat Mai 1880.
Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige
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