Ausgabe 
8.5.1880
 
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DerKreuz'Ztg." zufolge hätte der Oberkirchenrath gestern 6 Stun­den über den Protest gegen Die Berufung des Predigers Werner an die Jakobi-Gemeinde berathen. lieber die Entscheidung fei Näheres noch nicht bekannt. Es verlaute jedoch, es fei mir überwiegender Majorität beschlossen worden, das ganze Protestmaterral Werner mit der Aufgabe vorzulegen, auf bestimmt formulirte Fragen über seine Stellung zur Bibel, zum apostolischen Glaubensbekenntniß und ewigen Gottheit Christi bündig zu antworten.

Der König von Siam, welcher Mitte Juni hier eintreffen wollte, ließ die Nachricht hierher gelangen, daß er wegen Krankheit genöthigt fei, die Reise vorläufig aufzuschieben.

Die Bunvesrathssitzung hat heute nicht stattgefunden, nur die Aus- schüffe waren versammelt.

Berlin, 5. Mat. Der Abg. Virchow hat unter Unterstützung der Fortschrittspartei und der Demokraten folgenden Abänderungs-Antrag zu dem Anträge des Abg. Dr. Völk, die Herabsetzung der BeschlußfähigkettSziffer des Reichstags betr., eingeretcht: Der Reichstag wolle, unter Ablehnung des auf Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer des Reichstags gerichteten Antrags Dr. Völk, beschließen: den J^erru Reichskanzler zu ersuchen, daß er die Vor­lage eines Gesetzentwurfs an den Reichstag veranlaffe, wonach in Abänderung des Art. 32 der Verfassung des deutschen Reichs den Mitgliedern des Reichs­tags Diäten gewährt werden und in Ergänzung des Arr. 23 der Verfassung des deutschen Reichs dem Reichstage das Recht eingeräumt wird, die Gegen- wart des Reichskanzlers zu verlangen.

Frankfurt, 5. Mat. DerNeuen Frkftr. Pr." schreibt man aus Berlin: In Reichstagskretsen ist man nicht wenig erstaunt über die neuerdings durch die Blätter gehende Mittheilung, der Reichskanzler habe sich jetzt, nach­dem der Reichstag durch Annahme der motivtrten Tagesordnung von Buhl und Delbrück in Sachen Les Tabaks-Monopols sich gebunden hat, sein Augen­merk auf das Rohtabaks-Monopol gerichtet. Neu ist der Gedanke nicht unv er wurde vor einem Jahre in der Tabakssteuer-Commission des Reichstages sehr eingehend erörtert; das Project mußte fallen gelaffen werden, nachdem man bei der Discussion des Modus, unter welchem eS eingeführt werden sollte, zu der Ueberzeugung gelangt war, die Schwierigkeiten der Durchführung seien eben sehr große. Es klingt sehr unwahrscheinlich, daß Fürst Bismarck jetzt dieses Project wieder ausgenommen haben sollte und die Nachricht an sich klingt um so unglaublicher, als jene oben erwähnte motivirte Tagesordnung schon in der Erwägung, von der sie ausgeht, so klar und deutlich genug aus­spricht, daß der Reichstag es bei der einmal zu Gesetz gewordenen Besteuerung des Tabaks belasten und jedenfalls nicht eher auf andere Projekte eingehen will, als bis die praktischen Erfahrungen die Aufsuchung eines anderen Weges nothwendig erscheinen lasten. Der Beschluß des Reichstags ist unseres Erach­tens gegen jedes wie immer geartete Tabaks-Monopol gerichtet und bindet die Majorität unter allen Umständen. Aus dieser Ueberzeugung entspringt das Befremden, mit welchem die in Rede stehende Zeitungsnachricht angenommen wird, und man findet es höchst bedauerlich, daß gerade von einer Seite, welche sich den Anschein gibt, das Recht und Wohl der Tabaks-Jnterestenten zu ver­treten, solche Nachrichten in Umlauf gesetzt werben, die nur Beunruhigung und Unsicherheit zu erzeugen im Stande sind.

Hesterreich.

Wien, 5. Mai. DiePolit. Corresp." meldet aus Belgrad: Im Bezirke Prizrend ftnb größere Ruhestörungen vorgekommen. Viele Serben wurden von Arnauten getödtet. Achtzig Familien retteten sich auf serbisches Gebiet-

England.

London, 5. Mai. Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Shanghai vom 7. April: Die chinesische Regierung verwarf den Kuldscha- Vertrag gänzlich, verlangt bedingungslose Wiederabtretung von Jli und gab zu verstehen, sie werde im Weigerungsfälle diesen Distrikt besetzen lasten. Mit Rücksicht auf die Differenzen mit Rußland wurde ein gütliches Abkommen mit Japan in der Loochoo-Frage getroffen. Auch läßt die Regierung Kriegsvor- räthe nach Norden dirigiren.

Türkei.

Konstantinopel, 5. Mai. Die Pforte versendet an ihre diploma­tischen Vertreter ein Rundschreiben als Antwort auf die letzten beiden Circu­lardepeschen des griechischen Ministers Trikupis. Die Pforte erklärt darin: Das von ofstcieller griechischer Seite beklagte Brigantenwesen werde haupt­sächlich von den Hellenischen Actions-Comitss genährt. Ferner verwahrt sich die Pforte energisch gegen die Anschuldigung, daß sie Maßregeln treffe, um die Arbeiten der europäischen Commission zu behindern.

Konstantinopel, 5. Mai. Der Bericht der ärztlichen ^L-ubcom- mission zur Untersuchung Veli Mahomed's (des Mörders des russischen Oberst Kummerau) conflaürt, daß Veli Mahomed nicht geisteskrank ist und auch nie­mals geisteskrank gewesen war. 22 Mitglieder des Medicinalraths, darunter 8 Türken, schloffen sich diesem Gutachten an. Das Kriegsgericht hat den Bericht entgegengenommen und wird nunmehr unverzüglich sein Urtheil fällen.

Amerika.

Washington, 5. Mai. Die Demokraten von Newhampshire be- schloffen zur Convention in Cincinnati Delegirte ohne besondere Instructionen zu senden.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Corresp-ubeuz - B«re«v.

Petersburg, 6. Mai. Nach einem heute ausgegebenen officiellen Bulletin ist der Zustand der Kaiserin unverändert. Die krankhaften Symptome sind nahezu dieselben, wie in der vorigen Woche. Der französische Bot schafter General Chanzy hat gestern seine Urlaubsreise angetreten.

London, 6. Mai. DieTimes" meldet, Göschen gehe wahrscheinlich als Specialbotschafter für den auf einen beschränkten Zeitraum beurlaubten Layard nach Konstantinopel.

Lokales.

Giefien, 7. Mai. Der Himmelfahrtmarkt war dieses Jahr sehr zahlreich besucht; jedoch wurde von vielen Verkäufern über den Mangel an Absatz geklagt. Eine Bauersfrau, welche sich diverse Diebstähle auf dem Markt zu schulden kommen ließ, wurde bei einem Markt­

stande auf frischer That ertappt, aber wieder laufen gelassen. Von einer Verfolgung seitens der Polizei mußte man absehen. Ferner prügelten sich zwei Marktbesucher auf dem Markte so weidlich durch, baß die Schutzmannschaft sich ihrer annehmen mußte. Die Streitsüchtigen würben zur Anzeige gebracht.

Auf dem Neuenweg entstanden am Mittwoch Nachmittug auch Streitigkeiten zwischen Bauersleuten u. s. w. Ein Fuhrmann von Grüningen, welcher mit seinem 2spännigen Wagen die Straße versperrte, sollte einem Schutzmann seinen Namen sagen. Ein anderer Mann von Grüningen, welcher nicht sonderlich beleumundec ist, rief dem Fuhrmann zu, er solle seinen Namen verweigern. Beide wurden nun auf die Wache verbracht, der Fuhrmann jedoch mit Rücksicht auf sein ohne Herrn befindliches Gefährt wieder laufen gelassen, während sein wohl­meinender Freund wegen Ruhestörung, Widersetzlichkeit und Aufreizung in die Bachgasse wandern mußte, wo er bis morgen früh wohl über die Freuden und Leiden eines Himmelfahrtmarkces Nachdenken kann.

Am Mittwoch Abend ließ ein Bauersmannn sein Pferd, an einen Baum angebunden, auf dem Oswaldsgarten stehen. Verschiedene ältere Schlingel reizten das Thier, jo baß es sich losriß und auf dem Platze herumrannte. Einige Jungen hielten das Thier fest, bis der­selbe Bursche, von welchem wir m der letzten Nr. meldeten, daß er einem Nebenarbeiter eine Jacke gestohlen, sich auf bas Pferd setzte und in der West-Anlage herumsprengle. In der Nähe des Geilfuß'schcn Dielenlagers überritt er einen Dienstmann derart, daß der Mann nach Hause getragen werden mußte, wo er heute noch zu Bette liegt und über innerliche Schmerzen klagt. Der Retter wurde beigesteckt.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde nach Mitternacht eine größere Anzahl Ruhestöre, abgefaßt Von vieren derselben, welche am Wallthor nolirt waren, gingen drei in ihre Wohnung in der Brandgasie, wo sie aus dem Fenster herausschrieen:Es lebe das Schöffengericht, der Amlsanwalt, die Schutzmannschaft und die 1 X 85 Kosten." Ob das Schöffengericht sich für diese Ovation erkenntlich zeigen wird, muß sich wohl demnächst ergeben.

Die Musik, welche gestern Morgen per Leiterwagen nach dem Walde fuhr und inner­halb der Stadt spielte, wirb wohl einen Merkzettel hierfür erhalten, da sie es versäumte, vorher Meldung an geeigneter Stelle zu machen.

Ein Schutzmann in Civil verhaftete gestern Abend einen Fechtbruder in der Mühlgasse. Auch hier widersetzte sich der Verhaftete seiner Arrestation auf's energischste. In der Vachgasse besonders sträubte er sich dermaßen, daß beim gegenseitigen Packen Schutzmann und Verhafteter in den Bach fielen, von wo beide mit Hülfe eines anderen Schutzmannes heräuslavirt wurden.

Zwei unbefugte Laternen-Ausputzer (es waren diesmal Studirende) wurden heute Nacht aus der Frankfurter Straße erwischt und gestellt. Verschiedene Nächte vorher war Ihnen das Experiment geglückt, bis sie heute Nacht die Nemesis erreichte.

Heute Morgen fand von Seiten der Schutzmannschaft eine Revision der Ma­gazine von Kaufleuten über die richtige Aufbewahrung-von feuergefährlichen Waaren statt.

Vermischtes.

Bruchsal, 1. Mai. Dem von hier nach Stuttgart, München u. s. w. laufenden Vormittags-Eilzug drohte gestern eine große Gefahr, von welcher die Reisenden wohl gar Nichts erfahren haben. Zum Vollzug von Reparaturen waren einige kleinere Transportwagen mit Eisenbahnschienen gegen Maulbronn entsandt worden. Mehrere versclben entkamen dem Arbeits- Personal in Folge des dort vorhandenen starken Gefälles; unterstützt von einem heftigen Winb eilten sie, abwärts gegen Bretten. Dort hielt glücklicher Weise auf dem betreffenden Geleise eine Locomotive, mit welcher die winbschnell einfabrenden Materialwagen zusammenstießen unv in Scherben gingen, nicht ohne auch bas Dampfroß sehr zu schäbigen- Wäre die Locomotive nicht im Weg gewesen, so würden die Transportwagen unaufhaltsam weiter gerast und in der Nähe der großen Kurve dem Eilzug in den Weg gekommen jein, was ein Unglück von unab­sehbaren Folgen herbeigeführt haben würbe.

Mainz, 4. Mai. Heute Mittag gegen 12 Uhr ereignete sich hier ein schrecklicher Un glückSfall. An einem Hause in der Nähe des Zeughauses waren eine Anzahl Dachdecker damit beschäftigt, die Schäden an einem Dache auszubefsern. Plötzlich krachte cs, ein schrecklicher Schrei ertönte und zwei Arbeiter stürzten sammt dem Gerüst, welches gebrochen war, in die Tiefe. Der eine der Verunglückten, ein Familienvater, wurde mit mehrfach zerbrochenen Gliebern in das Hospital getragen, während der andere Arbeiter, ein noch junger Mann, schon vor der Ankunft eines Arztes seinen Geist aufgab, er hatte sich den Kopf vollständig zerschmettert.

Ueber das spurlos verschwundene englische SchiffAialanta" kommt folgende Nach­richt aus Warrington: Bei der Vereinigung des Fluffes Wcaver mit dem Mersey wurde eine Flasche aufgefunden, welche einen Zettel mit folgender Notiz enthielt:I. M. Sfltalanta," ,t>. März. Fürchterlicher Sturmwind alle Maste verloren. Wir sinken in Eicht von Lizard. H. Smith, Schiffsjunge." Lizard ist ein Hafen im äußersten Süden von England.

Schiflfeberieht. Mttgethetlt von dem Agenten des norddeutschen Llov>, T. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 5. Mai fPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Rhein Capttän H C Franke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. April von Newyork abgegangen war, ist heute 3 llhr Morgens wohlbehalten in Southampton angettmmen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 257 Paffagiere und volle Ladung.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 5. Mai. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strobmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner X 23.00, Stroh X 2.003.00. Butter das Pfb. un Großen 1. Qual. 1.20-00, 2. Qual. 1.1000, im Detail das Pst. l .4000, 2. Qual. X 1 3000. Eier das Hundert ital. X 5 50, deutsche Eier 4.50 X, Ganze Erbsen das Pfb. 2026 geschälte Erbsen 3237 H, Bohnen 2729 Linsen 4050 H Weißkraut das Stück 2025 H, Rothkraut, 1 St. 3035 Kohlrabi Kohlkraut -H, Blumenkohl 1 St. 10l0»>H, Wirsing 2025^, Kartoffeln 100 Ko. X 60.00, Zwiebeln 1 Bund 6 $ Merrettig 100 St. 14 16 X, 1 Glück 1220 H. Ochsenfletlch per Pfund 6070 zA, Rindfleisch 4560 H, Kuhfletsch 4560 H, Kalbfleisch 4555 H, Hammel, steisck 4465 H, Schweinefleisch 6570 ein Halm X 1.902.30, ein Huhn X 2.00 - 2.50, eine @nte X 2.803.00, eine Taube 5060 H, Wälscher Hahn X 511, Kapaun 3 -0.00.

Limburg, 5 Mai. (Fruchtmarkt.) Rotber Weizen X 19.70, Weißer Wetzen X , Korn X 15.60, Gerste X 11.70, Hafer, X 7.95, Erbsen X (Durchschnitts­preis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) X 3.50.

Berichtigung.

In dem letzten Berichte über die Sitzung der Stadtverordneten am 29. April (Nr. 102 des Anzeigers) wolle man in der 9 Zeile von oben anstatt M. Hornberger Wortmanu lesen.

Arischbäcker in Meßen.

Sonntag, den 9. Mai. Eduard Noll, Neustadt. Karl Steinberger, Löwen- gaffe. Heinrich Faß, Ludwigsplatz.

I Kirchliche Anzeigen

der evangelifchenGemeinde suGietzen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 9. Mai.

Morgens: Pfarrer Schlosser Nachmittags: Pfarrer Dr. Naumann. sVorstellung und Prüfung der Confirmanden.)

Am 2. Pfingsttage findet die Confirmation der Knaben statt und die Feier des heiligen

Abendmahls; die Beichte am Samstag, den 15. Mai, Nachmittags 2 Uhr.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 9. bis 15. Mai besorgt Pfarrer Schlosser.

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