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Berlin, 7. April. DerNat. Ztg." zufolge hätte der Kaiser das Demissionsgesuch des Reichskanzlers mit:Es bleibt bet meinem Nie­mals" beantwortet. Der Reichskanzler habe jedoch gestern unter Hinweis auf seine erschütterte Gesundheit sein Demissionsgesuch erneuert unv wäre darauf für heule zu weiterer Unterredung zu dem Kaiser beschieden worden.

8 o k a l e s.

Gießen, 7. April. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle wahrend des Monats März belief sich tm Ganzen auf 38, wovon 12 bei Kindern und 26 bet Erwachsenen vorkamen. Von den Letzteren starben an Lungenichwindsucht 8, Schlagfluß 4, Altersschwäche 3. an Gehirnentzündung, Krebs, Leberentzündung, Brightlscher Krankheit, Necurrendfievcr, Unter- lelbstyphus, Lungenentzündung, Anämie, in Folge übermäßigen Alkobolgcnuffes, ourch Selbst- mord je 1. In einem Falle blieb die Todesursache unbekannt. Von den verstorbenen Krndcrn befanden sich 7 tm ersten Lebensjahre und wurde der Tod veranlaßt durch Gehirnentzündung 2mal, Darmcararrh 2mal, Abzel rung und Lungenentzündung je einmal. Ein Kind war nicht ärztlich behandelt worben und konnte die Todesursache nicht mit Sicherheit fcstgestellt werden. Von den älteren Kindern starben 2 von auswärts an häutiger Bräune, an Serofelsucht, Ge­hirnentzündung je eins und eins in Folge Verbrühung durch kochendes Wasser. In dem gleichnamigen Monate des Jahres 1878 hatten wir in Gießen 40 Todesfälle, darunter bei Kindern im ersten Lebensjahre 11, bei größeren Kindern 10. Im März 1879 hatten wir im Ganzen 34 Sterbfälle, wovon 6 auf Kinder im ersten Lebensjahre und 7 auf Kinder von 2 bis 15 Jabren kamen. 6.______

sNächdrück verboten-j

Der Goldfund in Mardorf.

Von Dr. G.

Mardorf, ein großes, früher kurmainzisches Pfarrdorf, liegt in der überaus fruchtbaren Thalebene, welche sich südlich vor der Amöneburg erstreckt und den Anfang des sog. Ebersdorfer Grundes bildet- Der Boden des Thales ist nicht vollständig eben, sondern zieht sich wellenförmig in sanften Abdachungen hin. Die Amönebuig, eine kleine, früher kurmainzische Stadt, liegt auf dem Plateau eines mächtigen, mitten aus der Ebene steil emporsteigenden Basaltkegels. Direct südlich von diesem Beige, in der Entfernung von einer Stunde, erhebt sich aus dem welligen Thale, welches von den Gemarkungen der stattlichen Dörfer Roßdorf und Maroorf eingenommen wird, ein Bergrücken von Basalt, der sich hinter Holzhausen, Roßberg, Dreihausen nach Nordeck und weiter in einem durch Thaleinschnitte hier und da unterbrochenen Höhen­zuge fortsetzt, aus welchem sich einige Basaltkuppen erheben. Einige der letzteren, so namentlich der Frauenberg, mit den Trümmern eines alten befest'gten Hauses gekrönt, schieben sich weit in das Thal hinaus. Vor dem Bergrücken, der aus Basalt und Dolorit besteht, lagern sich in der Form runder Hügel b>s in die Ebene herunter große Massen tertiären Thönes 7080 Fuß mächtig und bis heute in ununterbrochen schieben­der Bewegung, sobald es dem Wasser tu eine Spalte einzudringcn gelingt. Diese Eigenschaft, welche bei dem vorliegenden Funde unzweifelhaft eine große Rolle spielt, hat etwas unheimliches. Es ist alljährlich zu beobachten, daß die aus dem Innern der Hügel herangedrängten Thonmassen Veränderungen in der Gestalt des Terrains Hervorrufen. Noch ist es in der Erinnerung der Bewohner, daß in dem nahegelegnen Holzhausen eine scheuer von ziemlichem Umfange eines Morgens sich von ihrem seit­herigen hochgelegenen Standpunkte herab zwanzig Schritt tiefer im Thale befand, nach­dem sie jammt dem Boden, auf welchem sie gestandeir, durch die nachdräiigenden Thonmaffen geschoben war. Der Reisende, welcher bm großen Durchstich der Main- Weser-Bahn m der Richtung nach Frankfurt, dicht hinter Gießen passirt hat und nun den ursprünglich aus diesem dem Einschnitte entnommenen Thone aufgeschütteten 4050 Fuß hohen Damm passirt, kann sich eine Vorstellung von oer Bewegung dieses Materials machen.

Die Ausbuchtungen, die er längs des Dammes in einer Entfernung bis zu 50 und 100 Schritte von dem Fuße defielben gewahrt, sind die ehemaligen Bestand- theile des Dammkörvers, die Steinschüttungen, welche oben auf dem Damme unmittel­bar unter den schienen gebettet waren, sind sammt ihrer trügerischen Thonunterlage davon gegangen und kommen jetzt am Fuße in weiter Entfernung wieder zu Tage, sie werden aus dem künstlichen Hügel des Dammes herausgeschoben. Dieses Wandern des Erdreiches, welches den Bahningenieuren manche sorgenvolle Stunde bereitet hat,

kommt, wie erwähnt, in den natürlichen Thonlagern am Fuße der Berge ebensowohl, und namentlich daun vor, wenn von Menschenhand ein Einschnitt in das Terrain gemacht wird, durch welche sich das Gleichgewicht des Zügels ändert. Diese natür­lichen Lager des tertiären Thons vor den Basaltbergen sind mit einzelnen Felsblöcken von Basalt und Dolorit auch mit ^-terngeröll und Sand vermischt. Der Thon ist meist unrein, er führt große Mengen Kalkspatkristallc und Schwefelkies. Da, wo er in einzelnen Lagern rein auftritt, hat er eine dunkle blaue Farbe und gibt das vor­zügliche Material, aus welchem in Dreihaufen und Marburg das Töpfergeschirr ge­fertigt wird.

Das ist der geologische Charakter dieser Gegend, welche zweifellos eine der ältesten Stätten deutscher Ansiedelung und deutscher Cultur ist. Aus den Schenkungen, welche zur Zeit des heiligen Bonstacius dem Altäre des heiligen Martinus gemacht wurden, werden die Dörfer der Gegend erwähnt. Schisheim (Seelheim), Ebilexdorf (Ebsdorf), Holzhusen (Holzhausen), Begtenbrunnen (Breitenborn), ein untergegangener Ort hinter Holzhausen und andere, auch der kleine Bach Alroffa (jetzt Rilf), welcher bas Thal durchfließt, findet Erwähnung.

Die Schilderungen des Wirkens des heiligen Bonisacius, sowie manche Einzel­heiten aus seinem Leben, z. B die Streitigkeiten mit den Edlen von Holchausen, das gerichtliche Verfahren mit Elbeshelfern, endlich die Zahl der Schenkungen und ihre Qualität Höfe, Mühlen rc. läßt keinen Zweifel, daß schon im achten Jahrhundert dort eine wohlhabende dichte Bevölkerung ihren Sitz hatte. Betrachtet man die über­aus schöne, dem Ackerbau günstige Lage und die Fruchtbarkeit des Bodens, so liegt bet Schluß nahe, baß alle Völkerstämme, welche Deutschlanb je bewohnt haben, gerabe in diesem Fleckchen Erbe ihre ständigen Wohnsitze aufgeschlagen haben. Direct bestätigt wird dies noch durch zwei alte wohlerhaltene Opfersteme, die am Thalrande heute noch sichtbar sind und durch den Fund einiger Urnen an einer alten Begräbnißstätte, welche Asche und Knochenreste enthielten, aus deren einem, den vorderen Knochen einer kleinen Zehe die gelehrten Anatomen nachwiesen, daß hier die irdischen Ueberreste einer jungen Frau der Erde übergeben wurden, welche in ihrem Leben Sandalen zu tragen die Gewohnheit hatte. Der Knochen der kleinen Zehe zeigte deutlich den Eindruck des Riemens, welcher die Sandale gehalten. Mag eben diese Combination etwas kühn sein das steht fest, Mardorf liegt im Mittelpunkte einer uralten Stätte der Cultur.

Wenn man von Mardorf südlich sich wendet und die Feldflur verläßt, beginnt das Terrain allmählig aufjufteigen: Verfolgt man den Futzpfad, welcher über eine Viehhute, mit einzelnen Weißbuchen bepflanzt, sanft bergauf führt, so geht man über eine solche flachrunoe Thonanschwemmung wie sie oben geschildert ist, rechts und links sind natürliche Vertiefungen, aus welchen eben solche Terrainwellen wieder aufsteigen, die mit Wald bedeckt sind. Am Ende der Viehhute, welche sich nacb dem Berge hin verbreitet, gelangt man an eine ovale morastige Stelle, in welcher hier und da Wasser­pfützen stehen, die nicht vom Regen, sondern von Quellen herrühren müssen Diese ovale Stelle hat das Ansehen eines früheren künstlichen Teiches, der jetzt von Erdreich dem zwischen dem Steingerölle sich findenden verwitterten und höchst fruchtbaren Basalt nicht mck Thon größtenteils zugeschwemmt ist, aber noch scharfe Ränder und die regelmäßige Gestalt eines Ovals aufiueift. Unmittelbar südlich von diesem Moraste steigt, im Halbkreise ausgeschnitten, auffallend regelmäßig geformt, das Terrain steil bergan gegen cme dahinter liegende Bergkuppe Der Bcrgausschnitt ist nicht mit Pflanzenwucbs bedeckt, sondern zeigt nach Westen Steingeröll und frisch' Spuren, daß hier Steine von Menschenhand gewonnen sind, während nach Osten einige der oben ermähnten Thonausflüsse aus dem Innern des Hügels hervorgetreten sind in schwachen Wölbungen sich auf das Vorterrain ablagernd: Der erwähnte halbrunde Einschnitt befindet sich in einem Jener Vorhügel vor dem eigentlichen Höhenzuge, der nach der Ebene hin nach Norden einen ziemlich steilen Abfall hat, nach dem Bergzuge hin nach Süden sich nur wenig erhebt und die Gestalt einer runden Kuppe zeigt, aus welchem der erwähnte Einschnitt herausgenommen ist, an dessen Fuße der ovale Morast liegt. Auf seiner Spitze ist der Hügel ganz eben und es setzt sich vor demselben eine kleine Hochebene, nach welcher der Hügel nur wenig abfällt, weiter nach Süden fort Dieses Hügel mit dem Einschnitte, an dessen Fuße der ovale Morast liegt, heißt feit uralter Zeit der Goldberg. Links und rechts von dem nach tvm Höhenzuge sich in sanfter Erhebung sortsetzende* Plateau sind wiederum natürliche Einschnitte des Terrains, in denen das Regenwasser, namentlich nach Osten zu, einzelne tiefe Einschnitte ausgesvült hat. Einer derselben hechtdas Goldloch" und der daran grenzende Waldtheil, ein prächtiger Buchenbestand,am Goldloch". (Forts, folgt.»

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Die Erhebung der directen Steuern betr.

Das Hebreg ster über die directen Steuern für die Zeit vom 1. April 1880 bis 31. März 1881 liegt auf dem Bürgermeisterei-Büreau 8 Tage lang zur Einsicht offen.

Gießen, den 6. April 1880.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

2429)__A. Bramm.________________________

Bekanntmachung.

Die Lieferung der Kleiderstoffe für arme Confirmanden soll im Sub- misfionswege vergeben werden und sind Offerten mit Mustern bis zum 15. l. Mts. bei Herrn Hospitaloerwalter Nehmeyer, welcher jede gewünscht wer­dende Auskunft ertheilt, verschloffen einzuretchen.

Gießen, den 4. April 1880.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

A. Bramm.

Unter er Steigerung

in der

Freiherr!. Oberförsterei Rabenau.

Es wird versteigert im Distr. Noll, Abthlg. 3b, 2d und 1.

Mittwoch, den 14. April d. A,

Scheiter Knüppel

Buchen 89 rm 185 rm

Eichen 38

Erlen, Aspen, Nadel 16 30

Die Zusammenkunft findet Vormittags

(Stamm-)Reisig Stöcke 472 rm 65 rm

94 14

304 6 ,,

9 Uhr im Distr. Noll,

Pflanzgarten, statt.

Kesselboch, den 6. April 1880.

Ireiherrliche Oberförsterei Rabenau.

2411) Franz.

am

l)|i|ii!iMwr Mui-Loose,

Ziehung am 15. April,

find in der Exped. d. Bl. ä 3 M. zu haben.

Höhere und erweiterte Mädchenschule

zu Gießen.

2445) Die Aufnahmeprüfung findet Samstag den 10. Aprils Morgens zwischen 9 und 12 Uhr, im Schulhaus auf dem Oswalds- berg statt. Die Anmeldungen werden Freitags, Nachmittags von 24 Uhr, in der Wohnung des Unterzeichneten in der Ludwigs- straße mündlich oder schriftlich entgegengenommen.

Die Kinder, die noch keine Schule besucht haben und der Vor­schule der höheren und erweiterten Mädchenschule zugeführt werden sollen, werden ebenfalls am Samstag Morgen um die angegebene Zeit auf dem Oswaldsberg angemeldet. Erforderlich ist der Impf­schein sowie eine genaue Angabe deö Geburtstags und -Orts der Kinder, sowie des Namens und Standes der Aeltern bzw. Pfleger. Das neue Schuljahr beginnt Montag den 12. d. M , an welchem Tage das neue SchulhauS bezogen wird. Der Unterricht nimmt seinen Anfang Dienstag den 13. April, Morgens um 7 Uhr, für die oberen und mittleren Klassen, nm 8 Uhr für die unteren.

Die Aufnahme der Schüler für die Staotknaben- unr Mädchen­schule erfolgt am ersten Mai und wird darüber besondere Bekannt­machung erlassen.

Gießen, am 6. April 1880.

Die Direktion: Digelius.

Hanbwerkerschute öes jjemerfmereius.

2439) Beginn des Sommersemesters am 7. April 1880 sowohl für die Tag- als auch die Abendschule. Anmeldungen nimmt Vormittags von 8 bis 12 Uhr Herr Äug. Hug, Architekt, in unserem Schullokal am Asterweg, entgegen.

Der Uorstand des Gewerbvereins:

_____________ Dr. Hugo von Ritgen, Geh.-Rath.

Herren Wäsche.

Die Vertretung einer der ersten Hemden-Fabriken in Bielefeld wurde mir über­tragen. Ich liefere alle Arten Herren- und Knaben-Hemden in solider Waare zu sehr b^°n Preisen. Aug. Haubach, Mäusburg.

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5.

Höfe Nor bei Bade

6. Cassel, Süffel (q Lehrte)^

7. Cassel,

Frankfurt

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