Nr. 8L
Donnerstag den 8. April
1880.
chichener 'Zinieiger
Anffige- W WM fit hcn Kreis Gieße«.
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Schulstraße B. 18.
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Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung.
Auf dem am 6. l. Mts. dahier abgehaltenen Viehmarkte ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen Elgenthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige der Ansprüche an dieses Kalb zu machen hat, wird hiermit aafgefordert, solche alsbald bei der unterzeichneten Behörde anzumelden.
Gießen, den 7. April 1880. Großherzogltche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius. (/«aa
Ievtschland.
Darmstadt, 5. April. DaS heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 8 enthält das Gesetz, die Errichtung einer Landescultur-Rentenkasie betreffend-
Berlin, 5. April. Hier spricht Alles von dem Ausfälle der englischen Wahlen. Es ist nunmehr gewiß, daß die Tories unterliegen, und viele Blätter verweisen hinterher Lord Beaconsfield die Unvorsichtigkeit, daß er nicht bald nach seiner siegreichen Zurückkunst vom Berliner Congreffe 1878 das Parlament aufgelöst habe. Beaconsfield hätte diesen Schritt jedoch gern gethan und ließ flch nur durch den Einspruch seiner Amtsgenofien davon zurückhalten. Seit dieser Zeit hat die -nglische Regierung in Afrika und Asien manches unvorhergesehene Unglück gehabt. Freilich würden die Whigs wohl auch nicht im Stande gewesen fein, diese Unfälle zu verhindern, aber bet den Wahlen wild der regierenden Partei jeder Unfall als Fehler auf die Rechnung gesetzt, und besonders schlimm ist eS, daß auch die glnangen etwas in Unordnung gerre- then und die Tories so ihren alten Ruf zu bewähren schienen, schlechte Finanz- männer zu sein. Mögen die Wahlen nun auch noch glimpflich genug für die Tories ouefollen, so daß sie versuchen können, weiter zu regieren, was jetzt freilich nicht voiauszusehen ist, oder mag ein liberales Cabinet gebiltet werden, in jedem Falle wird England in der nächsten Zeit eine schwache Regierung haben. Mit einer Mehrbeit von 12 bis 15 Stimmen ist die Regierung steiS einer zufäll'gen Niederlage ausgesetzt. Wenn die Whigs an's Ruder kommen, wird ihre Mehrheit kaum größer sein, und diese Mehrheit ist bunt zusamuien- gewürselt. Für das Ausland, namentlich für Deutschland, wird es zu be- dauern sein, wenn die Tortes zurücktreten, die den Frieden von Berlin abgc- schlvffen hoben und ebenso fest wie Deutschland unv Oesterreich entschloffeu sind, die Bestimmungen des Friedens aufrechtzuerhalten. Zwar haben sich die Führer der liberalen Partei genöthtgt gesehen, trotz alles Schimpfens auf die toryistische Politik ihrerseits deren Fortsetzung zu versprechen. Aber ihre Politik ist fett dem Tode Palmerstoi/s stets halb und lahm gewesen und ver- spricht auch jetzt nicht, sich zu bessern.
Nußland.
Petersburg, 4. April. Ausführliche Nachrichten über die Bewachung des Wrnlerpalais sind der „Pr." aus Petersburg unterm 30. März^ wie iolat »ugegangen : Mit der Ueberwachung des Palais sind spectell 10 Garde- Osfic'iere betraut. Von j-dem Garde-Reglment Einer, der den Capitänsrang haben muß. Dieselben haben genaue Controle über alle Personen zu pflegen, die sich im Wintervalais befinden und über deren Verkehr. Zudem sind noch für sede Etage besondere Vorschriften erlaffen. Für die mittlere Etage, welche ber Kaiser und die Kaiserin bewohnen, gilt die R g'l, daß der wachhabende Garde. Osficier Jeden zrirückzuwelsen Hai, der ohne specielle Anordnung dort erscheint und nicht etwa direkt zur kaiserlichen Familie gehört. In der Zeit von 12 Uhr Nachts bis 8 Uhr Morgens darf dort gar Niemand und selbst der Thronfolger nicht erscheinen, ohne daß der Garde-Osficier die Meldung entgegennimmt, und erst nachdem die Meldung den weiteren Jnstanzenzug, den ick später angeben werde, gemacht hat, darf der Einlaß erfolgen. Diese An- otbr.utifl wird so strenge beobachtet, daß selbst der Leibarzt der Kaiserin, Dr Botkin, in tiefer Zeit nur nach Anmeldung beim Garde Osficier vorge- lafs'cn daß die etwa giholten Medtcamente nicht ohne vorherige Meldung b« m 'Wacktvfficter in die Appartements getragen werden dürfen. Die
10 Karde-Officiere haben ausschließlich die Ueberwachung der Etage des Kaisers und der Kaiserin. Das Parterre rind die oberste Etage werden in nleicker Weise von Palastosficieren bewacht, die Sollterrains werden ganz ver- mairert und dürfen nicht mehr bewohnt werden. Sobald eine Meldung zu «ftfltten ist hat der Gordc-Officier sich an den Oberst Siolmann zu wenden. Dieser tbeüt die Meldung dem Schloßverwalter be la Case mit, d-r sie dem General-Adjutanten Rilejew vorträgt und von diesem wird sie dem Hofmar- ickall v Grote übergeben, der die Entscheidung trifft. General Rilejew gibt äalick d,e Loosung aus, und zwar eine doppelte: die eine für die Wache, bie andere für die Garde Osficiere und jene Personen, die unmittelbar um die Verton ihrer Majestäten den Dienst haben. Die Garde. Osficiere erhalten ben Rette! mit ber Loosnng erst beim Dienstantritt jeben Abenb unter Couvert überre * Auf Verlangen des Kaisers erhalten die Garbe-Offictere zu ihrer Löbnuna eine Zulage von 15 Rubeln monatlich. Die Osficwre wollten biefe Äage mchi annehmen, ba sie ben Dienst als Ehrensache betrachten und zu- hem iimmtlid) aus den ersten Familien stammen; allein es war des Kaisers Lunsch und diesem dürften sie sich nicht entziehen. Im Palais ist Überdies
noch eine Polizei-Abtheilung, als bereit Vorstand (Pristaw) ein Polizei-Beamter Namens Kantareki sunglrt. Derselbe war Pristaw jenes Stadttheils, in welchem die Ermordung Mesentzow's sich ereignet hatte, und war nach dem Morde abgesetzt worden. Es gelang ihm aber, seine Tüchtigkeit anderweitig zu erweisen, worauf er zum Pristaw im Wtnterpalals ernannt wurde. Allgemeine Audienzen werden gar nicht ertheilt und nur die Befohlenen erhalten Zutritt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'« telegr. E-rrespon»«,, • «nrean.
Berlin, 6. April. Die „Nordd. Allg. Ztg/ meldet: In der Dundesraths-Sitzung am Sonnabend fand bei Feststellung des Gesetzentwurfes, betr. die Erhebung von Retchs- stempelabgaben über die Frage, ob Quittungen über Postanweisungen und Postvorschuß-Sendungen der Stempel- abgabe zu unterwerfen feien, eine Abstimmung statt, wobei die Majorität von 30 Stimmen eine Bevölkerung Wit T/2 Millionen, die Minorität von 28 Stimmen eine Bevölkerung von über 30 Mill, repräsentirte. 16 Stimmen kleinerer Staaten befanden sich iw Wege der Substitution in Händen von zwei Mitgliedern des Bundesrathes. In Folge dieser Vorgänge hat der Reichskanzler sein Ent- laffungsgesuch bei dem Kaiser amtlich mit der Motivirung eingereicht, daß er den gegen Preußen, Bayern und Sachsen gefaßten Majoritätsbeschluß weder vertreten noch in seiner Stellung als Reichskanzler von dem Beneficium Gebrauch machen könne, welches Artikel 9 der Reichsverfaffung der Minorität gewährt.
Berlin, 6. April. Reichstag. Der Präsident theilt mit, baß Gesetz, entwürfe, betr. die Küstentrachtschifffadrt und über die Besteuerung von Dienst. Wohnungen, eingegangen sind. Das Haus ehrt das Andenken deS verstorbenen Abg. Wulfsheim in üblicher Weise. Die Verordnung, betr. die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, wird auf Grund des Berichts der 7. Commission in zweiter Lesung ohne Diskussion genehmigt. Es folgt der Bericht der WahlprüfungsCommission über die Wabl des Grafen Grote (Harburg). Die Commission beantragt die Wahl zu beanstanden. Das Haus genehmigt den Antrag der Commission fast einstimmig. Die Wahl des Abg. Luzlus (Erfurt) wird nach Antrag der Commission für gültig erklärt. Die Zusammenst-llung ber Liqulbationen aus der französischen Kriegskosten-Entschä- dlgung wird der RechunngsCommission überwiesen. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch statt. Auf ber Tagesordnuna stehen ber Orihographie- Antrag R'ckert-Stepbani. Wahlprüfungen und das Viehfeuchen-Gesetz.
_ Der „Reichs-Anz." meldet; Der Kaiser verlieh dem Fürsten von Rumänien den Schwarzen Adler-Orden.
— Hinsichtlich der Heiserkeit des Kaisers ist Besierung eingetreten und das Befinden Sr. Majestät nunmehr völlig belriedigend.
London, 6. April. Die „Times" meldet aus Kandahar von gestern: Die Königin ernannte Schir Ali zum souveränen Herrscher von Kandahar, woselbst eine britische Garnison und ein britischer Agent (bhonirt werden. — Dasselbe Blatt meldet aus Paris: Der Botschafter in London, Pothuau, verläßt Ende des Monats seinen Posten und wird zeitweilig dnrch Lson Say ersetzt, welcher die Specialmission erhält, über den Handelsvertrag zwischen England und Frankreich zu unterhandeln.
London, 6. April, Abends. Nach einem Telegramm des Standard" aus Bombay vom 6. April hat die Nachricht der "Da«» News vom Tode Mahomed Jan's keine Bestätigung gesunden. Letzterer befindet sich hi W dan und habe erklärt, er werde bis zum Aeußersten kämpfen, falls die Be- dingungen der Engländer unannehmbar seien. _.
Die Homerulers Parnell und Daly sind m Cork City gewählt. Die ädomerulers haben einen Sih gewonnen.
Petersburg 6 April. Gegenüber ben allarmirenden Preßnach- rickttn über Chinas Absichten kann bas Journal be St. Petersbourg" mit- .heilen, daß die letzten Pekinger Nachrichten den Wunsch der chiiiefi cken Regierung bekunden, die Verbandlungen, betr. die Provinz Kuldscha, wieder auszünehmen, da der Petersburger durch Tichong Hon abgeschlossene Vertrag Üücht sanctionirt werden könne. Marquis Tseng, chinesischer Botschafter in Paris, soll für die neuen Verhandlungen hier eintreffen.


