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neue, jetzt tn pcobewei.em Gebrauch befindliche Utüformirung der französischen Infanterie. Dieselbe besteht aus Schnürstiefeln, Waffenrockblouse mit Schul- bo terklappen nach preußischer Art, Helm von Kork mit blauem Tuchüberzug,
hi Lederbesatz und Kinnriemen. Die Pantalons sind nicht geändert. Die Schulst lerklappen endigen in einem olivensörmigen Zierrath, der die Nummer des
k Bataillons trägt; sie sind blau für das 1. Bataillon, klapproth für das 2.,
gelb für das 3. und grün für das 4. Der Helm mit seiner kleinen Granate und seinem Lederbesatz ist nach „L'Armee francatse" häßlich, was nicht anders sein kann, da man weder den deutschen noch den bayerischen, noch den russischen Helm am ehmen wollte, weil sie zu viel Analogie mit dem preußischen Helm haben. „L'Jllustratton" bekämpft den Helm, weil er dem französischen Soldaten ein gar zu preußisches Aussehen verleihen würde. „L'Arm^e franc." wirft dagegen ein, daß der Helm nur einfach aus dem Grunde häßlich sei, weil er dem der deutschen Nachbaren zu wenig gleiche, denn ein Helm ohne
0 Spitze und ohne Schmuck werde stets widerwärtig aussehen.
$ — Justizmtnister Cazot empfing heute die richterlichen Beamten; die
Präsidenten des Caffattonshofs und des Appellhofs betonten, es sei ihr fester Entschluß, allen Gesetzen Achtung zu verschaffen, namentlich den Verfaflungs- gesetzen. — Der ständige Senator Montaltvet, ehemaliger Minister Louis 5, Philipps, ist gestorben.
t England.
London, 2. Januar. Das Wetter war gestern wieder den Taucher- Arbeiten tm Taystrome nicht günstig und es hat sich also die Forschung nach - dem uyglückltchen Eisenbahnzuge nicht viel weiter führen lasten. Taucher haben indesten festgestellt, daß die Wagen am Hinteren Theile des Zuges tn zerschmettertem Zustande auf dem Grunde angekommen sind. Mittlerweile halten die Stürme an der Küste und tm Lande an und für nächste Woche sind uns von New-Dork aus bereits aus's Neue heftige Stürme mit Regen und Schnee angesagt.
Dundee, 2. Januar. Vier Taucher sind jetzt beschäftigt, den Boden des Flufles Tay zu untersuchen, da wo die Brücke und der Zug in den Fluß hinabgestürzt sind, indeß unruhiges Wetter und trübes Master haben nur geringe Ergebnisse gestattet. Die heutigen Nachforschungen haben zu der Ueberzeugung geführt, daß die Hintere Hälfte des Zuges nicht aufgesunden ist. Außer einigen Lampen, Kiffen und Wachstuchdecken ist noch nichts mit heraufgebracht. Dagegen ist vielerlei an dem User angetrieben und die Einwohner haben sich desselben, namentlich des Holzwerks, als guter Beute bemächtigt, so daß in den betr. Ortschaften den Bewohnern angekündigt werden mußte, daß die Aneignung dieser Trümmer als Diebstahl verfolgt werden würde.
London, 5. Januar. Den neuesten Berichten aus Afghanistan zufolge hat sich die Lage daselbst tm Laufe der vergangenen Woche sehr erheblich zu Gunsten der Engländer verbessert, und obwohl — wie ein angesehenes militärisches Fachblatt heute bemerkt — die feindliche Kette in Stücke gebrochen , welche sich wieder vereinigen lasten, und nicht eigentlich zerstört ist, so scheinen die Nachrichten über die Sicherheits- und Vorsichts-Maßregeln, welche General Roberts allerwärts treffen läßt, doch die Hoffnung zu gestatten, daß die zertrennten Glieder der Kette so gar bald nicht wieder zusammengeschmiedet werden. Die Verbindung mit Peschawer gilt als gesichert. In Kabul ist die wilde Art, in welcher die aufständischen Afghanen dort dem Theile der Bevölkerung gegenüber, der sich nicht auf ihre Seite stellte, gehaust haben, den Engländern wesentlich zu Statten gekommen, insofern letztere von den Mißhandelten nicht als Feinde, sondern als Freunde und Retter begrüßt werden.
Telegraphische Depeschen.
Wagrrer'S telegr. Correfpondenr • Bureau.
' London, 6. Januar. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel von heute: Der britische Botschafter Layard erhielt ein von ihm tn der Angelegenheit Köller verlangtes formelles aufklärendes Schreiben des Poltzetmtnl- sters und erklärte dastelbe für vollkommen zufriedenstellend. Zugleich einigte sich Layard mit der Pforte, daß Achmed Tewfik nicht nach Asten, sondern nach einer Insel mit christlicher Bevölkerung verwiesen wird. Die Differenz zwischen Layard und der Pforte ist somit vollständig ausgeglichen.
— Eme Depesche des Generals Roberts aus Kabul vom 4. ds. meldet: Die Stadt ist vollständig ruhig. Es wurde eine Amnestie proklarytrt, von welcher nur die Führer des Aufstandes ausgeschlossen wurden.
Petersburg, 6. Januar. Der „Regier.Anz." veröffentlicht die kai- serlichen Dekrete, betr. die Ernennung Walujeff's zum Prästdenten des Mini- ster-Comite-r und gleichzeitig zum Präsidenten der Btttschristen-Commission.
Paris, 6. Januar. „Rappel" schreibt, das Programm des neuen Sabinets werde besonders hervorheben die Reform des Richterstandes, sowie die wettere Entwickelung der Freiheit der Presse und des Vereins- und Versammlungsrechts. Ferner werde dasselbe sich über den friedlichen Charakter der auswärtigen Politik Frankreichs äußern.
— Ein der chilenischen Gesandtschaft zugegangenes ofstcielles Telegramm meldet, daß General Daza, Präsident von Bolivien, gestürzt und ae- flüchtet sei. a
Petersburg, 6. Januar. Aus Cannes wird vom 4. ds. gemeldet: Die Kaiserin befand sich während des ganzen gestrigen Tages schwächer, hustete stärker und klagte über Herzklopfen. Der Appetit war geringer. Die Verschlimmerung fällt mit dem verstärkten Krankhettsproceß der Lungen zusammen.
Paris, 6. Januar. Entgegen den Versicherungen verschiedener Journale ist, wie die „Agence Havas" meldet, über die Wahl des Botschafters für Berlin noch keine Entscheidung getroffen worden.
London, 6. Januar. Lord Salisbury empfing eine Deputation der Inhaber türkischer Bonds von 1858 und 1862, welche die Unterstützung ihres Protestes gegen die jüngste Finanzoperation der Pforte nachsuchte. Lord Sa- lisbury erklärte, er glaube, daß ihre Ansprüche wohl Erwägung, jedenfalls Thetlnahme verdienten, jedoch werde das englische Cabinet nicht versuchen, die Pforte zur Zahlung ihrer Schulden zu veranlassen. Wenn er (Salisbury) einen Rath geben dürfe, so ginge derselbe dahin, daß die Pforte jetzt Niemandem Zinsen bezahle, da die Hülfsquellen des Staates in erster Linie einer guten Verwaltung des Landes gewidmet werden müßten. Ec würde der Pforte rathen, ihre Finanzen auf guten Fuß zu stellen und alle Elemente des X
Friedens und der Wohlfahrt zu ermuthigen; wenn genug Material vorhanden sei, um billig allen Gläubigern gerecht zu werden, sich mit denselben zu einigen, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Forderungen und deren Priorität.
London, 6. Januar, Nachts. Reuters Bureau meldet aus Cipetown, der Secretär des Boers-Comttes, Bok, sei wegen Hochoerraths verhaftet, aber gegen Cautron in Freiheit gesetzt worden.
Der Zug des Todes - 1879.
„ , F^und Hain hat eine reiche Ernte im verflossenen Jahre gehalten und Charons Nachen mit einer bunten Schaar bevölkert. Er schont nicht Land nicht Stand, nicht ^ung Nicht Alt, nicht Hoch und Niedrig, aber wie bei einer Revue von Truppen fallen uns bet dem scheidenden Jahre, welches dem Zug des Todes soeben noch den alten Freund ^ahns, Dr. Marggraf, im Alter von 92 Jahren und seine Gattin, die 62 Jahre leine treue Gefährtin war, sowie den berühmten Verfasser der Seelenbräute, den eng- lischen L-chnftstellcr Hepwort DIxen beigesellt hat, bic Berühmtheiten und allerlei Großen verflossener Tage auf.
m ihu Buritt, der bekannte Friedensapostel, schreitet voran, die Opfer von »'nen, Kabul und aus dem Zululande hinterher; der blasse Jüngling ist Prinz Louis Bonaparte. Der Komg von Korea und Schir Ali von Afghanistan marschiren neben dem alten spanischen Streiter Espartero und Miniä, dem Er- ftnder der nach ihm benannten Büchse. General v. Podbielski meldet: Nichts Neues vor dem Paradies, und es grüßen sich alte Waffengefährten, der Feldmarschall Graf Roon, der Eroberer von Schlettstadt General v. Schmeling und der alte Commandant von Berlin General v. Neumann. Dort steht der Senior des eisernen Kreuzes von 1813 Freiherr v. Willis en mit fremden Admiralen und Generalen unter ihnen der Besieger Schamyls Marschall Bariatinski, General Douay von Paris der russische General Lazarew und der dänische Generalstabschef Sternholm . Von Fürsten seien genannt Prinz Heinrich der Niederlande, Waldemar, der dritte Sohn des deutschen Kronprinzen, Herzog Wilhelm von Mecklenburg, Prin- zctsm Amalie von Waldeck, die Gräfin Hohenau, Wittwe des Printen Albrecht öoa Preußen
Fürst Bismarck verlor seinen getreuen Adlatus v. Bülow, in Odessa starb der begabte Generalkonsul Dr. Blau. Unter den zahlreichen Würdenträgern fremder Staaten finden wir Str Henry Lawrence, einst Vicekönig von Indien, Dr. Dubs, Präsidenten der Schweiz, den ehemaligen französischen Finanzminister Pierre Magne, den österreichischen Minister Dr. Giskra und Derwisch Pascha vom türkischen Kriegsrath.
Viele Kardinäle und Bischöfe, unter ihnen Graf Carlo Pecci, der Bruder Leo XIII., Dr. Gobat, Bischof von Jerusalem, ziehen vorüber, ausgesöhnt mit den protestantischen Collegen, an deren Spitze sich der geistvolle Präsident des Münchener Ober-Consistoriums Dr. A. v. Harleß befindet. Das Judenthum vertritt der wohl- thatige Chef des Londoner Hauses Lionel v. Rothschild.
Die Gelehrtenwelt beklagt besonders herbe Verluste, den berühmten Meteorologen H. W. Dove, den bekannten gerichtlichen Chemiker Dr. Sonnenschein in Berlin den Nestor der Universität Göttingen Dr. Ulrich, den Philosophen Prof. Huber in München, Dr. H. Geißler in Bonn, den Erfinder der Geißler'schen Röhren den berühmten Gynäkologen Dr. H. B e i g e l in Wien, den Botaniker Geh. Hofrath Reichenbach in Dresden, den trefflichen Volkswirth David Born, den Forschungsreisenden Dr Ruten berg aus Bremen, der auf Madagascar starb, den Geschichtsforscher Karl v. Weber, den Prof. Andersen in Breslau, Europas größten Schachspieler, den Astronomen Dr. Lamont in Münster, den Pharmaceuten Prof. Dr. Fr. Mohr in Bonn, und viele Andere; ferner den Orientalisten Lindgren in Schweden, die berühmten Mediciner Tardieu und Chaffard in Paris den Phrenologen Otto in Kopenhagen, den 101 Jahr alten Arzt L i n b e t s k i in Warschau, den belgischen Afrikareisenden Vanthier, den französischen Nationalökonomen Michel Chevalier und das geistige Haupt des Schutzzolles Charles Carny in Philadelphia, den Professor der Pharmakologie Dr. Rudolf Buchheim in Gießen.
Aus der Künstlerwelt nennen wir: G o ttfr i cd Semper, den Meister des Theatenbaues, den Erbauer des Berliner Nathhauses Wans e mann, den Genremaler F. E. May erheim, den Maler Ehrentraut in Berlin, Prof. Hübner und I llenb a ch in Düsseldorf, den Bildhauer Rud. Schwanthaler in München; ferner den Prof, des Leipziger Conservatoriums C. F. Richter, Jan de Sweerts in Prag, den ehem. Director den Hoftbeaters Hein, den Vorkämpfer Richard Wagner's Hofkapellmeister Eckart in Berlin, den Theaterschriftsteller Hofrath Fr. Tietz, den Sänger Franz Diener in Berlin, F. Pr6 vost in Paris, G. Roger, den einst gefeierten Violinvirtuosen v. Kontsky m Warschau, Ninna Sonntag, einst Schauspielerin, dann Nonne, eine Schwester der unvergeßlichen Henriette Sonntag.
Auch die deutsche Presse und der Buchhandel beklagen harte Verluste: Die bekannten Verleger Wester mann tn Braunschweig und Hallb erger in Stuttgart, die Redacteure F. Presen (deutscher Rcichsanzeiger), G. Seuffart (Wiener Leitung) Dr. Weis (Breslauer Zeitung), Dr. I. P i z a (Hamburger Reform), P h. P f e u f f e r (Neue Augsb. Zeitung), Hofrath I. Hartmann (Dresdener Journal), E. Chevalier (Jllust. Jugendzeitung), ferner Mich. Etienne, Herausgeber der Neuen Freien Presse in Wien, und Dr. Beruh. Wolff, Gründer der Nationalzeitung in Berlin. In Paris starb I. H. de V: l l e m e s s a n t, Herausgeber des Figaro Endlich beklagen wir das Htnscheiden der Schriftsteller Adolph Strodtmann Biograph von Heinrich Heine, H. Salingrs, Berliner Possendichter, Theaterdichter Find eis en in Wien, Carl Beck daselbst, der gefeierte, im Elend gestorbene Lyriker, Heinrich Leuthold, Dichter, Dr. H e r m a n n U h d e , Dr. Ferd Kürnberger.
Auch eine Todtenliste hat ihr „Vermischtes" und dahin gehören der bekannte Zwerg Admiral Tom Pouce, Elisabeth Patterson, die erste Frau des Jerome Napoleon, Pastor K. Horn, der Stifter der allgem. deutschen Burschenschaft der bekannte Fortschrittsmann Klassen-Kappelmann in Köln, der Mäcen der Maler L. Rav en 6 in Berlin, die Mutter der Kaiserin Eugenie, Gräfin Manuela von Montijo, Sir Rowland Hill, der Begründer des Penny-Postsystems Louis Favre, der Unternehmer der Gotthardbahn, der Socialist Aug Geib' der durch einen Tigerbiß gestorbene Thicrbändiger Rice, der einst vielaenannte Polizei-Oberst Patzke und Baron Taylor, Kunstmäcen in Paris. 0
Der Tod hat aber nickt nur Einzelne zu sich gerufen, sondern im Born Hekatomben von Opfern geschlachtet — tief in den Emgeweiden der Erde im stillen Schacht im prasselnden Feuer und in Sturm und Graus der Wogen auf der See durch cirr stürzende Häuser und überflutbende Ströme, durck Seuchen und durch Hunger und Roth! Es ist eine trübe Umschau, die wir gehalten haben, aber sie gehört zu den ernsten Pflichten der Tageschronik.
Lokales.
Gießen, 7. Jan. Die „Volksküche" vertheilte heute 849 Portionen. Verkauft wurden hiervon 152, die übrigen 697 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.
Vermischtes.
Lus dem Kreise Wetzlar, 4. Januar. Dem strengen Vorwinter ist fast ein Frühling gefolgt, aber er hat leider Spuren großer Zerstörung hinterlaffen. Durch die Stauung des Eises bet Werdorf war oberhalb das Thal einem See gleich; in Ehringshausen ist Sturm geläutet worden, das Wasser drang in Häuser und Ställe, so daß nur mit Mühe das Vieb gerettet werden konnte. Mehrere Brücken über die Dill sind unfahrbahr oder weggeriffen worden, im oberen Thal ist weniger Schaden vorgckommen.
Bonn, 2. Januar. Eine gefahrvolle Fahrt von Plittersdorf nach Bonn machte nach der „Bonner Ztg " heute Vormittag ein junger Mann von 1h Jahren. Derselbe war am Plittersdorfer Ufer auf dem Saumets damit beschäftigt, Treibholz aus den Fluthen zu fischen, als sich plötzlich die Scholle, auf der er stand, in Bewegung setzte, so daß er das Ufer nicht mehr zu erreichen vermochte. Nun ging die Fahrt weiter bis nach Bonn, und es ist wahrhaftig kein kleiner Glücksfall, daß der Mann gerettet wurde. Als derselbe in der Nähe der Holzschnetdeanstalt von Mosel & Salzig tn der Gronau vorbettrteb, gewahrten ihn dort die


