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Arbeiter, und eS gelang den vereinten Anstrengungen, den Bedrängten ans Land zu bringen. Die Schotte, auf der er bie Schreckensreise zurückgelegt, hatte nur eine Größe von vier Quadrat­fuß und knapp die nothwendige Tragkraft für den Menschen.

Bischofsheim, 5 Januar. Die Rheinbrücke der Hess. Ludwlgsbahn, welche bet dem Letzten Eisgang mehr gefährdet war, als man jetzt vielleicht zuzugestehen für gut findet, repra- sentirt einschließlich Der zweiten Geleisanlage dermalen ein Baukapital von etwas mehr als 6 Millionen Mark. r M. H-V.)

Darmstadt, 5. Januar. Der am 24. December vorigen Jahres zwischen Darmstadt -und Frankfurt verübte Postdiedstahl, bezüglich desten die Postbehörde inzwischen eine Belohnung von 75u vM für Ermittelung des Thätcrs und Herbeischaffung des Gestohlenen öffentlich aus­geschrieben hat dieser Postdiebstahl betraf auch die Erbschaft des Obersten Wilhelm und zwar in einer so seltsamen Weise, daß wenn man das Factum in einem Roman erzählt fände, Solches Niemand glauben würde. Nachdem die in der Rheinpfalz lebenden, der Erbschaft sehr bedürftigen Erben während drei und einem halben Jahre die unsäglichsten Anstrengungen und Widerwärtigkeiten zu überwinden hatten, um in den Besitz der in Amerika befindlichen Erbschaft zu gelangen (Oberst Wilhelm, der sich in Alsbach an der Bergstraße angekauft hatte, war be­kanntlich im Mai 1876 zu Jugenheim im Hotel zurKrone" von einem Schlagfiuß getödtet worden als er im Begriffe stand, in wenigen Tagen seine letzte Reise nach Amerika anzutreten, um seine daselbst befindlichen Werthpapiere re. nach Deutschland zu verbringen) und nach­dem es den Erben jetzt endlich gelungen war, auf dem Wege des Vergleichs von der in Amerika noch lebenden, aber zu Lebzeiten Wtlhelm's vollständig abgcfundenen Ehefrau desselben einen Theil der Erbschaft zugesichcrt zu erhalten und dieser Vergleich hier denn auch wohl oder übel genehmigt werden mußte, da die Erben, insbesondere Angesichts der ihnen Seitens der Legatare drohenden Prozcffe, und unfähig in dem theueren Amerika weiter Prozeffe zu führen, absolut nicht länger warten und ausharren konnten und deßhalb mit der verhältnißmäßtg sehr geringen Vergleichssumme von 72,000 JA sich zufrieden erklärten, wogegen die Legate von Amerika aus gezahlt werden sollten nach Alledem, was horrende Mühen, Unannehmlichkeiten und Kosten -in Europa und Amerika während langer Jahre in Anspruch nahm nach Alledem langten die 72 000 ja Vergleichssumme denn endlich an den im Wilhelm'schen Testamente bestimmten, in Darmstadt wohnenden Testamentsvollstrecker an. Doch war noch ein kleiner Anstand zu beseitigen. Der amerikanische Anwalt der Erben hatte die Papiere nämlich auf seinen Namen überschreiben lassen, ohne zu bedenken, daß hiermit die Papiere in Deutschland schwerlich ver­käuflich seien. Der Testamentsvollstrecker schickte zu deßfallsiger Prüfung die Papiere an die Genoffenschaftsbank zu Frankfurt a. M. und zwar unglückseliger Weise befanden sich die­selben, und hiermit die ganze Wilhelm'sche Erbschaft, insoweit sie aus den Klauen der Ameri­kaner zu retten war, in dem entwendeten Postbeutel vom 24. December 1879!

Das betreffende Packet war bet der Post nur für 600 JA declartrt, ist dagegen mit seinem vollen Werthe von 72,000 JA bei der TransportgesellschaftProvidentia" zu Frank­furt a. M. versichert und müßte diese Gesellschaft, gemäß ihrer Statuten, hiernach innerhalb 4 Wochen für den betreffenden Verlust aufkommen. Die Versicherung ist also jetzt noch der einzige und legte Rettungsanker der verzweifelten Erben! (N. Heff. V.)

Ein Act hochherziger Gesinnung wird aus Nürnberg mttgethetlt: Der Besitzer der renommirten Faber'schen Bleistrftfabrik, Herr Lothar v Faber in Stein hat dem dortigen Stadtmagistrate den Betrag von 125,000 JA zur Errichtung einer Stiftung Übermacht, deren Zinsen alljährlich an einen unbemittelten, aber geschickten und in hervorragender Weise geistig befähigten jungen Mann, der sich einem Gewerbe gewidmet hat, zur Begründung seiner Selbst­ständigkeit ausbezahlt werden sollen. Zum Empfange berechtigt ist nur derjenige, welcher ent­weder in Nürnberg oder in Stein geboren, dort oder in Stein die Schulen besucht und die Lehrzeit bestanden und sich dort oder in Stein niederlaffen will und noch nicht das 30. Lebens­jahr erreicht hat.

lieber das Eisenbahn-Unglück in Schottland liegt folgender Bericht eines Augenzeugen vor: Ich saß am Sonntag Abend am Kamin, dem Getöse des draußen wüthenden Sturmes lauschend, als ein Windstoß, wüthender als alle vorhergegangenen, die Schornsteine eines fast gegenüberstehenden Hauses erfaßte und sie mit einem Krach zu Boden warf, der uns Alle aus die Füße schnellte. Zum Fenster schreitend, schaute ich auf die Straße hinaus; in dem Augenblicke erleuchtete ein Mondstrahl die breite Ausdehnung des unterhalb fließenden Tay, und die lange, weiße, geschlängelte Linie der Brücke kam in Sicht. Unwillkürlich zog ich meine Uhr aus der Tasche. Es war gerade 7 Uhr.Der Edinburger Zug ist sogleich fällig," rief ich meiner Frau zu, ,,ksmm und laß uns sehen, ob er es wagen wird, in einer solchen Nacht durchzufahren." Das Mondlicht war um diese Zeck höchst veränderlich geworden, große Wolkenmassen zogen über den Himmel hin, die zuweilen das Licht des Vollmondes gänzlich ver­dunkelten.Da kommt er", rief eines meiner Kinder, und in demselben Augenblick konnte man sehen, wie die langsam sich bewegenden Lampen des Edinburger Zuges die Krümmung bei Wormit passirten. Dann fuhr er bei dem Signalhäuschen an der Südseite vorüber und betrat die lange grade Linie dieses Theiles der Brücke. Nachdem er einmal auf der Brücke war, schien er sich mit größerer Schnelligleit fortzubewegen, und als die Locomotive die tunnelförmigen Bogen der großen Bindebalken beschritt, rief meine kleine Tochter aus:Sieh', Papa, sieht es nicht aus, als ob cs blitze?" Alles dies nimmt Zeit zum Niederschreiben in Anspruch, aber dem Auge schien es, als ob fast gleichzeitig mit der Einfahrt des Zuges in diesen Theil der Brücke ein Comet mit feurigem Schweife von der Locomotive gewaltsam in die Dunkelheit geschleudert worden wäre. Der Feuerstreifen wurde in einem langen sichtbaren Schweife gesehen, bis er in dem stürmischen Gewässer darunter erlosch. Dann war gänzliche Finsterniß auf der Brücke. Schweigen herrschte unter der gespannt hinsehenden Gruppe am Fenster, dis mir ein entsetzlicher Gedanke kam und ich ausrief:Himmel, ich fürchte, der Zug ist über die Brücke!" Mit wachsendem Entsetzen beobachtete ich die Krümmung an der Nordsccke, um zu versuchen, ob ich dort oen Zug vorüberkommen sehen könnte; aber nachdem mehrere Minuten verstrichen und kein beweglicher Gegenstand an diesem Punkte sichtbar wurde, ergriff ich meinen Hut und eilte über den Magdalenenplatz, wo ich mehreren Personen begegnete, die alle dieselbe Richtung einschlugen wie ich. Wie schrecklich der Sturm um diese Zeit tobte, mag man daraus schließen, daß ich, als ich

die Abdachung des Platzes hinabstieg, mich auf das Gras kauern mußte, um nicht hinweggeweht zu werden. Es schien, als ob der Wind eine solide Fortbewegungskraft geworden wäre. Der massive Signalposten neben dem Signalhäuschen am Nordende der Brücke war vom Winde wie eine Weidenruthe geknickt worden. Auf der Espla­nade wurden Sand und Kieselsteine mit solcher Macht umhergeschleudert, daß meine Hände und mein Gesicht tatsächlich wund wurden. In der Richtung nach dem Flusse konnte ich nichts klar erblicken. Das Wasser aus dem geborstenen Newporter Wasser­rohre auf der Brücke strömte in den Fluß hinab, und da es im Hinabfließen vom Winde erfaßt wurde, nahm es die Form einer nebelhaften Wassersäule an, welche die schreckliche Lücke, die um diese Zeit in dem eisernen Hochweg entstanden war, verhüllen half. Einer der Herren, die sich unter der Brücke auf der Esplanade eingefunden, kletterte in das oberhalb gelegene Signalhäuschen und hörte dort, daß der etwa 1500 Meter vom Schauplatz des entsetzlichen Ereignisses stationirte Beamte nicht mehr von dem Vorfälle wußte, als daß der Zug, der, wie ihm signalisirt worden, volle fünfzehn Minuten vorher die Brücke betreten habe, feine Station niemals erreicht hatte und daß die telegraphische Verbindung mit der anderen Seite unterbrochen war. Was wirklich geschehen, wird man wohl nie bestimmter erfahren, als man es jetzt weiß.

Eine Verfügung des Berliner Magistrats, welcher die Beamten änweift, bei Vervielfältigung von Schriftstücken auf dem Hektographen Dokumente von bleibendem Werth auszuschließen, ist soeben erlassen worden. Auch die Anferttgung solcher Doku­mente mit bläulicher anilinhaltiger Tinte ist untersagt, da es sich herausgestellt, daß so angefcrtigte Dokumente nach nur sehr kurzer Zeit ganz unleserlich und unbrauchbar geworden sind. Es ist daher angeordnet worden, oben erwähnte Schriftstücke mit Gallustinte zu schreiben. Eine gleiche Verordnung erwartet man von Seiten der Ministerien.

Hersfeld. Wie man jetzt am sichersten die Füchse fängt, dürste für manchen unserer Leser nicht uninteressant fein. Man stecke zwei.Gänse in einen Stall und ver­schließe die Thür so, daß es Meister Reinecke nur unter großer Mühe gelingt, sich durch die offene Spalte durchzuzwängen. Der Fuchs wird zwar beide Gänse auffressen, aber vergebens versuchen, mit nun gefülltem Magen durch die enge Spalte wieder zurück- zukommen. Diese Fangmethode hat sich bei dem Müller S- in unserer Nachbargemeinde Sorga bewährt, ob Genannter freilich die Absicht hatte, einen Fuchs zu fangen, ver­mögen wir nicht anzugeben, auch ist uns bis jetzt nicht bekannt geworden, ob S. ein Patent auf diese Erfindung nehmen wird.

Die Froschzucht und der Froschhandel bilden einen neuen Erwerbszweig in den Vereinigten Staaten Ein Herr Soule in Elgin, Illinois, der seit drei Jahren eine Frosch-Farm von 14 Acres Fläche angelegt hat, auf der er, wieScientific American" schreibt, denGoslin-Frosch" eine besonders große Art, züchtet, bringt jetzt seine Waare zum ersten Male auf den Markt. In nächsterSaison" will er St. Louis, Chicago und Cincinnati mit Fröschen versorgen und hofft davon den besten Erfolg.

(Ein Katerfrühstück.) Einige übermüthige junge Männer in G-, welche am Abend tüchtig gezecht hatten, kamen am Morgen zur jungen Gattin eines Bekannten und baten um einKaterfrühstück" zur Beseitigung ihres Katzenjammers. Ei gewiß, sagte schelmisch die schlaue Eva, das sollt Ihr haben. Ich habe gerade was von der Art in der Speisekammer. Die edlen Jünglinge träumten von italienischem Salat und Caviarbrödchen, da kam das Küchenmädchen herein und servirte in verdecktem Teller 4 tobte Mäuse, ein wirkliches Katerfrühstück!

Ein preußischer Hauptmann hat soeben ein scherzhaftesInstructions-Büchlein für den denkenden Soldaten" herausgegeben In denInstructionen" heißt es u. A-: Zweck der Körpertheile des Soldaten: 1) Der Kopf ist jener wulstartige Auswuchs zwischen den Schultern, welcher einerseits die Tragart des Helmes erleichtern, anderer­seits das zu weite Hinaufrutschen der Halsbinde verhindern soll. 2) Die Augen sind kugelartige Körper, welche nicht nur beim Parademarsch nach dem Vorgesetzten und auf Bällen auf junge Mädchen geworfen werden, sondern auch bei fertig gemachtem Gewehre die Höhe des Kornes bestimmen. 3) Die Arme sind astartige Auswüchse an den Schuldern, welche durch ihre pendelartigen Schwingungen den Soldaten beim Parademarsche im Gleichgewichte erhalten und durch Berührung ihrer schwimmhaut- artigen Enden mit der Kopfbedeckung die Ehrenerweisungen möglich machen. Die­selben dienen auch zur Ausfüllung der Rockärmel. 4) Die Nase ist jenes capartig vor­springende knorpelige Gebilde, welches zur Bestimmung der Linie, in welcher dieselbe mit der Helmdecoration und der Helmspitze liegen soll, unentbehrlich ist. Unter Nase versteht man ferner jene deutliche, bestimmte Ausdrucksweise des Vorgesetzten, dem Untergebenen gegenüber, welche keinerlei Mißverständniß zuläßt. 5) Die Ohren sind muschelähnliche Ansätze an beiden Seiten des Kopses, welche zum leichteren Anfassen und zur bequemeren Handhabung desselben durch die Vorgesetzten dienen sollen. Die meisten Soldaten haben ihre Ohrmuskeln zu wenig in der Gewalt, um dem Befehle: Sperren Sie die Ohren auf!" nachkommen zu können. 6) Die Füße sind kahnartige Auswüchse an den Beinen, welche vor Allem die Verbindung des Infanteristen mit dem Terrain möglich machen. Dieselben stehen richtig, wenn sie mit der Erdaxe einen rechten Winkel bilden und parallel zu dec durch den Aequator gedachten Horizontal- Ebene sind. Ohne die Füße würde der Parademarsch in den Bereich der Unmöglich­keit gehören.

750 Mark Belohnung! Am 28. v. M. früh zwischen 4 und 5 Ubr ist auf dem Bahnhofe ^n Straßburg i. E. ein Werthpaket mit 13,000 JA, adressirt an die Steuerkasse in L>ulz und Wald, verloren oder gestohlen worden. Der Werthinhalt be­stand in 10,000 JA Gold (Zwanzigmarkstücke, verpackt in einem Beutel der Reichs­bankstelle Lübeck) und in 3000 JA Pavier (30 Hundertmarkscheine, deren Nummern nicht angegeben werden können). Obige Belohnung von 750 JA erhält nach Bekannt­machung des Kaiserlichen Ober-Postdirectors Derjenige, welcher Umstände zur An­zeige bringt, die zur Ermittelung des Thäters und zur Wiedererlangung des gestohlenen Geldes führen.

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