relkgraphische Depeschen.
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Berlin, 5. Juli. Der „Reichs-Anz." meldet: Der Kaiser hat im Etnverständniß mit dem Reichskanzler mit dessen allgemeiner Stellvertretung für die Dauer der Abwesenheit desselben den Vicepräsidenten des Ministeriums, Grafen Stolberg, und den Botschafter Fürst Hohenlohe beauftragt.
Paris, 5. Juli. In der Kammer der Deputirten fragte Cassagnac an, warum das Cabinet nach dem Votum des Senats vom Samstag im Amte bleibe. Die Kammer verschob die Verhandlung der Interpellation um einen Monat. — Die Gruppen der Linken der Kammer zeigen sich versöhnlich. Der Minister des Innern sagte in der Amnestie»Commission, die Regierung werde keinen Gegenentwurf einbrtngen und überlaste der Kammer alle Initiative; er rathe zur Grundlage des Einvernehmens das vom Staate angenommene Amendement Bozerian zu nehmen.
Pari-, 5. Juli. Der „Justice" zufolge sind die am Samstag verhafteten Personen zwei junge Rusten, Namens Klatschko und Etgenson. — Die
Lokales.
Gießen, 6. Juli. Schwurgertchtsverhandlung am 5. Juli ds. Js. gegen Johannes Roth von Köddingen wegen Todtschlags.
Am 10. Mat l. I. traf Johannes Roth von Köddingen in Bellersheim mit dem Korbmacher Heinrich Kaiser von Köddingen zusammen und ging mit demselben nach Bettenhausen, woselbst sie in der Schlosier'schen Wirthschaft einkehrten. In dieser Wirthschaft trafen sie mir dem Korbmacher Peter Klein von der Kröge zusammen, mit welchem Kaiser schon seit längerer Zeit bekannt war, während Roth ihn bis dahin noch nicht kannte. Kaiser und Klein ließen sich in ein Gespräch mit einander ein, das sehr bald in einen Wortwechsel überging. Bei diesem Wortwechsel nahm Klein dem Kaiser den Stock, den dieser in der Hand hatte, ab und zerbrach ihn. Auch schlug er hierauf dem Kaiser mehrmals in das Gesicht, was dieser sich ruhig gefallen ließ. Nach Verlauf einiger Zeit entfernten sich Kaiser und Roth aus der Schlosier'schen Wirth- chaft und begaben sich in die Wirthschaft des Johann Georg Müller 2r, woselbst sie zu übernachten gedachten. Kurze Zeit nach ihnen kam auch Klein in die Müller'sche Wirthschaft und begehrte ein Glas Branntwein, welches ihm aber, da er bereits stark angetrunken war, vom Wirthe verweigert wurde. Klein trank hierauf von dem Branntwein, welchen Kaiser und Roth vor sich stehen hatten, ohne daß dieselben etwas dagegen einwendeten. Nach einiger Zeit verließen Kaiser, Roth und Klein zusammen die Müller'sche Wirthschaft und schlugen mit ernander den Vicinalweg rin, der von Bettenhausen nach Langsvorf führr. Nachdem sie sich eine kleine Strecke von Bettenhausen entfernt hatten, versetzte Klein dem Roth einen Stoß, so daß er zu Boden fiel. Kaiser ermahnte hierauf den Klein zum Frieoen, derselbe beachtete diese Ermahnung jedoch nicht, sondern stieß den Roth, welcher sich wieder erhoben hatte, aufs Neue zu Boden. Da Kaiser hieraus entnahm, daß Klein es auf Streit abgesehen habe, so trennte er sich von ihm und dem Roth und ging nach Bettenhausen zurück. Nach einer Weile folgte ihm Klein dahin nach, während Roth sich in einen neben dem Nicinalwege befindlichen Grasgarten setzte. Derselbe holte oort sein Messer aus der Tasche, öffnete es und rief hierauf mehreren in der Nähe befindlichen Buben zu, sie möchten den Klein zu ihm zurückrufen, was diese aber nicht thaten. Nachdem Roth noch einige Minuten in dem Grasgarten geseffen, erhob er sich, steckte sein geöffnetes Mesier in die äußere Tasche seines Rockes und ging nach Bettenhausen zu. An einem der ersten Häüser dieses Dorfes war Klein stehen geblieben, und als er den Roth herannahen sah, ging er auf denselben zu und versetzte ihm mehrere Ohrfeigen. Klein drehte hierauf wieder um und ging einige Schritte fort bis vor das Haus des Wagners Seuling, vor welchem er stehen blieb. Während er dort mit dem Wagner Seuling sprach, kam Roth an ihn heran und versetzte ihm mit seinem Taschenmesser einen Stich in den Bauch. Der Stich war mit solcher Wucht ausgeführt, baß das Taschenmesser in dem Bauche des Klein stecken blieb. Nach Empfang des Stiches schlug Klein dem Roth mit dem Stock, den er bei sich hatte, dergestalt auf den Kopf, daß derselbe zu Boden stürzte. Hierauf zog Klein das Messer des Roth aus seinem Bauch heraus und begab sich mit Seuling in dessen Haus. In Folge dieses Stiches trug Klein eine so erhebliche Wunde davon, daß schon am folgenden Tage sein Tod erfolgte.
Johannes Roth wurde von den Geschworenen des ihm zur Last gelegten Verbrechens unter Annahme mildernder Umstände, für überführt erklärt, worauf ihn der Gerichtshof in eine Gefängnißstrafe von drel Jahren verurtheilte.
Gießen, 6. Juli. An dem Schützenfeste zu Hanau am Sonntag und Montag betheiligten sich auch der Gießener Schützenverein. Laut gestern Abend hier eingetroffenem Telegramm hat Schütze I. Euler einen Becher im Werthe von 120 JL herausgeschossen. Ein hübscher Anfang für den jungen Verein.
Linke und die republikanische Union treten heute vor der Sitzung zu einer Verathung zusammen, um gegenüber der Ablehnung der vollständigen Amnestie im Senate Stellung zu nehmen. Man glaubt, die Deputirtrnkammer werde das Amendement Bozerian verwerfen und einen neuen Antrag einbrtngen, der ich mehr dem Anträge Labiche nähere.
— Der Minister des Innern brachte heute in der Kammer der Depu* ttrten den Amnestie-Entwurf ein, wie er von dem Senat angenommen ist. Der Entwurf wurde an die Commission verwiesen und die Discusston bis morgen vertagt, damit die Gruppen der Linken sich über ihre bezügliche Haltung benehmen können. — Heute hat das Duell zwischen Godlenskt, Redacteur der „Union", und Camille Pelletan, Redacteur der „Justice" und Sohn von Eugen Pelletan, stattgesunden. Godlenski's Degen ging dem Pelletan durch den Schenkel.
Athen, 5. Juli. Man sieht hier gespannt der Antwort der Pforte aus die in den nächsten Tageu zu überreichende Collectivnote der Conferenz- mächte entgegen. Die griechische Regierung acceptirt jedenfalls loyal die Be- chlüsie der Conserenz und wird durchweg eine diesen Beschlüßen adäquate Haltung einnehmen. Sollten türktscherseits Schwierigkeiten erhoben werden, o wird Griechenland den Rath der Conferenzmächte in Anspruch nehmen und dementsprechend sein weiteres Verfahren einrichten.
Rio de Janeiro, 5. Juli. Nachrichten aus Buenos-Ayres melden: In Folge eines Abkommens wurde die Zufuhr von Lebensmitteln in die Stadt gestattet. Die Nationaltruppen ziehen sich zurück; die Provinzialtruppen werden aufgelöst.
fahren, in w«lch«n bat Ost.rf.st erst nach dem 13. Apri fällt, btt zum Dllerd'enstaq. dauern sollen. - Ein Erlaß des Unterrichttmiinstert "klärt es als etwat sich ganz von selbst Verstehendes, daß die Universtlätslehrer die 6on ihnen angckündiaten Vorlesungen, klinischen oder praktischen Uebungen felfcft abmhalten verpflichtet und nicht etwa berechtigt sind, dieselben auf län- aere oder kürzere Zeit einem willkürlich gewählten Vertreter zu übertragen. Von ganz besonderen Umständen und zufälligen Vorkommnissen abgesehen, ist eä dem Minister „auch nicht recht verständlich, durch welche Grunde, außer durch Unwohl,ein oder Krankheit, ein Docent verhindert werden konnte, seine Vorlesungen u. w. zu halten." - Nach einer Enischeibung des Reicktge- rickts bat derfcnige, zu besten Gunsten eine L-bensverstcherung genommen ist, bei Fortbestand des Versicherungsvertrags bis zum Tode des Versicherten auch nach preußiichem Recht ein unmsttelbares Klagerecht.
Äu» Bade», 3. Juli. In Ausführung des Tabakssteuergesetzes hatten fiauvliteuerämter des Landes übereinstimmende Bekanntmachung erlösten, wonach idder Tabakspflanzer mit Geldstrafe bis zu 150 JL zu belegen sei, besten Tabaksfelb bet bet bemnächst amtlich abzuhaltenden Visitation nicht als ordnungsmäßig bebaut befunden werde; event. war die Umpflanzung des schon gebauten Tabaks nach genauer Vorschrift des Gesetzes angerathen. Em Umbau der Tabaksselder hätte schwere Schädigung der Tabaksbauer zur Folge aebabt — Verlust an Zeit und Geld und Tabak. Auf emgelegte Beschwerde von Jnterestenten hat nunmehr die Zolldirection als Uebergangsbesttmmung ausnahmsweise genehmigt, daß alle Tabakspflanzer, welche ihren Tabak im Allgemeinen deutlich erkennbar nach der Vorschrift des Gesetzes gepflanzt hätten, aber zwischen den regelrecht angelegten Tabaksrethen noch sog. Reservepflanzen angebaut haben, diese Reservepflanzen noch bis zum 20. Juli stehen lasten dürfen Die bis zu diesem Termin nicht verwendeten Reservepflanzen musten dann alsbald auf dem Felde vernichtet werden. Die Erbitterung über die Beschränkungen, denen der Tabaktbou in Zukunft unterliegt, ist bei den Tabaks- bauern ganz unbeschreiblich groß. „Nicht einmal auf unserem Acker sind wlr noch Herr I" — das hört man hundertfach ; ebenso : „Also dazu bauen wir Tabak, um dann am 20. Juli eine Anzahl Stöcke einfach verntchten zu wüsten?" Di« Lage der Tabaksbauer «st allerdings zum Davonlaufen und man darf sich nicht wundern, wenn Viele in der Thal davonlaufen-
Arankreich.
Pari», 3. Juli. Die Ausweisung der Jesuiten ging in der Provinz fast überall ohne besondere Zwischenfälle vor sich. Rur in Montpellier kam es zu einem ernsteren Streite. Vor dem Jesuitenkloster begrüßten nämltch «tntge Klerikale den Bischof der genannten Stadt bet feiner Ankunft im Kloster wit dem Ruse: „Ts lebe Monseigneur!" Ein Soldat antwortete mir dem Rufe: „Es lebe die Republik I" Em Streit entstand. Die Polizei schritt ein und verhaftete drei Perfonen, einen Notar, einen Bäckergesellen und einen Zungen Edelmann. In Marseille wurden die Jesuiten bei ihrer Ausweisung mit den Rufen: „Es leben die Jesuiten! Es lebe Jesus! Es lebe die Reli- gion! begrüßt. Einige Hochrufe auf die Republik ertönten. Wie auch In Paris zeigten sich besonders die Frauen fanatisch. Sie warfen sich den Jesuiten zu Füßen und heulten und weinten. Fast alle Jesuiten der unterdrückten Klöster in der Provinz haben Klagen eingerelcht und verlangen die Wiedereinsetzung in ihr« Klöster, sowie Schadenersatz. In Limoges wird die Klage der Jesuiten am nächsten Donnerstag zur Verhandlung kommen. In Savoyen gibt es keine Jesuitenklöster. Es befinden sich jedoch dort zwei nicht ermäch- tigte italienische Ordensgesellschasten, eine männliche und eine weibliche. Die fremden Mitglieder dieser Gesellschaften erhielten gestern den Befehl, Frank- reich sofort zu verlosten. ®ie betr. Verordnung stützt sich auf das Gesetz von 1849, welches der Regierung gestattet, jeden Fremden aus Frankreich auszu- wetsen. Noch einige Mitglieder der Staatsanwaltschaft haben ihre Entlastung verlangt, so in Laval. Hazebruck und Lyon. Wie ich Ihnen bereits meldete, ist der größte Theil d-s französischen Richterstandes in den Händen der Jesuiten und ihres Anhanges. Die einen haben sie erzogen, den anderen haben sie reiche Frauen verschafft, die dritten verdanken ihnen chre Stellungen und 'die vierten müffen ihnen gehorchen, da sie vermtt- telst des Beichtstuhls in ihre Geheimnisse etngeweiht sind. Daß der Richt-r- stand dem Einflüsse der Klerikalen so sehr ausgesetzt ist, darf aber nicht wun- dern; die Richter sind s-blecht bezahlt, und manchen jungen Leuten, welche sich diesem Stande widmen, fehlt es an Rednergabe, um als Advocaten ihren Weg machen zu können; sie melden sich dann zum Richteistande, da, wenn sie auch «ine noch jo kleine Stellung haben, sie eine guie Partie machen können, da die reich geworbenen französischen Bourgeois sehr gern ihre Töchter an Beamte verhetrathen. Da nun bie reiche Bourgeoisie, die «ine besondere Vorliebe für vornehme Leute hat, ihre Kinder in den unter der Leitung der Jesuiten stehenden Anstalten erziehen läßt, so kann man heute am leichtesten eine reiche Frau bekommen, wenn man sich als ergebenes Werkzeug der Kirche zeigt. Wie der heute in Frankreich begonnene Eulturkawpf enden wird, läßt sich keineswegs voraussehen. In Folge der klerikalen Wirlhschaft von 1850 bis zum 14. Oktober 1877 ist das junge Geschlecht zum großen Theil klerikal geworden und es läßt sich keineswegs mit Bestimmtheit sagen, ob die Republik In ihrem Eulturkamps mehr Glück haben wird als in anderen Ländern. — Das Tribunal zu Lille hat die Entscheidung über die von den Jesuiten erhobene Klage aufge. fchoben. (Köln, Ztg.)
Verwischte».
Darmstadt, 1. Juli. sPostpersonal-Nachrichtemj 1) Ernannt ist der Postassistent Sassenseld IN Castel bei Mainz zum Ober-Postassistenien: 2) angestellt sind: der Postassistent Körbel in Groß-Steinhcmi als Postverwalter und der Telegraphen- anwärter Michael Maurer in Darmstadt als Telegraphenassisteni: 3) gestorben sind: der Postverwalter Zoll in Groß-Karben und die Postexpedlleure Dern IN Lang-Göns und Horn in Osthosen.
— Der Nestor der greimaurer, Herr Heinrich Martin Coib«. feiert- in Hamburg am 21 Juni In -ifreulich rüstigem- Befinden seinen 98. Geburtstag Unter andern wertbvollen Geschenken erhielt «r von feinet Log- St. Georg, der er sp-ci-ll angehöete, ein kostbares Album, in welchem von sämmtlichen hier und auswärt« lebenden Brüdern di- Photograpbi-n nebst Widmungstafeln zufmiim-ng-stellt waren. Zwei Tage ipät-r, am Johannistag-, feiert- bie ®iofie Loge von Hamburg den Tag ihre« fünfundsi-b-nzigst-n Mauier-Jubilaums. Bei diefer V-ranlasiung wurden dem Jubilar von nah und fern die ehrendsten Auszeichnungen zu Theil. Unter anderen Großlog-n- und Logen-Schrelb-n, di- th-itweif- durch R-präf-ntant-n üb-ireicht, ward Herr Cord« auch ein -ig-nhänd>g,s Glückwunschschr-ib-n d-s Kronprinzen überreicht. Der Jubilar hatte all- dl-s- Aniprach-n st-hend -ntgeg-ng-nomm-n.
Hanau 1. Juli. Das fünfte Verbandsschießen des Badischen Landesschutzen- vereins des Pfälzischen und Msttcliheinischen Schützenbundes bat programmmäßig bis fetzt seinen Verlauf genommen. Der Festzug, vom Altstädter Schloßhos ausgehend, war nam stattlich. Nach einer Cavalcade eröffnete denselben ein Herold mit dem Stadtbanner. Den Turnern, dem Turn- und Fechtclub schlossen sich die Gesangvereine und begleitet von einem reizend arrangirten Monstre-Bouquet, das die Fe,t- Jungfrauen hüteten, das Festcomitt an. Dem folgten die Schützenverelne Karlsruhe, Mannheim, Bockenheim, Frankfurt, Gießen, Homburg, Mainz, Niedererlenbach, Lud- wtashafen Neustadt, Worms, Offenbach, Oberrad, Wiesbaden, und nach dem Kneger- verein und unserem jungen Ruderclub der.eine .msgetakelte Fregatte ^6, ^Hanauer Schutzengesellschaft. Turner machten den Schluß des Zuges, dessen flotten Manch die städtische Capelle und die Mufikcorps der 81er von Frankfurt und "" Bockenhelmer Husaren belebte. Der Himmel war günstig bis auf die kleine Tucke eines Regengusses gerade beim Eintreffen des Zuges auf dem Festplatz, der die beabsichtigte Wisprache daselbst und die Vertheilung der Bouquets durch die Fest-Jungfrauen an die Schützen, die übrigens später noch erfolgte, verhinderte. Das Bankett begann desto präciser. Es toaslirten Oberbürgermeister Rauch auf den Frieden, W Stummerer auf em in Freiheit geeinigtes Vaterland, Rechtsanwalt Manns auf die Schutzen, Oberschützenmelster Fabricius, Frankfurt, auf die Stadt Hanau, Kraft, Neustadt, auf das Feitcomtte, Wüst, Bockenheim, auf die Damen, Compter, Karlsruhe, brachte den Gruß Badens^ Wie schon den Festzug durch die flaggengeschmückten Straßen inmitten derselben sich der Marktplatz mit dem Rathhaus besonders auszeichnete eine unabsehbare Menschenmenge begleitet hatte, belebte die elbe nun den Festplatz bei dem schönsten Wetter. Die Einrichtung, namentlich der Festhalle mit ihrer ausgiebigen Rotundenform (nach Plan


