Brücke kann nur wenige Wagen aufnehmen; oft stehen Hunderte von Wagen zur Beförderung Stunden, ja halbe Tage da. Die Nächte werden benutzt, um rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, und doch gelingt es oft nur mit Mühe, die gesammten Wagenmassen der Art zu bewältigen, daß die Wagen noch rechtzeitig zu den Märkten nach Mainz, Wiesbaden rc- gelangen. . . .
Dre in Aussicht genommene Ueberbruckung des Rheines bei Mainz verbindet Mainz mit dem gegenüberliegenden kleinen Hessischen Landesthell und Preußen. Naturgemäß muß aber diese Verbindung auch mit der Provinz Starkenburg stattfinden und diese vollzieht sich durch Ueberbrückung des Mains bei Kostheim.
Die Provinzen Rheinhessen und Starkenburg sind hierbei auf's Höchste interessirt; Mainz ganz besonders wird die Notwendigkeit auch dieser Ueberbrückung fühlen. Der Verkehr der Rheinbrücke wird wesentlich durch die Bewohner der Mamspitze und des Rieds, welche in hohem Grad ihr natürliches Absatzgebiet nach Mainz, Wiesbaden rc. haben,' verstärkt werden. .
Wir vereinigen uns deßhalb in dem an hohe zweite Kammer gerichteten Anträge: Der Großh- Staatsregierung den Wunsch auszusprechen, daß der Marn bei Kostheim durch eine stehende Brücke überbrückt werde, und Großh. Staatsregierung um Einbringung einer entsprechenden Vorlage bei den Ständen des Großherzogthums zu ersuchen."
m. Darmstadt, 5.Februar. Zweite Kammer der Stände. 39. Sitzung. Der zweite Präsident Muhl eröffnet die Sitzung und verkündigt als neue Einlaufe eine Vorlage der Regierung, wonach der Regierung 100,000 JL aus den parates: en Mitteln der Hauptstaatskasse zur Linderung der in den ärmeren Gegenden des Landes herrschenden Noth zur Verfügung gestellt werden sollen, weiter einen Antrag der Abgg. Osann und Baur auf Erbauung einer Brücke bei Kostheim und endlich einen Antrag der Abgg. Kugler und Böhm, die Regierung zu ersuchen, noch in dieser Session der Kammer eine Vorlage wegen Erbauung einer stehenden Brücke über den Main bei Offenbach zugehen zu lassen. Sämmtliche neue Eingaben werden dem Finanzausschuß zur Berichterstattung überwiesen. — Es folgt Forschung der Berathung des Entwurfs der allgemeinen Bau«Ordnung. Art. 13 wird mit einigen Modifikationen angenommen und zu Art 14 der Zusatz beschlossen: „Durch Ortsstatut kann bestimmt werden, welche Fläche zur Benutzung als Bauplatz nicht mehr geeignet ist." Dre von dem Ausschuß beantragten beiden Zusatzartikel 14a und 14b, welche im Interesse der Gemeinden einige Bestimmungen bezüglich der Expropriation von Straßengelände enthalten sollen, werden nach kurzer Debatte abgelehnt. Art- 15 gelangt mit einem von dem Abg. Bockenheimer beantragten Zusatz zur Annahme, ebenso die Art. 16—19 des Entwurfs mit einigen von dem Ausschuß beantragten Modifikationen.
Mit Rücksicht aus das langsame Voranschreiten der Berathung des aus 84 Artikeln bestehenden Gesetzentwurfes wird am Schluß der heutigen Sitzung von einem Mitglnde das Abhalten von Nachmittagsfitzungen angeregt, von dem zweiten Präsidenten Muhl darauf jedoch mit Recht entgegnet, daß bei der Schwierigkeit der zur Verhandlung stehenden Materie das Abhalten von zwei Sitzungen täglich zu einer vollständigen Abspannung der Mitglieder führen würde und deßbalb unthunlich erscheine. — Fortsetzung der Berathung morgen.
Wiesbaden, 4. Febr. Die „Nass. Volksztg." schreibt: Der Wald ist geschloffen. — Am Samstag, den 31. Januar 1880, hat das preußische Abgeordnetenhaus „mit großer Majorität" den Wunsch der Regierung erfüllt und das neue Forstgesetz angenommen. Da wir namentlich in den waldreichen Provinzen Heffen-Naffau und Hannover bisher glaubten, ein Recht dazu zu haben, in den Wäldern uns zu ergehen und den ersten grünen Zweig nach Haus zu holen und uns an der Walbluft und an den Waldfrüchten zu erquicken, so ist es nöthig, daß wir wiffen, daß es jetzt verboten ist, den Wald zu betreten. Wir schlagen daher vor, in allen Schulen des Königreichs Preußen das neue Forstgesetz die Kinder auswendig lernen zu laffen, um es zu Hause ihren Eltern und Geschwistern mittheilen zu können, damit sie nicht versucht werden, in den Wald zu gehen, denn der Frühling nahet und mit chm die Waldeslust. Daß der famose „Beeren- und Pilz-Paragraphs einer späteren Gesetzgebung Vorbehalten ist, nützt nichts: da wir den Wald nicht betreten dürfen (siehe § 9), können wir auch keine Beeren und Pilzen sam- meln. Bezüglich des bestrittenen Herkommens zum Sammeln derselben ist eine Stelle in Tacitus Germania nicht unerheblich. Dort heißt es in Cap. 23 über Trank und Speise der alten Deutschen: Cibi simplices: agrestia poma, recens fera aut lac concretum, sine apparata, sine blandimentis expellunt famem — und in der Anmerkung der betr. Ausgabe zu agrestia poma: Gartenobst hatte man noch nicht. Poma umfaßt alle Arten des Obstes, selbst Nüsse und Beeren. — Die Stelle heißt nach Rath's Uebersetzung deutsch: „Ihre Kost ist einfach, wilde Baumfrüchte, frisches Wildpret oder saure Milch; ohne Aufwand, ohne Gaumenkitzel treiben sie den Hunger aus." Das war vor etwa 1700 Jahren bei uns zu Land Herkommen!
Leider waren alle Anstrengungen der Abgeordneten aus Heffen und Naffau ohne Erfolg. Unser Abg. Dr. Petri, der nichts versäumte, um durch Amendements das Gesetz weniger gefährlich zu machen, sagte ganz treffend bei Berathung des § 36: Der Präventiv-Charakter des Gesetzes, der ihm namentlich in Heffen so viele Feinde gemacht, tritt besonders in diesem Paragraphen hervor. Wenn Jemand, der Werkzeuge nach einem Ort jenseits eines Waldes schaffen muß, den Waldweg also gar nicht vermeiden kann, bestraft wird, so hört für uns Alles auf. (Oho! rechts). Das Gesetz ist vielmehr zum Schutze des Waldes, als des Waldes und Feldes gemacht. (Widerspruch rechts). Es wird Haß in der Bevölkerung erregen, und dieser wird sich nicht gegen das Gesetz, sondern gegen den Wald und die Waldbesitzer wenden. Ich «n pfehle den Conservativen das Studium der Werke des von. ihnen hochverehrten Culturhtstorikers Riehl, deffen Bemerkungen über den Wald nicht in der Studirstube ausgedacht sind; ich selbst habe ihn manchen Tag auf seinen Zügen durch den Tannus begleitet. Die Ansicht, die diesem Gesetz zu Grunde liegt, daß die Feld- und Forsthüter alle Engel und alle anderen Menschen prädestinirte Walddiebe und Waldsrevler seien, wird sich nicht Bahn brechen. Sie rechnen aus den Verstand der Waldbesitzer und Beamten. Aber der Unverstand ist in der Welt immer größer gewesen als der Verstand. (Unruhe rechts).
Schwitz.
Bern, 4. Februar. In der Conserenz, welche zwischen Delegtrten der italienischen Regierung einer- und des Bundesrathes und der Gotthard- bahn-Gesellschast andererseits behufs Errichtung eines internationalen Bahnhofes jenseits des Gotthardtunnels neuestem Vernehmen nach am 3. nächsten Monats zu Arona abgehalten werden soll, wird die erstere durch den Jnspec- tor der oberitalienischen Eisenbahnen, Herrn Commandant Biglia, der Bundes- rath aber durch Herrn Gotthardbahn-Jnspector Dapples und die Gorthard- bahn-Gesellschast durch Herrn Sections-Jngenieur A. Schrafl in Bellinzona vertreten sein. Der internationale Bahnhof soll zu Luino erbaut werden, während der Anschluß der Gotthardbahn an die italienischen Eisenbahnen be- -anntlich bei Ptno stattfindet.
England.
London, 4. Februar. Ein Versuch, durch welchen die Leuchtkraft des elektrischen Lichte- unter Waffer festgestellt werden sollte, ist von gutem Erfolge begleitet gewesen. Das elektrische Licht wurde in einer Glaskugel in bedeu
tende Tiefe Hinabgelaffen und in einer Entfernung von etwa 100 Meter von der Batterie angesteckt. Das Waffer wurde in weitem Umkreise auf lange Zeit stark erhellt. Man wird jetzt zu ermitteln versuchen, wie weit sich dteses unterseeische Licht als Schutzwehr gegen Torpedos anwenden läßt.
Amerika.
Philadelphia, 5. Februar. Die republikanische Convention von Pennsylvanien hac ihre Delegtrten bet der National-Conoention tnstrutrt, die Ausstellung des Generals Grant zum Candidaten für den Präsidentenfitz der Vereinigten Staaten zu befürworten. Die von der Convention angenommenen Resolutionen bekämpfen jedwede Aenderung des gegenwärtigen Finanzsystems deS Landes, pcotestiren gegen jeden Versuch, einen neuen Zolltarif vermittelst der Handelsverträge einzuführen und sprechen sich gegen das Princtp des Freihandels und zu Gunsten der Zollpolitik aus, welche in den letzten 20 Jahren befolgt wurde.
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr. Correspondeur • Bureau.
Mainz, 5. Februar. Das Rheinets hat sich heute Morgen vor unserer Stadt festgesteüt. Es ist wieder eine vollständige Unterbrechung des Verkehrs mit Kastel und Wiesbaden etngetreten.
London, 5. Februar. Die Eröffnung des Parlaments durch die Königin im Oberhause erfolgte um 2y4 Uhr Nachmittags in glänzender Weise. Der Lord-Kanzler Earl of Cairns verlas die Thronrede. Die Botschafter Graf Münster, Fürst Labunoff und Gras Karolyi wohnten der Eröffnung bet. Die Prinzessin von Wales war von der Herzogin von Connaught und der Prinzessin Heinrich der Niederlande begleitet.
— Die Thronrede, mit welcher die Königin heute das Parlament eröffnete, besagt ihrem wesentlichen Inhalte nach: Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind freundschaftlich. Die Ereigniffe seit der Vertagung des Parlaments sind dazu angethan, den Frieden auf den Grundlagen des Berliner Vertrages zu sichern, obgleich noch Vieles übrig bleibt, um die Unordnung in vielen Theilen der Türket wieder gut zu machen. Die verwirrte Lage in Afghanistan macht die Rückberusung der Truppen vorläufig unmöglich; aber die früheren Grundsätze der Regierung sind unverändert. Dieselbe ist ent- schloffen, eine starke Grenze zu sichern, hegt jedoch zugleich den Wunsch, freundschaftliche Beziehungen mit dem Herrscher und Volke Afghanistans zu unterhalten. — Die Thronrede gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nahe sei, wo ernstlichere Schritte gethan werden könnten behufs Herstellung der südafrikanischen Conföderatton, erwähnt der zur Linderung des Nothstandes in Irland getroffenen Maßregeln und kündigt eine Vorlage an, betr. einen Fonds für Vorschüffe aus den Ueberschüffen der kirchlichen Einkünfte.
Berlin, 6. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Behauptungen der Petersburger „Nowoje Wremja" über angebliche 1863 stattgehabte preußische Verhandlungen mit der revolutionären polnischen Regierung, betreffend ein unabhängiges Königreich Polen unter Boguslaw Radziwill, als ebenso erlogen wie frühere Angaben aus Warschau. Das Blatt fügt hinzu: Wenn dies für den deutschen, namentlich die bezüglichen Verhältniffe kennenden Leser überflüssig ist, hat es doch für uns Jntereffe, zu constatiren, in welcher Weise die russischen Blätter, wie die „Nowoje Wremja", das unsaubere Gewerbe politischer Erfindungen, welche den rusfischen Leser gegen Deutschland nur verstimmen sollen, ungestört sortsetzen. Die „Nowoje Wremja" zieht auS ihrer eigenen Fabel zum Nutzen der rusfischen Leser den Schluß einer unaufrichtigen feindlichen Politik der deutschen Regierung in ihren Beziehungen zu Rußland. Der einzige berechtigte Schluß, der sich ziehen läßt, ist die Thatjache, daß in Rußland die Hetzpreffe gegen Deutsch- land heute wie seit Jahr und Tag auch für die plumpesten Lügen Leser und Gönner findet.
Paris, 5. Februar. Man befürchtet, daß die Zahl der bei dem Eisenbahn-Unfall bei Argenteuil Verunglücken größer sei, als bisher angegeben worden. Eine große Zahl der Verunglückten soll den Pariser Finanz-, Industrie und resp. Handelskrisen angehören.
Lokales.
Gießen, 6. Februnr. Gelegentlich der Kammerverhandlungen über den Verkauf der Main-Weser-Bahn hessischen Antheils an Preußen nahm der Abgeordnete Haustein Veran- lasiung, die Stadtverordneten - Versammlung in Gießen vor dem Ansinnen sog. Kirchthurms- polttik in Schutz zu nehmen. Da nun theilweise in verschiedenen Blättern irrthümliche Referate über dessen Rede erschienen sind, lassen wir dieselbe nach der stenographischen Aufzeichnung im Nachstehenden folgen:
Abg. Haustein. Ich will über den Verkauf der Matn-Weser-Bahn selbst nicht weiter sprechen und nur bezüglich der Vorstellung der Stadtverordnetenversammlung zu Gießen erlaube ich mir einige Worte zu Richtigstellung anzufügen, umsomehr, weil ich bei dem fraglichen Beschluß selbst mitgewirkt habe. Wir hatten s. Z beantragt, die Regierung möge dem Vertrag über Verkauf der Main-Weser-Bahn die Genehmigung nicht ertheilen; wenn aber die Regierung gewillt sein sollte, den Vertrag zu genehmigen, so möge sie die Bedingung daran knüpfen, daß die schon 1861 oder 1862 dem damals hessischen Hinterland von der hessischen Regierung zugcsagle Bahn von Alten Hunden über Laasphe, Biedenkopf, Gladenbach und Kinzenbach mit direkter Einmündung in die Oberhessischcn Bahnen gebaut werde. Es ist nun in dem 1. St- richt der Ausschußmehrheit II. Kammer gesagt:
„Auch über diesen Punkt fand eine Besprechung des Ausschusses mit Großh. Regierung statt. Es wurde hierbei zwar von keiner Seite verkannt, daß die Linie Alten-Hundem-Kinzenbach-Gießen für letztere Stadt von wünschenswertbcm Dorthei! sein würde, allein es schien — wie man sich im Uebrigen auch dem Verkaufsobject gegenüber verhielt — nicht angemessen, bei einer staatlich so hochwichtigen Frage locale Interessen in den Vordergrund treten zu lassen. Ebensowenig konnte man der Auffassung zustimmen, als ob mit der Erbauung erwähnter Linie Gewähr dafür geboten werden könne, daß der betreffende Güterverkehr alsdann auch wirklich den „Oberhesflschen Bahnen" zufalle"
Ich wollte bei dieser Gelegenheit die Stadtverordneten-Versammlung in Gießen dagegen verwahren, daß sie mit ihrer Eingabe locale Interessen verfochten hätte und könnte ich aus den Verhandlungen, welche die hessische Staatsregierung mit der Großb. Handelskammer in Gießen von 1875 bis 1877 gepflogen hat, nachweisen, daß die Großh. Hess. Regierung selbst anerkannt hat, daß die erwähnte Bahn, die der Hinterländer Bevölkerung — wie schon bemerkt — schon 1861 zugcsagt war, sehr wichtig für die Verkehrsverhältnisse der Ober- h e s s i s ch e n B a h n e n s e i. Es ist dies in vier Schreiben der Großh. Hess Regierung an die Gießener Handelskammer ausdrücklich anerkannt worden. Die Hess. Regierung ist sogar so weit gegangen, zu den Vermcssungsarbeiten genannter Bahn 1000 JL aus der Staatskasse zuzusichern resp. auszahlcn zu lassen.
Es scheint mir dies Angeführte im Widerspruch zu sein mit der zustimmenden Erklärung der Regierung, die in dem Ausichußbericht niedergelegt ist, wo gesagt wird, daß in und mit der Vorstellung der Stadt Gießen nur locale Interessen gefördert werden sollen und daß die Erbauung der Alten-Hundener Bahn keinen Einfluß auf die Verkehrsverhältnisse der Oberhessischen Bahnen üben werde. Es ist die erwähnte Bahn, wie schon nachgewiesen ist, die Bahn, welche direct aus dem Kohlenrevier führt, während die Köln-Gießener Bahn im VerhLltntß zu
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