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Dteientqen eleganten Schönen, welche in der Nähe der Hauptstadt ein Schloß und bei dem­selben einen Weiher haben, erlassen Einladungen zur Fioschjagd ganz tote ihre Gatten und Brüder im Spätherbst und Winter eine Pürsch auf Nvth- ober Schwarzwild ansagen. Als Waffe dient den Froschjägerinncn eine Armbrust kteinen Kalibers, die mit vollgerundetem Lauf versehen ist und aus der ein mit scharfer Metallspitze bewehrter Bolzen, einer Duodez Lanze ähnlich, geschleudert wird. Dieses Geschioß ist durch eine vier bis fünf Meter lange seidene Schnur an der Armbrust befestigt, so daß die Waffe selbst das getroffene Wildapportlrt". o>ff dies geschehen, so bedarf es allerdings noch der Beihülfe eines begleitenden Kavaliers, um das tobte oder sterbende Thier, vor deffen Berührung diezarten" Pariserinnen natürlich zurück­schrecken, von dem mörderischen Schaft abzunehmen. Die Chronisten des high-life versichern, daß die eleganten Damen dieses Spielallerliebst" finden. Deutsche Damen dürften wohl das Gegentheil denken von dieser Jagd und den Jägerinnen.

Berlin. Hiesige Localblätter behaupten, daß ein hiesiger Wucherer sich in Folge des Wuchergesetze« erhängt habe, weil er etwaige Strafen wegen seiner Geldgeschäfte gefürchtet habe. Derselbe soll sich vom Schuhmacher zum sogen.Capitalisten" aufgeschwungen haben und in der Verzweiflung über das Wuchergesetz habe er nach jenen Meldungen sich an einem Spiegel­haken eines Zimmers in der Villa, die er in einem der Vororte Berlins bewohnt, erhängt. Auf den Tisch hätte er einen Brief an seine Frau gelegt, in dem folgender classische Satz vor- läme: ... Die mich durch das Wuchergesctz drohenden Verluste kann ich nicht überleben; liebe Frau, Du"hast keine Zinsen genommen, Du kannst Allcns einklagen" .... Mit diesem Tröste ist 'der Edle hinübergeschlummert in'S Jenseits.

Mainz, 28. Juni. Zum Lampertheimer Eisenbahn-Unglück. Wie wir aus zuver­lässiger Quelle erfahren, ist über die Ursache des bedauernswerthen Zusammenstoßes bis jetzt so viel festgestellt, daß dieselbe Niemanden zur Last gelegt werden kann. Der Zugführer hatte die Instruction, daß vor der Station Lampertheim eine Kreuzung sei; vor Lampertheim fuhr nun auch wirklich ein Zug an dem Extrazug vorbei, der Zugführer war deßhalb zu dem Glauben berechtigt, die Bahn sei bis Bischofsheim frei und fuhr veßhalb mit voller Kraft. Der ent­gegenkommende Zug bemerkte die Gefahr noch rechtzeitig, um Contredampf zu geben, fuhr auch bereits rückwärts, als der Zusammenstoß erfolgte. Die bedauerliche Ursache des den Um­standen nach noch mit Glück verbundenen Unglücks war sonach die, daß statt einer Kreuzung deren zwei stattfanden, von denen die zweite nicht in der Instruction gestanden zu haben scheint. ® )

Monzernheim, 28. Juni. Als ein Curiosum sind die Kuren eines hiesigen Ein­wohners zu betrachten. Ein gewisser G. hatte eine Kuh, welche mit Perlsucht, einer unheil- hären Krankheit, behaftet war. Als nun unserArzt" zu Rathe gezogen wurde, erklärte er ^anz unverfroren, man möge nur täglich die Haut losziehen, das Thier werde sich dann wieder «holen! Sehnliche Fälle kommen öfters vor, und doch holt sich das Publikum immer wieder hei dem medicinischen Herrn Rath.

[(Sin merkwürdiges Stück Makulatur.) Im Eisenbahnwagen fiel kürzlich mein Blick zufällig auf die Emballage, in welche meine Einkäufe eingewickelt waren, und erregte unter den­selben ein altes Papier mit steifen Schriftzügen meine Aufmerksamkeit in hohem Grade. Dieses Document bildete nämlich offenbar das Bruchstück des Tagebuches eines Schließers der Case- anatten oder einer Gefängniß-Anstalt von Rastatt, in welchem derselbe augenscheinlich die Zeit und Stunde eingetragen hat, zu welcher die im Jahre 1849 verurtheilten und dort befindlichen Politischen Gefangenen zum Tode durch Erschießung abgeführt wurden. Daffelbe lautet wörtlich folgendermaßen:

1849.

Den 7. August, Morgens 4 Uhr: Ernst Essenhaus, Schriftführer vom Festungsbote.

Den 9. August, Morgens 4 Uhr: Biedenfeld; war in früheren Jahren Major, wurde Hann pensionirt. Er wurde in der Revolution zum Oberst beim 1. Regiment gewählt.

Den 11. August, Morgens 4 Uhr: Tiedemann von Heidelberg, war früher Officier in griechischen Diensten, er wurde zum Gouverneur der Festung Rastatt von Mirowlowsky ernannt.

Den 11. August, Abends V28 Uhr: Heilig, früher Wachtmeister bei der Artillerie, bei her Revolution wurde er Major und Artillerie Director rc.

Den 17. August, Morgens 4 Uhr: Bönning, Anführer der Schweizer Legion

Den 25. August, Morgens 4 Uhr: Benzinger und Zenthöfer. Ersterer war früher Dorporal und wurde bann Hauptmann, trug viel an ber Beschießung von Niederbühl bei; Hetzerer war früher Büchsenmacher im Gießhause zu Karlsruhe, er war im Jahre 1848 bei Hecker und Struve im Oberlanv, wurde gefangen und im Jahre 1849 in Folge der Revolution wieder freigelaffcn. Er wurde Hauptmann in dem Freicorps und bann Kannonier in der Festung Rastatt, wo er sehr thätig an der Beschießung von Niederbühl war.

Den 24. August, Abends ^8 Uhr: Miniescy, früher Officier.

MM

Den 3. September, Abends 1/27 Uhr: Jacobys Schreinergeselle in Mannheim, wurde zum Commandant der Leopoldsfeste ernannt, welcher Niederbühl beschießen ließ.

Den 12. September, Morgens 5 Uhr: Schade, früher Kellner in Karlsruhe, wurde von den Revolutionären zum Adjutant ernannt und eommandtrte den Ausfall an der Eisenbahn.

In demselben Monat: 1 badischer Dragoner, welcher bei der Revolution anstatt ein­zuhauen, überging, wie noch viele Andere.

Den 28. September, Morgens 5 Uhr: 2 badische Soldaten, welche ihre Kameraden zum Treubruch anhielten.

Den 5. Oktober, 5 Mr Morgens: Gottfried Bauer, er war schon aus den Case- mattcn und wurde mit einer Abtheilung Gefangener an die Eisenbahn transportirt. Feldwebel Beck erkannte den Pionier an der Eisenbahn, meldete es den umherstehenden Gensdarmen, welche ihn wieder in die Stadt brachten, wo seine Sachen genauer untersucht wurden. Er wurde vom Standrecht zum Tode bann verurtheilt.

Den 8. October, Morgens V27 Uhr. Kielmarx und Kohlbecker. Ersterer war früher Feldwebel und wurde dann von seinen Soldaten und Officieren zum Adjutant gewählt, er hielt mehrere aufrührische Reden und war beim Ausfall bei der Rheinau und Steinmauern sehr thätig, wurde auch stark verwundet. Letzterer war Soldat und blieb es auch, er hielt sehr viele Reden rc-, weigerte sich als er ausmarschiren sollte in Freiburg und war überhaupt einer der größten Aufwickler.

Den 19. October: 2 preußische Soldaten und 1 preußischer Lieutenant.

Hiermit bricht dieses merkwürdige Schriftstück ab^ welches mir die Jahre 1848 und 1849 mit ihrem tollen Thun und Treiben und ihrem so traurigen Nachspiel leohaft in's Gedächtniß zurückgerufen hatte. (D. Rchsp.)

Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stabt Gießen

vom Monat Juni 1880.

Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige.

12

6s

85

10

Je i/2 Kilogramm kostet Mark und Pfennige.__

25

68

10

7C

50

60

13

3

13

60

50

14

50

85

23

80

23

20

29

36

28

25

76

50

56

60

70

17

20

16

18

18

20

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In allen Zeitungen der Welt findet man Stellengesuche, Vacanzen, An- und Verkaufs-Gesuche rc., billig und discret besorgt durch Haasen- stein Vogler in Frankfurt a. M. Ein Beweis, welch allgemeines Vertrauen diese älteste Annoncen - Expedition besitzt und sich zu bewahren versteht. (4212

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

' Betr.: Die Vergebung der Zinsen des Vermächtnisies deS Christian Gerhard Hast für das Jahr 1880.

4572) Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der oben bezeichneten Zinsen haben bis zum 14. d. Mts. einschließlich auf dem Bürger­meisterei-Bureau zu geschehen.

Gießen, den 3. Juli 1880.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

Submission.

4510) Die Gemeinde Ober-Hörgern beabsichtigt zur Herstellung einer Quell- wttsierleitung die

Lieferung von gußeisernen ---Wafserleitungsröhren, ver­

anschlagt zu JL. 653,75, sowie die damit verbundenen Pstaster- arbeiten, veranschlagt zu 628,75 auf dem Submtsstonswege zu vergeben.

Bedingungen, Voranschläge und Zeichnung können den 6. und 7. Juli in meinem Geschäftszimmer eingesehen und die Offerten von da ab bis zum IO* l. I., Abends 7 Uhr, ein­gereicht werden.

Später einlaufende Offerten finden keine Berücksichtigung.

Die Offerten muffen mit der Auf­schrift:

Submission für die Quellwasier-

Leitung zu Ober-Hörgern" unter Bezeichnung der betieff. Arbeit versehen sein. Die Eröffnung der Submission erfolgt

Montag den 12. Juli,

Morgens 10 Uhr, auf der Großherzogl. Bürgermeisterei Ober-Hörgern.

Ltch, den 1. Juli 1880 K. Schön, Bezirksbauausseher.

IJergeßunfl

von Schreinerarbeiten.

Die Lieferung der zur Einrichtung des botanischen Instituts und der Universitäts-Bibliothek in dem alten Colleggebäude dahier erforderlichen Mobiliar-Gegenstände, veranschlagt zu 5484,14 </&, soll im Submissionsweg vergeben werden.

Voranschlag und Bedingungen liegen in unserem Büreau zur Einsicht offen.

Die Offerten sind versiegelt, mit entsprechender Aufschrift versehen, läng­stens bis

Mittwoch den 7. Juli,

Vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen, in welchem Ter­min deren Eröffnung in Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten er­folgen wird.

Gießen, am 3. Juli 1880.

Großherzogl. Kreisbauamt Gießen.

4524) Holzapfel.__

Freitag den $) Juli, Mittags 2 Uhr, sollen bei Musikus Geller auf dem Reichensand verschiedene Gegenstände gegen gleich Baar versteigert werden: eine große Kinder-Bettstelle mit Läufen und eine große Bettstelle, 200 Stück Falzziegel, ein Spinnrad u. s. w. (4564

Zagdoerpachtung.

Donnerstag den 8. d. Mts.,

um 3 Uhr,

soll im Bürgermeisterei-Locale dahier die Jagd auf der Gemarkung A tz b a ch, in drei Reviere abzetheilt, auf 6 Jahre verpachtet werden.

Crosdorf, den 3. Juli 1880.

Der Bürgermeister: 4563) Eolnot.

Dienstag den 17. August,

Vormittags 11 Uhr,

soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe deS Wilhelm Graf dahier, als: Flur. Nr. Mtr.

34 581 444 Hofraithe am Schießhaus, 34/395,3 3 26 Grabgarten daselbst

meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 1- Juli 1880.

Großherzogl. Ortsgericht Gießen.

4552)_____Müller._________

Mittwoch dm 7. Juli, Vormittags 11 Uhr, sollen auf meinem Bureau 2 vollständige Betten unD ein Küchenschrank mit Glas­aufsatz meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 5. Juli 1880.

4569) Geißler, Gerichtsvollzieher.

Mittwoch den 7. Juli, Vormittags 11 Uhr, sollen auf meinem Bureau 2 veterinar- medicinische Bestecke und 1 Fernrohr meist­bietend versteigert werden.

Gießen, den 5. Juli 1880

4568) Geißler, Gerichtsvollzieher.

Ieilgeöotenes.

4041) Alle Sorten .

Bindfaden, Mckstncke, Waschseilc u. L w.

twfWt ^»wallaeh.

4518) Eine fast neue Ladenthüre, sowie 2 Klappläden werden billig abgegeben.

Markt B. 15.

Das Heugras einer Wiese am Leihgesterner Weg verkauft 4486) Th. Haubach, Bahnhofstr.

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