daß ein Frevel den Unfall veranlaßte, die Ermächtigung ertheilt, auf die Entdeckung des Urhebers eine Prämie von 3000 JL auszusetzen.
Mannheim, 2. Juni. Die Kaiserliche Tabaks-Manufaktur in Straßburg scheint jetzt die Chancen der hohen Tabakssteuern und der allgemeinen Geschäftsfläue für sich nutzbar zu machen und den Detailhandel zu culttviren. In einem von diesem staatlichen Unternehmen an eine Reihe von Privaten versendeten Circular, in welchem in nicht sehr gentiler, wenn auch etwas verblümter Weise die Leistungen anderer Fabriken herabgesetzt werden, offerirt man dem Publikum Rauch- und Schnupftabake, Cigarren und Cigaretten bei „vorzüglicher Maare" zu höchst mäßigen Preisen. (Cigarren bis zu 20 .X pro Mille). Wie weit aber die Manufaktur ihre Concurrenz den so schwer belasteten Tabaks-Industriellen gegenüber treibt, illustrirt sich aus einem Passus des erwähnten Circulars, in welchem die Effectutrung schon von 1 Kilo Tabak und Vi Mille Cigarren, in verschiedenen Qualitäten sorttrt angeboten wird! Und dabei muffen die Tabaks-Jndustriellen durch die hohen Steuern die Erweiterung des Betriebs dieses staatlichen Unternehmens nicht unwesentlich mitbezahlen. Es scheint bald nicht mehr zweifelhaft, daß das Monopol, welches aus dem Wege der Gesetzgebung nur schwierig zu erzielen sein dürfte, auf diesem Wege nach und nach zur Reife gebracht werden soll.
Oesterreich.
Wien, 3. Juni. Die „Politische Correspondenz" meldet aus Konstantinopel : Layard ist in Folge einer ihm aus London auf telegraphischem Wege zugekommenen Ordre, auf die persönliche Vorstellung Göschen's bei dem Sultan zu verzichten, gestern abgereist. — Die Audienz Göschen's ist für den 5. Juni bestimmt worden. — Berichte aus Philippopel uni? Sofia constatiren eine wachsende Bewegung unter den bulgarischen Unionisten Rumeliens und Bulgariens.
Amerika.
Chicago, 3. Juni. Die Convention trat heute Morgen zusammen, wählte Hoar definitiv zum Präsidenten und vertagte sich schließlich bis 5 Uhr Nachmittags. Die bisherigen Abstimmungen über einige Anträge fielen zu Ungunsten der Anhänger Grant's aus, auch mehrere Entscheidungen der Wahl- prüfungs-Commission erfolgten zu Gunsten der Gegner Grant's.
Telegraphische Depeschen.
Wagners telegr. Gnrrespsrrderrr • Bnsearu
Berlin, 4. Juni. Die Nachricht eines Wiener BlatteS, wonach der Papst an Kaiser Wilhelm ein versöhnliches Schreiben betreffs des kirchlichen Streites gerichtet haben sollte, ist unbegründet.
— Anläßlich des Ablebens der Kaiserin von Rußland findet am 5. Juni, Mittags, Trauergottesdienst in der russischen Botschafts-Capelle statt.
Potsdam, 4. Juni. Der Kronprinz reift im Auftrage des Kaisers heute Abend nach Petersburg, um der Trauerfeier beizuwohnen.
Magdeburg, 4. Juni. Der Kaiser traf heute Vormittag 10 Uhr hier ein und begab sich vom Bahnhofe mit dem Kronprinzen unter bei! enthusiastischen Zurufen der ungeheuren Volksmenge durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Domplatze. Im zweiten Wagen folgten die Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl. Auf dem Domplatze wurde zunächst die Parade der Garnison gehalten, welche äußerst glänzend verlief. Um 11 Uhr fand die Vorstellung der zur Cour befohlenen Behörden und Provinzial-Deputationen statt. Der Kaiser sprach hierbei bewegt Seinen Dank für die dargebrachten Segenswünsche und Huldigungen aus. Dann erfolgte auf dem Domplatze die Vorstellung der Ortsvorstände der Ortschaften des ehemaligen Erzstiftes Magdeburg und der Provinzial-Kriegervereine. Nach 12 Uhr soll die Vorstellung der städtischen Behörden und der Festzug der Kaufmannschaft, des Reitervereins, der Schützengilde und Gewerke stattstnden. Das Wetter ist bisher günstig. Fortdauernd treffen zahlreiche Fremde ein.
Nach dem Aufzuge des Reitervereins, sowie der Kaufmannschaft und Gewerke, wobei überaus große Pracht entfaltet wurde, besuchte der Kaiser die landwirthschaftliche Ausstellung und das Fort Stern. Alsdann trat der Kaiser die Rückreise an. Der Kronprinz verbleibt bis 8 Uhr und reift sodann nach Petersburg. Der Kaiser äußerte sich in lebhafter Anerkennung und Freude Über den Festzug. Es haben zahlreiche Ordensverleihungen stattgesunden.
Petersburg, 4. Juni. (Officiell). Die feierliche Ueberführung der Leiche der Kaiserin in die Peter-Pauls-Kathedrale findet nächsten Montag statt.
Pesth, 4. Juni. Den bis zum 1. Juni im Handelsministerium eingelangten Saatenstands - Berichten zufolge ist in Ober-Ungarn besonders in Weizen eine sehr gute, in Roggen, Hafer und Gerste eine gute Mittel-Ernte zu erwarten. Im Allgemeinen prognosticiren die amtlichen Berichte eine viel bessere Fassung als erwartet wurde.
Paris, 4. Juni. Dem „Gaulois" zufolge haben der päpstliche Nuntius in Paris und der französische Botschafter bei der Curie, Desprez, gegen die beabsichtigte Ernennung Challemel Lacours zum Botschafter bei der italienischen Regierung Vorstellungen gemacht. — „Rappel" will wtffen, Chellemel Lacour gehe an Stelle Leon Say's als Botschafter nach London.
Berlin, 4. Juni. Der Cultusminister v. Puttkamer erklärte heute in der Kirchengesetz-Commission: Die Erklärung v. Bentngsen's, Artikel 4 der Vorlage sei unannehmbar, betrübe ihn aus's Tiefste, widerspreche auch anderweitigen Aeußerungen von Nationalliberalen im Hause. Ohne die rechtliche Möglichkeit der Rückkehr der Bischöfe sei die Vorlage werthlos. Von dem Amendement v. Zedlitz könne er nur die Heranziehung des Staatsministeriums
acceptiren. v. Rauchbaupt's Antrag: Den abgesetzten Bischof noch als Bischof anzusehen, hält der Minister für bedenklich. Gegen den Antrag Bruel muffe er sich in allen Punkten aussprechen.
In der Debatte über den Antrag v. Rauchhaupt erklärte Gneist, die Regierung werde auch nicht eine einzige nationalliberale Stimme für Art. 4 erhalten. — Art. 3 wurde nach Ablehnung der Anträge Bruel und Rauchhaupt in der Fassung der Regierungsvorlage, jedoch unter Streichung des dritten Absatzes, mit den Stimmen der Conseroativen und des Centrums (11 gegen 10) angenommen. Sei der Abstimmung über Art. 4 wurden die Anträge v. Zedlitz abgelehnt und der Antrag v. Rauchhaupt mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen. Ebenso wurde der Antrag Bruel, wonach die Wiederzulaffang sich auf alle Kirchendiener erstrecken soll, angenommen.
Konstantinopel, 4. Juni. Göschen erklärte in seiner Ansprache bei der Antritts-Audienz: seine erste Pflicht sei, seine Mission zur Zufriedenheit der Königin zu erfüllen. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und der Türkei flößten ihm den Wunsch ein, dem Sultan und seinem Volke nützlich zu sein. Er sei von dem ernsten Wunsche des Sultans überzeugt, die allgemeine Wohlfahrt seiner Unterthanen ohne Unterschied der Race und Religion zu schützen.
Galatz, 4. Juni. Die europäische Donau-Commission schloß gestern ihre diesmalige Session. Dieselbe erklärte sich für Durchschneidung der großen Krümmung des Georgs Canals, welche die Donau-Einfahrt schwierig und gefährlich macht, so daß künftig große Handelsschiffe bis Galatz und Braila stromaufwärts fahren könnten.
Lokales.
Gießen, 4. Juni. Am 27. Mai fand dahier das Jahresfest des Vereins für innere Mission statt. Festthetlnehmer waren aus ganz Oberhesien in nicht geringer Zahl erschienen. Die gedankenvolle Predigt des Herrn StadtpfarrerS Fischer aus Stuttgart war auch für solche berechnet, welche der Sache der inneren Mission noch ferner stehen und mannigfache Vorurtheile gegen dieselbe hegen. Sie wies die Grundlosigkeit dieses Vorurtheils schlagend nach und zeigte die innere Mission als ein in eminentem Grade patriotisches Werk, das wohl geeignet ist, in weitherzigem Sinne Menschen von verschiedenen Anschauungen zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen. Leider pflegen diejenigen, welche solcher Belehrung am meisten bedürfen, nicht da zu sein, und waren wohl auch in jenem Festgottesdienst schwach vertreten. Die nachfolgenden Verhandlungen waren leider dadurch etwas gestört, daß wegen plötzlich eingetretener Verhinderung des Schriftführers der Rechenschaftsbericht nicht zur Verlesung kam. Durch die an Stelle desselben von dem Vorsitzenden gemachten Mtttheilungen wurden jedoch Verhandlungen über das Wesen und die Bedeutung der Herberge angeregt. Nachmittags 3 Uhr fand die Einweihung der Herberge durch eine Ansprache des Vorsitzenden, Gymnasiallehrers Stamm, wobei zugleich der Hausvater Meister feierlich verpflichtet wurde, statt. Daran schloß sich ein einfaches, aber sehr wohl gelungenes und von verschiedenen Toasten gewürztes Mittagessen in der Herberge an, an welchem 67 Personen theilnahmen. Zugleich wurden 16 hinzugekommene Handwerksburschen gespeist. Bet der Besichtigung der Räume sprach sich die allgemeine Befriedigung mit den so zweckentsprechenden Einrichtungen aus. Möchte denn die neue „Heimath" unter Gottes Segen ihre schöne Mission erfüllen, den wandernden Gesellen eine wirkliche Heimath zu werden, die ihnen nicht blos gute leibliche Unterkunft bietet, sondern durch den ganzen Geist, der in ihr waltet, einen moralischen Halt geben soll.
Aus dem Jahresbericht mögen noch nachfolgende, auf die Herberge bezügliche Mittheilungen hier Platz finden. Eingegangen sind für die Herberge im Ganzen 5463,50 JL, davon aus Gießen 2649,10 JL, von Auswärts 2814,40 JL Unter den aus Gießen stammenden Be trägen sind 650 AL unkündbare Darlehen, die Hauscollecte mit 582,60 AL Vielfach hat das Vorurthetl geschadet, als ob in der Herberge den wandernden Gesellen unentgeldliche Aufnahme gewährt werden sollte und dadurch nur die Stromer hierher gezogen würden. Thatsächlich.Ind die Preise der Herberge zur Heimath sogar etwas höher, als die anderer Herbergen, da den wandernden Gesellen auch viel mehr geboten und auf die Stromer, welche Schnaps und Kartenspiel, die in der Herberge nicht geduldet werden, einem guten Bett, in dem sie allein schlafen, vorziehen, gar nicht gerechnet wird. Die Preise für Uebernachten sind: im Schlafsaal zu 6 und 4 Betten 25 H, in kleineren Zimmern 30 und 50 H, mit frischer Wäsche 85 H. Daß der christliche Geist, in welchem die Anstalt errichtet ist, nicht der Geist engherziger Parteibestrebungen, sondern der Geist weitherziger dienender Liebe ist, die sich mit warmem Herzen zu den Geringsten und am Meisten den Versuchungen Ausgesetzten unseres Volkes herabläßt, um sie einem ehrbaren Leben und rechtschaffener Berufsarbeit zu erhalten, davon wird sich hoffentlich mit der Zeit Jedermann überzeugen. 8.
Vermischtes.
Darmstadt, 2. Juni. sPostpersonalnachrichten.f In den Ruhestand ist getreten: Der Postsecrelär Eduard Beck in Mainz.
Marburg, 2. Juni. An den Landstraßen des hiesigen Kreises sind im vergangenen Winter 2731 Aepfelbäume, 317 Zwetschenbäume, 49 Birnbäume und an den Landwegen 2144 Aepfelbäume, 2056 Zwetschenbäume, 30 Birnbäume, 22 Kirschbäume, überhaupt 7349 Obstbäume erfroren. Am meisten gelitten haben die Bäume in den Niederungen und die in Thälern mehr als im offenen Felde. Die Bäume, welche gegen Süd und Südwest geschützt waren, haben weniger gelitten als die gegen Norden. Der Verlust an den Landwegen an Aepfelbäumen ist geringer als an den Straßen, weil unter den ersteren viele hochgelegen sind, in den Niederungen ist vasselbe Verhältniß. Zwetschenbäume haben auch in den höher gelegenen Gegenven stark gelitten, mehr als die Aepfelbäume. Im Ganzen beträgt der Verlust 50%. Dem Alter nach haben die im vorigen Jahre gepflanzten und die älteren Bäume am meisten gelitten. — Je nach den Sorten der Aepfel ergibt sich ein Procentsatz von 20—100. Die jungen Bäume haben an den Stellen, an welchen sich die Strohbänder befanden, oftmals gelitten, so daß nur ein Ring von mehreren Centimeter Breite erfroren ist. Von diesen Bäumen haben sich einzelne wieder erholt. (D. Z.)
Marburg, 3. Juni. Gestern wurde in der Lahn die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. (O. Z.)
Handel und Verkehr.
Gießen, 5. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. AL 0 83 bis^L 0.90, Hühnereier 1 Stück 5 H, 2 Stück 9 Enteneier 1 Stück 5 — 6 H Käse per Stück 5—11 H, Käsematte per Stück 3^, Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 70—80 Hühner p. Stück X 1 10—1.30, alte Hahnen p. St. AL 1.20—1.50, junge Hahnen 00 H, bis 0.00, Wälsche AL —, Enten per Stück AL 2.00—2 50, Kartoffeln per 100 Kilo AL 7.50—8, Zwiebeln p. fc AL 25—00, Milch per Liter 16 und 18 H, Ochsenfleisch 68-00 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 50—56 H, Kalbfleisch 40—46 H, Hammelfleisch 60—70 H, Schweinefleisch 60 Kirschen per Pfund 40
Allgemeiner Anzeiger.
Liederkranz.
Heute, Sonntag den 6. Juni, bei nur günstiger Witterung:
lwar!kie auf* Staufenberg.
Abfahrt mit Zug 4 Uhr 42 Minuten-
3867) Der Vorstand.
Gesellschaft „Vicloria“.
Sonntag den 6. Juni 1880: TanMnterhaltung auf dem Westphälischen Hof, wozu ergebenst einladet (3862
Ansang Priicis 4 Uhr. Der Vorstand.
MiiÄ Qin ZirMEd
*x. -«»•;
a) bie gi®" ' Aß-» 'M i) K°nr°"° unbShiJ1®1 gang*”8',, i. Mil wir Mh-chen J Sin« ei« f< hannesVn
II. am' Dir offene tzau trüber Buden Hütte bei Lollar h lajsungen:
Neuschmiede bei Chrlstianshütte gegeben, dagegen Zweigniederlassu Wetzlar.
III. am
Das von Arni her in Gießen betti Geschäft ist nach allen Aktiven und ! Mttve Therese gegangen und betre fchäft unter der Müller weiter; t Sohne Max Mül iheilt.
IV. am!
Andreas (Sub das von ihm feit! der Firma Andr triebene kausmänni dem 1. August 18 t Söhne Julius (2 lipp Euler abge: fchäft von jenem Z der Firma Andre führen.
Gieren, 27. M. Croßherzogliches An
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-Wf 0) Nachmitta, iEVerhattnlssc halb, MA dir Hofiaithe. Taunus« babicr J EMaft und heizö< günstigen iSebingul Sm* jM-be ist in langjä, M sich mit Vortbe
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