das nämliche zu thun, wie die russischen Anarchisten und die französischen Arbeiter. (Redner wird wegen dieser Aeußerung zur Ordnung gerufen.) Haffelmanu schließt mit den Worten: „Die Zeiten des parlarnentarffchen Geschwatzes sind vorbei, die Zett
j mjrd angenommen. Zu § 2 befürwortet Reichensperger den Antrag, die Verlängerung nur bis 1882 zu genehmigen. Bundes-Bevollmächtigter Graf Eulenburg bittet um Ablehnung dieses Antrags und Annahme des Beschlusses in zweiter Lesung. Das Haus hält der?Beschluß derfetten Lesung aufrecht^ Bei der definitiven namentlichen Abstimmung erfolgt Annahme des Gesetzes mit 191 gegen 94 Stimmen. Nächste Sitzung morgen. Gewerbe-Anträge und Petitionen.
Rom, 4. Mat. Die dem Cabinet günstig gesinnten Depultrten hielten heute eine Versammlung ab, welcher die Senatoren Alfiert und Pepoli bei- wohnten. Es wurde eine Commission gewählt zur Abfasiung eines Manifestes an die Italiener. Abends fand abermals eine Versammlung statt, in welcher das Manifest verlesen wurde. Präsident Pianciani wurde ermächtigt, ein Comitö mit dem Mandate zu betrauen, die Wahlen gemäß der Anschauung der Deputirten zu letten, welche am 29. April für die Regierung stimmten.
Die Italic" meldet: Einige Deputirte der Rechten ersuchten Sella, Angesichts der bevorstehenden Wahlen die Führung der Partei neuerdings zu übernehmen. Sella lehnte indessen ab, indem er erklärte, er welle seine Actionsfreihett behalten. Die Wahlbewegung ist schon jetzt eine sehr lebhafte. Die Deputirten haben sich in die Provinzen begeben, um dieselbe zu organtsiren. — Der Justizmtntster erließ an die Gerichtsbeamten ein Circular, worin er unter aller Anerkennung der Rechte derselben, als Bürger nach ihrem Gewissen ihre Stimme abzugeben, dennoch denselben empsiehlt, als Beamte sich von Agitationen und politischen Leidenschaften fernzuhalten. - Der König empfing heute den Gesandten Grafen Corti.
Lokales.
«ießen, 5. Mai. sBienenzuchtverein Gießen.) Nach einer uns zugegangenen Mittbeiluna hält der Bienenzuchtverein für Gießen und Umgegend, nachdem er sich am 11 April constituirt bat, seine Versammlungen theils in Gießen, theils in nächster Umgegend, alle vier Wochen ab' Der Zweck des Vereins ist, die Liebe zur Bienenzucht zu wecken und zu fordern. Auch ist beschlossen worden, für Anfänger tn der Bienenzucht einen besonderen Kursus einzu- richten so daß auf diese Weise auch Neulingen in der Imkerei Rechnung getragen wird Die nächste Monatsversammiung genannten Vereins findet Samstag, vcn 8. SKat, im Kaffee Klein statt - Gästen ist der Besuch gern gestattet. Die uns mikgetheille Tagesordnung weis die Wahl des Vorstandes und einen Vortrag aus de» Gebiete der Aptstik auf; diesem soll eine weitere Besprec^ng^er^ Mitglieder folgem Ted)t lebhafte Bethetligung von Seiten der
Bienenfreunde und somit ein frisches, fröhliches Gedeihen.
Gießen, 5. April. (Sterblichkeit tn Gießen.I Im verflossenen Monat April ereigneten sich in Gießen im Ganzen 44 Todesfälle, nämlich 22 bei erwachsenen Personen und 22 bei Kindern. Von diesen letzteren befanden sich 11 im ersten und 11 »m 2. bis 15. Lebensjahre. Von den jüngsten Kindern starben 3 in Folge angeborener Lebensschwache, 2 an Gehirn- enttündunq, 2 an Krämpfen, je eins an Keuchhusten, Scharlach, Darmcatarrh und Abzehrung. Bet den älteren Kindern erfolgte der Tod 2 mal durch Lungenentzündung, 2 mal durch Gehirn entxünbunq 2 mal durch Scharlack, je einmal durch Darmschwindsucht, Lungenschwindsucht, Knochenfraß, Darmcatarrh und Verschwärung der Wirbelknochen. Bei den verstorbenen Erwachsenen wurde als Todesursache angegeben Lungenschwindsucht 7 mal, Altersschwache 3 mal, Krebs 2 mal, Lungenentzündung, Lungenemphysem, Kindbettfieber, Brtgbttsche Krankheit, Herzverfettung, Leberentartung, Knochenfraß, übermäßiger Spirituosengenuß je einmal. Ein Mann starb an einer Schußwunde, die er sich in selbstmörderischer Absicht beigebracht halte und tn einem Falle konnte eine Todesursache nickt angegeben werden.
%n gleichnamigen Monate des Jahres 187* hatten wir hier im Ganzen 51 Sterbfalle, wovon 22 bet Kindern im ersten und 10 bei Kindern vom 2. b,s 15. Lebensjahre sich ereigneten. Im April 1879 betrug die Gesammtzahl 36, davon 9 bei Kindern im ersten und 9 bei Kindern vom 2. bis 15. Jahre. G‘
Gießen. 5. Mai. Derselbe Bursche, welcher s. Z. von einem Wirthe eine Drehorgel ausschwindelte und dieselbe später in einer hiesigen Herberge versetzte, stahl einem Nebenarbeiter eine Jacke. Er wurde verhaftet
- Ein Frauenzimmer vcn einem benachbarten Orte, schwindelte auf denNamen einer hiesigen Familie zwei Paar Schuhe aus. Die Schwindlerin wird sich dieserhalb zu verantworten haben. ri
— Ein Bettler und Stromer < seinem Handwerk nach ein Metzger> verübte gestern Nachmittag anläßlich seiner Verhaftung einen Heidenscandal auf dmr Seltersweg Em Schutzmann in C'vil ertappte den Menschen als er bettelte. Der Fechtbruder hatte die RreSt daß er von dem Schutzmann dessen Legttimationskarte in seine Hand ver- fanate was natürlich verweigert wurde. Als der Schutzmann nun zugriff und ihn fortfüdren wollte, bekam er von dem Arrestanten mit einem Knüppel zweimal über den Kopf und mit der Faust in's Gesicht gehauen. Es zerrten sich nun der einzelne Schutzmann und der kräftige Verhaftete so lange aus der Straße herum, (ohne daß von dem zahlreich umherstehenden Publicum trotz Aufförderns es auch nur Jemand der Mühe werth gehalten hätte, dem ersteren zur Hülfe beizuspringen) bis em stadt. Beamter und noch zwei städt- Arbeiter hinzukamen und den Transport nach dem Arrest- hcmsunterstützten. Hübsch ist das von Seiten der Umstehenden nicht gewesen. Man foate frob sein, daß die Polizei mit den fechtenden Vagabonden in hiesiger Stadt aufräumt und nicht noch den Beamten ihr schwieriges Amt durch em un Moment passives Verhalten erschweren, ja sich vielleicht noch darüber aufhalten, wenn gegen einen solchen renitenten Burschen Gewalt angewandt werden muß.
\ Vermischtes.
Darmstadt, 3. Mai. Vom 9. bis 30. April l. I. sind in dem St. Rochushospitale in Mainz 4 an Rückfalltypbus Erkrankte ausgenommen wo »den; dieselben sind sammtlich vaga- bundirende, arbeitslos umherztehende männliche Personen, über deren vorherigen Aufenthalt nur unsichere Angaben erlangt werden konnten. (D- Ztg.)
Darmstadt, 2. Mai. Nachdem seit längerer Zeit in den Recurrenshospitälern zu Gießen und Friedberg Kranke nicht mehr zugegangen waren und die nunmehr noch vorhandenen Kranken lediglich chronischer Nachkrankheiten der überstandenen Recurrens halber noch der Behandlung bedurften, so wurden mit Beginn dieses Monats die genannten Hospitäler aufgehoben. Die Gesammtzahl der im Recurrenshospitale zu Gießen behandelten Kranken belief sich auf 200, darunter 178 männlichen und 22 weiblichen Gescklechts; genesen entlasten wurden von die,en 183 (163 M-, 20 W ), gestorben sind 17 (15 M., 2 W-). Im Recurrenshospitale zu Friedberg waren verpflegt worden 76 Kranke, wovon 76 männlichen und 2 weiblichen Geschlechts
und von diesen geheilt entlasten wurden 69 (67 M-, 2 W ) und der Krankheit erlagen 5(M.); 4 blieben theils wegen chronischen Lungenleiden, theils wegen Schwäch-zustänven in Behandlung. Die Mortabilität der Epidemie, welche sich nach den Ergebnissen der Hojpttalbchandlung etwa auf 6,0 pCt. berechnet, ist eine relativ hohe und zwar vorzugsweise deßhalb, well die Erkrankten fast sämmtlick schlecht genährte Individuen waren, die durch die Strapazen des unstäten Umherziehens bei ungünstigen Wnte>ungsverhältnisten, durch unzulängliche Ernährung wie distolute Lebensweise heruntergekommen, der Krankheit nicht zu widerstehen vermochten. Von den Aerzten und dem Wartepersonal der genannten Krankenanstalten ist im weiteren Verlaufe der Epidemie Niemand ergriffen worden und war die Erkrankung des Herrn Prof. Perls die einzige, welche sich bei den in den Hospitälern verkehrenden Personen ereignete. (D. Ztg.)
Marburg, 3. Mai. Gestern Nachmittag war auf der Steinmühle bei Kappel ein Brand ausgebrochen, der nicht unerhebliche Beschädigungen am Dachstuhl eines Gebäudes anricktete. Ohne fremde Hülfe wurden die Bewohner Kappels, denen eine Anzahl dort anwesender hiesiger Studirender energische Hülfe leistete, alsbald Herr des Feuers.
Düsseldorf. Der „D. Anz." bringt folgence hübsche Geschichte: Das Klavierspiel seiner Töchter machte einem Vater viel Verdruß, der Mutter aber viele Freude Kürzlich kam Papa Abends etwas übel gelaunt nach Hause und als er gerade aus dem Zimmer die Melodie ertönen hörte: „Du bist verrückt mein Kindl" da wurde er es beinahe wirklich. Er riß die Flügelthür auf, zerrte das Pianino bis auf den Flur und kollerte dasselbe die Treppe hinab Da hatte er den Schaden I Nicht allein das Instrument ging aus allen Fugen, sondern auch das Treppengeländer brach an mehreren Stellen.
— sEin polygottes Fest.) Im Vatikan wurde am 18. April ein großes polygotles Fest zu Ehren der Thronbesteigung Papst Leo XIII. gefeiert. Die große Halle des Konsistoriums erschien für diesen Zweck besonders geeignet. Auf dem Throne saß der Papst selbst, umgeben von den Personen des päpstlichen Hofes, zwei Kardinälen, einer Anzahl von Erzbischöfen, Bischöfen und anderen Prälaten, den Gesandten von Oesterreich, Frankreich, Spanien und Portugal und anderen Mitgliedern des diplomatischen Corps, den Chefs der geistlichen Orden und vielen Mitgliedern des römischen Adels. In Gegenwart dieser distinguirten Zuhörerschaft recitirten die Schüler der Propaganda kurze Gedichte in 49 Sprachen über verschiedene Themen, worin, dem Programm gemäß, der Name des Papstes, seine Thaten, seine hohen Ziele, die Heiligkeit seines LcbenS, sein unermüdlicher Eifer für den Glanz der katholischen Welt, daS Wohl der menschlichen Gesellschaft und die Fortschritte der Wissenschaft gefeiert wurden. Nach einer einleitenden Anrede Don Michele Crmtlien s begannen die eigentlichen Recitationcn, deren Reigen das Thema über das römische Pontificat eröffnete und diese wechselten mit Absingung von Nationalgesängen in chaldäischer, arabischer, türkischer, signalesischer, armenischer, griechischer, georgischer, bulgarischer, rumänischer und anderen Sprachen. Den Schluß machte der Vortrag des „Apparuit" von Saini durch den sixtimschen Chor.
Fürstenwalde. [6m aufgedeckter Schatz.) Ein schweres Gewitter zpg sich Sonntag den 25. v. M. gegen Abend zusammen und breitete sich von Köpenick bis Kunnersdorf hinter Frankfurt a. d. O aus. An verschiedenen Stellen schlug der Blitz, so auch in die Kirche zu Fürstenwalde ein, ohne zu zünden. Der Blitz traf hier den Aliar, den er durchschlug und dabei den Schatz theilweise offen legte, den vor Hunderten von Jahren ein Erzbischof, als die Stadt einst vom Feuer zerstört wurde, einmauern ließ, damit, falls ein ähnliches Unglück die Stadt einst wieder treffen sollte, Mittel zum Wiederaufbau vorhanden wären. Der nunmehr aufgebeckte Schatz, aus Gold und Silberbarren bestehend, ist vorläufig der Regierungskasse zu Fürstenwalde übergeben worden. Schon vor etwa 30 Jahren bat der damalige dortige Supirintendent Schulz den zum Besuche in Fürstenwalde anwesenden König Friedrick Wilhelm IV , den Schatz für die (Stabt „heben" zu dürfen; bet König verweigerte die Bitte, da man den Willen des Stifters deffelben ehren müße.
— Ein schrecklicher Auftritt, der in verschmähter Liebe seine Deranlasiung gefunden, hat über eine sehr geachtete Familie in Berlin unsägliche Trauer gebracht. Der in einer Weingroßhandlung angcstellte Küfermeistcr Franz Th., der Sohn eines sehr wohlhabenden elsässischen Weingutsbesitzers hatte die Bekanntschaft der beiden Töchter einer in der Thiergarten- straße wohnenden Rentierfamilie gemacht und schloß sich mit Erlaubniß der Eltern den jungen Damen auf den Ausflügen der Familie derselben an. Der junger Elsässer, ein sehr gebildeter, kräftiger junger Mann, hatte bald die Herzen der beiden Mädchen im Sturme erobert, nur wußte keine, welche er von ihnen bevorzuge, da er beide mit gleicher Achtung und Zuvorkommenheit behandelte. Am Sonntag hatix die Familte in Begleitung Th.'s eine befreundete Familie in Friedenau besucht, welche erst vor acht Tagen nach dort in Sommerwohnung übergesiedelt ist Das dortige Beisammensein gestaltete sich zu einer wahren Familienfestlichkeit, da ein in der besuchten Familie stattfindender Geburtstag Bekannte und Freunde derselben von nah und fern herbeigezogcu hatte. Bei einer passenden Gelegenheit erklärte Th. der jüngeren der beiden Schwestern seine Liebe, die ihn nun hochbeglückt der in der Mitte der Gesellschaft weilenden Mutter zuführte, welche nach Rücksprache mit ihrem Gatten derselben die Verlobung mittheiltc. Niemand hatte im allgemeinen Jubel die ältere Schwester der glücklichen Braut beachtet, nur diese selbst bemerkte, daß bei der Verkündigung der Verlobung die Schwester bis an d,e Lippen erblerckte und balv darauf verschwunden war. Sie ging nach einiger Zeit derselben nach, um sie zu trösten, da sie den Grunv ihres Kummers zu kennen glaubte. Ein herzzerreißender Schrei erschreckte gleich darauf die Gesellschaft aufs Tiefste und Alle eilten, um die Veranlassung zu ergründen. In einem Hintcrzimmer lag die ältere der beiden Schwestern von Blut überströmt auf dem Sopha, die Hände gefaltet und krampfhaft ein Bild des Bräutigams der Schwester umspannt haltend. Das unglückliche Mädchen liebte den jungen Elsässer mit leidenschaftlicher Gluth und hatte immer gehofft, die Wahl deffelben werde auf sie fallen, ein Jrrthum, der dadurch hervorgerufen und genährt wurde, daß der junge Mann ihr, allerdings auf ihren ausgesprochenen Wunsch, seine Photographie schenkte. Als ihr verhängniß- voller Jrrthum ihr klar wurde durch seine Erklärung, hatte sie in der Küche der befreundeten Familie ein Messer aus dem Spind entnommen und in einem Anfalle von Geistesgestörtheit in wahrhaft schrecklicher Weise sich die Pulsadern zerschnitten. Durch das noch zeitige Dazwischen» kommen der Schwester ist eine Verblutung verhindert worden und ist ärztlicherseits Hoffnung auf Erhaltung des Lebens des unglücklichen Mädchens vorhanden.
— [Unfall-Statistik.) Im Monat April cr. wurde bei der Allgemeinen Unfall- Versicherungs Bank in Leipzig
11 Todesfälle,
4 lebensgefährliche Verletzungen,
5 Unfälle, die ihrer Natur nach eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Beschädigten erwarlen laffen, und
590 Unfälle, aus welchen sich für die Verletzten nut eine vorübergehende ErwerbS- • Unfähigkeit Vorhersagen läßt,
zusammen 610 Unfälle angemeldet.
Von den 11 Todesfällen ereigneten sich 3 in Steinkohlenwerken, 2 in Papierfabriken und je 1 in einer Draht- und Kettenfabrik, in einer Maschinenbauanstalt, in einer Dampfschleiferei, in einer Kammgarnspinnerei, in einem Zimmergeschäft und bei einem tandwirthschaft« lichen Betriebe.
Die 4 lebensgefährlichen Verletzungen entfallen auf 1 Zu^erfabrck, 1 Mechanische Weberei, 1 Steinkohlenwerk und 1 Mühlenbetrieb, während die 5 JnvaliditätSfälle in 1 Steinkohlen- werk, 1 Drahtstiftfabrik, 1 Mechanischen Werkstätte, 1 Kesselschmiede und 1 Torfwerk vorge- fomnien sind.
Handel und Verkehr.
Herborn (an der Köln:Gießener Eisenbahn), 3. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt würden gebracht: 113 Ochsen, 289 Kühe und Rinder, 844 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag, den 24 Mai l. Js _____________________
Allgemein
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