famose Organisator . es neuen Balkanreiches, nach Petersburg citirt worden. Es sind nunmehr alle entscheidenden Staatsmänner um den Czar versammelt und entscheidende Beschlüsse können nicht mehr lange auf sich warten lassen. Eine volle Klärung ver russischen Verhältnisse ist leider kaum zu erwarten, und gerade die Vertagung der Reformen birgt die ernstesten Gefahren für die Zukunft des Czarenreiches — das ist der Fluch der Attentate!
Deutschland.
Worms, 3. Januar. In Folge einer Stopfung des Eises oberhalb Gernsheim ist heyte Nacht das Wasser plötzlich stark gestiegen und har die Dämme überflathet. Die Bewohner der unteren Stadttheile wurden alarmirt und konnten sicb viele nur mit Noth retten. Wafferhöhe 5,70 Meter.
Berlin, 3. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gutem Vernehmen nach ermächtigte der Kaiser den Chef der Admiralität in einem längeren Schreiben zur Veröffentlichung eines umfassenden Berichts über den ganzen Verlaus der Untersuchung in Betreff des „Großen Kurfürsten" und sprach in warmen Worten sein Bedauern über den Vorfall aus, zugleich mir der Bitte, sich durch das unglückliche Eretgniß nicht entmuthigen zu lassen. Voraussichtlich werde der Bericht im Marine-Verordnungs-Blatt abgedruckt werden.
Berlin, 3. Januar. Aus Gleiwitz schreibt man der „Berl. Bürger- Ztg.": Die Thatsache, daß, wo einmal der Nothstand vorhanden, es der nothleidenden Bevölkerung absolut unmöglich ist, auch noch die Steuern zu entrichten, andererseits der Umstand, daß es nahezu grausam sein würde, immer und immer wieder zu versuchen, die ja doch zum größten Thetl unein- ziehbaren Steuerrückstände im Wege der Exemtion beizutreiben und den Steuer-Censicen, die vielleicht noch dieses oder jenes im Haushalt entbehrliche Stück besitzen, dasselbe wegen Steuern als Pfandstücke zu nehmen, hat unfern ersten Bürgermeister Kreidel veranlaßt, bei dem königlichen Kreislandrath Grafen v. Strachwitz den Antrag zu stellen, der Kreisausjchuß resp. Kreistag des Test-Gleiwitzer Kreises wolle bei der Staatsregierung dahin petitiouirkn, daß in den Nothstands-Districten für die Monate Januar bis März 1880 die Erhebung der Staatsklassensteuer für die drei untersten Steuerstufen ganz sistirt und die Klaffensteuer-Rückstände aus dem Jahre 1879 niedergeschlagen werden. Der Kretsausschuß hat nicht nur dem Anträge stattgegeben, sondern denselben sogar dahin erweitert, daß die Klaffeusteuer der drei untersten Stufen bis zum 1. August d. I. erlaffen werde, und ist ein diesbezügliches Gesuch bereits an die königliche Staatsregierung gestellt worden. Es wäre dringend erwünscht, daß die Staatsregierung, den notorisch herrschenden Noth- stands-Verhältnissen Rechnung tragend, dieser Petition Berücksichtigung widerfahren lassen möchte.
— Gegenüber der Mitthetlung der „Germania" aus Westfalen, daß den Standesbeamten Seitens eines Landrathsamtes die Weisung zugegangen sei, bet Anmeldung von Geburten und Sterbesällen sich nach dem Namen des Geistlichen zu erkundigen, welcher die Taufe bezw. Beerdigung vorgenommen, und Anzeige zu erstatten, wenn der betr. Geistliche zur Vornahme der kirchlichen Handlung nach den Maigesctzen nicht berechtigt gewesen sei, kann die „Nordd. Allg. Ztg." nach eingezogener Information-cktlf das Bestimmteste versichern, daß keinem einzigen Kreise Westfalens Weisungen wie die obigen zugegangen seien.
— Der „Retchs-Anz." publicirt die vom 31. December dattrte, vom Stellvertreter des Reichskanzlers, Graf Stolberg, und dem österreichischen Botschafter Gras Szechenyi in doppelter Ausfertigung unterzeichnete Erklärung über die Verlängerung deS deutsch österreichischen Handelsvertrages bis Ende Juni unter den bereits bekannten Einschränkungen.
Wiesbaden, 3. Januar. Das Rheineis ist längs des ganzen Rheingaues aufaebrochen und ohne großen Schaden anzurichten, abgetrieben.^
Flörsheim, 3. Januar. Am Untermain ist der Eisgang vorüber. Rüsseloheim und Bischofsheim haben großen Schaden erlitten.
St. Goarshausen, 3. Januar, Vorm. 10 Uhr. Nachdem das RheineiS gestern Abend an der Loreley sich nochmals gestellt hatte, findet heute starker Eisgang statt. Mitten im Strom treibt ein großes Schiff und viel Bauholz.
Koblenz, 3. Januar, Abends. Das Rheineis trieb heute früh 6 Uhr in dichten Massen vorbei; seit Mittags 12 Uhr ist der Eisgang schwächer. Der Wasserstand des Rheins ist heute Abend 5 Uhr 7,30 Meter, seit 11 Uhr Vormittags 21 Centimeter gefallen. Zwischen Bacharach und Bingerbrück ist der Etsenbabnkörper an einzelnen Stellen abgerutscht und find beide Geleise aus einige Tage unbefahrbar. Das Mosel-Eis ist vollständig abgegangen. Wafferstand am Pegel bei Trier heute früh 9 Uhr 6,30 Meter. Das Wasser fällt.
Metz, 3. Januar. Die Mosel fällt. Der Eisgang ist ohne wesentlichen Scdaven verlaufen. Die Gefahr an der oberen Mosel ist beseitigt.
Oppeln, 3. Januar. Der Minister des Innern, der Finanzminister, der Oberpräsident v. Scydewitz und der Landeshauptmann v. Uthmann sind heute hier eingetroffen, um in einer Plenarsitzung der hiesigen Regierung weitere Maßregeln bezüglich des Nothstandes zu beschließen.
Hesterreich.
Wien, 3. Januar. Meldungen der „Poltt. Corresp." Aus Konstantinopel. Kondiriotis ersuchte in einem Schreiben Sawas Pascha dringend, den nächsten Conferenztag anzusetzen, widrigenfalls die griechischen Delegtrten die Ermächtigung, die Verhandlungen zu sistiren, bet ihrer Regierung etnholen würden. — Aus Philippopel, Die Provinztal-Vertretung bewilligte 65,000 türkische Pfund zur Unterstützung vom Nothstande hartbedrängter Gemeinden sowie 30 000 Pfund zur Verthetlung an die Flüchtlinge.
Wien, 3. Januar. Der Etsstoß hat stch in Wien heute Vormittag in Bewegung gesetzt und geht bis jetzt glatt ab. Einzelne Stauungen haben den Austritt des Wassers aus dem Jnundationsgebiet verursacht. Das Sperrschiff, welches den Donaukanal absperrte, hat den gewaltigsten Eismassen Widerstand geleistet und bewährte sich unübertrefflich. Momentan ist für Wien kaum eine Gefahr vorhanden.
Wien, 3. Jan., Abends. Der Etsstoß bei Krems ist noch feststehend. Die Ortschaften des linken Ufers sind überschwemmt. Der bis heute Abend festgestandene Etsstoß bet Ftschamend setzte sich Abends 8 Uhr in ganzer Brette in Bewegung, wodurch die Wassergefahr für Wten gehoben scheint. Der
Westbahnhof in Kaiserebersdors ist überschwemmt, die Bahngeleise stehen ungefähr 20 Centtrn. hoch unter Wasser, Güter und Wagen sind geborgen.
Prag, 3. Jan., 8 Uhr Abends. Auf der Moldau nächst Melnik ist eine EiSverstopfung etngetreten, die Umgebung von Wrbno, Luzna und Blonim ist inundirt.
Schweiz.
Bern, 3. Januar. Nach einem vom Bundesrathe aufgestellten Voranschläge betraaen die Kosten für das 8. Baujahr der Gotthardbahn vom 1. Octbr. 1879 bis 30. Septbr. 1880: für den großen Tunnel 14,212,434 Francs, für die Zufahrtltnien 34,221,465, an allgemeinen Ausgaben 5,492,032, zusammen 53,925,931 Francs.
Irankreich.
Paris, 2. Januar. Der „Temps" bringt Einzelheiten über den Neujahrsempfang im Elysöe und berichtet: Als Fceycinet die Botschafter einzeln begrüßt hatte, zeigte der deutsche Botschafter, Fürst Hohenlohe, dem Conseil- Präsidenten Freycinet den Empfang eines Telegramms vom Fürsten Bismarck an, worin dieser ihn ersucht, dem Conseil-Präsidenten seine persönlichen Glückwünsche auszudrücken und ihm mttzuthetlen, daß, so sehr er das Scheiden des Botschafters Grasen St. Ballier bedauere, er lebhaft wünsche, daß die freund- schädlichen und friedlichen Beziehungen beider Länder aufrechterhalten bleiben. Fürst Hohenlohe fügte in eigenem Namen wettere verbindliche Äußerungen hinzu und wies auf die Beziehungen hin, durch die seine Familie mit derjenigen Freyciiret's verbunden sei. Freycinet dankte und bat Hohenlohe, dem Fürsten Bismarck seinen sehnlichen und aufrichtigen Wunsch zur Erhaltung der freundschaftlichen und friedlichen Beziehungen zu übermitteln, durch die Frankreich mit Deutschland verbunden sei. Er sei glücklich, daß der Uebec- mittler seiner Wünsche Fürst Hohenlohe sei; die schon lange zwischen den beiderseitigen Familien (Freycmet's und Hohenlohe's) bestehenden freundschaftlichen Beziehungen noch enger zu knüpfen, werde ihm zur größten Freude gereichen.
Paris, 3. Januar. Freycinet empfing von allen Mächten sympathische Antworten auf die Notification des neuen Cabinets. — Als der Conseilspräsident heute das Personal des Ministeriums empfing, erklärte er, er habe sich nicht für ein bestimmtes Verhalten entschieden, aber er sei fest entschlossen, alle Maßregeln zu ergreifen, welche geeignet wären, gute Dienste zu thun. — Der Ausbruch des Seine-Eises hat heute Besorgmß erregende Verhältnisse angenommen. Das Wasser ist plötzlich und beträchtlich gewachsen. Die Eis- schollen führen vielerlei Trümmer und Geräthschaften mit sich. Der Verkehr über mehrere Brücken ist untersagt.
Spanien.
Madrid, 3. Januar. Die Untersuchung gegen Otero nimmt ihren Fortgang. Otero zeigt keine Rme. Er hatte sich dem Trünke ergeben. Man glaubt, daß er gehemmißvolle Beziehungen hatte; aber er gesteht in dieser Beziehung Nichts.
Amerika.
New-Nork, 3. Januar. Die Bark „Giacomino" ist in Baltimore mit 5 Passagieren und 6 Personen von der Mannschaft der „Borussia" eingetroffen, welche in einem kleinen Boote 250 Meilen von den Azoren ausgesunden wurden und furchtbar gelitten hatten.
Rio de Janeiro, 3. Januar. Anläßlich der Einführung neuer Steuern sind Unruhen ausgebrochen. Die Regierung unterdrückte dieselben und traf Maßnahmen behufs Vorbeugung der Wiederholung derartiger Dor- kommnifse.
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr. Correspondenz - vrrrea«.
Mainz, 4. Januar. Da das Els des Oberrheins seit gestern Abend in Bewegung ist und das Wasser rapid stieg, so ist der untere Stadttheil wieder überschwemmt.
Petersburg, 4 Januar. Der „Regierungsbote" veröffentlicht folgende Ernennungen von Botschaftern: Lobanoff's für London, Novikoff's für Konstantinopel, Oubrtl's für Wien und Saburow's für Berlin.
Fiume, 4. Januar. Der Lloyddampser Benaco ist gestern Abend bei dichtem Nebel bei Punta Faresina aufgefahren; zwei Dampfer eilten zu Hülfe.
Worms, 4. Januar, Nachmittags. Der Rhein ist hier gegenwärtig im Fallen. In der Rtedgegend sind durch ungeheure Ueberschwemmung große Verheerungen angertchtet; der Eisenbahndamm ist thetlweise weggeschwemmt und der Eisenbahnverkehr daselbst eingestellt. Ganze Dörfer sind unter Wasser gesetzt und deren Bewohner geflüchtet.
Wien, 4. Januar, Abends. Nach den dem Central-Ueberschwemmungs- Comite bis 7J/2 Uhr Abends zugegangenen Nachrichten passirte der Kremser Etsstoß Nachmittags Tulla. Auch der Etsstoß von Hatnburg und Preßburg ist abgegangen. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten am Nachmittag Freu- denau und erkundigten sich eingehendst nach den Eisverhältniffen.
Bremen, 4. Januar. Der am 19. Decbr. von New-Aork mit voller Ladung Stückgüter nach Bremen abgegangene Frachtdamper „Hansa" des Norddeutschen Lloyd strandete auf Ter Schelling und verlor die Schraube; eS sind sofort Maßregeln zur schleunigsten Hülfebringung getroffen.
Dresden, 4. Januar. Der Eisgang der Elbe ist blsher günstig verlaufen, der momentane Wafferstand am Dresdener Elbpegel 270 Zentimeter über Null. Bei Ptrna und Dresden fällt das Wasser seit Mittag, bei Leit- merttz steigt es noch in Folge des Eises der Eger. Das Eis der Mulde bewirkte einen Dammbruch bei Schlunzig und Ueberschwemmung bei Schedewitz und Waldenburg, zerstörte auch mehrfach Brücken.
Lokales.
Gießen, 29. December. Nachdem in heutiger Sitzung des Provinzialausschusses der erste Gegenstand vertagt worden war, wurde in Sachen: die Reclamation des Gemeinderatheß zu Scbw.lbenrod wegen Beitrags der Gemeinde Münch-Leusel zu den Kosten der Fortbildungsschule betreffend, das Urtheil erster Instanz als nichtig aufgehoben, die Gemeinde Schwabenrod in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 20 in die Provinzialkasse verurthcilt.
Gteße-n, 30. December. In heutiger Sitzung des Provinzialausschuffes mußten zwei Gegenstände wiederholt vertagt werden, da daS Beweismaterial immer noch nicht genügend war, um eine Entscheidung zu fällen.


