Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureav.
Karlsruhe, 3. Dec. Zum Geburtstage der Großherzogin ist die Stadt festlich beflaggt; derselbe wird ferner mit Zapfenstreich, Reveille, Parade und Festoper gefeiert. Im Theater wurde die Großherzogltche Familie und der hier eingelroffene deutsche Kronprinz von dem Publikum jubelnd empfanaen.
Washington, 3. Dec. Ein Bericht des Marinesecretärs spricht sich zu Gunsten der Annahme des englischen See-Reglements für die Schifffahrt auf hoher See seitens der amerikanischen Schiffe aus und bemerkt, es seien Anordnungen getroffen zur Errichtung amerikanischer Kohlenflationen zu Punta- Arenos in Costarica und Pagopago auf den Samoa-Inseln. Der Bericht empfiehlt der Negierung, den Schiffbau zu fördern, um die amerikanische Schifffahrt in Stand zu setzen, mit der Kriegs- und Handelsmarine Englands zu concurriren.
Petersburg, 3. Dec. Der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen, begleitet von Loris-Melikoff, dem Kriegs» Minister und dem Minister des kaiserlichen Hofes. Der Kaiser wurde am Bahnhofe von den Spitzen der Behörden und de: Generalität empfangen. Die Stadt ist festlich beflaggt.
Wien, 3. December. Meldung der „Poltt. Corresp." aus Boasic: Viceadmira! Seymour notificirte heute sämmtlichen Geschwader-Commandanten die Auflösung der vereinigten Flotte. Das britische Geschwader segelt morgen nach Malta, das französische nach Toulon.
Konstantinopel, 3. Drcbr. Der deutsche Botschafter Graf Hatz- feldt reist heute ab. Der englische Botschafter Göschen wird sich auf der Reise nach London einige Tage in Athen oufhalten.
Wieit, 3. December. Die „Polit. Corresp." meldet aus Galatz. Die Pforte verzichtete auf den Protest gegen die Einladung des bulgarischen Der» treters zur Donau«Commission.
Paris, 3. Decbr. Meldung der „Agcnce HavaS" aus Ragusa. Morgen wild das englische Geschwader nach Molta absegeln, das französische nach Toulon, das russische nach dem Piräus, das italienische nach Brindisi und das deutsche nach Triest. ________________________________
Lokales.
Gießen, 4. December. Zur Warnung der Leser thetlcn wir hierdurch mit,, daß vorgestern in Wetzlar verschiedentlich, in einem Geschäfte sogar 4, falsche 1-Mark-Stücke eingenommen wurden. Die Falstficate sind anscheinend aus Zink und Wißmuth fabrictrt, den achten Stücken täuschend ähnlich. Nur bet genauer Besichtigung findet man, daß sie gefälscht sind. Sobald man die falschen Stücke hart auf Holz oder Stein wirft, zerspringen dieselben in mehrere Stücke, wie Glas. t
- Das vierte Abonnements-Concert in Wenzel's Palmen-Saale am gestrigen Abend war wiederum sehr zahlreich besucht. Das versuchsweise Belegen von Platzen schien zum Thetl sehr gefallen zu haben, wenn auch hier und da wohl einige Unannehmlichkeiten vorkamen. Länger wie kurz vor 7 Uhr die Plätze frei zu halten, kann man dem Wlrthe, welcher billigerweise allen seinen Gästen Rechnung tragen muß, nicht zumuthen und so dürfte der Besuch bis dahin wobl zu ermöglichen sein. Uebrigens soll, wie uns mitgetheilt wurde, der Saalbau kommendes Frühjahr eine Erweiterung erfahren.
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Mv. A8S. B8.atr. Sonutag den 5. December 1880
Aqeisr- urt Amtsblatt fit de« Kreis Siche«.
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<?rp-d»i°«Sburc»u- J S'butfir«.«. B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P^.
Amtlicher H l) e i l. Bekanntmachung.
Der Sitz des Großherzoglichen Forstamtes Grünberg befindet sich vom 1. d. Mts. an in Gießen, was hiermit zur öffentlichen Kenntntß gebracht wird.
Gießen, am 3. December 1880. Großherzogliches Kretsamt Gießen.
Dr. Bookman n.
Gefundene Gegenstände:
1 Taschentuch, 1 goldener Ring, 2 Ptncenez, 2 Regenschirme, mehrere Schlüssel. Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Weidengaffe 93) aufbewahrt.
Gießen, den 3. December 1880. Großherzogltche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 3. Decbr. Se. Kaiser!, und Königs. Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen trafen gestern Mittag 12 Uhr 49 Min. zu Besuch des Großherzoglichen Hofes hier ein, wurden am Bahnhofe von Sr. Köntgl. Hoheit dem Großherzog empfangen und nach dem Neuen Palais geleitet, woselbst das Dejeuner eingenommen wurde. Um 3 Uhr setzte der hohe Reisende, von Sr. König!. Hoheit dem Großherzoz zum Bahnhofe begleitet, die Reise nach Karlsruhe fort, von wo Höchstderselbe, wie wir hören, heute über Würzburg und Gotha nach Berlin zurückkehren wird. Im Gefolge des Kronprinzen befand sich nur der persönliche Adjutant Rittmeister v. Nyvenhetm.
— Die Abgg. Ellenberger und Genoffen haben, wie früher mitgetheilt, Lei der zweiten Kammer der Stände den Antrag etngebracht, dieselbe wolle Großh. Regierung ersuchen, den jetzigen Fahrplan in Rücksicht auf die dem Verkehr und dem wirthschaftlichen Jutereffe der Provinz Oberheffen erwachsenden Nachcheile dahin zu ändern, daß auf den Oberhesstschen Bahnen wie seit ihrem Bestehen auch in Zukunft 4 Züge vice - versa gehen. Von dem Referenten deö vierten Ausschuffes, Abg. Böhm, wurde dieser Antrag der Großh. Regierung zur Meinungsäußerung mitgeiheilt und hat sich dieselbe dahin ausgesprochen, daß die Unterstellung des Antrages, daß die Reduction der fahrplanmäßigen Züge auf den Oberhesstschen Bahnen von 4 auf 3 Züge täglich im Winter 1879—1880 Ursache des Rückganges der Personenfrequrnz auf den Oberhesstschen Bahnen sei, durch die monatlichen Frequenz-Nachweisungen als zutreffend nicht bestätigt erscheine. Die Ersparniß beziffere sich jährlich auf 45,000 Jt., welcher Betrag bei den ungünstigen Betriebs-Ergebniffen der Oberhessischen Bahnen schwer in's Gewicht falle. Die Regierung sei aber auch der Ansicht, daß bet den derzeitigen Verkehrsverhältniffen der Oberhessischen Bahnen drei Züge zur Bewältigung des Verkehrs während des Winter» dienstrs vollkommen ausreichen. Der Berichterstatter, Abg. Böhm, bemerkt in dem Bericht, daß die Majorität der Ansicht sei, es sei unter den vorliegenden Umständen bei abnehmendem Verkehr die äußerste Sparsamkeit im Betrieb geboten, daß andere Mitglieder des Ausschußes jedoch die Meinung kundgaben, es dürften die Verkehrsintereffen der Anwohner nicht einer etwaigen Ersparniß hintangesetzt werden. Die Majorität des Ausschusses beantragt, der Großh. Regierung die Wiedereinführung des vierten Zuges zu empfehlen, insofern jetzt oder in kürzerer Frist es durch anderweite Ersparniffe an Betriebskosten möglich werden sollte, die hierdurch erwachsenden Kosten zu ersetzen. Die Minorität beantragt: 1) die Regierung zu ersuchen, den vierten Zug auf den Ober- hessischen Bahnen wieder eirzuführen; 2) der Erwägung der Regierung anheim zu geben, ob nicht durch Einführung eines billigeren Betriebs beffere finanzielle Resultate erzielt werden können.
Darmstadt, 2. Decbr. Die Regierung geht gegen die Gerichtsvoll' zieher, die sich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen laffen, mit wünschens- werther Strenge vor. Einer wurde entlasten, ein Anderer kam dieser Maßregel durch freiwilligen Rücktritt zuvor, ein Dritter wurde von den gesegneten Fluren der Bergstraße in den sterilen Vogelsberg versetzt. Gegen einen Vierten ist vorbereitende Untersuchung eingeleitet, ein Anderer erscheint demnächst vor der Strafkammer des Landgerichts, um sich wegen Unterschlagung zu verantworten. Es handelt sich um Summen von ca. 1400 <X, welche die betr. Gläubiger verlieren; der Schuldner ist mit dem Moment der Zahlung an den Gerichtsvollzieher von jeder Verbindlichkeit frei, wenn dieser sich durch den Besitz der vollstreckenden Ausfertigung legttimtrt hat. In manchen Staaten hat die Regierung durch Partikulargesetz die Haftpflicht für den unredlichen Gerichtsvollzieher übernommen, den sie angestellt hat. Genau ersichtlich läßt sich die Haftbarkeit des Staates nicht begründen. Einigermaßen kann sich der Gläubiger dadurch schützen, daß er der Zwangsvollstreckung beiwohnt. In diesem Falle muß der Debitor an den Creditor zahlen, wenn-dieser der Zahlung an den Gerichtsvollzieher widerspricht. (Frkftr. Zig.)
Berlin, 2. December. Die „Grenzboten" bringen anscheinend einen tnspirirten Artikel, worin die Unterstellung, daß Fürst Bismarck die Antisemiten- Bewegung begünstige, kategorisch zurückgewiesen und Stöcker auf's Schärfste oerurtheilt wird. Die „Grenzboten" führen den Ursprung der ganzen Bewe
gung auf die ultramontanen und hochkirchlich-conservativen Gegner Blsmarck's zurück.
— Nach der vom kaiserlichen statistischen Amt aufgestellten Nachweisung über die deutsche Auswanderung nach überseeischen Ländern aus den Häfen Bremen, Hamburg, Stettin und Antwerpen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres betrug dieselbe 79,958 Personen (48,329 männlich und 31,629 weiblich). Die meisten Auswanderer expedtrte Bremen, nämlich 39,753. Nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika gingen 77,629 Personen. Während im Jahre 1872 die Auswanderung 96,243 Personen betrug, wanderten 1878 nur 19,758 aus; im Jahre 1879 stieg die Zahl auf 25,546, die im Jahre 1880 sich nach obiger Angabe um 54,412 wiederum erhöhte.
Spanien.
Madrid, 2. Decbr. Ein königliches Decret beruft die Cortes auf -den 30' December ein.


