ein. Mindestens hundert Schiffe sollen durch dieselben an'S Land getrieben worden sein.
Rußland.
Petersburg. Vor einigen Tagen haben an der Moskauer Universität arge Studentenunruhen stattgefunden. Anlaß zu diesen Tumulten gab die Zurückweisung einer Studenten-Petitton durch den Rector der Moskauer Universität. Die Petition war von fast sämmtlichen Hörern der Universität gefertigt und enthielt u. A. folgende Forderungen: Studentenfreiyeit, wie die« selbe an den Universitäten im Westen Europas besteht; Berechtigung der Studenten, akademische, nicht politische Vereine zu stiften; Berechtigung, wäh- rend der Studienzeit heirathen zu dürfen; volle Frecheit in Bezug auf die Kleidung, das Wohnen, das gesellschaftliche Leben u. s. w., und Berechtigung, an den Prosefforen.Wahlen theilnehmen zu dürfen. Die Zurückweisung dieser Petition führte so arge Tumulte herbei, daß die Vorlesungen sistict werden mußten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Gorrefpandenz-Bureau.
Fulda, 3. November. Bisthums-Verweser Hahne ist heute Abend gestorben.
New-Nork, 3. November. Die Wahlberichte derjenigen S aalen, wo das Wahlresultat als zweifelhaft galt, constatiren ebenfalls den Sieg der Republikaner. Garfield verfügt in New Kork, Maine und Connecticut allein, selbst wenn in den übrigen Staaten die Demokraten siegen sollten, unter allen Umständen über 192 Wahlstimmen. Die Wahl G irfield's ist demnach durchaus als sicher zu betrachten, da nur 185 Stimmen erforderlich sind. Der „New-Kork Herald" berechnet die Wahlstimmen Gcufield's auf 202. Die demokratischen Journale räumen ein, daß die demokratische Partei unterlegen ist. Die „New-Kork World" bezeichnet die Wahl Äarsteld's als die thatsäch- liche Wiederwahl Grants.
Berlin, 3. Novbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Nachrichten, wonach Fürst Bismarck das Handelsministerium wieder abgeben wolle, weil er sich überzeugt habe, daß die Geschäfte deffelben mit seinen sonstigen Aufgaben nicht verträglich seien, für irrthümlich und unrichtig. Im Gegentheil erfährt das Blatt aus sicherer Quelle, der Reichskanzler erblicke nach wie vor eine Erleichterung seiner Gesammtaufgabe dacin, daß er die Leitung des Handelsministeriums in Händen habe, und sei entschlossen, dieselbe, so viel an ihm liege, zu behalten. Die Veranlassung dazu, baß er für j tzt eine Verminderung seiner Geschäfte durch theilweise Vertretung gewünscht habe, liege in einem hoffentlich bald vorübergehenden Unwohlsein, welches ihn in vergangener Woche befallen habe. Er hoffe, sobald es seine Gesundheit erlaube, die Arbeiten namentlich bezüglich der die Vorbereitung für die Rrichsgesetzzebung betr. Geschäfte bald wieder aufzunehmen.
— Die in Zeitungen veröffentlichten Gerüchte von einer im Militär- Cabinet bevorstehenden Personaloeränderung entbehren gutem Vernehmen nach jeder Begründung.
Dublin, 3. November. 19 Hauptführer der Agrar-Liga sind in Anklagestand versetzt. Die Anklage lautet auf Verschwörung, um die Pächter an der Bezahlung des gesetzlichen Pachtzinses zu hindern und beschuldigt die Angeklagten, sie hätten die Eigentümer an der Einziehung des Pachtzinses, der Verpachtung der Landgüter durch Zusammenrottung großer Menschenmassen gehindert und aufreizende Reden gegen Diejenigen gehalten, welch- den Pachtzins bezahlten und leerstehende Pachtgüter pachteten.
— Der Anwalt des Ministeriums legte am Dienstag dem Queensbench« Gerichtshöfe die Anklage gegen die Mitglieder der Agrar-Liga vor. Unter den Angeklagten befinden sich die Parlamentsmitglieder Parnell, Dillon, Sexton und Biggar, ferner Brennan, Sullivan und Evan. Ooonoghue ersuchte die Liga schriftlich, ihn als Mitglied der Liga aufzuuehmen. — Die Meldung des „Eoening Standard" über die Verhaftung D-llon's hat sich nicht b-stältgt.
— Die „Dublin Gazette" veröffentlicht einen Erlaß des Viceköaigs, welcher eine Verstärkung der Polizei in der Grafschaft Cork anordnet.
London, 3. November. Der britische Botschafter in Berlin, Lord Odo Rüssel, hat sich am Montag zu Gladstone nach Howarden begeben. — Der „Standard" bespricht die Situation und sagt, das Experiment des europäischen Concertes habe in der Jsolirung Englands geendet. Hätte Gladstone das europäische Concert auf ein gründliches Einvernehmen Englands mit Deutschland und Oesterreich basirt, so wäre sein Plan thunlich gewesen. Wenn Gladstone vor diesem persönlichen Opfer zurückschreckte, so habe er jetzt ein größeres zu bringen, denn er habe eine scharf? diplomatische Niederlage erlitten. Die Jsolirung Englands sei zu offen, um in Abrede gestellt werden zu können. England trete aus dem gelösten europäischen Concert heraus ohne Bundesgenossen und ohne ein befriedigendes Resultat erzielt zu haben.
Paris, 3. November. Die Ausweisungen von Angehörigen der Con- gregationen werden in den Provinzen sortgesitzt; in Paris haben indeß keine pattgefunden. Der Cardinal Desprez in Toulouse protestirte im Ordenshause zum heiligen Herzen Jesu und entfernte sich mit der Erklärung, daß er der Gewalt weiche. In vielen Orten wurden die Polizei Agenten excommunicirt. — General Charette hat wegen einer aufrührerischen Rede am 25. v. Mts. in Rocke sur-Konne eine Vorladung vor den Untersuchungsrichter erhalten.
Paris, 3. Novbr., Abends. Bei Ausweisung der Kapuziner in Nantes wurden zugleich gegen 600 Anhänger derselben aus dem Ordenshause entfernt; 20 Verhaftungen erfolgten. In Lyon wurde bei Ausweisung der Maristeu ein Arbeiter durch einen Schlag mit einem Stockdegen schwer verwundet. Die Gerichtshöfe sind, da die gelten beendigt, heute wieder zusammengetreten.
— Der internationale Post-Congreß unterzeichnete heute die Convention, betr. die Beförderung von Postpaketen. Der Präsident des Congrefles, Minister Cochery, sagte den M tgliedern Dank für ihre Thätigkeit und schloß mit dem Ausdrucke des Wunsches, daß die von den Delegtrten kundgegebenen freundschaftlichen Gesinnungen über den Congreß hinaus fortdauern möchten. Der Generalpostdirector der Niederlande, Hofstede, dankte Namens der auswärtigen Mitglieder für den Empfang in Frankreich. Minister Barthelemy war erschienen, um siär von den D-!egirten in verabschieden. "
Lokales.
Gieren, 4. November. Der Knecht eines hiesigen Fabrikanten, welcher am verflosienen Dienstag mit seinem Wagen Schlackensand geholt hatte, wurde spät Abends in der Nähe der Wellersburg schwer verletzt aufgefunden. Es waren ihm von einem Rade mehrere Rippen
konnte bis heute nicht festgestellt werden. Der Verletzte wurde per Droschke nach der hiesigen Klinik verbracht.
— Gestern Vormittag lieferten sich Krofdorfer und LaunLbacher Burschen m der „Stadt Cassel" eine gründliche Schlacht, wobei das Wirthschafks Iiventar ziemlich schlecht wegkam. Einer der Hauptkrakehler, welcher dem Wirthe in den Finger gebissen, mußte in der Sandgasse darüber nachdenken, daß es nicht gut sei, wenn man in der Stadt seinen Rohhe.len freien Lauf läßt.
— Heute Nacht waren die Straßen lebhaft frequentirt. lieber 1'0 Rekruten, welche nach Coblenz zum Augusta-Regiment transportirt wurden, mußten hier übernachten und kamen noch spät in die Wirthjchaften; außerdem trafen um I Uhr die Elsässer Rekruten für oas hiesige Regiment ein. Dieselben wurden nach der Kaserne geleitet.
Vermischtes.
D a r m st a d t, 1. November. sPostpersonalnachrichten.) 1. Versetzt sind die Post- secretäre Schlegel von Worms nach Darmstadt und Kaiser von Homberg, Reg.-Bez. Cassel, nach Worms; 2. in den Ruhestand getreten ist der Postverwalter Musch m Ermenrod; 3. gestorben ist der Postverwalter Friederich in Stockstadt.
Darmstadt, 2. November. Gestern Abend mißhandelte der in der kleinen Kaplanet- gasse wohnhafte Handarbeiter W. seine Familie derart, daß auf Veranlassung der Nachbarschaft die Schutzleute etnschritten. W. suchte der ihm drohenden Verhaftung dadurch zu entgehen, daß er aus dem Fenster des zweiten Stockes herabsprang, aber auf einen Kehrichthaufen fiel, keinen Schaden nahm und ins Arresthaus verbracht wurde. Heute Morgen fand man ihn m seiner Zelle erhängt.
Mainz, 1. November. Ein schändliches Verbrechen wurde heute Nacht hier verübt. Zwei Leute, welche im Begriffe waren, nach Hause zu gehen, wurden auf dem Markte von mehreren anderen Leuten ohne alle Veranlassung zusammengestochen, während die Tyäter davonflohen. Der Zustand der Verletzten ist derart, baß fast gar keine Hoffnung vorhanden '.st, sie am Leben zu erhalten. Die Polizeibehörde ist in voller Thätigkeit, um Diejenigen zu ermitteln, dle das schändliche Verbrechen begangen haben, ^bis jetzt leider ohne Erfolg. ES ist für die Zustande doch bezeichnend, wenn harmlose Leute auf dem Wege nach Hause auf offener Straße zusammengestochen werden. (Frkf. Jl.)
Frankfurt, 2. November. Bet dem gestrigen Fischfang im großen Weiher des Thiergartens wurden sechs Centner Karpfen und Karauschen gefangen und an einen hiesigen Fischer verkauft; eine mindestens eben so große Menge ist im Teich zurückgelasscn worden. Auch in Homburg wurde der Schloßgartenweiher ausgefischt und daraus acht Centner Karpfen, Vz Eentner Hechte und 4V3 Centner Futterfijch, gezogen. Ein vor neun Jahren eingesetzter Spiegelkarpfen (Bamberger) wurde gefangen, aber wieder eingesetzt; er hatte das respektable Gewicht von ca. 20 Pfund.
— Heute verunglückte in der Anilinfabrik zu Höchst ein Arbeiter dadurch, daß er in das Kammrad der Maschine kam. Augenblicklicher Tod war die Folge.
— Heute Mittag war der Main mit vorbeitrcibenden Holzscheitern bedeckt. Dieselben rühren von einem bet Offenbach zu Grunde gegangenen Holzschiffe her.
Schleswig, 31. October. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich vorgestern hier. Die beiden jüngsten Söhne des allgemein geachteten Kaufmanns C. F. Josten hier wurden gegen 6 Uhr auf ihrem Zimmer von dem Dienstmädchen tobt gefunden. Der jüngste circa ' 13jährige Knabe hatte eine Schußwunde in der Brust, während der ältere 15jährige einen ; Schuß in die Schläfe erhalten hatte und mit einem Revolver in der Hand auf dem Boden l lag. Der rasch herbetgerufene Arzt konnte nur den Tod der beiden Knaben constatiren und
sprach derselbe die Vermuthung aus, daß der ältere Knabe den jüngeren aus Unvorsichtigkeit erschossen und sich dann aus Verzweiflung über diese beklagenswerthe That selbst den Tod gegeben he.be.
Friedberg, 31. October. Nachdem man im vorigen Herbste beim Auswerfen der Gräben zum Legen der Entwässerungsröhren 759 Meter westnordwestlich von Dornassenheim noch in dem südlichsten Tyetle der Gemarkung Weckesheim eine römische Brgräbnißstätte (nicht blose Einzelgräber) zu Tage gefördert hatte, wurden diesen Herbst ebenfalls in einer Entfernung von 7b0 Meter von Dornassenheim in direkt entgegengesetzter Richtung die Fundamente römischer ' Gebäude stellenweise blosgelegt. Eine eigenthümliche geringe Terrainerhebung besonders an dem । in eine Wiese vorspringenden Theile kennzeichnet die Stelle. Es hat diese Römerstätte bis jetzt schon eine Ausdehnung von 150 Schritten im Durchmesser, ohne daß deren Anfang und Enoe bestimmt sind. Die Fundstücke bestehen außer mit Mörtel verbundenen Mauerwerken in Gefäße- ' resten, worunter DoUumreste und größere Stücke aus terra sigillata mit schönen Verzierungen,
' in römischen Ziegel- und Schteferstücken, schön zugehauenen Steinen aus porösem Basalt oder
\ Lava, in Nägeln, Hufeisen, die in dem römischen Boden sich befunden haben sollen, in Knochen
l und anderen Gegenständen. Aus einer späteren Zeit fand sich durchaus nichts Eerkennbares.
! Ein Zusammenhang der Begräbnißstätte mit der Niederlassung ist nicht festgestellt. Beide Stellen ? sind vemerkenswerth, da sie näher an den östlichen noch nicht festgestellten Pfahlgraben unserer t Wetterau führen und von römischen Alterthümern in dieser Gegend noch nichts bekannt war.
— Die Bedeutung der Bienenzucht berechnet Pastor Sauppe in Luckendorf, Präsident ? des sächsischen btenenwtrthschaftltchen Hauptvereins, wie folgt: Aus jedem der 17,000 Bienen- t stocke, welche Sachsen besitzt, fliegen täglich 10,000 Bienen aus, gleich 170 Millionen, jede t täglich 4mal, gleich 680 Mill , in 100 Tagen gleich 680,000 Mill. Jede Biene befliegt vor i der Heimkehr 50 Blüthen, mithin haben die Vereinsbienen 3,400,000 Blüthen besucht. ' Wird |i von je 10 Blüthen nur eine befruchtet, so ergeben sich 34 *,000 Mlll befruchtete Blüthen Der i, Kohn für die Befruchtung von 5000 Blüthen sei 1 so haben die VereinSbienen jährlich . 68 Millionen Pfennig gleich 680,000 Nutzen geschaffen, den Niemand beachtet. Es hat mithin jeder Bienenstock einen Werth für die gesammte pflanzliche Bodenkultur von 40
— Fünfzig Studenten fuhren am 23. v. M. auf einem Schleppboot von Imuiden aus auf die See hinaus, um die Abfahrt des großen Packetbootes „Prinzeß Amalie" anzusehen. Das nur zur Flußschifffahrt erbaute Boot wurde bei der hochgehenden See bald ein Spiel der Wellen, von dem es derart umhergeschleudert wurde, daß sechsundzwanzig der Insassen ins Meer stürzten und ertranken. Von den übrigen vierundzwanztg kehrten nur zwölf ans Ufer zurück, das Schicksal von zwölfen ist ungewiß, man hofft, daß sie von der Mannschaft der ; „Prinzeß Amalie" gerettet sind und sich an Bord dieses Schiffes befinden. Gewißheit hierüber wird man jedoch erst haben, wenn die „Prinzeß Amalie" in Southampton, ihrem Bestimmungsorte, einlaufen wird.
Schifffeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd, C. W. Dietz in Gießen.
Bremen, 2. Novbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hermann, i Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Oktober von Bremen j abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 3. November. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war i gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Ctr. X 3.00—4.25, Stroh X 2.50-3 00 Butter das Pfd. tm Großen 1. Qual. X 0.95—00, 2. Qual. X 0.80—85, im Detail bas Pfd. X 1.25—36, 2. Qual. X 1.15—20. Eier das Hundert X 6—8. Ochsenfletfch per Pfund 60—70 H, Kuh-, Rind und Farrenfleisch 45—60 H, Kalbfleisch 50—70 Hammelfleisch 35—65 H, Schweinefleisch 76—80 ein Hahn X 0.80—1.30, ein Huhn 90-1.20, eine Ente X 3.50—4.00, eine Taube 50—00 H, Gans X 5.00—8.00, Hasen das Stück X 3.00—4.00, Feldhuhn X 1.00 — 1.50, Rehbock das Pfd. 75—80 Kapaunen X 0—0.00, Wälscher Hahn X 5—6. Kartoffeln 100 Ko. X 4.00—5.50, Kohlrabi 7—9 H, Blumenkohl 1 St. 15—50 H, Wirsing 15—20 H, Gelberüben 1 Bund 0—0 H, Zwiebeln 1 Bund 0 Sellerie das Stück 0—00 Meerrettig 1 Stück 00—00, Spargel das Pfund 00—00 Romain-Salat 00-00 Endivien 10—0^, Rothkraut 15—20 Weißkraut 15—20 Artischoken 50 Erbsen das Pfd. 00
Limburg, 3. November. (Fruchtmarkt.) Nother Weizen X 18.70, Weißer Weizen X 00.00, Saatkorn X 17.00, Korn X 16.10, Gerste X 10.60, Hafer X 6.55, Erbsen ' X 00-00, Kartoffeln X 0.00. (Durchschnittspreis pro Malter.)
Temperatur in Gießen.
Oktober 1880.
Niederste..........— 4,0 o R.
Mittlere..........+ 6,49 „
Mittel früherer Jahre........+ 7,17 „
Höchste ........• . +15,0 „
Niederschlag an 23 Tagen.......5,89 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen . . 1,89 „
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