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Amtlicher HheLl.
Gießen, am 3. November 1880.
Betreffend: Frostschaden an den Obstbäumen.
Das Großherzogliche Kreis amt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welch- in Folg- unseres Ausschteibens vom 27. Juli I. I., Anzeiger Nr 175, auch die an den Staats- und Provinzialstraßen befindlichen Bäume In die uns übersandten Verzeichnisse haben aufnehmen assen, wollen uns 16ng»en8 Binnen drei Tugen besondere Uebersichien nach dem früheren Formulare sowohl über die ersrornen, als auch die gesund «eblieben-n Alleeoaume der Staats - "nd Pro« i straßen vorlegen. Von denjenigen G-oßherzoglichen Bürgermeistereien, die uns längstens bis zum 10. l. Mts. solche besondere Uebersichten ch 18 fl haben, nehmen wir an, ^aß die fraglichen Alleebäume nicht mitgezählt worden stnd.
vr. Boekmann. __________________________
Bekanntmachung.
Droschkenbesitzer Karl Huhn hat unter dem Heutigen die Erlaubniß erhalten, -ine Droschke mit der Nr. 2 nach Maßgabe des Droschkenreglements für die Provinzialhauptstadt Gießen vom 3. August 1878 in Betrieb zu setzen.
Gießen, den 3. November 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
p ' Fresenius.
Demifsionsgerüchte.
Ohne sonderlich große Aufregung vernahm Berlin am Montag die Wiener Sensations-Botschaft: Fürst Bismarck hat dem Kaiser sein Entlaffungs» gesuch fingereicht! Wie konnte diese Nachricht ehedem alle Welt in Verwir- iung setzen, hier ungemesienen Schrecken, dort maßlosen Jubel hervorrufend. Wie konnte diese Botschaft ehedem alle anderen gerade zur Diskussion stehenden Fragen im Fluge verdrängen, die politischen Kreise in Äthern halten und die unpolitischen mit Eins zu leidenschaftlichen Kannegießern umwandeln.
Nichts von alledem war diesmal zu spüren. Mit einer fast befremdlichen Gleichgiltigkeit wurde die N.chrtcht ausgenommen; mag fern, daß man weiß, der Kaiser, werde die Demissionsgesuche seines Kanzlers nimmer bewilli- aen, und daß es dem Fürsten gar nicht ernstlich darum zu thun ist, entlasten au werden. Er will nur irgend eine Forderung durchsetzen, indem er nach oben hin die Cabinetsfrage stellt. In der Hauptsache erklärt sich indeß die Zurückhaltung der öffentlichen Dtscuzfion daraus, daß Niemand die Sensatious» m5^Eu4rhie;5 ist nicht blos Fürst Bismarck von einem Sensations'Corre- svondent'm gestützt worden, es regnete förmlich Mintster-Porteseuillcs in dm ^urnalen. Sollten die Herbstwtnde, die das vergilbte Laub von den Bäumen schütteln und über die Stoppelfelder fegen auch für Minister gefährlich sein? Fast konnte man das glauben, als der jüngste Sonntag ans allen Windrichtungen Nachricht brachte von dem gewaltsamen Sturz oder dem freiwilligen Rücktritt von Ministern. Zum Glück haben gle ch die nächsten Stunden die Lügen zu Nichte gemacht. Die Sonntagsmärch n zerfloffm vor dem ersten Lichtstrahl des nüchternen Werkeltages. Die Wiener officiöse „Montagsrevue" wollte besonders hoch überraschen und stürzte gleich zwei hochgebietende Minister, — He mächtigsten, die Europa hat, Bismarck und Gladstone.
Die Nachricht vom Rücktritt Gladstone's klang gar so unglaublich nicht, He Situation des Premiers von St. James ist so unglücklich wie möglich und seine Demission würde ihn selbst und England aus argen Verlegenheiten retten Dennoch wurde dk letchtgeglaubte Nachricht vom Rücktritt Gladstone s rasch dementirt. In Bezug auf die Nachricht vom Rücktritt Bismarck's ließ das Dementi etwas auf sich warten. Es war aber auch ziemlich ubei flüssig. Niemand, der die politische Lage Deutschlands kennt, hat es geglaubt, daß Fürst Bismarck jetzt seine Demission gegeben hat, und das wegen der neuer» Heben Fricttonen der Hofpartei. Daß anläßlich unmittelbarer, von sehr hoher Seite kurz vor den Kölner Festlichkeiten geführten Unterhandlungen mit Rom eine gewisse Spannung bestand. das ist ja bekannt geworden. Aber mitten In ben Vorbereitungen für die großen socialpolitischen Vorlagen, drei Tage, nach, bem er sich bem Lanbtage al« Hm deisminlstet vorgestellt, wirb Fürst Bismarck btStofflin seine Entlastung doch nicht einreichen. Ebensowenig sind die Djffe- TMiim in Berua auf dir Ernennung eines Staatssccretärs des Auswäktlgen io heftig, um den Fürsten Bismarck so leicht zum Rücktritt oder selbst zum Rücktritts'gesuch zu bewegen.
Deutschland.
«erlin 2. Novbr. Der Landtag der preußischen Monarchie wurde am 28 Ociober im Namen Sr. Majestät durch den ersten Vicepräsid-nt-n d,z Staaismlnlstetiums Grasen zu Stolberg-Wernigerode eröffnet. Di- Er- öffnun srede konnte eine erfreuliche Wendung der Finanzlage M Staats zum B.si-in consiatiren. Sie kündigte ferner den Entwurf eines Gesetzes an, welches die Überweisung der Hälfte des Ertrages der Grund- und Gebäude- steuer an di- Communen und eine weiter- Erleichterung der direkten Besteuerung in Aussicht stellt. Auch behufs der Wetterführung der Verwaltungs. resorm wird di- Thätigkeit des Landtags in ausgedehntem Maße in Anspruch genommen werden. Bereits stnd dem Abgeordnetenhause mehrere darauf bezüg
liche Entwürfe zugegangen. Im Herrenhause wurde das bisherige Präsidium am 28. October durch Acclamation wieder gewählt. Im Abgeordnetenhause erfolgte am 29. October mit großer Stimmenmehrheit die Wiederwahl des Präsidenten Herrn v. Köller unb des ersten Vice-Präsidenten Herrn v. Benda; zum zwettkn Vice-Präsidenten wurde in engerer Wahl Herr Stengel gegen Herrn v. Heerenmn gewählt. Aus Grund des Social.stengesetzes hat düs Staatsministeriurn Unterm 28. October mit Genehmigung des Bundesrathes vrrorvnet, daß für die Dauer eines Jahres Personen, von denm eine Gefährdung der öffentlich n Sicherheit oder Ordnung zu befürchten ist, der Aufenthalt ü: Altona und einigen anderen Ortschaften untersagt werden kann. Auch Ati der Verhängung derselben Maßregel über das h mburgische Staatsgebiet bat cuf den mit Prenßm gemei-schaftlich gestellten Antrag Hamburgs der Bunde-rath seine Genehmigung ertheilt. — Ja Oesterreich - Ungarn hat fett dem Begmn der Verhandlungen der Delegationen die Spannung, mit welcher man der Entwickelung der Dinge auf der Balkanhalbmsel verfolgt, die Sorgen um die Angelegenheiten der inneren Politik fast ganz in den Hintergrund gedrängt. Der Nachdruck, mit welchem am 24. October in Erwiderung auf die Präsidenten der beiden Delegationen der Kaiser auf die augenblicklichen Schwierigkeiten der Lage hinwies, hat auf beiden Seiten der Leitha einen tiefen Eindruck hervorgebracht, ohne jedoch die Hoffnung auf eine friedliche Entwickelung der orientalischen Frage wesentlich herabzustimmen. Denn diese Hoffnung beruht vor Allem auf der Ueberzeugung von dem gemeinsamen Vorgehen Deutschlands und Oesterreichs in Betreff der Or entsragen, und diese Ueber» Aeugung ist durch die von dem Baron Haymerle in dem Budgetansschuß der Reichsrarh-Deleaation am 27. October abgegebenen Erklärungen neu gekräftigt worden. — Den dunklen Punkt am Horizonte der österreichischen Politik bilden augenblicklich die Beziehungen zu Serb en, über welche das den Delegationen vorgelegte Rothbuch wichtige Aufschlüffe gegeben hat. In einer D-p-schk vom 17. Ociober an ben österreich-ungarischen Minister-Prästbenten in Bllgrab besteht Baron H ymerle auf bem Rechte für Oesterreich, in ben Hanveisbeziehungen mir S-rbi n aus bem Fuße ber meistbegünstigsten Nation behanbelt zu werben, unb behält sich bei bet ersten Verletzung bes Primips ber Gieichbeiechtigung anberweitige wirksame Maßregeln vor. Eine Folge bleses Sch.it'es war, vaß am 23. Octvbcr ber serbische Mmlster-Prastbent Ristics feine Entlastung -inrelchte; doch Ist es bem Fürsten Milan bis jetzt noch nicht Ölungen, ein neues Cabinet zu bllben. In Wien gilt es für unzweiseihaft, ba6 Serbien schließlich nicht werbe umhin können, ben berechtigten Ansprüchen Oesterreichs Genüge zu leisten. - Die Hinberuiffe, auf welche bte französische Regierung bisher in ber Ausführung ber Märzbecrete stieß, würben zwar äußerlich überall rasch üb-rwunben, nichtsbestowenlger aber hat ber foribauernbe «eine Krieg mit ben renitenten, vielfach von ben Sympathien des Publikums unterstützten Congregationen einen sehr peinlichen Einbrnck gemacht, so baß bas Ministerium sich entschlosten hat, bte nothwenbigen Maßregeln möglichst rasch >u vollziehen. In ber Thal scheint e« bringenv geboten, ber den Rabikalen in bie Hänbe arbeitenben überaus heftigen klerikalen unb legitimistischen Agi- tativn möglichst schnell bie Veraulaffung zu entziehen, aufregenbe Auftritte in Scene zu setzen. Von ber in bieseu Kreisen herrschenben mit den tollkühnsten Plänen st» tragenben Erbitterung legt bas Royalisten-Bauket in La Roche unb bie auf bemselben gehaltene Rebe bes Generals Charette ein gewiß nicht leicht zu nehmeubes Zeuguiß ab. — Die Kammern stnb auf ben 5. November elnbernsen.
England.
London, 2. November. Sir Thomas Bouch, der Erbauer ber ring', stürzten Tayb.ücke, ,st gesto ben. Wie es heißt, halte ihn der Untergang seines stolzesten Bauwerkes so geschmerzt, daß er gebrochenen Hetzens starb. - Uebet


