Darmstadt, 2. Februar. Die im December v. I. von dem Abgeordneten Betz in der 2. Kammer eingebrachte Interpellation, Ausschreitungen des Militärs mit der blanken Waffe, beziehungsweise Verbot des Tragens des Seitengewehrs Seitens der Soldaten und untersten Chargen außer Dienst betreffend, wurde von Großh. Staatsministerium dahin beantwortet, daß gedachte Ansrage Veranlaffung gegeben hat, Ermittelungen darüber eintreten zu laffen, ob, insbesondere in Mainz, in jüngster Zeit Ausschreitungen von Militärpersonen in vermehrter Anzahl zur Anzeige gekommen sind, beziehungsweise ob seitens der Militärbehörde eine angemeflene Bestrafung etwaiger Excedenten verfügt worden ist- Die Antwort besagt:
„Nach den dteserhalb vorliegenden Berichten sind in den Jahren 1877 und 1878 im Ganzen 20 Fälle von Ausschreitungen von Milttärpersonen der Mainzer Garnison, einschließlich der Anzeigen wegen Beleidigung, zur Kennt- uiß der Polizeibehörde gekommen, worunter drei Fälle wegen Körperverletzung durch Seitengewehr. Bet einem dieser Excesse erfolgte Einstellung des Verfahrens, da ein rechtswidriger Waffengebrauch nicht nachgewiesen, vielmehr der Verdacht begründet war, daß die betreffende Verletzung durch eine Civtlperson mit einem Messer verursacht worden sei. In den beiden anderen Fällen trat strenge Bestrafung (bis zu drei Jahren Gefängniß) ein.
Da auch in den übrigen Vorkommniffen militärgerichtliches Einschreiten stattgefunden hat, überdies eine Vermehrung der im Verhältnrß zur Stäike der Garnison an sich nicht besonders auffälligen Zahl von Ausschreitungen nach den bezüglichen Berichten auch im verfioffenen Jahre nicht constatirt worben Ist, bm tch nicht in der Lage, die Einleitung der von dem Herrn Interpellanten wegen Verbots des Waffentragens gewünschten Schritte bet der Reichsregierung in Aussicht zu stellen." (D. Z-)
Darmstadt, 3. Februar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädlgst geruht:
Am 24. Januar den Lehrer an der Realschule zu Alzey Gustav Schwabe zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim, an dems. Tage den Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim Dr. Gustav Storck zum Lehrer an der Realschule zu Alzey zu ernennen mit Wirkung vom 1. April d. Js. an;
an dems. Tage den Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen Dr. Emil Rausch, mit Wirkung vom 1. April l. Js. an, zum Director an der Realschule zu Alzey zu ernennen.
».Darmstadt, 3.Februar. Zweite Kammer der Stände. 37. Sitzung. Zu Beginn der heutigen Sitzung verkündigt Vicepräsident Muhl als neue Eingabe eine Vorstellung der Gemeinden des Amtsgerichtsbezirks Wöllstein, die Erbauung einer Secundärbahn betreffend. Die Kammer fährt sodann in der Berathung des Art. 2 des Gesetzesentwurfs, die allgemeine Bauordnung betreffend, fort Die Mehrheit des Ausschuffes stellt heute folgenden veränderten Antrag: 1) den Art. 2, ersten Absatz, in der Fassung anzunehmen: „Soweit dieses Gesetz und künftige Gesetze hierzu ermächtigen oder keine entgegenstehenden ausdrücklichen Bestimmungen enthalten, können die nach den Bedürfnissen der einzelnen Gemeinden erforderlichen besonderen Bestimmungen in Ortsstatuten und in polizeilichen Ordnungen (Localpolizeireglements) über Bausachen ertheilt werden"; 2) den Absatz 2 unverändert anzunehmen; 3) den Absatz 3 in der Fassung anzunehmen: „Zum Erlaß polizeilicher Ordnungen über Bausachen ist die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise des Gemeinderaths, sowie des Kreisausschusses und die Genehmigung des Ministeriums des Innern e-nzuholen." Abg. Böhm rechtfertigt diesen Antrag unter speciellem Hinweis darauf, daß sowohl in der Stadt, wie auf dem Lande der Erlaß polizeilicher Anordnungen von der Zustimmung der Gemeinde abhängig sein soll. — Abg. Heidenreich ist für den Antrag der Minorität, da er eine Durchlöcherung der heilsam wirkenden Verwaltungsgesetze nicht befürworten kann. — Staatsmmister Freiherr v. Starck führt aus, wie die Vertreter der Städte die Vorlage des von ihnen lang ersehnten Entwurfes einer allgemeinen Bauordnung als eine Stufe benutzen, um zu einer Machterweiterung zu gelangen für die localen (Korporationen. Wenn dieser Entwurf nicht Gesetz werde, so sei es nur das Bestreben der Städtevertreter nach die>er Machterweiterung, welche im Namen der Selbstverwaltung verlangt werde. Die Selbstverwaltung könne heilsam sein und sei es bei uns schon gewesen in dem Rahmen des Gesetzes, sie werde aber zum Schaden und zur Auflösung des Staates, wenn die gesetzlichen Schranken hrnweggenommen werden. Hier handle es sich um eine solche unüberschreitbare Schranke. Die Staatsgewalt müsse die Besugniß haben, kraft ihrer Verpflichtung für das Wohlbefinden und die Sicherheit der Staatsangehörigen zu sorgen, in bau-, gesundheits- und feuerpolizeilicher Beziehung Sorge zu tragen. Für ihn sei es eine politische UnmöAlichkeit, auf das gestellte Verlangen einzugehen und er befinde sich darin im Einverstandniß mit allen Mitgliedern des Staatsministeriums. Wenn daher der Antrag der Majorität des Ausschusses angenommen werden sollte, so könne der Entwurf der Bauordnung nicht Gesetz werden. — Abg. Lautz tritt für den Antrag der Minorität ein, indem er auf die Consequenzen hinweist, welche der Antrag der Majorität in Gemeinden mit vorwiegend social-demokratischer Bevölkerung haben könnte. — Abg. Wvlz ist für den Antrag der Majorität, da er in einer Vergrößerung der Rechte der Gemeindevertretungen keine Schädigung des Staatswohls erblickt. — Abg. Betz fürchtet bei einem so minimen Gegenstände durchaus keine Beeinträchtigung des Staatsinteresses, und weift auf die Verhältnisse in Mainz hin, wo sämmtliche baulichen Angelegenheiten von einem hervorragenden Bautechniker behandelt werden. Er ist für den Antrag der Majorität. — Büchner ist auS politischen Gründen für den Antrag der Minorität, Pennrich für denjenigen der Majorität, welcher Stadt- und Landgemeinden gleichstellen wolle, was ihm namentlich m Bezug auf Bingen sehr wünschenswerth erscheine.
Regierungsrath Freiherr von Gag er n tritt wiederholt den Ausführungen der Mitglieder- bei Mehrheit des Ausschusses entgegen. — Abg. Baur spricht für den Antrag der Minorität des Ausschusses, Metz für den Antrag der Majorität, indem er die von der Gegenseite angeführten Gründe einfach als Uebertreibungen bezeichnet. — Kugler bedauert, daß man dieser Angelegenheit diese Wichtigkeit beigelegt habe, und glaubt, daß eine Verständigung über den Streitpunkt selbst bei der zweiten Berathung ober gelegentlich der Recommunication der ersten Kammer noch erzielt werden könne. — Abg. Schröder ist aus rein praktischen Gesichtspunkten für den Antrag der Minorität, ebenso die Abgg. Reinhart, Hanstein und Maurer. — Rach einem Schlußwort des Berichterstatters, Abg. Küchler, wird Absatz 1 des Artikels 2 in der Fassung der Regierungsvorlage mit 24 gegen 17 Stimmen, die Absätze 2 und 3 in der Fassung der Minorität des Ausschusses, mit welcher sich die Regierung einverstanden erklärt, mit 25 gegen 16 Stimmen angenommen. — Artikel 3 des Entwurfes gelangt hierauf mit einem vom Ausschuß beantragten Zusätze ohne Debatte zur Annahme. — Fortsetzung der Berathung morgen.
Berlin, 31. Januar. Die Petttions.Commsssion des Abgeordnetenhauses verhandelte in ihrer gestrigen Sitzung über eine Petition, betr- den Bau einer Secundär - Eisenbahn von Hadamar und Westerburg über den Wcsterwald nach Daaden und Betzdorf. Die beiden Referenten beantragten, die Petition der königl. Staatsregierung mit der Aufforderung zu überweisen: sie wolle ihr bisheriges Streben, dem Westerwalde die nothwendigen Eisen- Lahnverbindungen thunlichst bald zu schaffen, energisch fortsetzen. Der Antrag wurde, nachdem sich der Vertreter der königl. Regierung tn wohlmeinendem Sinne für die Petenten ausgesprochen, einstimmig angenommen.
Schweiz.
Bern, 2. Februar. Wie man vernimmt, hat der Bundesrath tn Sachen der Grenzbefestigungsfrage schon einen tatsächlichen Schritt gethan,
indem er das eidgenössische Generalstabs-B ireau und den Chef des GmteS, Herrn Oberft Dumur, mit der Ausarbeitung eines Berichts nicht nur über die an der Grenze, sondern auch im Innern des Landes anzulegenden Fchungs- werke beauftragt hat. Der Bundesrath ist somit den in den hiesigen militärischen Kreisen kürzlich ausgesprochenen Wünschen und angeregten Petitionen zuvorgekommen.
Ilraukreich.
Paris, 2. Februar. Senat. Der Gesetzentwurf, betr. den Ober- unterrichtsrath, wird in erster Lesung angenommen.
— Deputirtenkammer. Präsident Gambetta gibt dem Bedauern über das Ableben von Caffagnac Vater Ausdruck. — Möline gibt als Berichterstatter der Zolltarif-Commission eine Darlegung der Gründe für die von der Commission beschloffenen Wiederhe stellungen von Trrtfsätzen und erklärt, die Commission laffe das System der Handelsverträge zu, habe aber das Prohibitivsystem beseitigt und nur das Compensationsprincip für berechtigt erachtet. — Freycinet muß, dem „Temps" zufolge, wegen eines heftigen Anfalls von Leberkolik das Bett hüten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Corresponbenr • ©««eiiiu
Berlin, 3. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Nachricht verschiedener Blätter, der angeblichte Kaliscber Vorfall sei in Czenstochau passirt, für erfunden. Der Verkehr von preußischen Osficieren des 6. Armee- Corps mit Ofstcieren der benachbarten russischen Garnisonen sei durchaus kameradschaftlicher und freundschaftlicher Natur.
Kopenhagen, 3. Februar. Wegen der Eisverhältniffe und Nebel waren die Dampft ch'ffe heute verhindert, die Postsachen über den großen Belt überzuführen.
Rom, 2. Februar, Abends. Das Amtsblatt enthält daS Dekret, wodurch das Parlament für jetzt geschloffen und zum 17. Februar wieder einberufen wird.
Washington, 3. Februar. Das Repräsentantenhaus hielt gestern eine besondere Sitzung, um das britische Parlamentsmitglied Parnell zu hören. Der Präsident verlas zunächst eine Resolution, in welcher das HauS um sein Wohlwollen für Parnell an gegangen wird. Hierauf wurde Letzterer eingeführt und hielt eine Rede über die irische Agrarfrage und die Nothwen- digkeit, die Pächter in ihren Bestrebungen den Grundeigenthümern gegenüber zu unterstützen. Der Sitzung wohnten wenig Deputirte bei. Die Tribünen waren voll besetzt.
Madrid, 4. Febr. In Folge eines heftigen Orkans auf den Philippinen sind viele Handelsschiff- gescheitert, sowie auch das spanische Kanonenboot „Miravelles", dessen Mannschaft ertrank.
Rom, 3. Februar. Dem Journal „L'avvenire d'Jtalia" zufolge soll der Krftgsminister Borelli in Folge der von den Generalen im Senate anläßlich der Mahlsteaer-Debatte beobachteten Haltung seine Entlassung einge- reicht haben.
Dublin, 3. Februar. Heute hielt das Manstonshouse-Comitö für die Nothleidenden eine Sitzung. Nrch dem erstatteten Bericht sind bereits 41,155 Pfd. Sterl. eingeganqen und 15,400 Pfd. Sterl. vertheilt worden. Ferner wurden Briefe von 30 Bischöfen vorgelesen, welche die Vorwürfe Par- nell's zurückweisen.
lieber Lebens-Versicherung.
Eine Einrichtung, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete eine hervorragende Stelle einnimmt, ist die Lebens-Versicherung.
Die hohe Bedeutung derselben kann nicht besser gekennzeichnet werden, als durch die colossalen Summen, welche im Laufe eines einzigen Jahres von den 53 in Deutschland, Deutsch-Oesterreich und der Deutschen Schweiz bestehenden Lebens-Verstcherunqs- Gesellschaften ausgezahlt wurden. Gedachte Gesellschaften haben z. B. im Jahre 1876 bei ca. 12,000 Todesfällen die Summe von ca. 34 Millionen Mark unter ca. 12,000 Familien vertheilt.
Wie viel Kummer, Roth, Sorge und Elend hierdurch von zahlreichen Familie» abgewendet worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Auch für den Familienvater muß es ein beruhigendes Gefühl sein, wenn er weiß, daß die ©einigen bei einem möglicherweise plötzlich eintretenden Tode doch wenigstens in etwa »or Roth geschützt sind. B
Leider wird dieser so wohlthätigen und segensreichen Einrichtung namentlich bei uns noch nicht die Theilnahme geschenkt, die sie verdient. Während z. B. in anderen Gegenden die Lebens-Versicherung beim Beamten- und Bürgerstande gebührende Anerkennung und Betheiligung findet, hat dieselbe bisher bei uns, namentlich in kleineren Städten, sowie auf dem Lande noch sehr wenig Anklang gefunden.
Die meisten Leute scheinen gar kein Verstcindniß dafür zu haben. Die Einen, besonders auf dem Lande, haben gegen die Lebens-Versicherung eine förmliche Abneigung, die anderen wenigstens ein sehr großes Mißtrauen. Auch trägt die in weite« Kreisen herrschende Gleichgültigkeit, Putz- und Vergnügungssucht dazu bei, daß man in den Tag hinein lebt und nicht an die Zukunft seiner Angehörigen denkt.
Einer der häufigsten Einwände, denen man begegnet, ist, daß wenn man fein Capital auf Zinsen legte, man bedeutend mehr davon habe: Lebe man lange, z. B bis zum 70. Jahre, so hätte man ungefähr den ganzen Betrag eingezahlt und noch dazu die Zinsen verloren; außerdem aber hätte man dabei noch die Sorge, daß die Gesellschaft salliren könne.
Was nun den ersteren Einwand betrifft, so machen die Leute die Rechnung ohne den Wirth, denn Niemand kann ja seine Lebensdauer vorher bestimmen. Der zweite Einwand hat aber ebenso wenig zu bedeuten, denn das muß doch Jedem einleuchten, daß es, wie überall, so auch auf diesem Gebiete unsolide und unreelle Gesellschaften gibt und man sich selbstverständlich nur mit einer guten und soliden Gesellschaft einlassen darf.
Geistliche, Lehrer, sowie die Tagespresse, sollten es sich zur Aufgabe machen, das Publikum über Wesen und Zweck der Lebens-Versicherung zu belehren, damit diese nützliche und wohlthätige Einrichtung/namentlich auch unter der Landbevölkerung und in kleineren Städten mehr als bisher Betheiligung fände.
Lokales.
Gießen, 3. Februar. Die Lehrsäle und die Tonnenanlagen der Aeustädter Schule befinden sich zur Zeit in einem derartigen gesundheitswiorigen Zustande, daß die Schließung deS Unterrickts außer Zweifel steht. Möchten darum diese kurzen Andeutungen eine sofortige Be- fichtigung und gründliche Herstellung bezwecken.
— Sicherem Vernehmen nach ist die „LahnHütte" an die Herren Gebr. Buderus in Lollar verkauft worden. Da das Objekt nunmehr in sehr guten Händen sich beßndet, dürfte die Aufnahme der Arbeit in diesem schönen Werke baldigst zu erwarten sein.


