Ausgabe 
4.12.1880
 
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Eingang des beantragten Zusatzes durchwird" ersetzt und der Schluß entsprechend abgeändert wird.

Staatsminister Freiherr v. Starck erklärt den Vorschlag, das nothwendige technische Personal, das zur Verwaltung der Kreisst aßen gehört, nicht von dem Kreise selbst anstellen zu lassen, sowohl für systemwidrig, als für unzweckmäßig. Mit dem Antrag der Abgg. Küchler und Möllinger könne er sich einverstanden erklären, ebenso lege er mit Rücksicht aus den Antrag Osann keinen übertriebenen Werth aus die Bei­behaltung des Schlußsatzes des Entwurfes. Abg. Freiherr v. Nordcck zur Rabenau hält es für im Geiste der wirklichen Selbstverwaltung liegend, daß den Kreisen überlassen bleiben muß, ob sie den Kreisbaumetfter mit ihrem Straßenbauwesen belassen wollen oder nicht. Abg. Dittmar hält den Antrag Schröder für sehr kostspielig und glaubt weiter, daß derselbe eine Vergewaltigung derjenigen Kreise in- oolvire, welche bereits Techniker besitzen. Schröder und Genossen ziehen ihren Antrag zu Gunsten der Antrages v. Rabenau zurück. Nach einem Schlußworte des Berichterstatters, Abg. Stephan (Heßloch), wird der Regierungsentwurf vorbehält­lich der Abstimmung über die einzelnen Amendements angenommen. Der Antrag Osann gelangt sodann einstimmig, derjenige des Abg. Freiherrn v. Nordeck zur Rabenau gegen 8 Stimmen zur Annahme. Der Antrag Seubert fällt damit weg.

Art- 15 des Entwurfs bestimmt:Die Kosten für die Unterhaltung der Kreis­straßen werden nach den für die Aufbringung der Bedürfnisse der Kreise überhaupt geltenden Bestimmungen aufgebracht. Jedoch habe- 1 die Gemeinden die Kosten der Anlage und Unterhaltung von Gossenpflaster, gepflasterten Fußsteigen und Uebcrgängeu und deS Pflasters der Fahrbahn innerhalb der Ortsdurchfahrten direct zu bestreiten; 2. Eigenthümer oder Inhaber von größeren Gewerbsunternehmungen, für welche eine Straße regelmäßig abgenutzt wird, haben einen besonderen Beitrag zu den Unterhaltungs­kosten der Kreiskasse zu leisten, dessen Höhe, falls sie nicht vereinbart werden kann, von dem ProoinzialauSschuß auf Antrag des Kreisraths nach contradictorischer Ver­handlung endgültig festgesetzt wird Ein Recurs an daS oberfte Verwaltungsgcricht findet nur aus den in Art. 67 des Gesetzes vom 12. Juni 1874 angegebenen Grün­den statt."

Die Majorität des Ausschusses beantragt Annahme; die Minorität (Abg. List) will in pos. 2 hinter dem WorteGewerbsunternehmungen" eingefügt haben:und Waldungen". (Schluß folgt.)

Berlin, 2 December. DemFrkftr. Journal" wird von hi-r tele- graphirt: Gestern Nachmittag entwickelte sich auf hiesiger Universität ein aus- gedehnterer Skandal wegen der Judenbewegung. Prof. Läsion, welcher vor einigen Tagen im Colleg mißbilligend über die antisemitische Agitation sich aus­gesprochen, wurde von einem überfüllten Auditorium mit Spektakel empfangen und stürmisch tnterpellirt. Der Hörfaal war so umlagert, der Lärm so arg, daß der Castellan dem Profeffor, der nicht zu W rt kommen konnte, empfahl, das sogenannte Baracken-Auditorium zur Fortsetzung der Vorlesung zu benutzen, 600800 Mann stürmten aber auch sofort diesen Saal und der Lärm wuchs. Hie Trettschke",hie Läsion", tönten Rufe. Dem Profesior wurdeheraus", heraus" zugerufen. Schließlich mußte derselbe die Vorlesung aufgeben, was der herbeigeeilte Universilätsdecan verkündigte; um die aufgeregte Menge aus­einander zu treiben, wurde gedroht, das Gas auszulöschen, worauf die Auf- lösung erfolgte.

Aus Stettin schreibt man demRhein. Kur." unterm 27. Novbr.: Der Stapellauf der GlattdeckS-Corvette 88 ging heute Mittag auf der Werft desVulkan" glücklich von statten. Das Schiff erhielt in der Taufe, welche von dem Marineminister v. Stosch vollzogen wurde, den NamenCarola." In seiner kurzen Taufrede bezeichnete der Minister alö Bestimmung des neuen Schiffes, daß es im Kriege den großen Schlachtschiffen der Marine zur Sette stehen und im Frieden zum Schutze der deutschen Handelsmarine in fremden Gewäflern verwendet werden sollte. Das neue Kriegsschiff solle den Namen der Gemahlin eines unserer Kriegshelden tragen, die selbst hervorrage durch die Unermüdlichkeit, mit welcher sie sich der Sorge um die Verwundeten und um die Nothletdenden ihres Landes hingebe. Im Auftrage des Kaisers taufte Redner das Schiff auf den Namen der Königin von Sachsen, Carola.

Hanau, 30. Novbr. Auch an das hiesige Oberbürgermetsteramt ist unterm gestrigen Tage durch Herrn Dr. B. Förster, Charlottmburg, die Auf­forderung ergangen, sich der Verbreitung der beigefügten antisemitischen Peti- tion unterziehen zu wollen. Herr Oberbürgermeister Rauch hat darauf die nachstehende Erwiderung abzesandt:

Auf das mir zugegangene Circular, betr. eine an Se. Durchlaucht den Reichskanzler v. Bismarck zu richtende Petition behufs Einschränkung deS Einflusies der Juden, wollen Sie die Erklärung entgegennehmen, daß ich es zurückwetsen und ablehnen muß wie mir zugemuthet wird Kraft und Einfluß" aufzubieten, Ihren in der geschehenen Weise kund- gegebenen Bestrebungen Förderung oder Unterstützung zu gewähren.

Weder halte ich Ihre Bestrebungen mit dem Grundgebot der christ­lichen Lehre, d. h. dem von unserem Erlöser gepredigten Evangelium der Nächstenliebe vereinbar, noch kann ich die in der Petition zum Ausdruck gelangte geringschätzige Meinung vom deutschen Volksthum theilen, als sei dessen nationaler Verfall von einem Ueberwuchern des Judenthums zu befürchten.

Vielmehr erachte ich es als eine ernste Pflicht, jedem Versuch, Un­frieden unter Mitbürgern zu stiften, und religiösen Haß hervorzurufen, offen und energisch entgegenzutreten, und soviel an mir liegt, soll dieser Pflicht genügt werden."

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Agram, 2. December. Die Universitäts-Vorlesungen beginnen am 13. December; die Einwohner kehren allmältg wieder zurück.

Konstantinopel, 2. December. Die Pforte ordnete Uaterfuchuna an wegen eines Confl cres zwischen italients hen und Meteliner Fischern. Der italienische Botschafter Corti v rlangte Genugthuung für die italienische Flaaae Bestrafung der Schulvigen, Schadenersatz und Absetzung des Gouverneurs von Metelm.

Petersburg, 2. Decbr. Die Entdeckung einer geheimen Druckerei in Charkow wird bestätigt. Dagegen beruht die gestrige Nachricht des Herold von der Entdeckung der südrussischen revolutionären Druckerei in Kiew auf einer Verwechselung mit den in Charkow gemachten Entdeckuna-n.

^Madrid, 2. Decbr. In Folge heftigen Rügens fanden in der Gegend von Malaga Ueberschwemmungen statt.

Auf einem Banket der konstitutionellen Partei zu Lertda sprach der Deputirte Baloguer gegen die Zulassung aus Frankreich ausgewiesener Ordens, leute in Spanien.

London, 3. December. Parnell, Biggar, Sullivan, Sexton und Dtllon beabsichtigen eine weitere Vertagung ihres Procesfts zu beantragen weil der festgesetzte Termin auf den 28. December sie hindern würde, ihr ver> fasiungsmäßiges Recht der Thetlnahme an den Parlaments-Sitzungen ausw. üben. Parnell ist plötzlich nach Dublin zurückgekehrt. Earl Granville bat ven österreichischen Botschafter Karolyi empfangm.

Lokales.

Gießen, 3. Decbr In gestriger Sitzung der Stadtverordneten machte Herr Bürger meister Bramm vor Eintritt in die Tagesordnung die Mitthcilung, daß auch ibm oon Seiten des Crntral-Comit6 8 der Antlfemltcnbewegung eine Petion mit der Aufforderung luat- oanflen fei, dieselben mit Unterschriften verseben zu lasten Allein, gerade wie in anderen Städten ttjuibt aucb hier die« Ansinnen entschieden zurückgewiesen und folgende Resolution ctnftimmia angenommen: >»

Indem die Stadtverordneten Versammlung der Provinzial-Hauvtstadt Gießen ihrem Bedauern und ihrer Entrüstung darüber Ausdruck giebt, daß in Deutsch, land, dem Lande der höchsten Aufklärung und der größten Religionsfreiheit, sich heutzutage noch Manner finden, welche die gesetzliche Gleichberechtiaunn vom Staate anerkannten Religionsgemeinschaften anzugreifen wagen, geb, dieselbe über daS Anstnnen deS Central Comite's der Antisemitenbewea'uua zur Tagesordnung über. H B

Herr Stadtvcrordn. Hornberger drückte namens seiner und seiner Glaubmsgmossen ben ° Kundgebung aus und fügte hinzu, daß cr von dem Hocksinn vieler Versamnilunq An­deres nicht erwarten konnte und nicht erwartet habe. (Wir glauben in Anbetracht Der ob gen Reso. lution uns der Hoffnung htngeben zu dürfen, daß unsere Einwobnerschaft, sollte ihr eines Taqei ein gleiches Ansinnen gestellt werden, solches energisch zurückwelst. Sollte ober, und wag wär, nicht alles möglich, die Bewegung einen bedrohlichen Charakter annehmen, so wird man willen wer mit dem Feuer gespielt bat, man wird aber auch reiften, wen man zur Verantwortung zu ziehen hat. Ob derm u t h i g e Mann", wie Der Hofprediger Stöcker vor 2 Jahren im Daheim" genannt wurde, mit sammt seinen Anhängern sich dann verantworten kann wird sich zeigen.)

Gießen, 3. December. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: In dem nicht zutref­fenden Referat im gestrigen Anzeiger über eine Ansprache. welche ich am letzten Sonnabend an die Versammlung des Vereins der deutschen Fortschrittspartei richtete, ist am Schluffe der Passus enthalten:

und im Anschluß hieran kam unser seitberiger ReickSiagsabgeordneter wegen seine« zweifelhaften Verhaltens auch nicht ungerupft davon,

welchem gegenüber td) mich zu der Erklärung genöthigt sehe, daß es mir nickt in den Sinn gekommen ist und kommen konnte, von einem zweifelhaften Verhalten des Herrn vonRabenau »u sprechen.M. Homberg er.

Vermischtes.

Darmstadt, 30. November. fPostpersonalnachricktcn st 1. Angestellt sind: d,e Post- assistenten Schnabel in Neckar-Steinach und ßangenfelD in Nieder Olm al8 Postverwalter; 2. Versetzt ist: Der Telegrophenaftistent Range von AlSfelo nach Gießen.

Temperatur in Gießen.

November 1880.

Niederste............ 4 5 o r.

Mittlere..........+ 3,16

Mittel früherer Jahre . .......4- 2,59

Höchste........... +10,0 "

Niederschlag an 12 Tagen.......0,95 Par. Zoll.

im Mittelfrüherer Jahre an 15 Tagen . . 1,82

Irischbäcker m Metzen.

Sonntag, den 5. December. Daniel Rühl, Marktstraße. Carl Steinberaer, Löwengasse. Eduard Roll, Marktstraße.

Kirchliche Anzeigen

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 5 December.

Morgens SM/t Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.

Nachmittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Freitag, den 10. December, Abends 6 Uhr, in dem Gymnasium: Bibelsiunde: Pfarrer Dr Naumann.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom bis 5. bis 11. December besorgt

Pfarrer Schlosser.

Allgemeine

Soeben sind eingetrvssen:

Ebers, der Kaiser, 2 Bände, geb. M. 12. Freytag, Ahnen, 6. Band, geb M. 7.

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Empfehlung!

Unterzeichnete empfiehlt sich den geehrten Damen von Gießen im Klei- dermachen und Weißzeugnähm, überhaupt in allen in dieses Fach einlchlaaen- d n Arbeiten. Achtungsvoll

Frau L. Fischer,

wohnhaft im Hause des Hru. Gensdarm Röder, (Riegelpfad 11«).

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