stischen Verbrechen «ine gewiffc Bercchtigunj; findet. Ebenso berechtigt ist tm= seres Erachtens der Unwille gegen die Polizei, welche trotz ungtaublichster Machtbcfugniß die wtederholleu Ängriffe gegen das Leben des Kaijcrs nicht zu veihindern versteht. Gerade der letzte Fall ist in dieser Hinsicht der bedeutsamste. Abgesehen von den In Petersburg umlaufenden Gei richten über ein im Wintcrpalais geplantes Verbrechen, hatte ja auch eine Warnung der deutschen Geheimpolizei vorgelegen, ja, cs war von dieser sogar der Plan der s Untermtnirung des Wintcrpalais eingesandt worden. Diese Meldung, welche uns vor einigen Tagen aus Berlin zuging, findet jetzt eine weitere Bestätigung j in einem offenen Brief der „Wiener Abendpost", welcher unsere Mittheilung ; noch dahin ergänzt, daß der bett. Plan von der deutschen G-heimpoliz-i in ' Genf bei dem dort lebenden Nihilisten Fürsten Krapotiin entdeckt worden ist- Daß nach solchen schwerwiegenden Anzeigen das Attentat doch durchgesüart werden konnte, wird mit jedem Tage unbegreiflicher. (Köln. Ztg.)
Petersburg, 29. Febiuar. Wie die russische „Petersb. Zeitung" meldet, ist die Verhaslurg der Vera Saffuliisch am vorigen Mittwoch hier in Petersburg erfolgt. Die Saffuliisch wurde in der Wohnung eines Marine- Osficiers, zu dessen Frau sie in freundschaftlichen Beziehungen stand, f st- genommen- (Diese Nachricht wird jedoch heute als falsch dementirt. D- R-) |
Telegraphische Depeschen.
Wagurr's telegt. Correspondeur ■ Bnreau.
Berlin, 2. März. Reichstag. Fortsetzung der Berathung der Militärvorlage. — v- Frankenberg erklärt, daß er und seine politischen Freunde sich den gestrigen Aus- | führungen des Grafen Moltke voll anschließen und füi die Vorlage stimmen würden. : Er bedauert, daß das Centrum nicht auch diesem Gesetze gegenüber mit den konservativen Hand tn Hand gehe. Gegenüber der gestrigen Bemerkung Relchensperger's i bezüglich der Abrüslung hebt v. Frankenberg hervor, der geeignetste Mann, sich an die Spitze solcher Bewegung zu stellen, sei der Papst. Redner weist hin auf die Entwickelung der Verhältnisse in Frankreich. Die radikaleren Parteien :n Frankreich gewännen immer mehr die Oberhand. Die Friedfertigkeit Deutschlands sei über jeden Verdacht erhaben. . v . . , r .
v. Stauffenberg führt aus, daß wohl nur sehr wenige Mitglieder im Hause seien, die von vornhereien entschlossen seien, die Vorlage unter allen Umständen abzulehnen- Redner weist aber zugleich auf die schwere Verantwortlichkeit hin, vor die der Entwurf i den Reichstag gestellt habe- Das sei eine Verantwortlichkeit nach allen Seiten hin, j auch denen gegenüber, denen man neue Lasten auflegen wolle. Die Vorlage werde für | die Zukunft einen Markstein in der Geschichte der Entwickelung unseres Constitntio- nalismus bilden. Der Minister hatte gestern Recht darin, daß der Reichstag bisher nie seine Verantwortlichkeit vergessen habe, welche er für die Wehrkraft des Landes trage; er hatte auch Recht darin, daß die Vorlage eine ernste Prüfung erheisch-. Sollte diese Prüfung nach der einen oder anderen Seite ein Resultat ergeben, das von dem Entwürfe abweiche, so sei doch dem Auslande gegenüber Eines nölhig zu constatiren, daß über die Rothwendigkeit der Aufrechthaltung der Wehrkraft selbst im Reichstage nur eine Meinung herrsche. Die Vorlage muthe dem Reichstage nicht blos den Verzicht auf sein eigenes conslitutionelles Recht, sondern auch den weiter gehenden Verzicht auf das Recht zweier künftiger Reichstage zu. Das Septennat von 1874 hatte seine Begründung darin, daß es sich damals um Eonsolidirung relativ unfertiger Verhältnisse handelte; das Septennat von heute aber habe ein wesentlich anderes Ansehen. Graf Moltke sagte gestern, heute sei der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, gewisse allgemein gewünschte Reformen auf dem Gebiete des Militärwesens durchzuführen. Aber fei der Augenblick besonders geeignet, diese Reformen auf mindestens 7 Jahre zu vertagen? Die Gesinnung des deutschen Volkes seinem Heere gegenüber biete alle Garantie gegen einen plötzlichen Umschlag; es sei deßhalb unnöthig, dem künftigen Reichstage aus sieben Jahre die Hände zu binden.
v. Maltzahn-GiUtz erklärt sich für die Vorlage, da er und seine Freunde von der Rothwendigkeit der Mehrbewilligung überzeugt seien. Windthorst erklärt sich für die Ueberweisung der Vorlage an eine Commission. Das Endurtheil über Annahme oder Ablehnung könne erst nach einer eingehenden commissarischen Prüfung gefällt werden. Die Bereitwilligkeit aller Parteien, die Integrität des Vaterlandes zu schützen, schließe nicht aus, daß man jede Mehrforderung der Militärverwaltung prüfe, und nur bewillige, wenn man von der Rothwendigkeit derselben überzeugt sei, was die bisherige Debatte nicht dargethan. Die Thronrede und die Aeußerungen des Krieasminifters ließen von einem besonderen Ernst der momentanen Lage nichts merken- Andere offi- ciclle Aeußerungen lägen noch nicht vor. Die Erfahrungen des letzten Krieges ließen unsere Armee als jeder Gefahr gewachsen erscheinen. Um einer europäischen Koalition gewachsen zu sein, müßten doch ganz andere Anstrengungen gemacht werden. Dazu sei kein Staat im Stande. Daher müsse jeder Staat seine Politik einrichten, daß er feine europäische Koalition gegen sich habe oder doch über entsprechende Allianzen verfüge. Ueber das Bündniß mit Oesterreich liege zwar keine officielle Nachricht vor, dach scheine es zu bestehen. Dem Staatsmanne, der es zu Stande gebracht, gebühre dafür Dank- Ein festes Bündniß mit Oesterreich biete eine Garantie des Friedens in Europa und die Möglichkeit der Abrüstung. Umsoweniger könne er die Rothwendigkeit der Vermehrung des Militärs einsehen. Windthorst wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen Bennigsens und v- Treitschkes, die ihn nicht überzeugt hätten, obwohl er gerade zu dieser Vorlage sein Rein nur schweren Heizens abgeben könne. Man solle nicht nur der bloßen Gewalt vertrauen. Die Stärkung und Pflege der ethischen und religiösen Momente im Volke sei bedeutsamer für die Festigkeit des nationalen Lebens als die Schaffung neuer Armeecorps. — Bebel erklärt, wenn wirklich ein äußerer Feind einmal deutsches Gebiet bedrohe, werde auch die Socialdemokratie gegen solchen Feind Front machen. Die Gefahr eines russisch-deutschen Krieges sei aber nicht so groß und die Chancen eines solchen wären für uns günstiger als die gestrigen Reden dargestellt hätten. Die Besserung der wirthschaftlichen Krisis sei noch nicht abzusehen; die fortwährenden Kriegsdrohungen lasteten schwer auf Handel und Gewerbe.
Gneist sucht historisch nachzuweisen, daß die Forderung einer Präsenzstärke von ein Vrocent der Bevölkerung gerechtfertigt und der heutige Aufwand für das Militär verhaltnißmäßig geringer fei als zu anderen Zeiten im preußischen Staate.
Es folgt hierauf eine Reihe persönlicher Bemerkungen von Seiten Bennigsens, Wiudthorsts, Richters und Reichenspergers. Hierauf beschließt das Haus die Vorlage einer Commission von 21 Mitgliedern zu überweisen.
Es folgt Fortsetzung der Etatsberathung. Rickert berichtet Namens der Budget- Eommi'sion über den Etat für das Reichsamt des Innern, soweit derselbe der Commission überwiesen ist. Das Haus acceptirl deren Anträge nach kurzer Debatte. Bei dem Etat des Gesundheitsamtes verlangten Mendel und Zinn Auskunft über den von dem Professor Hirsch erstatteten Bericht über die Pest und tadeln die Geschäftspraxis des Gesundheitsamtes als unzweckmäßig. Geheimerath Möller und ©taatsfecretär Hofmann nehmen die angegriffene Reichsbehörde in Schutz und stellen Hirsch's öffentlichen Erklärungen gegenüber das Vorgehen des Reichsgesundheitsamtes als correct und angemessen dar.
Nächste Sitzung Donnerstag.
Petersburg, 2. März. Heute Vormittag 10 Uhr wurde vor dem Winterpalais ein Ständchen gebracht. Gelindes Wetter mit durchblickendem Sonnenschein begünstigt die Feierlichkeit. Die Empfangscour findet nach 12 Uhr statt. Bald nach 10 Uhr nahmen auf dem kleinen Platze vor dem Wtnterpalais Deputationen von je 100 Mann von jedem Garde-Regiment Aufstellung. Eine unabsehbare Volksmenge füllte beide Plätze vor dem Palais an. Um lO1^ Uhr erschien der Kaiser auf dem Balkon, von den Soldaten und der Volksmenge mit unbeschreiblichem Jubel empfangen und verweilte etwa eine halbe Stuude auf dem Balkon, fortgesetzt mit freudigen Zurufen und Segenswünschen der zahllosen Menschenmenge begrüßt. Während ein Mufikcorps die Hymne „Gott erhalte den Czaren" spielte, wurden 101 Kanonenschüsse gelöst. Zugleich begannen die Glocken sämmtlicher Kirchen zu läuten. \
Gegenwärtig — 11% Uhr — beginnt in der Kirche des Winterpalais der FestgotteSdienst. Die Stadt ist bis in die entlegentsten Theile reich mit Flaggen geschmückt. Aus allen Gebieten des Reichs, aus allen Gesellschaftskreisen sind zahlreiche Adressen, Geschenke und Darbringungen aller Art eingegangen. Die mannigfachsten Stiftungen zum G-dächtnisse des Tage- wurden gemacht.
— Nach dem Dankgottesdienst in der Kapelle des Wtnterpalais fand die Empfangscour stalt. Das diplomatische Corps war vollständig erschienen. Alle Säle waren vollständig überfüllt. Vor dem Empfange des diplomatischen Corps waren der Reichsraih in corpore und sämmtliche Minister vom Kaiser empfangen worden. Augenblicklich (2% Uhr Nachmittags) erfolgt der Empfang des Senats, welchem sich der Empfang anderer Körperschaften und Anstalten und darauf derjenige der Schülerinnen der weiblichen Kconsttfte anschließt. Bet dem Erscheinen des Kaisers auf dem Balkon am Morgen war die Großfürstin-Thronfolger an seiner Seite. Die Großfürstin macht gewissermaßen die Honneurs an Stelle der leidenden Kaiserin.
— Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, durch welchen verschiedenen Klaffen der Bevölkerung eine ganze Reihe von rückständige.» Abgaben und Geldbußen erlassen wird. — Der gesammte Reichsraih überreicht dem Kaiser um 11 % Uhr eine Glückwunsch-Adresse. Die Vertreter des Petersburger Adels sprachen ihre Glückwünsche tn einem an den Minister des Innern gerichteten Schreiben aus.
— Sämmtliche Blätter feiern den heutigen Festtag durch Leitartikel und drücken in ihren Rückblicken auf das verflossene Vierteljahrhundert dankbarste Anerkennung für die durch den Kaiser gewählten großartigen und wohlthätigen Resormen aus. Einstimmig wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß weder auswärtige Schwierigkeiten, noch innere Feinde im Stande seien, den regelrechten Entwickelungsgang Rußlands und die Anhänglichkeit des Volkes an den Kaiser zu erschüttern.
Petersburg, 2. März. Der „Regierungsbote" bringt an der Spitze des Blattes ein vom 22. Februar dattrtes, vom Fürsten Bismarck contra» signirtes Schreiben des Kaisers Wilhelm an den Ka fer von Rußland, welches folgendermaßen lautet: Die bevorstehende Wiederkehr des Tages, an welchem Er>. Majestät vor 25 Jahren die Regierung angetreten, bietet Mir erwünschten Anlaß, Meiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß die Freundschaft, welche Unsere in Gott ruhenden Väter verband, sich auch in Unseren gegenseitigen Beziehungen bewährt hat. In dem Rückblick auf die Zeit, in welcher sich diese Freundschaft bewährte, finde Ich die Zuversicht, daß sie bis an Mein Lebensende ungetrübt bestehen wird. Für Ew. Majestät aber erflehe Ich von Gott, daß Sein Schutz, der Sie in diesem Jahre und noch in diesen Tagen wunderbar behütete, Hochdieselben Ihren Völkern und der Mission segensreichen Wirkens, welche die Vorsehung in Ihre Hand gelegt, noch lange erhalten möge. Mit besonderem Vergnügen benutze ich diese für Hochdieselben und Hochdero kaiserliches Haus so erfreuliche Gelegenheit, um die Versicherung wahrer Hochachtung und unwandelbarer Freundschaft zu erneuern.
Berlin, 2. März. Dem feierlichen Gottesdienste in der russischen Botschrstö-C'pelle a'lläßl ch des Regierungsjubiläums des Ziren wohnten bei Prinz Carl in russischer Feldmarschalls Uniform, Prinz August von Württemberg und als Vertreter des Kaisers die Generale v. d. Goltz und Prinz Radziwill; ferner vom auswärtigen Amte die Geh. Räihe v. Philippsborn und v. Radowitz, Graf Herbert Bismarck; Wetter die Hofmarschälle und Adjutanten der königlichen Prinzen; die Stabsoffiziere des Kaiser Alexander Grenadier- und des 6. Kürassier-Regiments und das gejammte Offiz ercorps des in Breskow und Fürstenwalde stationirten 3. Ulanen Regiments Kaiser Alexander.
Petersburg, 2. März. Nachmittags 53/4 Uhr waren die Empfangs- Ceremonien im Wtnterpnlais beendigt. Die Betheiligung war eine außerordentlich große. Als der Kaiser mit seinem glänzenden und sehr zahlreichen Gefolge die verschiedenen Säle durchschritt, wurde derselbe mit lebhaftem Enthusiasmus begrüßt. Die Adresse des Reichsratbs wurde von dem Großfürsten Konstantin verlesen. Der Kaiser erwiederte hierauf, indem er fei icn Bruder umarmte. Bei dem Empfang des diplomatische Corps hatte der Kaiser für jeden ein gnädiges Wort. Derselbe beauftragte die Vertreter der fremden Staaten ihren Höfen und Nationen für die ihm zu Theil geworbenen Beweise der Sympathie seinen Dank auszusprechen. Zwischen 2 und 3 Uhr machte der Kaiser eine Fahrt durch mehrere Straßen, wobei er von einer zahllosen Volksmasse überall mit nicht enden wollenden Jubel begrüßt wurde. Unter den stattgehabten Gnadenbeweisen und Verleihungen b findet sich die Erhebung des Gcheimeraths Walujeff in den Grafenstand. Oberstkämmerer Graf Chrep- towttsch erhielt den Andreas-Orden, der Finanzmmister Greigh und der Geheimerath Abasa den Wladirnir^Orden 1. Classe, Staatssecretär Nabokoff den Alexander N wöky Orden in Diamanten.
Petersburg, 2 März, Abends 63/^ Uhr. Die Feier des Regierungs- Jubiläums ist ohne Zwischenfall verlaufen. Ueberall herrscht eine freudig erregte Stimmung. Große Menschenmaffen durchziehen die Straßen in Erwartung der Illumination, welche glänzend zu werden verspricht. An verschiedenen Stellen sollen Militär-Musikchöre spielen. Nirgends war eine Störung oder eine Stockung im Verkehr wahrzunehmen. Im Börsensaale ist ebenfalls ein feierlicher Dankgottesdienst celebrftt worden. Abends findet im Theater Festvorstellung statt.
Lokales.
Gießen, 3. Marz. Se. Königs. Hoheit der Großherzog trafen heute Mittag 11 Uhr 43 Min auf hiesigem Bahnhofe ein und reiften um 12 Ubr nach Lich wi der ab, um der Beerdigung Sr. Durchlaucht des Fürsten Ludwig zu Solms-Hohensolms- Lich beizuwohnen.
Gießen 3. Marz. ^Sterblichkeit in Gictzen.j Die Zahl der Sterbfälle während der Woche vom 22. bis 28. Februar belief sich in hiesiger Stadt im Ganzen auf 9. Es starben 4 Kinder, nämlich ein Zwillingspaar in den ersten Lebenstagen an allgemeiner Körperfchwächc. ein Mädchen von 4 Jahren an Gehirnentzündung und ein Ljähriger Knabe an Diphteritis. Bei den 5 erwachsenen Personen erfolgte der Tod 2mal durch Recurrensfieber, Imat durch Schlagfluß, Imal durch Lungenfchwindsucht Imal durch eine Wschenbettkrankheit. G.
— Am Montag Nachmittag wurden einem Arbeiter auf dem Lahnstein aus der Rocktasche 2 Jt. gestohlen. Der Verdacht lenkte sich auf einen übel beleumdeten Burschen von 17 Jahren von hier. Derselbe wurde verhaftet und hat heute Morgen den Diebstahl eingeftanben.
— Heute Nacht ist die Pfarr-Scheuer in Alten-Buseck abgebrannt Zufolge ihrer ifolirten Lage konnte das Feuer glücklicherweise nicht weiter um sich greifen. Es wird dies auch wohl die Ursache gewesen sein, warum fein Feuerbote hier anwesend war.


