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Fahrt nach der Westküste von Südamerika antreten sollte, erhielt Plötzlich in l Plymouth, wo sie Kohlen einnahm, durch Telegramm den Befehl, nach Malta j zu segeln und hat die Fahrt dahin bereits angetieten. Ein feineres größeres ; deutsches Kriegsschiff wird wahrscheinlich bald nach dem Mittelmeere folgen. \ Augenblicklich Liegt vor Konstantinopel zur Disposition des deutschen Botschaf­ters nur der kleine AvtsodampserLoreley." In den chinesischen und den japanischen Gewäffern ist die deutsche Krtegsflagge augenblicklich durch die Lelden großen VolldeckscorvettenVineta" undFreya" und die beiden kleinen Kanonenboote 1. KlaffeCyclop" undWolf" vertreten. Sollte es, wie es jetzt allen Anschein hat, daselbst zu einem Seekriege zwischen Rußland und China kommen, so ist der Plan, diese 4 Fahrzeuge zu einem besonderen Ge­schwader zu vereinigen, um auf solche Weise das bei kriegerischen Wirren etwa daselbst gefährdete deutsche Eigenthum kräftiger schützen zu können. Als Ge- schwaderchef bezeichnete man den Capttän zür See, Grafen Monts, zuletzt Commandant der untergegangenen FregatteGroßer Kurfürst", der früher schon längere Zeit in den chinesischen Gewässern stationirt war. Die Befehls­haber aller in fernen Gewässern stationirtcn deutschen Kriegsschiffe sollen neuer­dings wieder die Weisung erhalten haben, alle Wünsche und Anordnungen der österreichischen Consulate, soweit es österreichische Interessen zu schützen gilt, mit allen Kräften möglichst zu unterstützen.

Stuttgart, 31. Juli. Bei dem gestrigen Fest zur Eröffnung der Effenbahnstrecke Kißlegg-Wangen hielt Ministerpräsident v. Mittnacht in Wangen eine Rede, in welcher er den Zusammenhang der Steuerlast mit den Sisenbahn- bauten betonte, der Bereitwilligkeit der Steuerzahler Anerkennung zollte und schließlich der Ständeversammlung ein Hoch ausbrachte. Die Stadt Wangen hat die Abgg. Dr. Elben und Dentler, sowie den Oberbaurath Schlierholz zu Ehrenbürgern ernannt.

Hesteneich.

Wien, 31. Juli. DiePolit. Corresp." meldet: Der Fürst von Rumänien geht nächstens zum Besuche der kaiserlichen Familie nach Ischl. Der Fürst von Serbien wird gleichfalls in Ischl erwartet.

Ilrankreich.

Paris, 31. Juli. Das JournalLe National" bestätigt, daß die Regierung Angesichts der gerechtfertigten Beunruhigung, die sich in der Presse und im Publikum kundgegeben, darauf verzichtet habe, eine militärische Mission nach Griechenland zu senden. Die Nachricht, daß der Graf St. Ballier nach Ablauf seines Urlaubs nicht nach Berlin zurückkehren dürfte, ist derAgence Havas" zufolge unbegründet.

Kngland.

Loudon, 30. Juli. General Sir Evelyn Wood, der die Kaiserin Eugenie nach dem Caplande begleitete, überbringt Mittheilungen über den Tod deS Prinzen Louis Napoleon, die ihm von 18 Zulus gemacht worden, welche an dem Angriff auf die Recognosctrungs-Expedition am 18. Juni 1879 bethetligt waren. Sein Bericht lautet wie folgt:Der angreifende Thetl zählte ungefähr 40 Mann, von denen 12 dem Prinzen zu Leibe gingen und 7 oder 8 unmittelbar an der Tödtung betheiligt waren. Die Zulus, welche die Angegriffenen beinahe umzingelt hatten, gaben Feuer und stürzten sich dieselben, gerade als die Ueberraschten sich in den Sattel schwingen wollten. Der Prinz, dem dies nicht gelungen war, lief neben seinem Pferde her, bis es sich, am diesseitigen Erdaufwurf des Donga, etwa 200m von dem Kraal entfernt, wo man abgesattelt hatte, von ihm losriß. Der Prinz folgte seinem Pferde in das Donga; dort bot er den ihn hart bedrängenden Verfolgern die Stirn nach dem Ausspruch der Zulus selber, wie ein von Feinden um­stellter Löwe. Von einem Assegai unterhalb der linken Schulter getroffen, stürzte er sich auf den nächsten Gegner, welcher aus dem Donga floh, und traf dabei mit einem andern Zulu zusammen, welcher aus einer Entfernung von 10m auf den Prinzen Feuer gab. Der Prinz erwiderte das Feuer mit seiner Pistole und hielt ftine nunmehr rasch anwachsenden Feinde in Schach, bis er, rechts im Rücken bedroht und von einem andern Assegai getroffen, sich nach der ebenen Stelle zurückzog, wo er zuerst in dem Donga gestanden und nunmehr rasch umzingelt wurde. Er bemächtigte sich dort eines nach ihm ge­schleuderten Affegats, da ihm während seiner Bemühungen, das erschreckte Pferd zu bändigen, der Säbel aus der Scheide gefallen war. In dieser Weise ver- theidigte er sich gegen 7 bis 8 ZuluS, die es nicht wagten, ihm zu Leibe zu gehen, bis er vom Blutverlust erschöpft zusammenbrach." Sir Evelyn Wood fügt hinzu, daß die vorstehenden Thatsachen von den Zulus mitgetheilt wur- den, welche, einzeln und von den übrigen getrennt, an Ort und Stelle, wo der Angriff stattgesunden, vernommen worden waren.

Atalien.

Rom, 30. Juli. DerOffervat. romano" veröffentlicht ein Circular des Cardinal-Staatssecretärs Nina vom 25. ds. an die Vertreter des Vatikans in Beantwortung des Circulars des belgischen Ministers des Auswärtigen, Frere Orban, an die belgischen Vertreter im Auslande. Das Circular wider­legt die Behauptungen Frere-Orban's und sagt, der Abbruch der Beziehungen zwischen dem Vatikan und Belgien habe bereits einen Thetl des Programms Frere'Orban'S mit dessen Eintritt in das Ministerium gebildet und habe er nur einen Vorwand abgewartet, um dasselbe auszuführen.

Rußland.

Petersburg, 31. Juli. Einer officiellen Meldung aus Bami von gestern zufolge unternahm General Skebeleff am 13. d. eine Recognosctrung tn der Richtung von Geoktepe. Nach der am 17. Juli erfolgten Besetzung von Egrany und Batirkala unternahm General Skobeleff eine wettere Recog­nosctrung tn der Richtung der Aule Dengli und Geoktepe, wobei die Russen auf bedeutende Massen feindlicher Kavallerie stießen und bis zu den äußeren Mauern der befestigten Aule vordrangen. Nach bewirkter Terrainaufnahme und nachdem ein Angriff der Tektnzen zurückgewiesen worden war, kehrten die russischen Truppen am 22. Juli nach Bamt zurück. Der Gesammtverlust der Russen im Verlaufe von 9 Tagen betrug 3 Todte und 8 Verwundete. Unter­wegs hatten die russischen Truppen dem Feinde großen Schaden durch Ver­nichtung der Saatvorräthe beigebracht. Die in Geoktepe concentrirten 10,000 Tekinzen, mit denen sich gegen 700 Mann Truppen aus Merw vereinigten, fangen bereits an, Vorrathsmangel zu empfinden. Der Gesundheitszustand der russischen Truppen ist ausgezeichnet.

Telegraphische Depesche«.

Wagser'» telegr.

London, 2. August. Gladstone ist an einer Affecrion der linken Lunge mit Fieber verbunden erkrankt. Am gestrigen Nachmittag war das Fieber ge­ringer; nach dem Bulletin Abends 8l/2 Uhr der Zustand jedoch wieder un­günstiger und das Fieber stärker.

London, 1. August. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Quetta: Nach Berichten von Eingeborenen wurde die Kavallerie und Artillerie des Generals Burrow durch die scheinbare Flucht der afghanischen Kavallerie zur Verfolgung verleitet und fiel tn einen Hinterhalt, worauf daö ganze Heer Ajub Khan's die Truppen des Generals Burrow angrtff. Letztere haben sich unter starken Verlusten nach Kandahar zurückgezogen.

München, 2. August. Der Professor der pathologischen Anatomie, Buhl, ist gestorben.

London, 2. August. Gladstone hatte eine schlaflose Nacht. Das Fieber dauert fort; der Zustand ist aber nicht verschlimmert.

Vermischtes.

Bern, 27. Juli, lieber das bereits gemeldete furchtbare Unglück auf dem Bieler See bringt das Bieler Tagblatt von einem Augenzeugen noch folgende Mittheilung: Schon am Sonntag Nachmittag zeigte die Oberfläche des Sees eine unheimliche Fär­bung; violette, gelbliche Streifen wechselten mit smaragdgrünen oder schwarzbraunen Stellen. Die Schiffer zuckten die Achseln; ein Gewitter mußte sich im Laufe des Nach­mittags über den See entleeren. Es kam in der That gegen 3Vr Uhr, war aber ganz mild. Die Schwüle und lästige Spannung dauerte fort und gegen 74/2 Uhr kam von Neuenburg her em zweites Gewitter, an Ungestüm das vorausgegangene bedeutend übertreffend Wie eine schwarze Mauer zogen die Dunstmassen heran, weiße, zerfetzte Wolken waren ihre gefährlichen Vorboten. Blitz auf Blitz zuckte aus diesem unheil- schwangeren Chaos heraus. Um diese Zeit fuhr der Dampfer Neptun (nicht die Schwalbe, wie es hieß) von der Peters-Insel gegen die Bucht von Engelberg, um dort Schutz vor dem hereinbrechenden Wetter zu suchen. Das Schiff hatte mit einer Ge­sellschaft von 17 Personen aus Biel einen Sonntags-Ausflug nach Auvernier am Neuenburger See gemacht und war also auf der Heimfahrt begriffen. Etwa 40050üm von Wingreis entfernt, wurde das Fahrzeug plötzlich von furchtbar heftigen Wmd- stößen angefallen Statt daß nun der Neptun mit feiner Längenaxe in die Windrich­tung gestellt, bezw. ganz einfach dem Winde zum Spiel überlasten worden wäre, sche.nt die das Schiff leitende Person in Unkenntniß dieser ersten nautischen Regel ihr Ziel durchaus auf Engelberg gerichtet zu habe«; es war das um so gefährlicher, als die Kajüte auf das Verdeck gesetzt war und somit dem Winde noch mehr Fläche bot. Es erfolgten nun einige furchtbar heftige Windstöße, der See war ganz weiß, und plötzlich sah man den Neptun nicht mehr er war umgeworfen und versunken und hatte alle, die aus ihm waren, bis auf zwei mit sich in das Wellengrab gerissen. Zehn Minuten vorher tönte in der Kajüte noch heiterer Gesang der lebensfrohen Gesellschaft, und jetzt war der Tod rasch an das blühende Leben herangetreten. Mittlerweile hatte das Sturmgeheul aufgehört. In Tüscherz hörte man um Hülfe rufen- Zwei mit beherzten Schiffern bemannte Barken stiegen bald vom Lande und fuhren in der Richtung des Nothgeschrcies auf den nun ziemlich ruhigen See hinaus. In der Nahe von Sutz trafen sie ein Schifflein, an dem sich die Herren Engel und Tschanträ angeklammert hatten. Beide waren furchtbar erschöpft und hätten sich nicht mehr lange über Wasser halten können. Es scheint, daß die Kette, welche dieses Nothschiffchen mit dem Neptun verband, beim Umschlagen des Dampfers gerissen war; so war dasselbe frei geworden und konnte von den Genannten, welche als gute Schwimmer wieder an die Oberfläche gelangten, erreicht werden. Ein dritter, Hr. Zigerli, scheint auch versucht zu haben, sich durch Schwimmen zu retten. Seine Leiche wurde gestern Morgen in der Nähe des Ufers beim Steinbruch in der großen Bucht zwischen Tüscherz und Engelbeng gesunden. Hr. Zigerli, dessen Gattin mit dem Neptun in dem Wellengrabe versank, hinterläßt sechs noch unerwachsene Kinder. Den anderen verunglückten vier Ehepaaren meinen keine Kinder nach. Die Trauer um sie wie um ihre andern Schicksalsgenossen ist gleich­wohl eine allgemeine; alle befanden sich in schöner Lebensstellung, in der Blüthe ihrer Jahre. Auch am Montblanc ist vergangene Woche lautGenevois" ein (englisches) Ehepaar verunglückt, die Frau ist tobt, der Mann schwer verletzt.

Wiesbaden, 27. Juli, lieber das gestrige Unwetter schreibt derRhein Cour.": Die niederströmende Regenmenge fiel so dicht, daß man mehrere Minuten vom Rasenplatz vor dem Kurhause die HotelsZu den vier Jahreszeiten" undZum Nastauer Hof" nicht mebr erblicken konnte. Dabei ging ein unheimlich dumpfes Sausen durch die Luft und un Nu knickten upd knackten dreifach und vierfach mannesarmdlcke Aeste der Platanen auf der Seite vor der neuen Kolonade, langgestreckte Aeste, die einen von 1, die andern von 3 Fuß im Durchmesser, wurden von der eyklonartigen Windsbraut wie dünne Zwirnfäden schraubenförmig abgedreht unv mit Riesengewalt auf das gußeiserne Geländer geschleudert, daß sie thetl- zerbrachen, tbeils formlos zerbogen, die schönen Figuren der Blumenteppichgärtnerei völlig vernichtend. Noch schauderhafter hat der Wirbelwind im Park hinter dem Kurgebäude gehaust; das große, schwere Schild des Jäger'scken Scheibenstandes wurde wie spielend herausgerissen, die Bänke unter dem hübschen Pappenrondel hinter dem Thierparke sind von den mächtigen tote abrasirten Pappel­stämme in kleine Trümmer geschlagen, die Silberpappeln im Htrschpark hat die Windsbraut ebenfalls gefällt und auf das Geländer geschleudert, so daß dieses zertrümmert wurde und die Thiere das Freie suchten (dieselben sind jedoch bald wieder von Kursaal>Bediensteten eingefangen worden); im Ganzen sind im Kurpark binnen höchstens nur drei Minuten nahezu hundert Bäume schwer beschädigt und über vierzig davon unten oder in der Mitte des Stammes ab- gebrochen worden. Merkwürdigerweise erstreckt sich dieses Feld der Verwüstung in den Anlagen genau bis zu dem Verbindungswege von der Sonnenberger- biS zur Parkstraße, von der städtischen Gärtnerei bis zur Villa Duderstadt, jenseits dieses Verbindungsweges ist von der Zerstörung fast nichts wahrnehmbar und namentlich ist in der neuen Anlage bei der Dieten- mühle auch nicht ein Bäumchen geknickt.

(Bruder Studio vom Cultusminister geaicht.s Zu der am 3. August stattftndenden Einweihung des Akademregebäudes in Münster hat der preußische Cultusminister lautKöln Dolksz." zur Bestreitung sämmtltcher Kosten, incl. des Festdiners, an welchem nur die geladenen Gäste theilnehmen werden, und des Festcommerses, bei dem für jeden Studirenden 15 Glas Bier bestimmt sind, 7500 bewilligt.

SehlflfeberAclit» Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyv C. W» Dietz in Gießen.

Bremen, 30. Juli. fPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Main, Capt. I. Barre, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Juli von Bremen und am 20. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newpork angekommen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 31. Juli. (Marktbericht.» Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Altes Heu kostete je nach Qualität der Eentner JL 3.004.00, neues Heu 2.503.00, Stroh JL 2.00-3.50 Butter das Pfd. tm Großen 1. Qual. JL 0.90-00, 2. Qual. JL 0.70-80, im Detail das Pfd. JL 1.1000, 2. Qual. JL 1.0000. Eier das Hundert ital. X 6 20, deutsche Eier 4.80 X. Ochsenflench per Pfund 7000 Kuh-, Rind und Farrenfleisch 4560 H, Kalbfleisch 5055 Hammelfleisch 4565 H, Schweinefleisch 70-75 H, ein Hahn X 1.002.00, ein Huhn X 2.00-3.30, eine Ente X 2.703.20, eine Taube 5000 H, Kapaunen X 33.50, Wälscher Hahn X 5 11. Kartoffeln 100 Ko. X 0.00-0. das Gescheid 10 H, Kohlrabi 57 Blumenkohl 1 St. 50-60 H, Wirsing 00-0 Gelberüben 1 Bund 6-10 H, Zwiebeln 1 Bund 20 Sellerie das Stück 50 Meerrettig 1 Stück 0000 H, Spargel das Pfund 0000 Radieschen 34 H, Artischoken 50 Erbsen das Pfund 00 H, Romain-Salat 30- 00 H, Bohnen 100 Stück 0.000 X, Gurken 1012 H.

Temperatur in Gießen. Juli 1880.

Niederste..........4- 4,8 ® R.

Mittlere +14,19

Mittel früherer Jahre +14,39

Höchste...........+24,5

Niederschlag an 19 Tagen 3,17 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen . . 2,86

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