Donnerstag den 3. Juni
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Gie ßen, am 28. Mal 1880.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß wir dem practtschen Thierarzt Dr. Schneider in Ltch mit Ermächtigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz gestattet haben, die nach dem Polizetreglement vom 28. April l. I. zur Unterdrückung des Milzbrandes — Anzeiger Nr. 102 — den Großherzoglichen Kreisveterinärzten obliegenden guncttoneu in denjenigen Fällen auszuüben, in welchen er zur Behandlung des betreffenden Thteres von dessen Eigcnthümer zugezogen war.
Diese Erlaubniß bezieht sich jedoch vorerst nur auf die Orte Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberftadt mit Arnsburg, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langsdorf, Lich mit Colnhausen, Muschenheim mit Hof-Güll, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Trais-Horloff und Utphe.
In allen diesen Orten sind jedoch die polizeilichen Requisitionen an den betreffenden Großherzoglichen Kreisvetcrinärarzt zu richten. Nur in den Orten Eberstadt, Lich und Ober-Hörgern ist es wegen der großen Entfernung derselben vom Sitze des Kretsveterinärarztes den Großherzoglichen Bürgermeistereien anheimgestellt, in den ihnen geeignet scheinenden Fällen auch den practtschen Thierarzt Dr. Schneider zu requtriren.
Gießen, den 28. Mai 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Zum Kirchenfrieden.
Eine Sturzwelle der kirchenpolitischen Hochfluth hat daS deutsche Reich überschwemmt; kaum können die Zeitungen die Fülle des gebotenen Materials bewältigen. Den Reigen eröffnete das kleine Blaubuch, welches Fürst Bis- mar^, um den Stand der Verhandlungen mit der römischen Curie zu kennzeichnen, der Oeffentlichkeit übergab. Es war die rasche Antwort auf die ^Drohung der päpstlichen Diplomatie, ihrerseits die Gläubigen mit dem Ver- -lauf der Angelegenheit bekannt zu machen, und es ist vielleicht der interessanteste Umstand in der jetzt eingetretenen Phase des weltgeschichtlichen Kampfes zwischen foem Staat und der Kirche, oder, wenn dies präctser klingt, zwischen Deutschland und dem Papstthum, daß die höchsten Träger der feindlichen Gewalten bereits in dem einen Punkte einig waren, daß es noch etwas Höheres gebe, als die Fülle ihrer eigenen Macht, nämlich die politische Allmacht der öffent- * lichen Meinung eines aufgeklärten Jahrhunderts. Veröffentlicht nunmehr der Papst auch noch die Stylübungen seiner Kardinäle und Nuntien, welche den Kamps mit der Feder wider das deutsche Reich führten, so tritt er ebenfalls vor den Rtchrerstuhl der Volksmeinung, vor ein Forum, welches sonst seitens der Kirche nur ungern und gezwungen betreten, dessen Machtspruch von ihm seit Jahrtausenden mißachtet worden ist.
Vor denselben Richterstuhl der öffentlichen Meinung treten außer dem Pappe und dem Reichskanzler noch andere hohe Persönlichkeiten und Träger feindlicher Systeme. Hier ist es nicht das Centrum, dessen Chamäleonsnatur heute noch keinen sicheren Rückschluß auf seine definitive Entscheidung in dem Histörchen Streite gestattet, welches die volle Ausmerksamkeit des Volkes, und, bei r 'internationalen Bedeutung des Culturkampses, aller Völker erregt, sondern der Proceß in Sachen Puttkamer contra Falk, der Aller Augen aus sich zieht. Es hieße ungerecht sein, wollte man nicht zugeben, daß der von der öffentlichen Meinung vielfach angeklagte Cultusmintster von Puttkamer eine überaus bedeutende oratorische Begabung an den Tag gelegt hat. An ihm erfüllt sich gewissermaßen die Wahrheit jenes alten Wortes: Es wächst der Mensch «mit ieiDen größer« Zwecken! Selbst die Gegner des Feindes der Simultanschulep,' e^nes freien Lehrerstandes und der liberalen kirchlichen Anschauungen müssen 'zugeben, daß die Absichten des Reichskanzlers keinen be- redteren Anwalt finden konnten, daß die Vertheidtgung deS sogenannten kirchlichen Wiükürgesetzes nicht glänzender geführt werden konnte und daß der preußische Cultusmintster es verstanden hat, sich Sympathien zu erwerben. Der Minister Fack, der die nach ihm benannte Gesetzgebung, die er mit seinem Herzblut geschrieben, mit innerster Ueberzeugung und mit glühendem Patriotis- mus verthetdigte, war sicherlich selbst überrascht, auch seinen Nachfolger auf dem Mintsterstuhl mit gleicher Wärme für seine gegenthetltge Meinung plaidiren zu sehen. ES fällt dem deutschen Volke durch diesen Wettstreit schwer, sich in seinem Urtheil fettig zu machen, denn es ist vor die schwierige Frage gestellt, ob es die sicherste Macht des Reiches, das Verharren aus dem Rechts-
möglichst zusammen placirt werden.
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Fabrikat zum Selbst- »r Fußböden, trocknet stunden bart und
Bern, 30. Mai. Die zum 1. Juli d. I. dem Weltpostverein beigetrttenen Länder sind die central-amerikanische Republik Ecuador, der amerikanische Freistaat Uruguay, die Babama-Jnseln in Westtndten und zur französischen Colonie Gabun gehörigen Factoreien Grand-Bassan Assinie. Es treten daher von diesem Datum an für diese Länder folgende Taxen in Kraft: für frankirte Briefe bis 50g 40c für unfrankirte 65c, für
einfache Postkarten 10c, für Drucksachen und Waarenmuster bis 50g 10c, für Geschäftspapiere bis 50g 10c, für Recommandationsgebühr nebst Scheiß
Frankfurt, 31. Mai. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat den Königlichen Eisenbahn-Directionen zur Förderung der Gesundheitspflege empfohlen, bet Erholungs-Ausflügen von Schülern eine entsprechende Ermäßigung des tarifmäßigen Fahrpreises zu gewähren. In Folge dessen hat die Königliche Etsenbahn-Dtrection Frankfurt bet derartigen Erholungs-Aus- flügen in Gesellschaft von etwa 40 Personen eine 50procentige Ermäßigung des Fahrpreises eintreten lassen, während bet einer Beteiligung von unter 40 Personen dieselbe sich die Genehmigung Vorbehalten hat. Sofern es sich um die Beförderung von Schülern über 10 Jahren handelt, soll jedem derselben ein einfaches Personen- oder SchnellzugBillet, je nachdem ein Personenoder Schnellzug benutzt wird, verabfolgt werden und dieses zur Hin- Rückreise berechtigen. Die Betheiltgten sollen durch den Lehrer legitimtrt
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boden, aufgeben soll zu Gunsten eines neuen, aber noch nicht bewährten Systems, bei welchem nicht das Recht, sondern die Geschicklichkeit der Diplomatie zu siegen berufen ist.
Das Zünglein der Waage schwankt. In der einen Schale ruht das gute Recht des Staates, die Macht der staatlichen Gesetze, in der andern liegt das Vertrauen des Volkes zum Fürsten Bismarck, sein unerschütterlicher Glaube an des Kanzlers Ausspruch: „Nach Canossa geh'n wir nicht!" Es wäre heute voreilig, das Urtheil der öffentlichen Meinung als völlig abgeklärt hinstellen zu wollen. Noch ist das Aktenmaterial nicht erschöpft, noch wird auch der andere Thetl, die katholische Kirche, gehört werden müssen. Wie auch die Würfel fallen mögen, so ist doch sicher, daß die geistige Thetlnahme des Volkes der Kirchenpolitik wiedergewonnen worden ist, und alle Unfehlbarkeit des Papstthums muß in die Brüche gehen, wenn es nicht endlich versteht, mit dem versöhnlich gesinnten modernen Staate, mit einem Volke, das auch seinen katholischen Mitbürgern zum Frieden und zur Zufriedenheit verhelfen will, mit dem Geiste eines fortgeschrittenen und aufgeklärten Jahrhunderts stch zu versöhnen.
Betreffend: Unterdrückung des Milzbrandes.
Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Bellersheim, Bettenhausen, Birklar. Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langsdorf, Lich mit Colnhausen, Muschenheim mit Hof-Güll, Obbornhofen, Ober- Hörgern, Trais-Horloff und Utphe.
Wir machen Sie auf vorstehende Bekanntmachung zu Ihrem Bemessen und zur geeigneten Bedeutung Ihrer Gemeinde-Angehörigen noch besonders aufmerksam.
Dr. Boekmann.
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Bekannt m a chu n g.
Bei dem Heranwachsen der Feldsrüchte machen wir auf die durch die Hagelversicherungs-Gesellschaften gebotene Gelegenheit zur Versicherung gegen Hagelschäden unter dem Ansügen aufmerksam, daß Collecten für Hagelschäden nicht statthaft sind.
Gießen, am 31. Mai 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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