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die es bisher für diesen Genuß verausgabte, zu vergrößern nicht in der Lage, wenigstens nicht gewillt ist. Bci alledem taucht toieber an vielen Orlen das beunruhigende Gerücht auf, der Reichskanzler gehe neuerdings ernstlich mit dem Plane um, das Schreckbild der in Rede stehenden Industrie, das Tabaksmonopol zur Einführung zu bringen. Nicht genug damit, daß man seit Jahren eine der blühendsten Jndustrteen Deutschlands mit allerlei Steuervrojecten und schließlich mit einem um 30y2 JL pro Ctr. erhöhten Zoll hcimgesucht und sehr empfindlich geschädigt hat, wird man vollends durch ein Monopol die Industrie zerstören, die Existenzen von vielen Tausenden bei der­selben bethetltgten Personen brach legen und dadurch zugleich die Steuerkraft im Allgemeinen verringern, ohne daß zu erwarten steht, das Tabakömonopol, ebenso wie in Oesterreich und Frankreich, zu Gunsten der Staatseinkünfte möglichst ausgebeutet, werde dem Reiche die verhofften hohen Erträgnisse liefern, da anzunehmen ist, daß, wie sich ja solches auch schon bei der jetzigen Tabaks­steuererhöhung gezeigt hat, Viele, an welche der Staat schon ohnedies hohe Anforderungen gestellt hat, bet einer derartigen Verkümmerung des gewohnten Bedürfniffes lieber auf das Rauchen verzichten werden.

Bringt man ferner in Betracht, daß man in Deutschland eine Industrie, die nach dem Bericht der Enquete-Commission etwa 700000 Menschen be- schäftigt, abzulösen hätte, wodurch von der Monopolverwaltung vor Allem eine Schuld zu verzinsen und zu amorttstren wäre, welche den in dem Referat des Herrn von Moser, eines Befürworters des Monopols, in der Enquete-Com­mission auf 125 Millionen Mark berechneten Jahres-Ueberschuß, eine Reihe von Decennien hindurch mindestens auf die Hälfte reduciren würde, wovon überdies noch die auf 30 Millionen geschätzten Verschleißkosten abgezogen wer­den müßten, so bleibt gegenüber den künftigen Einnahmen aus der jetzigen Tabaksteuer ein so kleiner Betrag übrig, daß man es in Berücksichtigung aller Verhältnisie unerklärlich findet, wie man ernstlich an die Einführung eines Tabakmonopols in Deutschland denken kann.

IlranKreich.

Paris, 31. März. Die Jesuiten, welche entschlosien sind, der Regie­rung das Liben so sauer wie möglich zu machen, haben die Advocaten Barboux und Sabatier angenommen, um durch dieselben alle juristischen Kniffe und Pfiffe erschöpfen zu lasten. Auch sollen, wie derVoltaire" erfährt, sofort 29 Proteste im Namen t)er 29 Jesuiten-Anstalten anhängig gemacht werden und jeder Director der 29 Erziehungs-Anstalten der Jesuiten wird einen feier­lichen Protest gegen die Decrete an den höheren Unterrtchlsrath richten. Auch haben die Jesuiten bereits zu den großen Ankäufen von Grundbesitz in Mo­naco, wo bis zum 2. November bereits die Bauten für zwei große Anstalten fertig sein sollen, vom Herzog von Osunna ein stattliches Schloß in der Nähe Madrids erworben. In Frankreich ist auch, wie derJndependance" vor. Paris geschrieben wird, das Gerücht verbreitet,ein Agent des Herrn v. Bis­marck habe den Jesuiten die Erlaubniß angeboten, nach Metz heimzukehren und daselbst das Collegium des heiligen Clemens wieder zu eröffnen." Die klerikalen Blätter bringen diesewichtige Nachricht" mit dem Zusatze,daß die Jesuiten abgelehnt haben, dieses Anerbieten zu benutzen." Das wird allerdings den Gläubigen impontren.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Correspvndeur Brrrearr.

Berlin, 1. April. Der Kaiser hat dem Fürsten Bismarck zu besten Geburtstag heute Nachmittag einen Gratulationsbesuch abgestattet. Prinz Wilhelm ist gestern Abend von England, die Erbprinzessin von Meiningen heute früh von Darmstadt zurückgekehrt.

Die Crpelle des Kaiser Alexander-Garderegiments brachte dem Für­sten Bismarck zu seinem heutigen Geburtstage eine Morgenmusik. Das diplo­matische Corps und eine Menge distinguirter Personen gaben ihre Karten ab. Aus allen Gegenden Deutschlands liefen eine große Menge Telegramme und Briefe mit Glückwünschen, sowie Blumenspenden und anderen Angebinden ein. Nachmittags concertirte das Musikcorps des 2. Garderegiments.

Ein Artikel derProv. Corresp." über die finanüelle Ausgabe des Reichstages bespricht hauptsächlich die Brausteuervorlage und schließt: Die Er­wartung sei wohl berechtigt, daß der Reichstag sich die Tragweite, welche der Entschluß der Ablehnung haben würde, zum vollen Bewußtsein bringe. Der Entschluß würde entweder die Erklärung des gegenwärtigen Reichstages bedeu­ten, den Grundgedanken der Steuerreform seinerseits fallen zu lasten, oder die Erklärung, daß unter den vorhandenen Mitteln, die Reichsetnnahmen genügend zu erhöhen, andere vor der zuletzt oder gar nicht in Betracht kommenden Brausteuer gesucht werden sollten. Im Sinne des Reichstages könne keine von beiden Erklärungen liegen.

Petersburg, 1. April. DiePetersb. deutsche Ztg." bringt wohl­verbürgte Notiz-n über die Entdeckung der geheimen Buchdruckerei in der Meschtschanskaja-Straße. Die Entdeckung fand in der Nacht vom 25. auf 26. März patt. Arretirt wurden 19 Personen. Die Buchdruckerei war eine sogenanntefliegende Typographie", die ihren Arbeitsort oft wechselte; es heißt, dieselbe habe den TitelFliegende Typographie des Nordischen Socia- listen-Vereins" getragen. Schnellpressen waren nicht vorhanden, sondern nur Handpressen. Die Arbeiter waren angewiesen, jeder für einzelne Apparattheile Sorge zu tragen, um im Falle der Überraschung zu wissen, was mit den an­vertrauten Sachen zu thun und wo dieselben htnzubringen seien.

Baden-Bade«, 1. April. Die Königin Victoria und Prinzessin Beatrice sind mit Extrazug von Darmstadt um 6i/3 Uhr Abends hierher zurückgekehrt.

Pesth, 1. April. Aus allen Theilen des Landes laufen Nachrichten über warmen, in ausgiebiger Menge gefallenen Regen und erhebliche Besserung des Saatenstandes ein.

Rom, 1. April. Die Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen ist hier eingetroffen, von Herrn v. Keudell und dem BotschaftSper- sonal am Bahnhof empfangen.

Mons, 1. April. In der Kohlengrube Anderlues hat eine Entzündung schlagender Wetter stattgefunden. Die Zahl der Verunglückten ist noch unbe­kannt. In der Grube waren 150 Bergleute beschäftigt. Bis jetzt sind 20 Leichen zu Tage gefördert.

London, 1. April. Die hiesige City wählte, wie zu dem vorigen Parlamente, 3 Conservative und einen Liberalen. DiePall Mall Gazette" (konservativ) ist der Ansicht, daß das bisherige Resultat der Wahlen alS eine

Niederlage des Ministeriums zu betrachten sei und meint, es sei nicht wahr- |d)e( ltd), daß die Wahlen von heute bis morgen das Resultat änderten. Es werde ein Wechsel der Regierung nothwerDig werden.

Rew-Aork, 1. April. Schatzsecretär Sherman erklärte in einer in Mansfield (Ohlo) gehaltenen Rede, unter Hinweis auf die bevorstehende Präsidentenwahl, die republikanische Partei werde die Wiederaufnahme der Baarzahlungen und die Fundirungs-Operationen aufrechterhalten, sowie die co »stitutionellen Amendements mit allen der Bundesregierung zu Gebote stehenden Mitteln zur Geltung bringen. Während des vergangenen Monats habe sich die Staatsschuld um 14 Millionen Dollars vermindert. Es sei dieses eine größere Reducrion als in jedem früheren Monate seit dem Bestände der Schuld.

Stuttgart, 2. April. Der bekannte Publicift, Rechtslehrer und ehe­malige ReichslagSabgeordnete Rey'cher ist in Cannstatt gestorben.

Lokales.

Gießen, 2 April. Die Ausstellung der Arbeiten desAüce-Vereins für Frauenbildung und Erwerb" am 23. und 24 März war zahlreich besucht und fanden die Arbeiten in den verschiedenen Zweigen der Weißnäherei wie des Kleidermachens allseitigen Beifall. Dieselben legen Zeugniß dafür ab, daß die Lebrerinnen wie Schülerinnen mit Fleiß ihrem Berufe obge­legen und dadurch so anerkennenswerthe Resultate erzielt haben.

Gießen, 2. März. Nach glaubhafter Mittheilung sind in Folge eines Ausschreibens des Directors des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen wegen Beschaffung von Saat- kartoffeln zehn Anerbietungen eingelaufen, davon neun von Angehörigen der Provinz Oberhessen. Der billigste Preis soll 3 JA H für den Centner der hier am Meisten verbreiteten Kar­toffelsorten gewesen sein. Man kann hieraus den Schluß ziehen, daß trotz des strengen Winters noch genügende Kartoffelvorräthe in der Provinz übrig geblieben sind, um die an einzelnen Orten eingetretenen Verluste zu ersetzen.

Gießen, 2. April. Mit der beginnenden Gartenarbeit geht es jetzt bei uns wieder frisch an das Vertilgen der Gartenhecken, das seit einigen Jahren Mode wird. Nicht lange, und wir werden nur noch gichtbrüchige Lattenzäune sehen, die nach ein paar Jahren zusammen fallen und den Passanten als gutes Kaffeeholz dienen. Möchten doch die Gartenbesitzer sich einmal überlegen, in welchem von folgenden beiden Fällen die Zahl ihrer besten Gehülfen, Der insectenfressenden Vögel, rascher vermindert und gründlicher vertilgt wird, nämlich 1) wenn alle bösen Buben und Katzen zusammen den Vögeln und Nestern nachstellen, von denen sie aber immer doch einige nicht fangen oder nicht finden werden; oder 2) wenn durch das Nasiren der Heckey der Bau der Nester überhaupt unmöglich gemacht wird, indem man die naturgeknäßen Brntstellen vertilgt. Eine Grasmücke nistet nun einmal ebenso wenig auf einem Apfelbaum, als eine Rauchschwalbe im Kartoffelfeld. Und man wundert sich noch, daß alle Mirabellen vollWürmer" (Jns-cten-Laroen) sind.

Wenn auch nicht sehr früh, so doch immerhin einen vollen Monat vor seiner Zeit, wurde uns gestern der obligate erste Maikäfer Überbracht. Wenn ihm nur der April schönes Wetter und feinen Rückschlag bringt!

Vermischtes.

XV. Hanau, 31. März. sZweite Geflügelausstellung) Obgleich immerhin noch 1V2 Wochen zwischen heute und Eröffnung der am 10., 11., 12. und 13. April in den heiz­baren Räumen desNürnberger Hof" dahier statthabenden zweiten Ausstellung des hiesigen Gcflügel- und Singvögelzucht Vereins liegen, sind bereits setzt schon Die Anmeldungen so zahl­reich wie voriges Jahr erfolgt. Zieht man nun in Erwägung, daß gerade in den letzten Tagen noch vielfach angemeldet wird, so dürfen sich Tauben-, Hühner, Zier- und sonstige Dogel-Lieb- baber der sicheren Hoffnung hingeben, sowohl in nummerischer Beziehung als in Mannigfaltigkeit der Arten eine recht reichhaltige Ausstellung anzutreffen, deren Besuch hiermit bestens empfohlen werden kann.

Düsseldorf, 27. März. Um den Dieb zu fangen, der ihm, wie er bemerkte, fortgesetzt aus seiner Ladenkaffe Geldbeträge entwendete, brachte ein hiesiger Handwerker insgeheim eine Vor­richtung an, durch welche in seiner Werkstätie eine Schelle in Bewegung gesetzt wurde, sobald Jemand ohne sein Dorwiffen di? Ladenkaffe öffnete. Vorgestern ertönte nun plötzlich die Schelle; der Meister eilte herbei, den Dieb zu erwischen und siehe da, es war seine eigene Frau, welche sich mit Hülfe der Ladenkaffe die Mittel zu einem neuen Kleidezusammensparen" wollte.

St. Wendel. Dieser Tage hat ein elfjähriger Dengel aus Urweiler auf dem hiesigen israelitischen Kirchhofe den Versuch gemacht, die Leiche eines vor kurzer Zeit dahingeschiedcnen israelitischen Lehrers auszugrabcn, um sich, wie er ganz unverfroren vor Gericht eingestand, des Sarges zu bemächtigen, der bann zum Aufenthaltsort seiner Kaninchen benutzt werden sollte. Bereits hatte der Bursche ein größeres Loch in das Grab gehauen, als ein junger Mann ibn überraschte und zur Rede stellte.

^Pariser Millionäre.) Ein Pariser Korrespondent derSchles. Ztg." erzählt: Frau Patti hat gegen ihre Gewohnheit eingewilligt, ausnahmsweise in Privatgesellschaften zu singen. Baron Hirsch bat bei ihr angefragt, ob sie wohl geneigt sei, gegen eine Entschädigung von 25,000 Fr. in seinem Hause zu fingen, und fügte, als sie zusagte, noch ein hübsches An­gedenken hinzu Neben dem Palast des Barons Hirsch befindet sich der noch großartigere des Barons Günzburg, der seine durch Branntweinpacht in Rußland erworbenen 5060 Millionen verzehrt. In derselben Straße hat auch Oberst Mackay, der 20 Millionen aus seinen kali­fornischen Silbergruben jährlich zieht, seinen Sitz aufgeschlagen. Den theuersten Schmuck, den Vouthesan je angefertigt, kaufte er zum Preise von 1,800,000 Frcs. für seine Frau. Ihm gegenüber wohnt sein Verwandter, der amerikanische Millionär Hungerford, welcher seine Tochter im vorigen Jahre an einen in Italien zum Grafen atancirten ehemaligen Armee­lieferanten verheirathete und der nun in der Avenue du Bois de Boulogne einen prachtvollen Palast bezogen hat."

SchifiFy bericht. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyd

tzt W. Dietz in Gießen.

Bremen, 28. März. fPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hermann, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. März von hier abge­gangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 30. März. fPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Neckar, Capitän W Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. ds. Mts. von Newyork abgegangen war, ist heute * Uhr Abends wohlbehalten in Southampton an­gekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 11 Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 107 Passagiere und volle Ladung.

Irischbäcker in Gieren.

Sonntag, den 4. April. Hermann Vogt, Seltersweg. Lonts Alemmrath, Neuenweg. Daniel Rühl, am Rathhaus.

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde;uGießen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 4. April.

Morgens: Pfarrverwalter Schöner. Nachmittags: Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 4. bis 10. April besorgt Pfarrverwalter Schöner.

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