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Adrige- nah Amtsblatt fit den Kreis Gießen
«N»sdtttO«OvMeeO«r ] Schulstraße B. 18.
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Jahre 1878 dem Reichstage gemachten bestimmten Zuficherungen des Herrn v- Etosch zu hegen berechtigt schien; wer aber den ganzen Verlauf der trau- rigen Angelegenheit mit Aufmerksamkeit verfolgt und namentlich die so ganz eigenartige Behandlung und Erledigung der dabet in Betracht gekommenen persönlichen Fragen gebührend gewürdigt hat, der mußte schon so lange sich sagen, daß zwischen dem, was Herr v. Stosch unter dem ersten Eindruck der Trauerbotschaft von Folkestone in erregter Gemüthssttmmung versprach und damals gewiß zu halten beabsichtigte, und dem, was er jetzt, nach nahezu zwei Jahren, während welcher Zett auch das erregteste Blut sich abzukühlen vermag, noch zu erfüllen gewillt ist, ein Unterschied sein werde, der ungefähr die Hauptsache der ganzen Angelegenheit ausmacht. Auch sehr bescheidenen Ansprüchen kann die als ganze Abfindung gebotene Darstellung in gedachtem Betblatte schwerlich genügen; vielleicht aber wäre es, ohne das einmal gegebene und nicht wohl völlig zu ignortrende Versprechen des Ministers nicht einmal zu dieser gekommen. Als eine der vornehmsten Ursachen der Folkestoner Katastrophe hat Herr v. Stosch gestern selbst die durch das damals noch geltende unzweckmäßige Rudercommando im entscheidenden Augenblick entstandene Störung und Unsicherheit in der Steuerbewegung bezeichnet und hauptsächlich hiermit die Notwendigkeit der sür die Kriegsmarine von ihm etngeführten durchgreifenden Aenderung des Rudercommandos begründet. Das Bild würde an Klarheit und Vollständigkeit gewonnen haben, wenn als nicht minder vornehme Ursachen die um öthtge und gefährliche Uiberstürzung in der Geschwader- bildung und die auf Reisen, besonders in belebten Gewässern und in friedlichem Zetten nicht minder unnöthtge und gefährliche enge Fohrordnung mit einigen Worten erwähnt, und auch die erfolgte grundsätzliche Beseitigung dieser Uebel- stände betont worden wäre. Betreffs der Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit des neuen Rudercommandos herrschen bekanntlich sehr gethetlte Meinungen ; während die Gegner sich besonders auf den dadurch herbeigeführten, gewiß nicht gering anzuschlagenden Nachtheil, daß Kriegs» und Handelsmarine ganz entgegengesetzten Vorschriften zu folgen haben, wissen die Anhänger der Neuerung dem gegenüber nicht minder tn>s Gewicht fallende Gründe vorzubringen. Wie es scheint, hat die gestern stattgehabte Generalversammlung der nautischen Vereine diese getheilten Meinungen so mathematisch deutlich wie möglich veranschaulicht: es sollen 1 i Stimmen für und 11 dagegen abgegeben worden sein. (Köln. Ztg.)
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Italien.
Airolo, 29. Februar, 7 Uhr Abends. Der vollständige Durchschlag des Stoller s im Gotthard-Tunnel erfolgte, wie ich Ihnen bereits mitgetheilt, um 11 Uhr 15 Minuten heute Vormittag. Die Nachricht, daß die Sonde von A rolo die letzte Wand durchbrochen, kam gestern Abend auf beiden Setten sehr überraschend, da die aus der Triangulation abgewettete Länge 7—8 Mtr. größer ist, als die im Tunnel selbst gemessene Distanz. Ob dies in der hohen Temperatur seinen Grund hat, durch welche die Meßstangen und Meßbänder über ihre normale Länge ausgedehnt werden, bleibt einer eingehenden Untersuchung Vorbehalten. Als die Sonde durchbrach, wurde auf der Göschener Seite geschultert, der Bohrer warf beim Durchbruch einige Felsbrocken in den Göschener Stollen; darob großes Entsetzen der Arbeiter, welche eine Explosion erwarteten. Doch sehr bald erholten sie sich von ihrem Schrecken; sie sprangen auf den noch hin- und herstoßenden Bohrer zu und suchten ihn zu erfassen und festzuhalten. Der Bohrer war aber so erhitzt, daß sie sich die Hände verbrannten und rasch loslaffen mußten. Das Bohrloch, auf der Airoleser Seite tn der dortigen Tunnelaxe begonnen, liegt auf der Göschener Sette ein wenig östlich, doch kann im Augenblicke über die Abweichung der beiderseitigen Tunneö Achtungen nichts anderes gesagt werden, als daß dieselben tn praktischer Beziehung vollständig überetnstimmen. Dasselbe gilt von der Höhenlage. Genauere Vergleichungen, welche namentlich theoretisches Interesse haben, werden von den Ingenieuren nach Beendigung der Festlichkeiten vorgenommen werden, wenn sich der Schwarm der Arbeiter, der jetzt im Tunnel verkehrt, allmählich verlaufen hat. Von Schlafen war natürlich tn der vergangenen Nacht keine Rede, jeder fühlte die Gewalt des Ereignisses; die Krönung des Riesenwerkes achtjähriger Arbeit war gesichert und mußte tn eben so viel Stunden wie man Jahre zur Arbeit gebraucht hatte, eine vollendete Thatsache sein. Nach vorhergegangener Verabredung führten um 7 Uhr Morgens unter dem jubelnden Zuruf der Bevölkerung und der am Tunnel versammelten Arbeiter und unter dem Donner der Geschütze zwei Züge die Ingenieure mit ihren Gästen, unter denen auf der Nordseite oer frühere eidgenössische Tunnel-Jnspector Koller, der Advocat der Unternehmung, Rambert, auf der Südseite der jetzige eidgenössische GotthardbahmJnspector Dapples, von beiden Seiten des Gotthard zur Feier der Beseitigung der letzten Scheidewand zwischen Nord und^üd tn den Tunnel hinein. Um 9y2 Uhr waren wir vor Ort. Von beiden Setten arbeiteten die Maschinen, die letzte Scheide von nur 0,33 Mtr. Dicke zu untermtniren. Airolo hatte die Donde durchgeführt; ihm wurde auch die Ehre zu Theil, uns durch die letzten Schüsse den Weg durch Den Gotthard zu bahnen.
Um 11 Uhr 15 Mtn. ertönten acht Detonationen, schwach, als ob der Fels seine Widerstandskraft verloren, und mit lautem Hurrah und EvvtvaS stürmten wir einander entgegen. Freund I Bruder! erscholl es von beiden Setten, und wir lagen einander in den Armen. Tunnel-Jnspector Kauffmann dankte tn warmen Worten den versammelten Ingenieuren und Arbeitern sür
Berlin, 29. Februar. Die russische ossictöse Presse sammelt Kohlen ruf das Haupt ihrer Berliner „unabhängigen" Collegin. So sagt das osfi- ciöse „Jourriol de St. Petersbourg" am Schluffe setr.es jetzt im Wortlaute vorliegenden Artikels : „Sollte es unserer Collegin darauf ankommen, sich über den Stand der russischen Befestigungen an der deutschen Grenze zu unterrichten, so verweisen wir sie auf die Broschüre eines deutschen Officiers, die vor etwa einem Monat in Berlin unter dem Titel: „Die Befestigung und Ver- lhetdigung der deutsch-russischen Grenze" erschienen ist. Nachdem der Autor die von Preußen auf seiner Sette und die von Rußland ausgeführten Arbeiten aufgeführt hat, sagt er zum Schluß: „Vergleicht man die Sicherheitsmaß- regeln gegen Oesterreich mit denjenigen, welche zweifellos nur gegen Deutsch- land gerichtet sind, so gewinnt man eine Bestätigung der früher ausgesprochenen Ansicht, daß Rußland sich von deutscher Seite nicht für sonderlich gefährdet achten kann. Eine Unterschätzung der deutschen Offensivkraft kann solchem Gefühl Rußlands nach den deutschen Leistungen von 1866 und 1870 und nach seiner ziemlich gründlichen Kenntniß aller unserer Verhältnisse kaum zu Grunde liegen, vielmehr dürste jenes Gefühl aus der Ueberzeugung entspringen, daß der mächtigste deutsche Staat sich vielfach als ein zuverlässiger Freund Rußlands erwiesen hat und daß keine tief einschneidenden entgegengesetzten Interessen vorhanden sind, welche Das gegenseitige freundschaftliche Verhältniß ernstlich gefährden könnte." Diese Reflexionen, welche vor wenigen Monaten von einem deutschen Osficter niedergeschrteben worden sind, halten wir auch noch heute für vollständig der Wahrheit entsprechend. Vielleicht wird auch die „Nordd. Allg. Ztg." nicht zögern, an dem Tage, nachdem der Reichstag die Militärnovelle genehmigt hat, sich Derselben Ansicht anzuschlteßen." Die l „Neue Zett" spricht gleichfalls ihr Vertrauen aus, daß die deutsche Regierung wie die russische auf Erhaltung der Freundschaft und des Friedens bedacht seien.
-erttschlarrd.
Darmstadt, 28. Februar. Der „Köln. Ztg." schreibt man von hier: Sicherem Vernehmen nach steht es fest, daß die erste Kammer um die Mitte nächsten Monats und jedenfalls noch vor Ostern einberufen werden wird, um, wenn auch nicht über alle von der zweiten Kammer erledigten Gegenstände, so doch über die dringendsten derselben zu berathen. Zu den letzteren gehören neben dem Disctplinargesetz über die nichtrichterlichen Beamten die Vorlagen wegen Abwendung eines Nrthstandes in den ärmeren Thetlen des Landes und wegen Erbauung einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Kastel. — In aller Kürze steht der Erlaß einer Verordnung in Aussicht, welcher gewisse in Rücksicht auf das Gertchtskostenwesen hervorgetretene Mißstände abstellen wird. Namentlich ist hierbei auf eine zweckmäßigere Erhebungsart bet geringeren Beträgen durch Zulassung der Anwendung von Stempelmarken Bedacht genommen. Diese Erhebungsart soll insbesondere auch auf die nach den Justizgesetzen zu erhebenden Kosten Anwendung finden.
Berlin, 28. Februar. Rußland hat also einen Diktator! Der milde Kaiser Alexander hat dem wegen seiner Energie bekannten General Loris- Melikoff die Oberleitung aller Maßregeln zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung im ganzen Reich erthetlt. Hoffen wir, daß es der Energie von Loris-Melikoff gelingt, die Pest des Nihilismus durch kräftige Maßregeln zu ersticken. Die Frechheit der Verschwörer übersteigt allen Glauben. Auch hier verschlingt das Interesse an den Ereignissen in Petersburg alles Uebrtge. Namentlich auch Kaiser Wilhelm nimmt den tiefsten Antheil an den Petersburger Vorgängen und spricht darüber in einer Erregung, die bet seinem ruhi- gen Wesen selten vorkommt.
— Die bisher eingegangenen Anmeldungen über die Theilnahme an der Ausstellung tn Melbourne nehmen den für die Deutsche Abthetlung angewiesenen Raum völlig in Anspruch. Es können daher, einer Bekanntmachung des Reichscommiffärs zufolge, Anmeldungen nicht weiter angenommen werden.
— Unter den vielfach rätselhaften Vorgängen, welche das letzte Petersburger Attentat an das Licht bringen sollte, hat ntchis so sehr überrascht, wie die Nachricht, daß Ne dortige Sicherhettsbehörde von hier aus über die nihilistischen Pläne unterrichtet norden sei und die Warnung nicht beachtet habe. Man war vor die Wahl gestellt, in den Reihen der russischen Polizei unfähige oder gar mitschuldige Beamte zu vermachen. Personen, die über die Zustände in der russischen Hauptstadt orientirt sind, wollen zwar das Letztere nicht zu- geben, halten aber für richtig, daß in der dritten Abtheilung verschiedene Strömungen vorhanden waren, mit andern Worten, die Einflüsse, sei es aus Eifersucht oder andern Gründen, einander entgegenarbeiteten. Die jetzt durch den letzten Ukas geschaffene Diktatur soll offenbar auch auf diesem Gebiete eine straffere Einheit herbeiführen. Ob sie die erwartete Heilung für die kranken Zustände bringen wird, muß sich zeigen, wird inzwischen vielfach bezweifelt.
Kiel, 26. Februar. Die vorgestrige Erklärung des Chefs der Admiralität bei Gelegenheit der Berathung des Marine-Etats im Reichstage, „er würde persönlich geneigt gewesen sein, in Sachen des „Großen Kurfürsten" genauere und erschöpfendere Auskunft zu geben, als solche die in einem Beiblatte zum Marine - Verordnungsblatt enthaltene kurze Zusammenstellung zu bieten vermöge, höhere Rücksichten ihn jedoch zwingen; davon abzustehen", entspricht allerdings tn keiner Weise den Erwartungen, welche man nach den tm


