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senden Wahlperiode wurde heute von dem Ministerpräsidenten v. Mtttnacht im Namen des Königs geschloffen. Der zweite Landtag wirb am nächsten Mittwoch von dem König selbst mit einer Thronrede feierlich eröffnet werden. Der ständische Ausschuß hat sich heute für die nächsten drei Jahre gebildet.

Arankretch.

Paris, 29. Januar. Es ailt als eine Thatsache, daß der deutsche Militärgesetzentwurf, wenn er auch reine politische Demonstration beabsichtigte, doch hier als eine solche gewirkt hat. Es fand sich sogar ein Blatt, das freilich nicht zu den wichtigsten gehört, derCour, du Soir", welches jeden Rachegedanken sörmlich abschwor; andere betonen mit mehr oder minder Bestiedigung, daß die Rüstungen in Oesterreich und in Berlin keineswegs gegen Frankreich gerichtet seien. Ein Zufall fügte es, daß gestern, nachdem der BiSmarLjche Entwurf in seinen Einzelheiten gerade bekannt geworden, die parlamentarische Mtlitär-Commtsflon sich zum Krigsminister begab, um ihm die zwei Hauptpunkte des Latsant'schen Gesetzes, dreijährige Dienstzeit und Aufhebung des Freiwilltgenwesens, an's Herz zu legen. Daß General garte dies ablehnte, hat guten Grund; doch konnte er es nicht verhindern, daß man die Ablehnung mit dem preußischen Gesetz in Verbindung bringt, gatte will das französische Heer nicht desorganifire» in einem Augenblicke, da Deutsch­land seiner vorhandenen Organisation die letzte Weihe gibt. So heißt die Begründung. Grevy wird eine sehr nachdrückliche Bekämpfung der allge­meinen Amnestie in den Mund gelegt; begreiflich ist daher der Eifer der Republique francaise", mit dem sie dem Cabinet abräth, in Sachen der Am- nestie das verhängnißvolleniemals" auszusprechen. (Köln. Ztg.)

Der Bischof von AngerS hat den Eisberg bet Saumur besucht und gefunden, daß die Staatsverwaltung zwar thue, was in ihren Kräften stehe, um die Gefahr für das Lotrethal zu beseitigen, daß aber die Männer der Wiffenschaft die ersten seien, die bet solchen Heimsuchungen ihre Schwäche be­kennen.DteS", heißt es dann weiter,ist der Grund, weshalb wir zur allmächtigen Güte desjenigen unsere Zuflucht nehmen müffen, der als Herrscher den Elementen der Natur gebeut." Der Bischof fordert die Pfarrer auf, eine Procesfion zur Beseitigung des Eises aus der Loire zu veranstalten. Nun hatte der Maire von Saumur im Juni 1879 Procesfionen verboten, und er wiederholt diese- Verbot auch gegen die Etsgangs-Procession mit dem Zusatze, seine Mitbürger wollten es der Wiffenschaft überlassen, die Mittel zu finden, wie der Gefahr des Eisganges abzuhelfen sei. Die Pfarrer von Saumur haben, wieUnivers" meldet,gegen diese gotteslästerlichen Auslaffungen des Maire Einspruch erhoben und den Wunsch ausgedrückt, daß die Vorsehung die Herausforderung, die ihr von dem Vertreter einer von einer schrecklichen Heimsuchung bedrohten Stadt gemacht werde, nicht annehmen möge." Wie wirdUnivers" erst den ginger Gottes heraufbeschwören, wenn der Eisgang wirklich nicht ohne Schaden für die Stadt verläuft!

Pari-, 31. Januar. Die Deputirtenkammer hat die Berathung der Zolltarife begonnen. Gambetta ersuchte die Versammlung, die politischen Desfidien bei dieser wichtigen Berathung zu vergeffen. Handels Minister Tiraid zeigte in seiner Rede, wie die wirthschastliche Reform von 1860 den inneren äußeren Handel entwickelt hat. Frankreich könne auf wirthschaftlichem Gebiete den Kampf mit dem Auslande bestehen. Der Minister beantragt Aufrecht­erhaltung der gegenwärtigen Tarife als Basis für die zur Erneuerung der Handelsverträge eingeleiteten Unterhandlungen.

Die Kaiserin von Rußland ist heute Nachmittag um halb 3 Uhr von Cannes abgereist,

England.

London, 31. Januar. Meldung desStandard." Die Homeruler im Unterhause beabsichtigen ein Amendement zur Adresse in Beantwortung der Thronrede zu stellen; eine lebhafte Debatte wird erwartet. Prinzessin Heinrich der Niederlande ist gestern hier angekommen.

Spanien.

Madrid, 31. Januar. Nachrichten aus Valencia zufolge richtete ein heftiger Orkan großen Schaden an. Es werden größere Unfälle zur See besorgt. DerGibraltar Guardian" berichtet aus Fez über heftige Con- flirte zwischen Mauten und Juden. Die Mauten griffen die Juden an, tödte- ten und verwundeten mehrere und verbrannten einen 70jährigen Greis lebend. Unter den Verwundeten befinden sich mehrere französische Unterthanen.

Rußland.

Petersburg, 31. Januar. DerRegierungsbote" meldet: Da die Kaiserin sich etwas besser befindet, was die Rückreise nach Petersburg gestattet, so ist die Abreise Ihrer Majestät aus Cannes auf den 31. ds. festgesetzt.

DerRegierungsbote" meldet: In der Nacht vom 29. zum 30. ds., als die Polizei behufs einer Hausdurchsuchung in dem Hause Nr. 10 der Sappeursstraße anlangte, fand dieselbe beide Eingänge in die Wohnung Nr. 9 geschloffen. Nachdem die Hauptthür aufgemacht worden war, ertönte ein Schuß, welchem alsdann mehrere weitere Schüffe folgten. Die Polizei Betrat nebst Gensd'armen die genannte Wohnung und fand daselbst drei Män­ner und zwei grauen vor, welche sortfuhren zu schießen, wobei ein Poltzet- officier contustontrt wurde und einer der Einwohner sich durch einen Revol­verschuß tödtete. Nach der Verhaftung bet genannten Verbrecher wurde die Durchsuchung vollzogen, wobei eine Druckpreffe und eine enorme Maffe der soeben abgedruckten ZeitungNarodnaja Wolia", sowie eine Druckschrift, falsche Petschaften, gefälschte Dokumente, Gifte und Explosionsstoffe gefunden wurden. Die Untersuchung hat begonnen.

Petersburg, 31. Januar, Abends. Unter den bei Entdeckung der geheimen Druckerei Verhafteten befanden sich 2 grauen und 2 Männer. Der günfte, der, welcher den Selbstmord beging, war, wie verlautet, ein aus frühe­ren Proceffen bekannter wichtiger politischer Verbrecher, Namens Deutsch, der seit lange gesucht ward. Die Wohnung, wo die Druckerei aufgefunden wurde, ist im fünften Stock eines großen steinernen Hauses gelegen. Die Bewohner waren unter falschem Namen als Kleinbürger Liszenko und grau nebst Köchin bekannt und bezogen die Wohnung im August. Der Polizeipristav Müller und dessen Gehülfe Essenbach, welche mit Lebensgefahr die Verhaftung voll­zogen, find durch Beförderung im Rang und den Wladimirorden belohnt.

Amerika.

Rio de Janeiro, 31. Januar. Das gelbe gieber sängt an in Brasilien auhutreten; bis jetzt zwar nur in unerheblichem Grade, doch fürchtet man eine weitere Ausdehnung der Epidemie.

Mer

Telegraphische Depeschen.

Wagrrer's telegr. Eorrespsrrvenr B«re«u

Paris, 1. Februar. DieRepubl. francaise" bezeichnet die durch die deutsche Militärvorlage hervorgerufenen Besorgnisse al- weit übertrieben und bekundet eine derartige Anschauung der Lage, daß nicht zu befürchten sei, man merbe Abends im Frieden zur Ruhe gehen und anderen Morgens im Kriege erwachen.

©ranier de Caffagnac's Vater ist gestern gestorben.

Pegli, 1. Februar. Der deutsche Kronprinz ist heute Mittag 1 Uhr wohlbehalten bier eingetroffen, von der Kronprinzessin empfangen.

Lokales.

Gießen, 2. Februar. Der »Gießener Anzeiger" druckt in seiner Nr. 21 eine alte Prophe-echung ab, auf welche derRhein- und Raheb." aufmerksam macht. Wir hoffen, daß derGußener Anzeiger" im Jnteresie Vertrauensseliger, die es ja immer giebt, den nach­folgenden Prophezeiungen seine Spalten nicht verschließen wird. Nostradamus sagt:

Quand Georges Dieu crucifiera que Marc le ressuscitera Et que Jean le pertera La fin du monde arrivera.*)

Auf einer steinernen Tafel unter der Orgelbühne der Kirche zu Ober-Emmel an der Saar steht

Quando Marcus pascha dabit Et Antonius pentecostas celebrabit, Et Johannus Christum adorabit, Totus mundus vae clamabit ? *)

*) 1886 fällt Ostern auf den 25. April (St. Marcus),

Charfreitag auf den 23. April (St. Georg), Fronleichnam auf den 24 Juni (St. Johann)

**) Wenn Dt. Marcus (25. April) das Osterlamm reicht, St. Antonius (13. Juni) Pfingsten feiert Und St. Johann (24. Juni [am Fronleichnams) Cristum verehrt Wird die ganze Welt Wehe! schreien

Hoffen wir daher, daß die drei guten Weinjahre der 80cr Jahre vor 1886 fallen. [S. v. A.]

Nicht Brandstiftung, sondern vielleicht Fahrlässigkeit lag zu Grunde, datz die Arbeiterhütte an der städt. Wasserleitung im Stadtwalde am Freitag Morgen in Brand gerathen war. Bei genauerer Untersuchung wurden Theile einer Uhr, sowie Knopf- refte rc. im Brandschutt aufgefunden. (Sin Diebstahl ist somit auch nicht anzunehmen.

DieVolksküche" spendete gestern 853 Portionen. Verkauft wurden hiervon 30, 823 Portionen erhielten Arme, Kinder nnd Handwerksburschen. Heute wurden vertheilt 96b Portionen, 91 verkauft, die übrigen 877 an Arme :c.

Vermischtes.

R einhetm, 29. Januar. Vor dem hiesigen Schöffengericht wurden dieser Tage mehrere Fortbtldungsschüler zu 3, 4 und 5 Tagen Haft verurtheilt, weil dieselbe ihrem Lehrer eine Schlinge stellten, um ihn zu Fall zu bringern. Die rechtzeitige Entdeckung veranlaßte nächst dem Mißlingen dieses Stretches die Ermittelung und Bestrafung der Schuldigen

Beerfelden, 29. Januar. Eine dlutitze Frevelthat hat die Gemüther der hiesigen Stadt in nicht geringe Eregung versetzt. Ein hiesiger Professiontst, der mit einem Fabrikarbeiter ein Häuschen gemeinschaftlich besaß, hatte mit diesem schon wlederholte, zu gerichtlichen Verhan- lungen führende Zwistigkeiten. Gestern gab nun der Erstere der Frau des letzteren mit eintt hölzernen Schüttelgabel einen so wuchtigen Schlag auf den Kopf, daß die Arme auf der Flucht zu ihrer in der Nähe wohnenden Mutter auf der Straße ohnmächtig zusammensank und als­bald ihren Geist aufgab. Die nächste Veranlassung zu dem verhängntßvollen Rencontre war eine sehr geringfügige. Die Frau hatte das schulpflichtige Söhnchen ihres Zimmernachbarn wegen einer Unart bei dem Schullehrer verklagt und wurde der Junge zur Strafe einige Plätze hinuntergesetzt. Das bedauernswerthe Opfer einer rohen Brutalität hinterließ drei noch nicht schulpflichtige Kinder. (Fr. Z.)_______

Eingesandt.

Wir möchten das Publikum darauf aufmerksam machen, daß sich bei dem Kaufmann PH. Nau L Co. in der Nähe der Stadtpostexpedttion eine Verkaufsstelle von Poflwerth- zetchen, Freimarken rc., befindet, und das Publikum bitten, doch von dieser Etnrichtun» recht umfassenden Gebrauch zu machen. Das correspondirende Publikum wird auf diese Weise nicht unnöthig in der Aufgabe seiner Corresponoenz aufgehalten, und die Postbeamten während der Abfertigung des Publikums nicht mit dem sehr lästigen Abzählen der Frrimarken belästigt. Es ist doch zum mindesten sehr langweilig und zeitraubend, wenn man am Schalter steht, wartet und dann auch noch zusehen muß, tote irgend ein Handlungsbefl'sseuer für so und so viel Mark 10 Pfennig-Marken und für so und so viel Mark 3 Pfennig-Marken beansprucht, die er gerade so gut eine Thür weiter holen könnte. Wir denken, diese kleine Rücksicht könnte gerade von den Leuten geübt werden, die so viele Rücksichten für sich seitens des Publikums und seitens i der Postbeamten beanspruchen. Unus pro multis.

Handel und Berkehr.

Frankfurt, 31. Januar. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner JL 2.503.50, Stroh JL 2.003.20. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. «4t 0.90, 2. Qual. 0.80, im Detail das Pfund JL. 1.1520, 2. Qual JC. 1.10 (gier das Hundert deutsche JL 9.0010 00, italienische JL. Garrze Erbsen das Pfv. 2832 H, geschälte Erbsen 3237 Bohnen 2729 H, Linsen 4050 Weißkraut das Stück 15 20 Rothkraut, 1 St. 2030 Kohlrabi 36 Kohlkraut 10 12 Blumenkohl 1 St. WirsingKartoffeln 100 Kilo 6.50-7.50 Zwiebeln 1 Bund 30 Merrettig St. 1 Stück 1220 H. Qchsenfletjch per Pfund

6570 Rindfleisch 4460 Kuhfleijch 4460 Kalbfleisch 4055 Hammel­fleisch 3865 H, Schweinefleisch 6570^, ein Hahn JC. 1.502.00, ein Huhn 1.502.00, eine Ente JC. 23, Gans Jl. 49, eine Taube 5060 H.

In Folge gemachter Wahrnehmungen der obersten Reichspostbehörde sind die Pop­anstalten unterm 25. v. M. nochmals besonders darauf aufmerksam gemacht worden, oaß den Packctsendungen nach dem Auslande lediglich eine Inhaltserklärung mehr als bisher betzugeben ist. Bespielsweise sind den Sendungen nach Dänemark, Oesterreich-Ungarn, Riederland zwei, : nach Belgien, Frankreich über Belglcn, Rußland drei, nach Italien vier Inhaltserklärungen bei zufügen. Die in den Postpacketsendnngen nach dem Auslande enthaltenen einzelnen Maaren müffen genau bezeichnet werden; allgemein gehaltene Angaben, wie Colonial-, Kurz-, Manu factur-, Material-, Schnitt-, Weißwaaren, Mcdicamknte, sind unzulässig. Die Postpäckereisen- düngen sind übrigens von der Entrichtung der statistischen Gebühr befreit

Schlffeberlelit. Mttgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd W. Dietz in Gießen.

Bremen, 30. Januar. Der Postdampfer Neckar, Capt. W. Willtgerod, vom Nord­deutschen Llovd in Bremen, welcher am 18. Januar von Bremen und am 20. Januar von Southampton abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 30. Januar. Der Postdampfer Ohio, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Januar von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 30. Januar. Der Postdampfer General Werder, Capt. H. Christoffers, vom Nord deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Januar von Newyork abgegangen war, ist gestern 5 llhr Nachmittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 10 Uhr Abends die Reise nach hier fortgetzt. setzt. Derselbe überbringt 6 t Passagiere und volle Ladung.

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