o . .Das Unglück auf der Taybrücke.
London, 2g. D-cember. Ueber das fürchterliche Eisenbabnunalück in land wird aus Dundee gemeldet: Ein entsetzlicher Sturm fegte HE (So^ag)
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Correspondenr - Bureau.
c „ ®cfiern fand tn der Ingenieurs - Manege
die Revue des Pawlow schen Garderegiments statt. Der Kaiser
UtaiMMte ta Wonp« Weise feinen Dank für dch-n treue LA nutz m.uthvolle Bethelligung an den Kriege» von 1828, 1871 und 1877 aus und ä»ß"te bte, volle Ueberzeugung, daß die Pawlow'scheu ihrem rmeitea «d.k d-m Großsürsten-Thronfolger, ebenso treu dienen würden wie ihm? dem Kaiser' Diese Wort« wurden mit begeisterten Hurrahs erwidert wöbe' bei’S. f« b-n Thronfolger mit dem Säbel salutirte. Nach der Truppenschau dankt« Kaiser den Ofstcieren für ihre Dienstleistungen, sprach huwvoll mi! den im kgun S?eiwunbete» und reicht- denselben die Hand, worauf -r noch^ mals die Hoffnung aussprach, die Pawlow'schen wurden auch seiner Zeit feinem Sohne mit gewohntem Muthe dienen. Sodann verließ d-r Kaise^ die Manege von begeisterten Hurrahs Seitens der Osstciere und Soldaten b- gleitet. - Gestern fand im Winterpalais auch ein Diner anläßlich des r-stag°s der Überschreitung des Balkans und der Schlacht bei »£ b/clem ~ine,r a,ann Ue ®cnerdIe und Stabsofstciere geladen^ Der
Sa sei betrat den Saal mir der Thronfolgerin, von dem Thronfolger und den Mitgliedern der kaiserlichen Familie begleiter. Der Toast des Kaisers ans ^^Wohl aller am letzten Kriege, namentlich an der Schlacht bei Taschkissen Betheiligtcn, sowie der Toast auf den Kaiser wurden mit der größten Beaei- sterung aufgenommen. H
Brrichte aus Madrid schildern die politische Lage als sehr gespannt. Ma r- ttnez Campos hatte mehrere Unterredungen mit Sagasta, um die constitutio- nelle Partei durch neue Allianzen zu stärken. Der Wiederherstellung der con- stitutionellen Garantien für Navarra setzt die Regierung fortgesetzten Widern sprach entgegen, ungeachtet wiederholter Bitten Navarresischer Senatoren und Deputirter.
Spanien.
Madrid, 31. Decbr. Die gerichtliche Untersuchung bezüglich des^ Attentats auf den König hat begonnen; mehrere Personen sind verhaftet und wieder freigelaffen. Otaro hat ruhig geschlafen.
— Der Urheber des Attentats ist in Galizien geboren und 20 Jahr- alt. Man glaubt, daß er Mitschuldige hat. Er wohnte erst seit Kurzem in Madrid. Die zweite Kugel ging der Königin am Gesicht vorbei. Die Waffe ist ein kleines Pistol mit zwei Läufen. Der König wohnte der Oper an. Die Deputirten und die Senatoren werden sich morgen zum Könige und der Königin begeben und die Glückwünsche der Cortes überbringen. Das diplomatische Corps beglückwünschte das Königspaar noch gestern Abend. — Der Präsident der Deputirtenkammer ist gestorben.
— Nach amtlichen Mittheilungen heißt der Attentäter Francesco Otaro und ist aus Galizien gebürtig. Seiner Aussage zufolge war derselbe Kuchenbäcker; wegen des schlechten Standes seiner Geschäfte habe er den Entschmß gefaßt, sich das Leben zu nehmen, doch ein Freund habe ihm gerathen, ein Attentat auf den König zu unternehmen. Otaro erklärte ferner, daß er Mitschuldige habe. Einer von diesen ist bereits verhaftet, ein anderer wird noch gesucht. — Der König blieb vollkommen gelaffen; auch die Königin bewahrte große Ruhe.
Serbien.
Nifch, 31. Decbr. Die Skupschtina nahm die beiden Conventionen mit Italien an. Die Regierung legte ein Gesetz über die Coloniflruiig in Serbien vor.
Rußland. '
Petersburg, 31. Decbr. Laut Meldung aus Cannes vom 29. ds. Ist die Befferung im Gesundheitszustände der Kaiserin im Allgemeinen fortschreitend. — Der „Regierungsbote" publicirt eine Verfügung des Minillers des Innern, betr. das Wiedererscheinen des „Golos" und Gestattung' der Aufnahme von Privat-Jnseraten in die Journale „Molwa" und „Neue Ze-t." — Das Kriegshafeugericht erkannte den Flügeladjutanten Baronow, früheren Commandeur der „Vesta", der Beleidigung des Marine-Mmisteriums für souldig und verurtheilte denselben zur Entsetzung von seinem Posten.
Türkei.
Konstantinopel, 31. December. Die Pforte hat nachstebende amt- . cye Msiihnlucg erlaffen: Im Laufe des September erfuhr die Polizei, daß em gewiffer Achmed Tewstk tn Gemeinschaft mit einem anderen Individuum Buchen und Broschüren anfertige, welche ben muselmännischen Glauben» anzu- greifen-roestimmt war?». TewU's Genosse wurde eines Tages'beim MletLn- d-r Wohnung des Letzteren von Beamten dem nächsten Polizeiposten vorae- fubn ^derselbe na,mte sich Koele, erklärte, deutscher Untertha» zu sein, und besaß Schriftstücke, di- zur weiteren Prüfung zuruckgehalren wurden. Koele wurde ohne jegliche Vermittlung des Consulats sofort freigelaffen Tewstk ward verhaftet unter der Beschuldigung, Schriften verbreitet zu haben, welche zum Umsturz der religiöse,t Ordnung geeignet seien und eine Beleidigung des ^e Untersuchung gegen Tewstk ist soeben erst beendiat. Es ist durchaus unwahr, baß derselbe zum Tode veriirtheiit ist; bisher ist vveroauvi ket»- Strafe gegen ihn erkannt. 9
17. December. Gestern landeten vier englische Ma> me-Soldaten nebst ihren Vorgesetzte» in einem Boote bei Galata um rbre gewohnl-chen Einkäufe zu machen. Ein Türke, welcher sich in d-r Räbe «7- Gemüsehändlers niedergelaffen hatte, fing an, auf bie ÄbeJ^u schimpfen ; die Engländer bezahlten ihn mit gleicher Münze. Der Türke erhob hierauf ein solche« Geschreß daß feine Landsleute von allen Seiten herbciliefcn und mit Stocken auf die Engländer einhieben. Diese, welche sich von Türken umgeben sahen und deren Streiche fühlte», schnallten ihre Beile los „nb bi" Ben nun ihrerseits auf die Türken ei». Es wurden in diesem Kampfe mm - Blau« ?00 Fer“«nleti bie 5 Engländer blieben todt auf dem Platze. 400 Türken stnd festgenommen. Der englische Botschafter verkannt nunmehr von den 400 Verhafteten Webrgelb für 5 g-tödtete Engländer
Nacht über Dundee hinaus und riß einen Theil der Taybrücke nieder, auf welcher sich der um 7y4 Uhr fällige Eisenbahnzug von Edinburg befand. Man nimmt an, daß der Zug im Wasser begraben ist, allein der Sturm ist noch immer so heftig, daß kein Dampfboot im Stande war, sich der Brücke zu nähern.
Von der Fife-Seite war gehörig signalisirt worden, daß der Zug 14 Minuten nach 7 Uhr die Dundeebrücke passirt habe, man hat denselben auch auf der Brücke ge sehen und kurz daraus einen plötzlichen Feuerstrahl. Man glaubt, daß der Hua die Schienen verlassen und über die Brücke gestürzt sei. Diejenigen, welche das Unglück mit angesehen, eilten sosort zur Tay-Brücken-Station in Dundee und ertheilten dem Stationsvorsteher Bericht. Derselbe feilte fid) sofort t„ telegraphische Verbindung mit b-m Signal,sten auf der Nordseite der Brücke; als man den Telegraphen über die Brücke ,vielen lasten wollte, ergab es ,ich, Last die Drähte zerrissen waren.
Der Stationsvorsteher und der Locomotio-Superintendent entschlossen sich hieraus, ungeachtet des furchtbaren Sturmes, soweit als möglich auf 6er Brücke voriu- brmgen, um ,ich über öeni Umfang des Unglücks zu vergewissern; die Beiden waren im Stande, eine beträchtliche Entfernung vorzurücken; das Erste, was sie erblickten war e,n Walsiritrahl aus -wer gebrochenen Rohre, welche Newpött mit Wasser ver-' sorgt und bei Brücke entlang geführt ist. Etwas weiter oordringend, konnten sie bei dem Hellen Mo,idlicht deutlich eine große Lücke entdecken, welche durch den Einsturz der Brücke entstanden war, nach ihrer Schätzung etwa zwei oder drei der mächtigsten Bogen. Sie glaubten icdoch am anderen Ende der Brücke ein rothes Licht zu en decken, und gaben sich der Hostnung hin da» der Zug zum Stillstand gebracht worden, nadb= leide^als siw ttüae?ischk"'^ bemerkt. Diese Hoffnung erw.es sich aber
, . , An der Broughlp-Ferry, vier Meilen unter der Brücke, wurden mehrere Post- beutel ans User gefchwemm, und herrscht jetzt kein Zweifel mehr darüber daß der Zug tm Fkusie liegt lieber die Anzahl der Passagiere, welche sich im 8uae be-
^rlautet bislang nichts Bestimmtes; man spricht unterschiedlich von ■ 150 bis 2UU Personen.
cn j..p®ev P^ovost und eine Anzahl hervorragender Bürger fuhren gegen IOV2 Uhr Nachts, rn einem Damvser nach der Brücke, nachdem der Sturm sich beträchtlich gelegt hatte; oieselben sind jedoch noch nicht zurückgekehrt. H
sTr r Die Scene an der Tay-Brückenstation heute Nacht ist geradezu herzzerreißend. Biele Tausend Personen steh.n um das Gebäude versammelt; kräftige Männer und Frauen ringen verzweifelnd die Hande.
Lokales.
Gießen, 2. Januar. Die Neujahrsnacht war diesmal ziemlich lebhaft. Ver- schledene Rempeleien mußten geschlichtet werden und hatte die Schutzmannschaft damit zu thun. Das Schießen ging an, Unglücksfälle sind keine zu verzeichnen.
— Die Volksküche vertheilte gestern 566 Portionen. Verkauft 44, an Arme u. s. w. 5-.5 Portionen. Heute 702, davon verkauft 128, an Arme 574.
— Gestern Abend setzte sich das Lahneis in Bewegung. Das Master der Lahn und Wteseck steht sehr hoch und dürfte wohl noch mehr steigen.
Meße», 2. Januar. Von befreundeter Seite gehen uns über Witterungsver- haltnisse solgende Miltheilungen zu, dieselben beginnen mit dem Jahr 1839.
Im December dieses Jahres war die Wärme eine ungewöhnliche, Morgens 8—10°, Mittags 15—18« im Schatten. Die Wiesen prangten im üppigsten Grün; im badischen Odenwald wurde Heu gemacht. Dagegen herrschte in Rußland großeKälte; in Petersburg erfroren 35 Menschen Im Janaar 1840 dagegen hatten wir 15-16« Kalte und tn Petersburg einige Grad Wärme.
1841 am 17. Januar zeigte das Thermometer 8*/2° Wärme, während er am 4. und 6. Februar 11° unter Null stand.
Von 1842 dis 1844 fehlen die Aufzeichnungen.
Der ganze Monat Februar 1845 war falt, bis zu 15«; in einigen Gegenden Württembergs 20 — 25°. Der März brachte noch eine sibirische Kälte die bis zu 15" stieg. Erst vom 24. an trat gelindes Wetter ein. Vom 1.—23. hatte der Monat 200 Kältegrade und stet; eine Schneedecke. Bei Stuttgart kam ein Hirsch in einen Stall gelaufen und ein Reh folgte einem Karren in ein Dorf mnd Ließ sich ränge*,!. . k
Der Winter 1846,47 zeichnete sich durch hohe Temperatur aus, doch brachte noch der 12. März 10° Kälte und am 18. April fiel ein Fuß hoher Schnee.
In den folgenden 2 Jahren fehlen die Aufzeichnungen.
1850 im Januar zeigte das Thermometer vom 20.—22. 11—21° Kälte. 1851/52 war bei 3. März der kälteste Tag mit 10° (in München 15°), im klebrigen war der Winter gelind. Ebenso bir folgende 1852/53.
Der Februar 1854 brachte starke Kälte 16—20°. Der Genfer See fror zu — ein seltenes tfreignife.
Der Winter 1854/55 war gelind bis zum 15. Januar, von da ab hatte dieser Monat und die 3 ersten Tage des Februars noch 174 Kältegrade, 3 Februar Morgens noch 131/2° unter Null und Mittags einige Grad Wärme (ein Umschlag wie wir ihn am letzten 28. Dezember hatten) in Folge dessen große Ueberschwemmung am Rhein; in Bingen stieg man in der Vorstadt aus dem 2. L>tock auf Leitern in die Kähne, in Mainz standen die Straßen am Rhein unter Wasser. Dann stieg die Kälte wieder vom 9. bis 24. bis zu l5Vr°. 1855/56 war der 21. Decbr. der kälteste Tag mit 14'.
Der Winter 1856/57 zeichnete sich durch große Milde aus, höchste Kälte am 3. Februar mit 10°. Ebenso der von 1857/58, nur war der Februar außergewöhnlich falt; er zählte ungefähr 100 Kältegrade. 1858/59 war gelind.
Auf den nassen und falten Sommer 1860 folgte ein strenger Winter, im Januar bis zu 20 21°.
In den folgenden Wintern war die Kälte nicht höher als 10—12°. Bemerkens- wcrth ist, daß der 13. April 1862 10° Kälte hatte.
Die Kälte der nächsten 3 Winter ging nicht über 12°. Besonders gelind war der Winter 1865,66. Das Thermometer fiel nicht unter 5° und im folgenden Winter nicht unter 7°, (19. Januar 1867), während nach Zeitungsnachrichten in Moskau vom 18 bis 20. Januar 25 bis 30° Kälte war, das Quecksilber gefror und die Gaslaternen erloschen
1867/68 höchste Kälte 2. Januar 10V2°, 1868/69 24. u. 25. Januar 11 u. lli/2o; 1869/70 war gelind. Strenger wurde dann wieder der Winter 1870/71 der Januar mit 140 Kältegrade und am 11. u. 12. Febuar zeigte das Thermoter 10 u. 12° unter dem Gefrierpunkt-
68
33
letztverflossene December brachte es bis auf 3Ol’/2
kälteste Tag war der 10. mit 20 Grad (in Gießen
1875/76 1876/77
1877/78 1878/79
1021/3
4
34
67
Der Der
87 22*/3 I81/2 42
Der Dezember 1871 hatte 139°, der Januar 1872 nur 11 Kältegrade. Im December 1872 fiel das Quecksilber nicht unter Null und der Januar des folgenden Jahres hatte 14 Kältegrade. x
Im Winter 1873/74 zählte der Dezember 38V2 und der Januar 30 Kältegrade.
„ 1874/75 „ „ „ 68 „ „ „ 33
Kältegrade.
. - —o -- --- - - ~- m— 25°)*) und das am 28. plotjlid) eingetretene Thauwetter, während unmittelbar vorher die Kälte noch steigend war, trat genau mit dem Vollmond und der partiellen Mondfinfterniß ein.
*) Die angegebenen Kältegrade wurden auf dem Windhof notU't, wo die Tempe- ratur stets um einige Grade mäßiger ist, als in der Stadt. Anmerk. d. Red.
Vermischtes.
(SS 77 UAr Adel unb amerikanisches Bürgerrecht schreibt das „Pittsburger Dolksblatt" : w pr-ntuf aU9cracln bekannt, daß in den Vereinigten Staaten ein Gesetz besteht wonach ein Ausländer von Adel, also ein Herr Von, Baron, Graf u. f. w., welcher Büraer Staaten wird, auch damit den Adelstitel aufzugeben hat Die vierte Unter«
FnlJt • 2165 der verbesserten Statuten der Vereinigten Staaten lautet wie
ode^r',u^em°Adin Ausländer sich um das Bürgerrecht bewirbt, der den erblichen Adel besitzt unterbpn S°lbe\ ,n bem Königreich oder Staat, woher er stammt, gehört soll er
Ti oder H&mi?n9Cn Naturalisation auch noch alle Ansprüche auf seine ausländischen w0 die ^NaturaUMon ft und dieses Aufgeben soll in den Büchern des Gerichtshofes" -'luiuraiqatton stattfand, verzeichnet werden." ’ *


