(Magd. Ztg.)
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Türkei.
Konstantinopel, 30. October. Wegen gröblicher Jnsulttrung deS französischen Vice-Consuls in Varna beaustragte der französische Botschafter Tiffot den Aviso«Dampfer „Betret" sofort noch Varna abzudampfen.
Iraukreich.
Paris, 30. Ocrober. Die Ausführung der Decrete hat in Avignon eine große Aufregung heroorgerufen. — In Marseille kam es zu einem Handgemenge zwischen den Anhängern der K rpuzü er und den L-tzteren feindlich gesinnten Gruppen. Die Aufregung nimmt allmälig ab.
Paris, 30. October, Abends. Die Märzdccrete sind heute in mehreren Departements gegen die Congregationen der Recollecten, Dominikaner, Peres du sacrd coeur und Mönche vom Lateran ausgeführt ohne Zwischenfall. Gegen die Pariser Congregationen ist heule keine Maßregel erfolgt. Nächsten Mittwoch soll der Vollzug der Decrete weiter fortgesetzt werden.
Ausland.
Petersburg, 30. October. Gras Loris-Melikoff ist heute früh hier eingetroffen.
Berlin. Wie der „A. Z." berichtet wird, ist am 26. Oct. unter dem Präsidium des Directors des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Geh. Oberregie- rungsrath Dr. Struck, eine Commission, bestehend aus Vertretern der Kaiser- ‘ lichen Regierung, des Gesundheitsamtes, sowie aus wissenschaftlichen technischen ; Sachverständigen und auö Jntereffenten des Petroleumhandels zusammengttreten, j um über Maßnahmen zu berathen, welche aus Grund des Gesetzes über den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Gebrauchsgegenständen u. s. w. zur amtlichen i Controle des Petroleums bezüglich feiner Feuergefährlichkeit einzusühren sind. - Als Mitglieder nehmen an den Sitzungen Tbeil: Die HH. Braun (Stettin), j Hofapotheker Dr. Brunnengräber (Rostock), Profeffor Dr. Engler (Karlsruhe), Commercienrath Frentzel (Berlin), Consul Friesland (Bremen), Commercienrath Hirsch (Danzig), Geh. Rath Profeffor Dr. Hofmann (Berlin), Mmifterial- affeffor Hoffmann (Berlin). Geh. Oberregterungsrath o. Kehler (Berlin), Profeffor Dr. Knapp (Braunschweig), Regierungsrath Köhler (Berlin), Regierungsrath Löwenherz (Berlin), Röder (Mannheim), Rosenbaum (Breslau), Sanders (Hamburg), Schütte (Bremen), Regterungsrath Profeffor Dr. Sell (Berlin), Profeffor Dr. Weber (Berlin), Regierungsrath Dr. Wolffhügel (Berlin). Als specielle Aufgabe liegt der Commission zunächst ob, eine Auswahl unter den Apparaten zu treffen, mittelst welcher die amtliche Controle zu handhaben ist. Aus Grund von eingehenden Versuchen, welche mit etwa 30 Apparaten verschiedenen Systems im Kaiserlichen Gesundheitsamt ausgesührt worden sind, bringt das letztere diejenigen von Dr. Bernstein in Berlin, von Prof. Engler in Karlsruhe und den Apparat des Engländers Abel als die exactesten zur engeren Wahl in Vorschlag.
Berlin, 30. October. Von unterrichteter Seite verlautet, daß der Reichskanzler die Anregung zur Bildung eines deutschen Volkswirthschaftsraths in erster Linie durch die Schrift: „Die Vertretung der wirthschafrlichen Jn- tereffen in den Staaten Europas, die Organisation der Handels- und Gewerbe- kammern und die Bildung eines volkswirthschaftlichen Central - Organs in Deutschland" von Dr. v. Kaufmann empfangen habe. Der Verfasser dieser Schrift wünscht eine Umwandlung der Handels- und Geweibekammeru in „Volkswirthschastskammern", von denen jede drei Reichstagswahlbezirke um» fasten soll, so daß Deutschland etwa 132 solcher Kammern erhalten würde. Die Centralbehörde, der „Volkswtrthschaftsrath", soll dann aus 24 von den 132 Kammern zu entsendenden Delegirten, 6 Delegirten zur Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen gewählt vom Reichskanzler aus Mitgliedern des deutschen Landwirthschastsraths, 10 vom Kaiser zu ernennenden Mitgliedern, je 5 vom Bundesrathe und vom Reichstage zu erwählenden Mitgliedern, dem Director des Reichsamtes des Innern, dem Director des Reichsschatzamtes, dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, dem Director des letzteren, dem Chef des großen Generalstabes, dem Generalpostmetster, dem Staatssecretär im Retchsjustizamte, dem Präsidenten der Reichsbank, dem Director des Statistischen Amtes und dem preußischen Landwirthschasts-Minister bestehen.
— Um den Kölner Dom dem Kostenanschlag entsprechend, in allen Theilen zu vollenden, bedarf es, wie man der „Nordd. Allg. Ztg." mttthetlt, nunmehr noch der Fertigstellung der Restaurations-Arbetten im Bereiche der unteren Geschoffe des im Mittelalter erbauten Thetles des südlichen Thurmes und der Ausbringung eines neuen Plattenbelags im Innern, welche Arbeiten voraussichtlich bis zu Ende des Jahres 1881 zum Abschluß gelangen dürften. Eine längere Arbeitszeit ist für die Modellirung und den Guß der Bronce-Thüren des Westportals, wie für die Beschaffung der großen Glasgemälde der Fenster in der Thurmhalle in Aussicht zu nehmen. Der Gesammtaufwand an Bau- Mitteln für Erhaltung und Fortbau des Kölner Domes beträgt ca. 20 Mill. «X, von welcher Summe ca. 7 Mill, aus der General Staatskasse als Staatszuschuß gezahlt worden sind.
Berlin, 30. October. Der „Reichs-Anz." schreibt: Die bisherigen Ermittelungen über die Ursachen des Eisenbahn-Unglückfalles bei Cou.l lasten mit Sicherheit schließen, daß die Fahrgeschwindigkeit des Zuges größer gewesen, als für die dreifach gekuppelte Locomotioe des Zuges polizeilich gestattet ist, in Folge desten die Locomotioe in erheblich pendelnde Seitenschwankungen qe- rieth, welche schließlich eine Entgleisung herbeiführten. Bezüglich der mehrfachen Eisenbahn-Unfälle in letzter Zett sei zu constatiren, daß keiner derselben durch einen Mangel in den Betriebsvorschriften oder in der Unterhaltung der Bahn und den Betriebsmitteln, sondern fast in allen Fällen durch die Nichtbeachtung positiver Vorschriften herbeigeführt wurde. Die Central-Instanz der Eisenbahnverwaltung habe in der Sachoerständigen-Commtsston die Prüfung der Frage angeordnet, ob die bestehenden Vorschriften Lücken auf weisen oder Bestimmungen enthalten, welche einer Aenderung bedürfen.
Metz, 26. October. Heute vor zehn Jahren wurde in dem au der Grenze deS damaligen Vertheidigungs-Rayons gelegenen Schloß Frescaty die Capitulation von Metz unterzeichnet, wodurch die gejammte Buzaine)che Armee in Gefangenschaft gerieth. Es herrschte damals in ganz Deutschland wohl die eine Ansicht, daß dieser Platz als ein Bollwerk gegen künftige feindliche Angriffe dauernd in deutschem Besitze bleiben müste. Dieses Bollwerk nach Möglichkeit zu verstärken, war die Aufgabe der Militärbehörde, welche sofort die Vergrößerung der vorhandenen und den Bau einer Reihe neuer Werke in Angriff nahm. Bis auf ein kleineres, nachträglich in den F^stuugspUn aufgenommenes Fort sind die bezüglichen Arbeiten schon seit einiger Zett beendigt. Daß dagegen die Wiedergewinnung der Bevölkerung sich nicht in einem Jahrzehnte vollziehen werde, darüber konnte man sich schon in den ersten Monaten nach der Urbergabe keine Illusionen mehr machen. Die Verwälschung war hier im Laufe der Jahrhunderte zu tief durchgedrungen, als daß sie sich hätte in wenigen Jahren abstretsen lasten. Dazu kommt noch, daß die Verhältnisse der Geschäftswelt wie auch der städtischen Finanzen in Folge der Einverleibung, wodurch Metz auf einmal Grenzstadt wurde, sowie durch die Auswanderung des vermöglichen Thetls der Bevölkerung schwer zu leiden hatten. Seit nun aber die Uebergangszett vorüber ist, macht sich überall erfreuliche Besterung bemerklich und es ist dies nicht ohne Einfluß auf die Stimmung der Bevölkerung geblieben, welche sich nach und nach daran gewöhnt hat, die Lostrennung von Frankreich nicht blos als eine vorübergehende zu betrachten. Daß übrigens ein gründlicher Umschwung der Gesinnungen erst mit der kommenden Generation zu erwarten ist und daß hierbei die zwar langsam aber sicher wirkende Schul- und Mtlitärerziehung das Meiste dabei thun müsten, dürfte Jedem klar fein, der die hiesigen Verhältntffe mit unbefangenem Blicke
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Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureav.
Konstantinopel, 31. Octbr. Der deutsche Botschafter, Graf Hatz- seldt, dinirte am Sonnabend nebst dem Personal der Botschaft beim Sultan. Oer Sultan verlieh den Cardinälen Nina und Simeoni den Großcorvon des Osmante-OrdcnS, dem Nuntius Vannutelli den Großcordon des Medschtdje- Ordens. Das Journal „Terdjuman Hakikat" wurde wegen eines satvrischen Artikels gegen den britischen Botschafter Göschen auf unbestimmte Zeit suspen- dirt; „Vak-.t" erhielt eine Verwarnung.
Paris, 31. Oktober. Eine Deputation von katholischen Notabeln in Marseille begab sich gestern zum dortigen Präfecten, um einen Protest gegen die Ausführung der Märzdecrete zu überbringen. Der Präfect lehnte den Empfang der Deputation ab mit der Erklärung, er betrachte alle dem Gesetze Ungehorsamen als Rebellen. Der Führer der Deputation wies die Bezeichnung „Rebellen" entschieden zurück und erklärte: Wir protestiren nicht gegen das Gesetz, sondern gegen die Decrete. Den alsdann von der Deputation auf dem Bureau des Präfecten niedergelegten Protest ließ Letzterer wieder zurücksenden. — Wegen der bevorstehenden Feiertage erfolgt bis zum 3. November keine weitere Ausführung der Decrete.
— Der Postcongreß hat gestern den endgültigen Text der Convention, betr. die Beförderung von Postpaketen ohne Werthangabe, angenommen. Die Unterzeichnung der Convention erfolgt Mittwoch.
Vermischte-.
Mainz, 30. Oktober. Der Sturm, welcher heute über der Stadt tobte, warf nach 11 Uhr Mittag die Kreuzblume einer der Steinpyramtden, welche den Oberbau des Westtburmes am Dom umstehen, an der Südseite herab. Das beträchtliche Ornamcntstück wurde auf daS Dach des Mittelschiffes geschleudert und durchschlug, ohne jedoch größeren Schaden zu thun, das Dachwcrk.
Mainz, 29. October. Der Rhein wächst noch immer fort; heute früh zeigte das Pegel Meter 3.90, heute Mittag Meter 3.97. Das Wasier bespült bereits die am Rhein befindlichen Lagerhäuser. Nachrichten vom Oberrhetn und Mannheim lauten: In Heilbronn erreichte Neckar heute Nacht die Höhe von 1824. Neckar rapid steigend. Schiffe aus dem Neckar flüchten in den Hafen von Mannheim. Heute Morgen 8 Uhr 38 M. Waffcrstanv in Mannheim von Rhein und Neckar Meter 7.80, seit gestern gestiegen 33 Centimeter. In Folge des heftig wehenden Sturmes mußten bei den Schiffen, den Badeanstalten und der Schiffbrücke Vorsichtsmaßregeln getroffen werden.
— Der Sturm, welcher vorgestern Nacht über die britischen Inseln hinfegte, hat in allen Theilen des vereinigten Königreichs beträchtliche Verwüstungen angcrichtet. An toev schiedenen Punkten der Künste haben dir Rettungsboote nicht allein manches Menschenleben vom sicheren Tode entrißen, sondern auch viele Schiffe außer Gefahr gebracht. In den Mlviand Dlstricten Englands haben die Flüffe ihre Ufer überschritten und viele Tausend Acker unter Wasier gesetzt, wobei nicht nur die Aussaat, sondern auch beträchtliche Vorräthe und Vieh verloren gingen. Auch aus größeren Fabrtkorten werden Ueberschwemmungen von Baumwollspinnereien, Teppichfabriken und Eisengießereien gemeldet, wodurch Tausende von Arbeitern beschäftigungslos geworden sind. Ein Sturm von solch großem Umfange gehört zu den seltenen Erscheinungen. In Wonlock stand die Gasanstalt gänzlich unter Wasier, so daß kein Gas zu erlangen war. In Walsall hatte der Fluß Tame den Bahnhof 7 bis 8 Fuß unter Wasier gesetzt, so daß die Pasiagtcre in beträchtlicher Entfernung vom Stationsgebäube btc Waggons zu verlassen hatten. In Scarborough scheiterten drei Schiffe, die Bemannung derselben wurde von Den Rettungsbooten in Sicherheit gebracht.
Frankfurt, 28. Oktober. Gestern Abend trugen sich auf der Gallerte deS Opernhauses zwei heitere Stückchen zu. Ein hiesiger Metzger, Stammgast der Gallcrir und enthusiastischer Musikfreund, war bet den Klängen der Oper sanft entschlummert. Plötzlich that es einen Schlag und der Metzger war verschwunden. Ein Paar in die Höhe gestreckte Arme zeigten, daß er mit seinem Stuhl durchgebrochen war. Man zog ihn empor und er erzählte, er habe im Schlaf das Gefühl gehabt, als sei er ein Stockwerk tief hinabgestürzt. Em zweiter Zuschauer, ein baumlanger Handwerksmeister, saß mit seiner Ehehälfte ebenfalls auf der Gallerte. Seine Beine wußte er nicht recht unterzubringen, er öog sie in die Höhe und setzte auf oas eine Knie seinen Hut, auf das andere den seiner Frau. Plötzlich wurde lhm von einem Theaterdiener auf die Schulter geklopft und ihm zugeflüstert: „Sie, Ihre Kinder haben den Hut abzunehmen und sich zu setzen! „Was?" ertönte es zurück, „meine Kinner? Ei, des stn ja mei Bää!"
Aus der Rheinprovtnz. Auf dem Wochenmarkt zu D-, unweit Trier, ereignete sich verflosiene Woche folgender drolliger Diebstahl. Ein junger Mann trat an den Korb einer Bauersfrau und besah die von ihr zum Verkaufe gestellten Eier. Sie forderte einen so hohen Preis, daß et sich das Recht ausbat, die schönsten Eier aussuchen zu dürfen, was ihm die Verkäuferin genehmigte. Er legte dann die ausgesuchten Eier auf die verschränkten Arme der Frau, bis keine mehr darauf Platz fanden. Dann ergriff er die noch int Korbe liegenden und eilte rasch von bannen. Die unglückliche Frau konnte kein Wort hervorbringen, zumal sie auch für die auf ihren Armen liegcnben Eier fürchtete. Den benachbarten Weibern kam aber bie Situation so brollig vor, baß sie erst Lärm machten, als ber Dieb sich schon unter bie Menge verloren hatte.
Mainz, 27. October. Ein überaus heiterer Vorfall ereignete sich wahrend ber hiesigen neulichen Aufführung ber Oper „Fidelio" hinter den Coulisien. Als ber Bo|ewlcht Don Pizarro lHerr Mann) am Schluß Der Oper seinen wohlverbtenten Lohn empfangt und auf ben Wink bes Ministers ben Trabanten zur Verhaftung überwiesen wirD, flibt ber Den Officter barstellenbe Herr vom Chor zweien Statisten ben Befehl, Pizarro abzu fuhr en, wobei er benselden, um ihnen bie Wichtigkeit ihrer Mission plausibel zu machen, im Abgehen zuflustert: „Der- Mann ist ein Staatsgefangener, bewacht ihn scharf." Die Statisten, gehorsam bem Befehl, führen ben Darsteller bes Pizarro ab, welcher in seine Garberobe geht, um sich in seine Straßenkletber zu werfen unb nach Hause zu gehen. Letzteres sollte ,hm tnoetz nicht so leicht werden, denn beim Hinaustreten aus der Garderobe erblickt et zu lernet nicht geringen Verwunderung die beiden Trabanten zur Rechten und Linken der Thüre aufgestellt, welche ihm mit gekreuzten Hellebarden ben Ausgang verwehren. Auf seine Frage, was oas zu beoeuten habe, wirb ihm von Seiten ber als Trabanten verkietbeten wackeren Vaterlanbsoertheiblger bie Antwort zu Theil, sie hätten strenge Orbre, ihn als Staatsgefangener zu bewachen un er bürfe nicht aus Der (Satbetobe hinaus. Erst nachdem der hetdelgerufcne Insplcient mi vieler Mühe das Mißverstänbniß gelöst, senkten sich bie Hellebarben unb Herr Mann, dem das komische Intermezzo, welches ihm hier als Pizarro passirte, gewiß noch ofer ein vergnügte«
s Lächeln entlocken wirb, burftc sich nunmehr unbehelligt nach Hause begeben.


