Mittwoch den 1. September
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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
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Gästen des Kaisers bei den bevorstehenden Herbstmarövern wird, wie jetzt feflsteht, auch der Herzog von Cambridge gehören, der dtrect von Ktssingen hierher reist. Der Herzog war seit langen Jahren nicht am hiesigen Hofe. • Als Sproß des Welfenhauses hat er, wie genugsam bekannt, nicht gerade lebhafte Sympathien für Preußen und seinen Hof, um so mehr ist seine Anmeldung zu den bevorstehenden Manövern bemerkt und freundlich begrüßt worden. (Köln. Ztg.)
Metz. (Deutschfeindliche Demonstration in Pont-L.Mousson). Einige Herren aus dem Königreiche Sachsen, welche zur Feier der zehnjährigen Wte^ derkehr der Kämpfe bei Metz und um die von den Glauchauer Mllttärvereinen gewidmeten Kränze auf dem den sächsischen Truppen gewidmeten Denkmale ntederznlegen, sich nach Metz begeben hatten, benutzten die Gelegenheit zu einem Besuche Pont. L- Mousions und hatten dort allerhand Widerwärtigkeiten zu erleiden. Die Herren berichten hierüber im „Glauchauer Anzeiger" wie folgt:
„In Pont - K-Mouston stiegen wir im Hotel de France ab, in welchem 1870 das Hauptquartier unseres Königs Albert war, und wo wir auch persönlich verkehrt hatten. Die Besitzerin des Hotels empfing uns in liebenswürdigster Welse und erinnerte sich auch, nachdem wir einige Erklärungen und Erläuterungen gegeben, einzelner Momente unseres damaligen Aufenthalts. Den ganzen Nachmittag über blieben wir im Hotel und enthielten uns jeder Aeußerung, welche in irgend welcher Weise als Demonstration hätte gedeutet werden können. Die Bevölkerung hatte jedoch trotzdem in uns ehemalige Soldaten von 1870/71 erkannt unV sich in Gruppen vor dem Hotel angesammelt.
Als wir nun nach dem Abendeffen aufbrachen, um mit dem 8-Uhr-Zug nach Metz zurück zu fahren, mußten wir gleichsam durch Spaliere von Blousen- Männern schreiten, welche uns murrend und höhnend nachfolgten. Die Anhäufung der Leute nahm rapid zu und einen so gefahrdrohenden Charakter an, daß sich sechs Polizei-Sergeanten genöthtgt sahen, uns in ihre Mitte zu nehmen. In fold/ angenehmer Begleitung gelangten wir glücklich auf den Bahnhof. Auch dieser war bereits von revanchelustigen Fraezosen dicht besetzt, deren grobe Insultationen in Wort und Geberde wir geduldig über uns ergehen lassen mußten. Die Gefahr für uns wurde immer größer, bis die Polizei Verstärkungen holte und die ganze Volksmafle — bis auf die Pafla- giere — aus den Bahnhofs -Localttäten htnausdrängte. Mit besonderer Anerkennung verdient hier das thatkräfttge Eingreifen der Polizeimannschaften hervorgehoben zu werden. Um den unö zugedachten Insultationen die Krone aufzusetzen, sprang, als wir bereits im Eisenbahnzug saßen, ein sehr anständig gekleideter, anscheinend den gebildeten Ständen angehöriger Mann in unser Coupä und gab in gemeinster Weise seinen Rachegedanken Ausdruck. Nur die schnellste Abfahrt des Zuges und unsere in all' den peinlichen Lagen fortwäh- rend beobachtete Kaltblütigkeit und Besonnenheit konnte uns vor weiteren Unannehmlichkeiten schützen und verhüten, daß irgend ein ernster Unglücksfall herbeigeführt wurde."
Diese Ergebnisse zeigen nur allzugut, wie sehr die französische Bevölkerung auch in der Provinz noch von Haß gegen.Deutschland und die Deut- scheu beseelt ist.
Telegraphische Depeschen.
Wagncr'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 30. August. Das Programm der neuen liberalen Partei ist heute erschienen. Die Unterzeichner erklären ihren Austritt aus der national- ltberalen Partei. Das Programm betont ferner den Widerstand gegen die rückschrittliche Bewegung und daS Festhalten an den erriingmeii politisch.n Freiheiten; nur auf der gesicherten Grundlage wirthschaftlicher Freiheit sei die materielle Wohlfahrt dauernd verbürgt. Nur unter Wahrung dcr constitutio- nellen Rechte, unter Abweisung aller unnöthigen Belastungen des Volkes und solcher indirccten Abgaben und Zölle, welche die Steuerlast vorwiegend zum Nachtheile der ärmeren Elasten verschieben, dürfe eine Reform der Rrichssteuern erfolgen. Das Programm verlangt kirchliche und religiöse Freiheit, verbürgt durch selbstständige Staatsgesetzgebung und Wahrung der unveräußerlichen Rechte des Staates. Die Schule dürfe nicht der kirchlichen Autorität untergeordnet werden. — Unterzeichnet haben das Programm: Bamberger, v. Baumbach, Beisert, Berltng, Braun (Glogau). v. Bunsen, Drawe, v. Forckenbeck, Lipke, Meyer (Breslau), Pflüger, Platen, Rickert, Sachse, Schlutow, Slyfarth (Liegnitz), v. Stauffenberq, Struve, Thilenius, Trautmann, Vollerthun, Weihermel, Westphal und Witte (Rostock).
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Deutschland.
Berlin, 28. August. Schon während des Felozuges 1864 und in noch höherem Maße während des Winters 1870—71 hatte man die Roth« Wendigkeit anerkannt, für die deutschen Truppen ein Kletdungsstück einzusühren, welches geeignet ist, zu gegebener Zeit Kopf und Genick gegen die Einwirkungen der Kälte zu schützen. Die versuchsweise an den Mänteln angebrachten sog. „Capuchons" leisteten nur unvollkommene Dienste, und hat sick in Folge besten das Kriegsministerium entschlosten, für den bevorstehenden Winter versuchsweise die russischen „Baschliks" einzuführen. Es sind demzufolge eine hinlängliche Anzahl dieser russischen Kapuzen von etwas veränderter Form und befferem Stoffe zur Anfertigung aufgegeben worden, die versuchsweise den Truppen Norddeutschlands zur praktischen Prüfung rugewtesen werden sollen» Fällt diese Probe zur Befriedigung aus, dann ist auch die weitere Einführung dieses neuen UniformstückeS in der ganzen deutschen Armee schon jetzt als feststehend zu erachten.
Berlin, 29. August. Dem Vernehmen nach gehen die preußische und die hessische Regierung mit dem Plane um, die an Preußen gekommenen, zur Diöcese Mainz gehörigen Pfarreien Kirdorf, Homburg und Rödelheim nebst den im Kreise Biedenkopf wohnhaften Katholiken den Bisthümern Fulda und Limburg zu überweisen, dagegen die hessisch gewordenen Orte Harheim und Dornaffenheim dem Bisthum Mainz zu incorporiren.
— (Reichsgerichts-Entscheidung). Tie in vielen Feuerversicherungs-Verträgen enthaltene Bestimmung: „Der Versicherte verliert im Falle wahrheits- widriger Angaben in der Schadensliquidation jr'oen Anspruch auf Entschädigung und zwar für alle an dem betr. Brande betheiligten Versicherungen" — ist nach einem Erkenntntß des Reichsgerichts, ersten Civilsenats, vom 23. Juni 1880 ohne Weiteres so zu verstehen, daß der Versicherte sowohl jeden An- spruch auö der Versicherungs-Police verliert, welche dem Versicherungs-Gegen- stände, in Bezug auf den eine wahrheitswidrige Liquidation nachgewiesen ist, zum Grunde liegt, als auch seine aus anderen mit derselben Versicherungs- Gesellschaft abgeschlossenen Feuerversicherungs-Verträge in Bezug auf andere Gegenstände sich ergebenden Ansprüche. Hat beispielsweise der Versicherte seine Mobilien laut einer Police und seine Immobilien laut einer zweiten besonderen Police unter der oben erwähnten Bedingung versichert, so verliert er bei einem auf seine Mobilien und Immobilien sich erstreckenden Brandschaden jeden Anspruch aus Ersatz der beschädigten Mobilien und Immobilien, wenn er in der Schadensliquidation sich auch nur in Bezug auf einen einzigen Gegenstand eine Wahrheitswidrigkeit zu Schulden kommen läßt.
— Das Journal „Die Vereinigten Staaten von Europa" veröffentlicht ein Schreiben des deutschen Reichstags-Abgeordneten Bühler an den Präsidenten der internationalen Friedens- und Freiheits'Liga, sowie die Antwort des Letzteren an Bühler. Der Erstere giebt dem Gedanken Ausdruck, daß Frankreich, um daS Mißtrauen der Deutschen zu zerstreuen und den Frieden zu sichern, spontan eine kleine Friedensmanisestation ohne Hintergedanken auf Grundlage des uti possidetis machen soll. Der Prräsident der Liga erwidert, Frankreich könne in dieser Weise die Eroberung Elsaß - Lothringens nicht rati- ficiren. Uebrigens wäre eine solche Manifestation Frankreichs nichtig. Man müfle Elsaß'Lothringen selbst fragen, ob es deutsch oder französisch ober selbstständig sein wolle. Frankreich und Deutschland sollten alsdann die Entscheidung annehmen. Der Präsident der Liga räth Bühler, dies dem Fürsten Bismarck anzuratben. Die „Magdeb. Ztg." bemerkt dazu: „Weiter hat der Herr Präsident keine Schmerzen?"
— Seit geraumer Zeit hat kein Vorgang hier in weiten Kreisen ein so großes Aussehen gemacht, als die veröffentlichte Entlaffung des nunmehrigen Etaatssecretärs für Elsaß-Lothringen, Hofmann, aus seinen bisherigen Aemtem im neulichen „Reichs-Anzeiger." Man sucht vergebens nach einem ähnlichen Vorgänge: Entlaffung eine- Staatsministers ohne besten eigenen Antrag, und man fragt sich, wie es zugehen mochte, daß die Entlastung Hosmann's aus feinen bisherigen Aemtern erst zwei und eine halbe Woche nach seiner Ernennung zu einem neuen Amte erfolgen konnte. Noch überraschender ist die lieber* nähme des Handelsministeriums Seitens des Fürsten Bismarck; ein dahin gehende- thatsächlich vor einigen Tagen verbreitet gewesenes Gerücht begegnete so lebhaften Zweifeln, daß man allseitig Anstand nahm, daffelbe zu berichten. Man glaubt, dieses neue Amt eines Handelsministers für Preußen werde Fürst Bismarck nur provisorisch führen, zumal da es heißt, derselbe wollte vor seiner Abreise von Berlin die Angelegenheiten der erledigten Posten, und zwar auch des Leiters des Auswärtigen Amtes, erst ordnen. Zu den
Gießen, den 30. August 1880.
Das Großherzoglichc Rentamt Gießen
an bü Großherzoglickt'N Bürgermeistereien des Bezirks.
Sie wollen den Rechnern Ihrer Gemeinden alsbald eröffnen, daß die Entrichtung der Beiträge für das zur Bewirthschaftung der Communalwaldungen im Jahr 1879 verwendete Formularpapier bis längstens 16. kommenden Monats zu geschehen habe. e
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