irdische Heizungsanlage, wo sie sich mittelst Erleuchtens durch Zündhölzer den Aufgang nach Oben über eine hölzerne Treppe suchten und durch die oben unverschlossene Thüre Zutritt in das Innere der Synagoge fanden. Dort erbrachen sie die Thüre zur Thora mittelst eines Meißels, nachdem sie zuvor mittelst eines Centrumbohrers am Schlosie angebohrt hatten. Sie entwendeten hier vier rothe halbseidene goldgestickte Mäntelchen und beschädigten zwei weitere durch Abreißen der Goldstickereien im Gesammtwerthe von über 600 JL Von der Thora begaben sie sich in ein offenes Nebenzimmer (Gabinetj, wo sie einen roth-seiden-sammtnen, mit Goldstickereien (Löwe und Wappen) versehenen Vorhang im Werthe von 7—800 st. Mitnahmen. Aus einem ähnlichen Vorhang schnitten die Diebe einen Theil der Goldstickereien heraus. Ferner wurde cm silberner Becher ohne Fuß, sowie ein silberner Deuter (sog. Gottesfinger) uno ein großer neusilberner Leuchter von ziemlichem Gewichte mitgenommen. Hier wurde auch ein Stück von einer Gaslampe abgedreht und gleichfalls eingesteckt. Aus einem offenstehenden Schrank wurde eine Büchse genommen, dieselbe erbrochen und ihres Inhalts mit etwa 25 JC. in verschiedenen Münzsorten beraubt. Eine gleiche am Vorplatze der Synagoge in die Wand einge- gypstr Sammelbüchse wurde herausgeriffen und ihres Inhalts mit etwa 1 JL entledigt. Von hier aus machten sich die Diebe an den in der Synagoge befindlichen Caffaschrank, zwängten die Eisenverzierung los, ohne daß sie ihren beabsichtigten Zweck erreichen konnten. Die Diebe nahmen ihren Rückweg durch die Gärten der Wieseck entlang nach der Grünberger Straße zu.
Veranlaßt durch die Andeutungen eines hiesigen Bürgers, bei welchem rc. Kirchmann vor etwa 14 Tagen geschmolzenes oder zerschlagenes Silber zum Verkaufe anbot, wurde die Schutzmannschaft auf denselben aufmerksam und verhaftete ihn sofort. Der Frau des re. Röh- lich mochte diese Verhaftung zu Ohren gekommen sein und gedachte dieselbe sich vielleicht aus der Affaire zu ziehen, indem sie auf Befragen eingestand, daß die in der Synagoge gestohlenen Sachen sich auf ihrem Acker am Trieb vergraben befänden. Eine Haussuchung bei re. Röhlich ergab, daß noch weitere gestohlene Sachen in ihrem Bette und auf dem Speicher sich befanden. Die Silbersachen und Goldstickereien, welche die Diebe von den Vorhängen abgetrennt hatten, waren zum Theil auf dem Acker Röhlich's vergraben. Zu bemerken ist noch, daß der Einbruch bereits auf Sonntag Nacht projeetirt war, wovon die Frau Röhlich's aber ihren Mann abzuhalten gewußt haben will. Röhlich wurde nun ebenfalls verhaftet und fanden sich nun auch sämmtliche Werkzeuge, welcher sich die Diebe bedienten, bei demselben vor.
Eine weitere heute Morgen bei Röhlich vorgenommene Nachforschung führte auf die Spur eines in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni in Vilbel in der katholischen Kirche toer übten Kirchenviebstahls und wurden bei dieser Nachforschung geschmolzenes Silber unv eine zusammengeschlagene Broneeschelle aufgefunden. Hierauf wurden die Frauen Röhlichs und Kirch- manns, welche entschieden von beiden Diebstählen gewußt haben dürften, verhaftet. Nachträglich sei noch bemerkt, daß jeder der beiden Einbrecher sich im Besitze eines Schlüffels zvm Innern der Synagoge befand.
— Einen großen Menschenauflauf verursachte heute Morgen die Vorführung eines auf Requisition des Gerichts verhafteten Mannes. Das Publikum glaubte, cs sei einer der Einbrecher zur Synagoge und umlagerte stundenlang die Schloßgaffe und das Regierungsgebäude, natürlich ohne etwas zu sehen oder zu hören. Die Schutzleute hatten alle Mühe, die Passage frei zu halten.
— Die feit Montag vermißte 82jährige Frau wurde heute Morgen in der Nahe der Sauerbier'schen Mühle aus der Lahn gelänbet.
Vermischtes.
Pesth, 24. August. Für die Szegedtner sind nach dem letzten Ausweis bisher im Ganzen 2,573,961 fl. 46«/z kr., somit bereits mehr als vritthalb Millionen eingegangen, zu welcher Höhe die Summe emporgeschnellt wurde durch jene 250,000 Frcs., welche der Präsident des französischen Hilss-Comitees in Paris, Graf Roys, als das Ergebniß des Pariser Opernfestes vom 7. Juli übersendete.
— (Gott schütze mich vor meinen Freunden.) Wie neulich im Kissinger „Cur-Anzeiger" ein „poetisches" Attentat auf den Fürsten Bismarck begangen wurde, wird in den Spalten der „Nordd. Allg. Ztg." der neue Kultusminister von einem Heydekruger mit folgenden Versen angefallen:
Pommerns Stolz und hohes Glück,
Unter den Bäumen gleicht Dir die Eiche, Tief ist Dein Sinnen, strahlend Dein Blick, Trefflicher Mann, Du bist ohne Gleichen, Kommst Du daher mit des Genius Auge Athenens, Du bester, edelster Sohn. Mögen auch dumpfe, niedrige Geister, (M)ögen sie widmen Dir nichtigen Hohn, Es strahlt Dein Stern an Preußens Himmel Recht wie ein Fürst unter Troßgewimmel.
Eine Stimme aus dem Kreise Heydekrug im Namen des ganzen Regierungs Bezirks Gumbinnen. Rührend ist die Naivität des biederen Sänger, der — ungewiß darüber, ob der Cultus- Minister sich mit einem oder zwei M schreibt — vorsichtshalber einen eingeklammerten Supplementar-Vers lieferte. Auch die Bescheidenheit des Sängers verdient Anerkennung, da er sich nicht als Mandatar der ganzen Provinz, sondern nur eines einzigen Regierungs-Bezirks hinstellt.
Hachenburg, 25. August. Rohe Behandlung. Man erzählt sich hier ein Stückchen von Rohheit, welches der Oeffentlichkeit übergeben zu werden verdrent, damit vielleicht hier und da ein Dorfregent, der ähnliche Gefühle hat, sich daran em warnendes Beispiel nimmt. Vor einigen Tagen kam nach einem anderthalb Stunden von hier entfernten Dorfe ein reisender Drechslergeselle und hatte daselbst das Unglück, zweimal das Bein zu brechen Auf Anordnung der Ortsbehörde wurde er in einem Stalle zwar auf Stroh gelagert, allein sein flehentliches Bitten und Jammern nach einem Arzte mit dem Bemerken abgewiesen, daß man einmal abwarten wolle, ob nicht etwa einer der hiesigen Aerzte zufällig des Weges komme. Nach zwei langen Tagen, in welchen der Verunglückte große Schmerzen litt, war noch kein Arzt erschienen und nun wurde der Arme auf einen Wagen geladen, in die Nähe unserer Stadt gefahren und am Wege abgesetzt. Auf zwei einer Hecke entnommenen Pfählen schleppte er sich zur Stadt und befindet sich nunmehr unter ärztlicher Behandlung und in guter Pflege. Den fürsorglichen Dorfbürgermeister aber will sicherer Nachricht zufolge unser Herr Amtmann gehörig beim Kragen fasten und zwar von Rechtswegen-
Für die bedrängte Familie sind eingegangen: Gg. Noll 5 L 1 „ft, R. Scheel 5 JL, B. 50 H, S. 2 JL, F. 1 JL., Dr. 1 Ungen. 1 JL, von einer Gesellschaft in Wenzels Garten gesammelt 5 J4, Frau Dr. G. 3 Ungen. 2 Jt, M 2 J£, N. N. 50 H Um weitere Gaben bittet Die Exped. d. Bl.
Handel und Verkehr.
Gießen, 30. August. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. JL 0,8'» bis «4L 0,90, Hühnereier per Stück 5 u. 5»/r -H, Käse per Stück 4—8 H, Käsematte per Stück 3 X Erbsen 1 Liter 20 Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 65 H, Hühner per Stück JL 0.90, alte Hahnen, per Stück JL. 0,90, junge Hahnen, per Stück 60 H, Enten, per Stück 1,40, Gänse —, Kartoffeln per 100 Kilo JL 6, Zwiebeln, per Centn er JL 8, Milch per Liter 16 u. 18 H, Ocbscnfleisch 70 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 50—60 X Kalbfleisch 40—48 Hammelfleisch 60—70 X Schweinefleisch 60
Auszug aus den Stsndessmtsrcgiflern des Standesamts Gießen
Vom 23. bis 30. August 1879.
Aufgebote.
25. August. Steinbrecher Wilhelm Valentin zu Gießen mit Minna Leib, Tockter dcs verstorbenen Cigarrenmachers Johann Georg Leib von Gleiberg. 25 Bahnarbeiter Heinrich Schäfer, Wittwer von Rödgen mit Marie Müller, Tochter des verstorbenen Ackermanns Anton Müller von Lang - Göns. 27. Schreiner Peter Gewehr von Kleinrechtenbach mit Eli- sabethe Friederike Merg, Tochter des Uhrmachers Friedrich Merg von Kirchberg. 28. Braueret- besitzer Ferdinand August Pöschel zu Gießen mit Marie Sophie Katharine Mannhardt, Tochter des verstorbenen Privatiers Martin Mannhardt von Frankfurt a. M. 28. Postschaffner Franz Tietz von Knipstein mit Katharine Uebel, Tochter des Postschaffners Jacob Uebel 111. zu Gießen.
Eheschließungen.
27. August. Brauereibesitzer Johann Adam Förtsch zu Gießen mit Louise Hermine Charlotte Kühn, Tochter des verstorbenen Buchbinders Heinrich Kühn von Gießen.
Geborene.
21. August. Ernst Karl, Sohn dcs Bremsers Johann Andreas Heinrich Lauer. 18. Anna Katharine Wilhelmine Lisette, Tochter des Stadtgerichts-Dieners Heinrich Mclior. 21. Elis«, Tochter des Schreiners Karl Schäfer. 19. Heinrich, Sohn des Taglöhners Balthasar Vetzberger. 21. Ferdinand, Sohn des Echreinermeisters Ferdinand Krailing. 24. Dem Schneider Georg Fischer ein Sohn. 21. Albert, Sohn des Schuhmachers Karl Orth. 21. Ein außerehelicher Sohn von auswärts. 21. Elisabethe Ernestine Gertrude, Tochter des Profeffors Dr. Karl Gareis. 20. Hermann, außerehelich von auswärts. 23. Heinrich, außerehelich von auswärts. 25. Robert Edmund, Sohn des Kaufmanns Robert Hecker. 25. Emma Fanny Sophie, außerehelich von auswätts.
Gestorbene.
22. August. Marie Krailing, geborene Schweng, 37 Jahre alt, Ehefrau des Schreiner- meistcrs Ferdinand Krailing. 22. Maurer Johannes Wagner, 57 Jahre alt, von Ober-Mörlen. 22. Johannes Heinrich, 3 Monate alt, Sohn des Taglöhners Heinrich Münker. 18. Mus> fetier Heinrich Böck, 21 Jahre alt, von Helpershain. 23. Taglöhner Heinrich Bergheiner, 70 Jahre alt, von Nieder - Wöllstadt. 26. Gelbgießer Reinhardt Wilsch, 28 Jahre alt, von Michelsvorf. 26. Friederike Weicker, geb. Furkel, 59 Jahre alt, Ehefrau des Zimmermanns Ludwig Weicker. 27. Ernst Johann Ludwig, 5 Monate alt, Sohn des Schneidermeisters Johann Caspar Heß. 26. Angelika Schmidt, geb. Höfer, 56 Jahre alt, Wittwe des Premier- Lieutenants a. D- Julius Schmidt. 28. Ludwig, 10 Jahre alt, Sohn des Schmieds Ludwig Haas von Annerod. 28. Müller Jost Rühl, 27 Jahre alt, von Appenrod.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 26. August. Heinrich Münker, Maschinenputzer dahier des Dachdeckers Melchior Münker von Reichlos ehel. Sohn und Elisabeth Diehl, des verstorbenen Gastwtrths zu Burg- Gemünden Adolf Diehl ehel. Tochter.
Den 28. August. Johann Adam Förtsch, Bierbrauer dahier, des Bierbrauers zu Dormitz Friedrich Förtsch ehel. Sohn und Louise Hermine Charlotte Kühn, des verstorbenen Buchbinders Heinrich Kühn ehel. Tochter.
Getaufte
Den 22. August. Dem Heilgehülfen Christian Frech eine Tochter, Auguste Louise Flavia, geb. den 27. Juni.
Den 23. August. Dem Schreinermeister Ferdinand Krailing ein Sohn, Ferdinand, geb. den 21. August.
Den 24. August. Dem Schriftsetzer Christian Wilhelm Platz eine Tochter, Amalie Auguste Karoline Sophie, geb. den 29. Juli.
Denselben. Dem Fuhrmann Johannes Müller ein Sohn, Johann Heinrich Christian, geb. den 5. August.
Denselben. Dem Schloffer Ludwig Pfaff eine Tochter, Karoline Henriette, geb. den 12. August.
Denselben. Dem Großh. Hofgerichtskanzlisten Wilhelm Koch eine Tochter, Louise Anna Dorothea Karoline, geb. den 14. Juli.
Denselben. Dem Tapetenhändler Heinrich Hochstätter ein Sohn, Heinrich Otto, geb. den 15. Juli.
Den 26. August. Dem Lackirer Gottlieb Nauheimer ein Sohn, Julius August Hermann, geb. den 6. August.
Denselben. Dem Hutmacher Karl Ludwig Gail eine Tochter, Louise Margarethe Karoline Emilie, geb. den 22. Mai.
Beerdigte.
Den 23. August. Marie Krailing, geb. Schweng, Ehefrau des Schreinermeisters Ferdinand Krailing, alt 37 I. 8 M. 23 T., gest. den 22. August.
Denselben. Karl Frech, Kaufmann dahier, alt 78 I. 6 M. 1 T., gest. den 22. August.
Denselben. Heinrich Böck, Musketier im II. Großh. Infanterie-Regiment Nr. 116, aus Helpersheim, alt 21 I. 8 M. 15 T., gest. den 18. August.
Den 28. August. Angelika Schmidt, geb. Höfer, Wittwe des König!. Preußischen Premier-Lieutenants Albert Schmidt, alt 56 I., gest. den 26. August.
Denselben. Friederike Welcker, geb. Furkel, Ehefrau des Zimmermanns Ludwig Weicker, alt 59 I., gest. den 26. August.
NB. Empfohlen für Frankfurt a. M.
Rheinische Weinstube!!
Restaurant.
Zeildurchbruch. 48 eMüCltß 48 Bleichgarten.
5631) VF. Sturvnfels,
Allgemeiner
Meine verehrt. Kunden in Wein mache ich auf den beginnenden Herbst-Versandt aufmerksam und bitte leere Fäffer in meiner Wohnung oder direct nach Bingerbrück a. Nh ein abzuliefern.
GTESSEBT, den 1. Septbr. 1879.
5638) Adolph Bertram«
5 Btc Wollenstosse u. Seidenzeuge S
zum Besatz für die Amtstrachten der Herren ■ Zustizbeamten empfehlen in verschiedenen Qualitäten ■ / Louis Treff Co« ■“
■T Zeichnungen und genaue Angaben über die Anfertigung liegen zur JS gefl. Einsicht vor. B (5Z4I ji
Anzeiger.
Geschäfts Verlegung.
Meinen werthen Kunden, sowie einem hiesigen Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich vom Heutigen in dem Dofflein'schen Hause, Wallthorstraße 99, wohne. Um geneigten Zuspruch bittend, zeichne Hochachtungsvoll
Conrad Alt,
5650) Schuhmacher.
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