der Homburger Bahn seitens des Staates mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt, nachdem Rechter, mie die „Franks. Ztg." meldet, nachgewiesen, daß die Rentabilität nicht 5V2, sondern 31/, pCt. betrage.
München, 28. Januar. Das „Müachener Fcemdenbl." hört, daß Professor v. Pettenkoser gestern im Auftrage der bayerischen Neuerung behufs Verabredung rascher und energischer Maßregeln gegen die Verbreitung der Pest nach Berlin abgereist ist.
Hesterreich.
Wien, 27. Januar. Der „Polit. Corresp." meldet man aus Konstantinopel vom 16. Januar:
Dienstag, 14. Januar, spielte sich im ArbeitS-Cabinet des Finanzministers Zuhdi Pascha eine für die politische und finanzielle Situation der Türkei kennzeichnende Scene ab. Der Finanzminister hatte den Bankotrector Deveaux zu sich gebeten und empfing ihn mit der Frage: „Können Sie uns 16 000 türkische Gold-Livres vorstrecken?" „Excellenz", erwiderte der Bankoirector, ^das wird uns sehr schwer sein. Die wiederholten Vorschüsse, die wir Ihnen gemacht, haben unsere Metallreserve fast vollständig erschöpft, und überdies wisien Sie ja, daß wir Garantteen haben muffen." Es muß hier nebe, bei bemerkt werden, daß die Regierung bereits gegen 150 Millionen F^a ws in Gold der Bank schuldet. Der Finanzminister zeigte hieraus dem Bmkdirector ein von dem Kriegsminister Osman Pascha ihm zugckommenes Billet, das nach seiner Übersetzung folgendermaßen lautet: „Wenn Sie mir binnen zwei Tagen nicht Geld zum Ankäufe von Brod und anderen nothwendtgen Lebensmitteln schicken, stehe ich nicht mehr für die Armee gut. Wir sind in der äußersten Roth. Das kann nicht länger so fortgehen." „Sie sehen", nahm Zuhdi Pascha wieder das Wort, „wie die Sachlage beschaffen ist. Wenn Sie mein Verlangen abschlagen, können Sie die Ursache eines großen Unglückes werden." Herr Deveaux kehrte sodann in die Bank zurück, confertrte mit seinem Collegen, Herrn Foster, und nach zwei Stunden ging das von Zuhdi Pascha verlangte Geld an denselben ab. Es ist Thatsache, daß die E «tbeh- rungen aller Art, an denen die Armee zu leiden hat, in der letzten Zeit in ihren Reihen eine lebhafte Unzufriedenheit hervonief, die sich durch Klagen und unter den Soldaten umlaufende ausrührische Schriften Luft zu machen sucht. Ein wahrhaft besorgnißerregender Geist der I Subordination herrscht in der Militärschule von Pancaldi, wo man eine Menge gegen den Sultan gerichtete Plakate und Dichtungen mit Beschlag belegt hat.
Pesth, 28. Januar. Das Unterhaus genehmigte einstimmig die handelspolitischen Vereinbarungen mit Frankreich.
Irankreich.
Paris, 28. Januar. Der Amnestie-Antrag wurde heute in der Kammer durch Louis Blanc, im Senat durch Victor Hugo eingebracht. — Lpere. Unterstaatssecretär im Ministerium des Innern, brachte einen Gesetzentwurf, betr. die Contumaz-Einrichtungen, ein. Kammer und Senat ootivten die Dringlichkeit für die Amnestie-Anträge sowobl, wie für den Gesetzentwurf. — Die Bureanx der Linken des Senats einigten sich aus die Canoidatur Mon- talivet's, ehemaligen Ministers unter Louis Philipp, als unabsetzbaren Senators an Stelle des verstorbenen Morin. Die Minister sind heute Nachmittag in Versailles unter dem Vorsitze Dufaure's versammelt, um über die Lage zu berathen.
England.
London, 28. Januar. „Standard" erfährt, daß vor der Wieder- Öffnung des Parlaments fein weiterer Cabinetsrath stattfinten werbe. — Wie dem „Standard" telegraphirt wird, besetzte General Stewart am 20. Januar Khelatti-Ghilzai, ohne Widerstand zu finden. — Die „Pall Mall Gazette" dementirt die Nachrichten über einen von der englischen Regierung beabsichtigten Kauf Cyperns.
Nußland.
Petersburg, 28. Januar. Von dem in ausländischen Blättern ver- b eiteten Gerücht, Karatheodory Pascha habe bei dem Fürsten Lobanoff über das Auftreten des Fürsten Dondukoff in Bulgarien Beschwerde geführt, sowie von dem Gerücht, daß zwischen dem Fürsten Dondukoff und General Totleben Differenzen bestehen, ist in hiesigen amtlichen Kreisen nicht das Mindeste bekannt. Die Unrichtigkeit der über den Fürsten Dondukoff circulirenden Nachrichten, wonach der Fürst unter Anderm den bevorstehenden Abzug der russischen Truppen aus Bulgarien in Abrede gestellt habe, characterisirt sich schon dadurch daß, wie hier und in der Armee bekannt ist, bereits die Häfen zur Einschiffung der russischen Truppen designirt sind.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz - Bureau.
Berlin, 29. Januar. Die von dem Bundesrathe gebilligten Vorschläge der Commffffon wegen Schutzmaßregeln gegen die Pest liegen gegenwärtig dem Kaiser zur Genehmigung vor.
München, 29. Januar. Die hiesigen Gerichte haben ausgesprochen, daß Art. 17 des Handelsvertrages mit Oesterreich vor Zustimmung des Reichstages wirkungslos sei. In Folge dessen wurden gestern hier Waggons der Elisabethbahn und in Regensburg zwei daselbst ankernde Dampfschiffe der österreichischen Donaudampfschlffsahrts-Gesellschaft in Beschlag genommen.
Petersburg, 29. Januar. Die aus Astrachan und von der Wolga eingeforderten Berichte, sowie Privatmeldungen lauten beruhigend. Die Regierung ordnet die energischsten Vorsichtsmaßregeln an. Wahrscheinlich wird General Loris - Melikoff als General-Commiffarius mit den ausgedehntesten Vollmachten nach Astrachan beordert werden. Es ist bedauerlich, daß auch bei diesem Anlaß durch Verbreitung falscher Nachrichten übertriebene Vorstellungen von dem Zustande der Ding? hervorgerufcn werden. Die Regierung hat für größte Energie in Ausführung von Vorsichtsmaßregeln auch bis zur Absendung eines General-Eommiffärs Vorsorge getroffen und genaueste Berichterstattung anbefohlen.
Paris, 29. Januar. Nach der heute Vormittag stattgebabten Con- serenz des Marschall-Präsidenten mit Dufanre war der Ministerrath im Ministerium des Innern zusammengetreten. Eine zweite Conseilsitzung wurde Nachmittags abgebalten welcher die Präsidenten beider Kammern beiwobnten. Es laufen gut beglaubigte Gerüchte von dem unmittelbar bevorstehenden Rück
tritte des Marschalls und dem Zusammentritte der Kammern als Congreß um. Wabrschemlich winde der Congreß Greoy oder Dufaure zum Präsidenten der Republik wählen.
Berlin, 29. Januar. Jrn Anschlüsse an die neuesten Pariser Depeschen über die Dortige Krisis scheibt die „Nordd. Allg. Ztg,": Was wir Angesichts der Wahlergebnisse vom 7. Januar in warnender Voraussicht andeuteten, vollzieht sich beute in Frankreich. Der zur unumschränkten Herrschaft gelangte Liberalismus ist sofott zum Gefolgsmann des Radtcalismus geworden, der ihn ur.d das Land nur allzu schnell dem Verhängntß entgege führt. Preußen wurde vor 18 Jahren durch einen starken Willen vor dem nämlichen Schicksale bewahrt.
— Gegenüber der Meldung, der Finanzminister habe im Staatsministerium aus der Verwerfung des Tabcksmonopols eine Cabinetsfrage gemacht und dadurch die Ver verfang Deffelben mit einer Stimme Mehrheit herbeigesührt, erklären die Abendzeitungen den ganzen Vorgang für erfunden. Ein derartiger Gegensatz habe um so weniger hervortreten können, als das Tab iksmonopol in den betreffenden Sitzungen gar nicht zur B rathung stand. Es handelte sich um die Zustimmung zu dem längst angekündiaten Anträge des Fmanz- minist-ws, betr. die Ausarbeitung einer Vorlage, welche auf einer Besteuerung des T lbaks nach dem Gewicht b istrt ist. Diese Zustimmung wurde einstimmig von dem Gesammtministerium ertheilt, damit aber die Erörterung der Frage in den Reihsmstanzen nicht vorgegriffen. Die Ausschüsse des Bundesraths zogen ihrerseits den Bericht der Tabaks-Commission in Berathung und sprachen sich ebenfalls mit Majorität für eine Besteuerung des Tabaks nach dem Gewicht aus.
— An der heutigen Sitzung der Commission zur Berathung von Schutzmaßregeln gegen die Pest nahmen die inzwischen in die Commission gewählten Pcofefforen Hirsch und Pettenkoser Theil. Die Commission thetlte die Berichterstattung über die verschiedenen Materien den für dieselben eingesetzten Sub- Commissionen zu. Die Publikation der gestrigen Beschlüsse des Bundesraths, betreffend die Beschränkungen der Einfuhr, steht unmittelbar nach der heutigen Sitzung des Bundesratbs bevor.
Petersburg, 29. Januar. Die russische Regierung hat ihre Vertreter im Auslauoe beauftragt, Den resp. Regierungen aufklärende Mittheilungen über die umfassenden Vorkehrungsmißregeln zu machen, welche gegen die Weiterverbreitung und Verschleppung der Pet getroffm worden seien.
Berlin, 29. Januar. Abgeordnetenhaus. Der Gesetzentwurf zur Ausführung des Gerichtskostengesetzes wird tn dritter Berathung ohne Debatte genehmigt und der Antrag Freund betreffs Regulirung der Oder fast einstimmig angenommen, nachdem seitens des Regierungscommiffärs Schönfeloer und des Handelsministers die Vorlegung der betreffenden Denkschriften zugesagt ist.
Es folgt die Berathung des Antrages Windthorst auf Wiederherstellung der aufgehobenen Verfassungsartikel 15, 16 und IS. Reichensperger begründet den Antrag. Redner zweifelt nicht, daß auch der vorliegende Antrag durch einfache Tagesordnung beseitigt werden würde. Seine Partei wollte indeß erfahren, ob die Majorität auch jetzt wieder nur eine negative Antwort oder etwas Positives entgeqenzusetzen haben werde. Alle Parteien des Reichstages hätten anläßlich der Berathung des Socialistengesetzes zugegeben, daß der Culturkampf ein Ende haben müsse. Hierzu wäre die Annahme des Antrages Windthorst der erste Schritt. Wolle man zur Revision der Maigesetze schreiten, so müsse man die bez. Verfassungsartikel wiederherstellen. Aber der Kultusminister habe freilich erklärt, von Revision könne erst die Rede fein, wenn der Episkopat die Staatsautorität anerkannt und den Gesetzen Gehorsam erwiesen habe. Eine solche Zumuthung könne man Sclaven stellen. Redner beruft sich auf das Schreiben des Kronprinzen, mit dem die Politik des Ministers im Widerspruch stehe Die Wiederherstellung der drei Artikel bedeute keineswegs die Unterwerfung des Staates unter die Kirche. Aegidi, unterstützt von Abgeordneten aller Parteien, mit Ausnahme des Centrums, der Polen und Altconservativen, stellt den Antrag, über den Antrag Wtndtborst zur Tagesordnung überzugehen. Gneist befürwortet die einfache Tagesordnung. Windthorst (Mevpen) wendet sich gegen den Antrag Aegidi. Letzterer wird darauf gegen die Stimmen des Centrums, der Polen uno Alt- conservatlven angenommen. Sodann wird eine Reihe von Petitionen erledigt. Die Petition um Einführung der Kreisordnung im Kreise Wetzlar und Zutheilung dieses Kreises zum Regierungsbezirk Wiesbaden wird der Regierung zur Erwägung überwiesen. — Nächste Sitzung Freitag.
Petersburg, 29. Januar. Laut einer officiellen Meldung sind in dem Gouvernement Astrachan seit dem 26 Januar feine epidemische Kranke mehr vorhanden. Alle Maßregeln sind gegenwärtig auf Desinsection und sanitäts- polizeil'cke Vorkehrungen concentrirt.
Paris, 29. Januar, Morgens 8 Uhr 24 Min. Es wird versichert, daß Marschall Mac Mahon und Dufaure noch aestern Abend eine Unterredung hatten. Dufaure habe dem Marschall die Consequenzen seiner Weigerung, das Decret, betreffend die höheren Commandostellen, zu unterzeichnen, vorgehalten, der Marschall aber erklärt, auf seiner Weigerung beharren zu muffen.
Paris, 29. Januar. Man versichert, Marschall Mac Mahon werde morgen in Versailles einem Minifterrathe vorsitzen. — Der Marschall hält seine Weigerung, das oft erwähnte Decret zu unterzeichnen, aufrecht. Die Lage wird den Kammern auf dem Wege einer Botschaft oder einer Interpellation dargelegt werden. Wenn das Votum der Kammern die Demission des Präsidenten der Republik herbeiführt, so ist die Wahl Gr^oy's wahrscheinlich. Dufaure lehnt die Candidatur ab.
Paris, 30. Januar, Morgens. Die „R6publique fran<^aise" sagt bei Besprechung Der Krise: Die persönliche Gewalt kann im Laufe des Tages, der soeben beginnt, definitiv begraben werden und von dem Augenblicke an, da dies geschehen kann, muß es auch geschehen. „Figaro" meldet dir Dem'ssion Der Generale Bataille, Bourbaki und Du Baratt, Corps- Cowmandanten.
Lokales.
Gießen, 30. Januar. Gestern Äbenv rannte eine Herrschaftskutsche am Seltersthor gegen eine nummerirte Droschke und zwar derart, daß dieselbe ihre Gäste aussetzen mußte, welche ihren Weg zu Fuß nach dem Bahnhof nehmen mußten. Das Riemenzeug, der Pferde wurde bei der Carambolage zerriffen und hatte der Kutscher der Droschke alle Mühe sich auf dem Bock zu halten.
--Die Schutzmannschaft verschaffte gestern sieben Bettlern warmes Quartier.
— — Bei der anhaltenden Kälte und der glatten Schnee-Decke kann nicht oft genug an die Fütterung der Vögel und auch des Wildes erinnert werden. Einzelne hiesige Jagdbeständer haben denn auch schon mehrfach Fuhren Heu nach dem Walde bringen lasten um namentlich dem Rehwild durchzuhelfen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir einen Vorschlag zur gütigen Erwägung bringen: Wäre es von Seiten des Thierschutzvereins, welcher in Gießen ja so reichlich vertreten ist, nickt am Platze, daß er außerhalb der Stadt größere Futterplätze für die Vögel Herrichten ließe. Jeder Oeconom würde wohl diese so allgemein nützliche Liebeshandlung mit einem Sacke Heusamen re. gerne unterstützen. Es bedarf gewiß wohl nur dieser Anregung um den Vorschlag praktisch ausführen zu lasten.
Gießen, 30. Januar. Man soll den Teufel nicht an die Wanv malen! — Gestern Morgen machte ein vormaliger Feuerwehrmann seinen HauSberrn darauf aufmerksam, daß wenn gegenwärtig in gewissen Gehöften Feuer ausbräche, es schwer halten würde, mit Spritzen heranzukommen, indem viele Hoftbore eingefroren seien. Siehe da, am Abend wäre durch begangene Unvorsichtigkeit Seitens einer dritten Person in gedachter Hofraithe Feuer ausgebrocken, wenn die Gefahr nicht rechtzeitig durch einen Knaben entdeckt worden wäre.


