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Freitag, den 31. Januar

187»

srr. 26

Kiekener Wizeiger

AMigk- unb AmtsbM für bcn Kreis Gießen

SSÄnXX } Schulst.-r- B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Laubach, am 29. Januar 1879.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

noch Anhänger des wissenschaftlich und praktisch schon tausendmal widerlegten Mercanttl'Systems, welches stets darauf aus ist,daS Geld im Lande zu behalten." " *

Zu wenig Geld ist schlimm, aber zu viel ist noch schlimmer. Man darf dabei natürlich nichtGeld" undCapital^ mit einander verwechseln. Jedermann, der diese beiden Begriffe richtig zu unterscheiden vermag, versteht unter Geld nichts als die klingende Münze, oder überhaupt die Umlaufs- mittel, welche dazu bestimmt find, den Austausch der Maaren und der Merthe zu vermitteln und zu erleichtern.

Mir wollen versuchen, an einem Exempel die Sache klar zu stellen:

Warum ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren Alles so theuer geworden? Warum sind wir genöthigt, einen so aufreibenden.Kampf um das Dasein" zu kämpfen? Eine Ursache war das Speculattons - Fieber, das uns ergriffen. Die andere Ursache, und zwar die Hauptursache, bestand aber darin, daß wir zu viel Geld, d. h. zu viel Umlaufsmittel batten. Wir hatten unser altes Metallgeld noch und begannen neues, namentlich Gold, in Masse zu prägen. Daneben aber hatten wir eine förmliche Ueberschwemmung an Papiergeld und Banknoten. Zwanzig verschiedene Staaten hatten an 185 Millionen Papiergeld in Umlauf. Sechsunddreißig Zettelbanken emittir- ten Banknoten von allen möglichen Sorten, selbst bis zu einem Thaler und bis zu einem Gulden herunter. Je mehr das Speculations-Fieber stieg, desto toller vermehrten sich die Noten-Emissionen. Sehr viele dieser Banken waren nicht einmal conthigentüt und kannten gar keine Grenzen für ihre Emissionen. Dadurch wurde natürlich das Fieber gesteigert. Je toller das Fieber tobte, drsto jämmerlicher wurde der Rückschlag. Die Theuerung aber vermochte sich noch eine Zett lang zu behaupten.

Jetzt sind wir auf dem Wege zur gänzlichen Heilung. Die Bank- und die Münzgesetzgebung haben die Papiergeld- und Banknoten-Pest beseitigt; des­gleichen die hypertrophische Fülle der Ctrculationsmittel. Der Werth unseres Geldes hat sich gehoben. Die Preise haben begonnen zu sinken. Wir haben die sichere Aussicht, erlöst zu werden von dem Fluche der Theue­rung, unter dem wir Alle so lange gelitten. Wir werden zurückkehren zu den guten alten billigen Zetten.

Da kommen dte Protecttonisten und wollen uns Alles durch Zölle ver- theuern. Wer ruft denn eigentlich nach Schutzzöllen? Vorzugsweise die reichen Leute, die Geld- und Finanzmänner, dte Großgrundbesitzer. Ste glauben dte Theuerung ertragen oder gar ausbeuten zu können. Die Armen und der Mittelstand aber können weder das Eine, noch das Andere.

Die Absicht des Reichskanzlers, der deutschen Production den Markt im Innern vvszubehalten, und dieselbe dadurch zu steigern, daß man die Concur- renz des Auslandes ausschlteßt, ist unzweifelhaft löblich. Aber das Gegentheil wird etntreten. Die Abschließung wird dte Productionskosten und dte Preise steigern. Im Innern wird dte Production und die Concucrenz zunehmen. Der Verbrauch tm Innern aber wird abnehmen, denn ein Jeder wird nach Möglichkeit sparen. Der fremde Markt wird uns verschloßen, thetls, wie ge­zeigt, durch die Verhinderung des Imports von unserer Seite, theils durch Kamps- und Retorsionszölle von Setten des Auslandes. Wir werden aus dem internationalen Verkehr, aus der Arbettsthetluug und Wettbewerbung, der wir unseren relativen Wohlstand verdanken, ausschetden und zu Hause tm Stillen verkümmern. Man wird dies vielleicht n^cht gleich im Anfänge mer­ken. Aber man denke an Göthe's Worte:

Es währet eine kurze Frist, Dann zeigt es sich, wie schlecht eS ist."

Frankfurt, 29. Januar. Dte Budget-Commtsston hat den Ankauf

Deutschland.

Berlin, 27. Januar. Dte zustehenden Ausschüffe des Bundesraths beginnen heute thre Beratbungen über den Bericht der Tabaks-Enquete^Com- misfion. Man steht dem Ausgange dieser Berathungen mit begreiflicher Span­nung entgegen, weil ihr Ergebmß zu Anträgen an den Bundesrath bezüglich der dem Reichstage zu unterbreitenden Vorlage über die Tabakssteuer führen wird. Inzwischen weiß man in parlamentarischen Kreisen, daß die Berathun- ren über die Tabakssteuersrage im Sckooße des preußischen StaatSministe- giums sich ungemein eingehend und umfangreich gestaltet und theilweise unter Hinzuziehung von Autoritäten stattgefunden hatten. Man bringt ferner dte von den Zeitungen gemeldete Reise des Geh. R.gierunzsrctths Tiedemann zum Fürsten Bismarck nach Fttedrichsruh mit den Verhandlungen in Zusammenhang und behauptet, es werde von Preußen aus die Unterstützung eines Projectes, welches die Etnsührung des Monopols zum Ziele hat, nicht zu erwarten sein. Wir haben Grund, diese Annahme für glaubwürdig zu halten, obschon dte Thatsache ftststeht, daß Fürst Bismarck selbst ein Anhänger des Monopols ist.

Berlin, 28. Januar. DerTribüne" wird unter der Rubrik: Import und Export. Billiges Geld und theuere Waare geschrieben:

In dem vom Reichskanzler am 12. November 1878 an den Bundesrath gerichteten Schreiben, welches in einem offenbaren Zusammenhänge steht mit der Declaration der zweihundert und vier Reichstags - Abgeordneten und mir der ebenfalls der Orffentltchkeit übergebenen Correspondenz von Ende October 1878 zwischen dem vormaligen Präsidenten desgroßdeutschen Reform-Vereins" von 1863 Herrn v. Varnbüler, auf der einen, und dem Herrn Fürsten Reichs­kanzler auf der andern Sette, finden wtr zum ersten Mal den Schutzzoll- Gedanken deutlich ausgesprochen. Während noch vor zwei Jahren fich der Fürst für die Reductton des Tarifs auf wenige einträgliche Finanzzölle tm deutschen Reichstage aussprach, wirft er hier die Frage zum ersten Mal auf,ob nicht den vaterländischen Erzeugntffen in erhöhtem Maße der deutsche Markt vorzubehalten und dadurch auf die Vermehrung der inländischen Pro­duction hinzuwirken fei."

In diesen wenigen Worten ist Alles gesagt. Entweder die ganze Wahr­heit oder der ganze Jrrthum.

Schutz tm Jnlande heißt für die deutsche Production, nach unserer Auf- faffung, einfach Verbannung aus dem Ausland, Ausschluß von dem ausländi­schen Markte. Wenn wtr in Deutschland alle fremden Erzeugntffe an den Grenzen zurückweisen oder thnen deren Ueberschrettung durch hohe Zölle un­möglich machen, dann hätten wtr in Zukunft ketnerlet Zahlung mehr an das Ausland zu machen, weil wir von ihm ilichts nnhr beziehen, folglich würden wir auch nichts mehr dahin exporttren. Allerdings könnte das Ausland noch eine kurze Zeit lang gewtffe Gegenstände btt uns kaufen und sie mit klingen­der Münze bezahlen, aber lange könnte das nicht dauern. Wir würden mit Geld überschwemmt werden. Das circultrende Medium würde das Umlauf- bedürfntß übersteigen. In Folge dieses naturwidrigen Ueberfluffes würde der Werth und die Kaufkraft des Geldes bet uns finken. Das Geld würde billt ger werden.

Billiges Geld aber ist gleichbedeutend mit theuerer Waare. Mit anderen Worten: Unsere Erz-ugmsse würden so theuer werden, daß wtr sie nicht mehr an das Ausland absetzen könnten. Das Verbot der Einfuhr würde also zu­gleich das Verbot der Ausfuhr in sich schließen. Der internationale Handel ist ja ein Austausch von Maaren und von Producten, und nicht ein Hin- und Herschtcken von klingender Münze. Leider gibt es in Deutschland immer

Betreffend: Gesammt-Jmpfung pro 1879.

Der Grostherzogliche Kreisarzt zu Laubach

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Ettingshausen, Hattenrod, Lich, Münster, Nieder-Besstngen und Ober-Besstngen.

Die stets wtederkehrenden Regelwidrigkeiten in der Aufstellung der ErstimpfungsL.sten, welche auch wiederum von Großherzoglichem Ministerium des Innern, Abtheilung für öffentliche Gesundheitspflege, gerügt worden find, nöthigen mich vor Zusendung der neuen Jmpfltsten^ormulare Ihnen hier nochmals kurz die Vorschriften vorzuführen, wie sie für die Ausfüllung derselben in den Instructionen vom 30. April 1875, sowie 27. December 1878 (Reg.>Bl. 9fr. 25 1875 und Reg.-Bl. Nr. 29 1878) erlassen worden sind, jedoch mit dem Bemerken, daß trotzdem in Zukunft noch sich ergebende Anstände Großherzoglichem Krets- amt Gießen von mir zur Abbülfe angezetgt werden müßten:

Unter Abtheilung A wird von dem Jmpfarzt der Uebertrag aus der vorjährigen Liste bewirkt.

Unter Abtheilung B sind von den Standesämtern unter durchlaufenden Nummern die im vorhergehenden Kalenderjahr geborenen, zur Zett noch lebenden Kinder einzutragen, einerlei ob dieselben bereits geimpft, oder während der Zeit verzogen finb. Beglich Letzterer ist in Spalte 19 der Ort des Verzuges anzugeben, ober, falls derselbe nicht bekannt, der Vermerk zu machen:Unbekannt wohin verzogen . Die Spalte 19 bleibt sonst von jeder anderen Bemerkung frei. , c k £ c,r. M

Unter Abtheilung C sind die nicht im Geburts-Register verzeichneten, zugezogenen, im vorhergehenden Kalender-Jahre geborenen, Kinder aufzuführen unter Angabe ihres früheren Heimathortes in Spalte 19. Sollten keine solche vorhanden fein, so ist dies ausdrücklich anzugeben".

Die ausgefültten Listen sind stets an mich einzusenden. Dr. Köhler.