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Ajtx. 78. Erstes Blatt. Sonntag, den 30. März 187S
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Gchulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Amtlicher Theit.
Gefundene Gegen ft ander
2 Portemonnaie's mit Inhalt. 1 Waschbütte, 1 goldener Siegelring, 1 Pfereeteppich, 1 Schlüssel, 1 Herren-Shlips.
Gießen, am 29. März 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Lokales.
Gieften, 29. März. Vor dem Schwurgericht des II. Quartals d. I. werden die nackbenannten Anklagesachen zur Verhandlung bezw. Aburtheilung kommen, nämlich:
Am 1. April, Vormittags 9 Uhr, gegen Karl Lehr von Rtdda, August Schneider von Nonnenroth, Heinrich Schrot von Gelnhaar und Wilhelm Schmidt von Nidda, wegen Diebstahls, Beihülfe, Hehlerei und Begünstigung; Vertheid.: die Gr. Hofg.-Advoeaten Dr. Reatz und Dr. Schwarz.
Denselben, Nachmittags 3 Uhr, gegen Heinrich Väth von Nieder-Rohbach, wegen Urkundenfälschung; Verth.: Gr. Hofg.-Adv. Labroiffe.
Am 2. April, Vormittags R'/z Uhr, gegen Johanne« Euler von Hochweiscl, wegen Diebstahls; Vertheid.: Gr. Hofg.-Adv. Weidig.
Denselben, Vormittags 11 UKr, gegen Llise Willenbüchcr von Hetzbach, wegen Dreb- stahls; Vertheid.: Gr. Hofg.-Adv. Thorwart.
sendungen, desgleichen inländische, welche in erkennbarer Weise socialistische Druckschriften enthalten, zu sistiren sind. Auf diese, sowie auf andere Klagen Liebknechts über Verletzung des Briefgeheimnisses gegenüber den Socialdcmokraten erwidert der Generalpostmetster: Die Be- hauptung, daß täglich Briefverletzungen vorkämen, bedürfe keiner Widerlegung. Solche Verletzungen könnten sich der Oeffentlichkeit nicht entziehen. Die Beförderung verbotener Druckschriften sei der Postbehörde durch Gesetz untersagt. Den Requisitionen der Staatsanwaltschaft wegen Beschlagnahme von Briefen müsse die Postbehörde Folge leisten. Auf Einzelfälle gehe er nicht ein. Liebknecht habe keine stichhaltigen Beweise vorgebracht. Lasker fordert Untersuchung der von Liebknecht angeführten Fälle und eventuelle Remedur. Windthorst schließt sich ihm an. Der Generalpostmeister betont nochmals, daß das Briefgeheimniß vollständig gesichert sei. Die Untersuchung würde resultatlos sein. Eine Abänderung könne er nicht in Aussicht stellen. Hänel fragt, ob der bezügliche Erlaß sich auch auf geschloffene Sendungen beziehe. Der Generalpostmeister antwortet verneinend. — Der Etat wird demnächst nach den Beschlüffen der zweiten Lesung genehmigt. In dritter Lesung wird hierauf ohne Debatte das Anleihegesetz und das Etatsgesetz angenommen. — Nächste Sitzung morgen. Tagesordnung: Wahlprüfungen und kleinere Vorlagen,
Wiesbaden, 28. März. Der nassauische Communal-Landtaq beschloß, dem kionprmzUchen Paar seine Therlnahme wegen des herben Verlustes ans- zudrücken und anläßlich der bevorstehenden goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten 50,000 Mk. für die Wttlwen- und Watsen-Stistung der Beamten des Com- munalve b-.r dkS zu bewilligen.
London, 28. März. „Standard" meldet aus Kalkutta vom 27. b.: Major >Laocg: an zeigte dem Vicekönig von Indien an, daß die Friedensver- Handlungen mit Jakub Khan gescheitert feten ; es ist der sofortige Vormarsch der Truppen gegen Kabul angeordnet.
Konstantinopel, 28. März. Der Sultan läßt aus den überflüssigen Gold- und Silber-Gegenständen in den kaiserlichen Palästen Geld zum Ankäufe von Kaimes prägen.
Neapel, 28. März. Der Caffationshos verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde Pussanante's.
Konstantinopel, 28. März. Die „Agence HavaS" meldet: Dem Vernehmen nach stimmt die Pforte der gemischten Besetzung Ostrumeltens zu, um ihre Verantwortlichkeit bet den vorausgesehenen Konflikten zu entlasten.
London, 28. März, Abends. Dem Amtsblatt zufolge wird anläßlich des Ablebens des Prinzen Waldemar von Preußen Hoftrauer sür die Zeit vom 30. März bis 13. April angelegt. Clarke ist zum englischen Commiffar sür Feststellung der türkischen Grenze in Asten ernannt.
— Unterhaus. Auf Befragen Forster's erklärt Unterstaatssecretär Stanhope, die Regierung habe keine Nachricht aus Indien, daß die Unterhandlungen mit Jakub Khan abgebrochen und der Vormarsch auf Kabul befohlen sei; die Regierungs-Nachrichten stimmten nicht mit den bezüglichen Nachrichten des „Standard" überein.
Berlin, 28. März, Abends. Um 8 Uhr Abends erfolgte die feierliche Uebersührung der Leiche des Prinzen Waldemar nach der Frtedensktrche in Potsdam. Je ein Zug der Letbcompagnte der Garde du Corps eröffnete und schloß den Leichenconduct. Zur Seite des sechsspännigen Leichenwagens schritten kronprinzltche Diener mit Fackeln Dem Leichenwagen folgten der Kronprinz, die Kronprinzessin und Prinz Wilhelm in einem Wagen, woran sich mehrere Wagen mit Gefolge anschloffen. Das kronprinzltche Paar verließ den Zug an der Potsdamer Brücke und begab sich per Bahn nach Potsdam, wo daffelbe den Leichenzug in der Frtedenskirche erwartete.
Bern, 28. März. Abends. Die eidgenössischen Räthe einigten sich, und zwar der Ständerath mit 27 gegen 13 und der Nationalrath mit 76 gegen 49 Stimmen, auf Beseitigung des Artikel 65 der Bundesverfaflung und Ersetzung desielben durch folgenden neuen Artikel: Wegen politischer Vergehen darf kein Todesurtheil gefallt werden. Körperliche Strafen find untersagt. — Somit ist das unbedingte Verbot der Todesstrafe aufgehoben. Der Beschluß U'terliegt der Volksabstimmung.
Türkei.
Philippopel, 26 März. Der Finanzdirector für Ostrumelten, Schmidt, soll seine Demission etngereicht und die internationale Commission in Folge desien beschloffen haben, bet den europäischen Cabineten die osficielle Anzeige zu erstatten, daß sie den Art. 19 des Berliner Vertrages nicht durch- zusühren vermöchte.
Philippopel, 27. März. Die internationale Commission für Ost' rumelten hat bei der fortgesetzten Berathung des Statuts das Kapitel X, betreffend die Cultusangelegenheiten, angenommen. Nach einer Bestimmung dieses Kapitels wird das bulgarische Exarchat ermächtigt, nunmehr die In, festitur der bulgarischen Bischöfe Osteumeliens vom Generalgouverneur Ost- rumeliens zu verlangen. Dieser Antrag ist vom französischen Commisiär ausgegangen und zwar in Folge der fortgesetzten Weigerung der Pforte, sür Besetzung der vacanten bischöflichen Stühle der bulgarischen Kirche in Mace- donien vorzusorgen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'ö telegr. Torrefpondenz. Bureau.
Berli«, 28. März. Heute Abend 6 Uhr fand in der Kapelle des kionprtnzlichen Palais der Trauergottesdienst für den veistorbenen Prinzen Waldemar statt, welchen der Prediger Persius von der Potedamer Heiligen geistliche abhielt. Dem Gottesdienste wohnten das kronprinzltche Paar, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl und olle zum Hofe, sowie zur Verwaltung des Haushalts und zur Hausdienerschast des krovprinzlichen Paares gehörigen Personen bei.
Berlin, 28. März. Wider Erwarten schnell sind die AussLüffe des Bundesraths mit den drei auf die Tabaksbesteuerung bezüglichen Vorlagen fertig geuorden. Gestern ist das Nochsteuergesetz zur Berathung gelangt. Wenn die, wie gemeldet, gestern beschloßenen Sätze, nämlich ein Zoll von 60 und eine Gewichtsteuer von 40 Mk. vom Centner, angenommen werden, wird eine Nachsteuer von angeblich 37 bis 38 Mk. erhoben werden.
Berlin, 28. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß dem Bundi srathe in den nächsten Tagen ein Gesetzentwurf, betr. die Erwerbung des RaczynSki'schen Palais behusS Errichtung des ReichStagsgebäudeS zugehen wird.
Berlin, 28. März. Reichstag. Präsident v. Forckenbeck macht vor Eintritten die Tagesordnung die Mittheilung, daß der Gesammtvorstand des Hauses Seiner Majestät dem Kaiser zum Geburtstage in einer Avreffe die Glückwünsche des Hauses übermittelt und Se. Maj. in einem Schreiben an den Vorstand seinen Dank ausgesprochen hat mit dem Ausdruck de- Bedauerns, daß es ihm versagt geblieben, den Vorstand wie sonst persönlich zu empfangen. — Ohne Debatte werden in dritter Lesung nach den Beschlüffen zweiter Berathung genehmigt die Gesetzentwürfe betreffs Abänderung des Gesetzes über die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und Aufnahme einer Anleihe für Post, Telegraphen rc. SS folgt nunmehr die dritte Lesung des Etats.
Bamberger glaubt auf die Finanzreform im Reiche und die Zollreform Hinweisen zu müffen, wodurch die Beschlüffe über den Etat theilweise wieder umgestoßen würden. Er fürchte, daß jene Vorlagen nickt nach gewohnheitsmäßiger Vorbereitung, sondern überraschend an das Haus herantreten würden. Die Zolltarifcommission böte nicht die nothwendige Garantie, daß sie in der ihr gewährten Zeit die schwierige Aufgabe vollständig erledigt habe. Auch was man über die bevorstehende Thätigkeit des Bundesraths in der obschwtbenden Frage erfahren, biete nicht die Aussicht, daß die gewohnte staatsräthliche Thätigkeit des Bundesraths hier Plak areifen werde. — Präsident Hofmann erklärt: Die Vertreter der Regierungen haben sich bisher über die Zollfrage nicht ausgesprochen, weil sie der Ansicht sind, daß der Zeitpunkt hierzu gekommen sein wird, wenn die Vorlage eingebracht ist. Von der Vorberathung in den Bundes- raths-Ausscküffen solle Abstand genommen werden, weil ja bereits die Zollcommtssion einen Ausschuß des Bundesraths darstclle. Es sei dringend geboten, die Fertigstellung der Vorlage möglickst zu beschleunigen, um der herrschenden Unsicherheit im Handel und Verkehr ein Ende zu machen.
Richter (Hagen) wendet sich gegen die Darlegung des Minister- Hofmann, erörtert die Finanzlage bekämpft namentlich die Getreidezölle, und erklärt sich gegen jeden Compromiß. Nachdem Stumm den Ausführungen Richter'» und Bamberger's entgegengetreten ist, wird die Generaldebatte geschloffen. — In der Specialdebatle stellt Hänel eme Anfrage wegen des Standes der Verhandlungen über die vertragsmäßig stipulirte Gleichberechtigung der Israeliten in Rumänien. Hänel bringt sodann abermals die Angelegenheit des „Großen Kurfürst" zur Sprache und legt Verwahrung dagegen ein, daß dem Reichstage und der Nation daS volle Neckt bestritten werde, über die Ursachen der Katastrophe umfaffende Aufklärungen zu erhalten. Minister v. Stosch verweist lediglich auf das bei der zweiten Lesung von ihm Gesagte. Lasker betont, so lange der Prozeß schwebe, könne das Haus nicht die Proceß-Acten verlangen. Das Recht des Hauses an und für sich sei zweifellos
Windthorst fragt an, ob die Veröffentlichung der Ernennung für das Reichsgericht noch bis zum 1. April erfolgen werde. Der Bundescommiffar erwidert, die Ernennungen könnten nur auf Grund des Etats erfolgen, der noch nickt fertig sei. — Die weiter anschließenden Debatten betreffen meist unerhebliche Wünsche und Beschwerden. Liebknecht bringt Beschwerden vor wegen der Verfügung, wodurch angeordnet werde, daß aus dem Auslande eingehende Post-


