gerichts in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" g estern dem Contre- admiral Bätsch und den Capitänen Kühne und Klausa eröffnet worden.
Aus Mecklenburg, 25. Juli. Die nachtheiligen Folgen der neuen hohen TmgangsMe, besonders auf Petroleum, bearbeitetes Bauholz, Eisen, fangen schon jetzt an, sich im Seehandel der mecklenburgischen Hafenstädte Rostock und Wismar im gleichen Grade wie in Stralsund, Greifswald und an der pommer'schen Küste in sehr bemerklicher Weise zu zeigen. Die mit Brettern und Balken beladenen Holzschiffe aus Finnland und dem nördlichen Schweden, welche in jedem Sommer in bedeutender Zahl in diesen Häfen ein- Xicfen, bleiben jetzt aus, da ihre Waaren den hohen Eingangszoll nicht mehr tragen können, und diese Vertheuerung des nothwendigen Holzes bewirkt auch eure Vertheuerung aller Bauten in dem größten Theile von Mecklenburg. Eben so ist schwedischer Kalk und schwedisches Eisen, welches man an der Ostseeküste nothwendig gebraucht, seit dem 1. Juli schon int Preise gestiegen. Fünf größere Peiroleumschiffe aus New-Aork sind in den letzten Tagen vor Erhöhung des Petroleumzolles noch glücklich in Rostock eingelausen, alle anderen derartig beladenen Fahrzeuge, welche ebenfalls noch erwartet wurden sollen „abtrle- graphirt" sein, da die Kaufleute, bevor sie sich mit neuen Vorräthen versehen, erst abwarten wollen, wie sich der Petroleumverbrauch nach Eintritt der Zollerhöhung gestalten wird. (Köln. Ztg.)
Hesterreich.
Wien, 26. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet: In Nordalbanien brach am 20. Juli em blutiger Conflict zwischen Muselmannen und Fandesen in Folge der straflosen Ermordung eines bosnischen Flüchtlings durch einen Muselmann aus. Am 22. d. plünderten die Fandesen das Dorf Raica. Die Kirche in Diakova mußte gesperrt werden, ein Theil des Klerus flüchtete. Für die nächstfolgenden Tage war ein Angriff der Malifforen auf die Fandesen und die Bedrohung des Hospiziums von Zumbi signalisirt. Die Pforte traf bereits energische Anstalten zur Bewältigung der Unruhen durch entsprechende Befehle an Naziff Pascha, Valt von Kossowo und Mukhtar Pascha, Gouverneur von Mouastir. Letzterer entsendet einen Special-Commissär zur Untersuchung der Vorgänge und zur Verhinderung weiterer Ruhestörungen. — — Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel: Die Großvezirs-Krisis ist durch Annahme der Forderungen Khereddin's Seitens des Sultans endgültig gelöst. Eingreifende Veränderungen im Cabinete werden als unmittelbar bevorstehend erachtet. Fremy soll nunmehr beauftragt sein, den Plan der Münzresorm auf der Grundlage der Rückziehung schlechter Geldsorten und des Anschluffes an die lateinische Münzconventton vorzubereiten. Fremy ist behufs der erforderlichen Studien, deren Ergebniß er innerhalb Monatsfrist vorlegen soll, nach Paris abgereist.
Arankreich.
Paris, 26. Juli. Das amtliche Journal theilt mit, daß der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten mittelst Beschluffes vom 25. Juli alle gegenüber den Provenienzen aus den russischen Häfen des Schwarzen und des Asow'schen Meeres bisher noch bestandenen Quarantäne-Maßregeln von gestern ab aufgehoben hat.
Versailles, 26. Juli. Im Senat und in der Deputirtenkammer werden nur noch Gesetzentwürfe von localem Interesse zur Berathung kommen.
Kossand.
Amsterdam, 26. Juli, Abends. Die Abendblätter melden: Der Führer der Conservativen, der ehemalige Minister des Innern, Heemskerk, hat vom König den Auftrag zur Neubildung des Cabinets erhalten und provisorisch angenommen.
Rußland.
Petersburg, 26. Juli. Gegenüber den Aenßerungen hiesiger Zeitungen über die Lage der Türkei hebt die „Agence ruffe" hervor, der Widerspruch in der Lage sei die Folge der Schwankungen der Pforte. Gleichwohl sei zu konstatiren, daß die internationale ostrumelische Commission nach langen Debatten zu einer Einigung über den obligatorischen Character ihrer Beschlüffe gelangte. Der obligatorische Character solle nur beibehalten werden für die Berufung der türkischen Truppen nach Ostrumelien. Wenn die Pforte hingegen auf Grund des Berliner Vertrags Einspruch erheben wolle, so sei demgegenüber zu bemerken, daß aus dem Artikel 16 des Berliner Vertrags, wonach die Pforte von dem Beschluß, ihre Truppen einmarschiren zu lassen und der diesen Beschluß begründeten Nothwendigkeit den Vertretern der Mächte Kenntmß geben müsse, folge, daß die Mächte sich das Recht vorbehielten, zu entscheiden, ob eine solche Nothwendigkeit erwiesen sei oder nicht. Wenn die Pforte hierbei hinsichtlich ihrer Würde Bedenken habe, so könne diese Schwierigkeit beseitigt werden. Die Pforte könne übrigens versichert sein, daß sie bei einer ernstlichen Bedrohung ihrer Sicherheit in der internationalen Commission genug Freunde habe, um die Bestimmungen des Berliner Vertrages ausrechtzuerhalten, indem man entweder die Bulgaren zur Ruhe bringe oder das Einrücken der Truppen gestatte. Die „Agence ruffe" will nicht glauben, daß sich hinter dieser Opposition der Pforte die Absicht verberge, Rußland Hinzubalten bis zum Abzüge des letzten russischen Soldaten, um dann nach und nach das Werk Europas und die Resultate des letzten Krieges zu zerstören. Wenn die Pforte inmitten der großen Schwierigkeiten, womit sie in Macedonien, Epirus, Thessalien, Albanien und Egypten zu kämpfen habe, ein derartiges Revirement wirklich im Auge haben sollte, würde das nichts weiter beweisen, als einen Fatalismus, der stärker wäre als alle Rath- schläge, Bemühungen der Weisheit und Klugheit. — Der russische Botschafter Fürst Lobanoff hat Konstantinopel nicht verlassen.
Rumänien.
Bukarest, 26. Juli. Beinahe sämmtliche rumänische Journale erklären sich bereit, das neue Cabinet unter der Voraussetzung zu unterstützen, daß es das ministerielle Programm vollständig aussühre.
Griechenland.
Athen, 26. Juli, Abends. Die Führer der Opposition brachten in der Kammer einen Antrag ein, bei dem es sich um die Frage handelte, ob das Ministerium das Vertrauen der Kammer besitze. Ministerpräsident Comunduros verlas darauf ein Decret des Königs, durch welches die Kammer aufgelöst wird.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. T»rrespondeuz-Vure««.
Innsbruck, 27. Juli. Die evangelische Gemeinde Innsbruck hat beute die feierliche Grundsteinlegung der ersten protestantischen Kirche Tyrols vollzogen.
Gastein, 27. Juli. Kaiser Wilhelm hat gestern und heute gebadet und darauf bei Sonnenschein promenirt und eine Ausfahrt gemacht. Heute besuchte der Kaiser den vom Berliner Hofprediger Frommel in der evangelischen Capelle gehaltenen Gottesdienst. Das Befinden Sr. Majestät ist vortrefflich.
Paris, 27. Juli, Abends. Die klerikalen Journale veröffentlichen ein Schreiben des Erzbischofs von Paris an die Senatoren, worin er gegen Ferry's Gesetzvorlagen im Namen der Freiheit protestirt. Am Schluffe des Schreibens heißt es: Wir werden kein Hinderniß sein für die republikanische Regierung, aber man darf uns nicht zwingen, die Augen auf die Vergangenheit zu richten, um dort das Bild der Gerechtigkeit und Freiheit wiederzufinden. — In dem bonapartistischm Hauptorgan „Ordre" wird Prinz Jerome als das Haupt der kaiserlichen Familie erklärt; derselbe sei nicht etwa blos Candidat für das Kaiserthum, sondern das Kaiserthum selbst. Man sieht hier diesen Artikel des „Ordre" als eine hauptsächlich an die bonapartistischen Dissidenten gerichtete Erklärung an.
Simla, 27. Juli. Major Cavagnari mit den Mitgliedern der britischen Mission ist am 24 Juli in Kabul eingetroffen und mit großer Auszeichnung und militärischen Ehren empfangen. Derselbe überreichte noch am Abend dem Emir, welcher ihn freundlichst bewillkommnete, fein Beglaubigungsschreiben.
Mainau, 28. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern Vormittag kurz vor 12 Uhr hier eingetroffen. Ihre Majestät wollte in aller Stille eintreffen, wurde aber von dem Großherzog und der Großherzogin von Baden auf der Station Reichenau empfangen und von da zu Wagen nach Mainau geleitet. Bald nach der Ankunft Ihrer Majestät fand in feer kirche Gottesdienst statt, wobei feer Hofprefeiger Helling die Prediat hielt.
Lokales.
Gießen, 28. Juli. Auf der Gartfeld - Schoor ist wieder von ungezogener Hand ein üppiges Lindenbäumchen geknickt worden.
— Die Nubier, welche 4 Tage in Wenzels Garten sich producirten, können mit den Einnabmen in Gießen zufrieden sein. Zum Mindesten 10000 Personen, worunter über 2000 Schulkinder, haben Entree genommen. Gestern, am 50-Pfenniqtag, strömte eine wahre Völker- wanderung nach dem Garten, um die intcresiantcn Gäste zu sehen.___________________
Vermisch teX
Berlin, 27. Juli. Vormittags 1 ty4 Uhr wurde der 7. allgemeine deutsche Turntag durch den Vorsitzenden Dr. Georgi aus Eßlingen eröffnet und durch ein Magistratsmitglied von Berlin alle Vertreter Deutschlands, sowie die von Deutsch - Oesterreich begrüßt. Nachdem Dr. Lion aus Lindenau Bericht erstattet und Schlör von Gladbach die Rechnung vorgelegt, welche mit einem Saldo von 5881 «X 88 H abschlicßt, trat man in die Debatte, die Wett-Turnordnung der deutschen Turnerschaft betreffend, und wurde bis Nachmittags 3 Uhr besckloffen: Gcräthturnen und Volksturncn zusammenzulegen, bet ersterem 2 obligatorische und 1 Kürübung.
Aus Gers weiter, 19- Juli, wird der „S- und Bl-Ztg." berichtet: „Eine Frau in den besten Jahren, Mutter von 7 Kindern, starb hier ganz plötzlich unter Anzeichen, welche die Vermuthuna aufkommen ließen, es könnte eine Vergiftung vor liegen. Aus Anzeige der Ortspolizci fand gestern die gerichtliche Obduction der Leiche statt. Es ergab sich, daß die Frau eine große Anzahl Kirschenkerne bei sich führte, welche sich in den Gedärmen festgesetzt und dadurch eine Entzündung verursacht hatten. Die Frau hatte am Tage vor chrem qualvollen Ende eine große Menge Kirschen gegessen und dabei geäußert: „e>ie schmecken mir so gut, ich könnte mich tobt daran essen!" Sie ahnte wohl nicht, wie bald Solches sich erfüllen sollte. Dieser traurige Vorfall diene allen Denen zur Warnung, welche die schlechte Angewohnheit haben, beim Essen von Kirschen die Kerne hinunterzuschlncken. Es ist eine sehr gefährliche Cour, sich auf diese Weise — wie man in Volkskreisen glaubt — „den Magen reinigen" zu wollen.
— Eine Katzensteuer. Zum Vogelschutzgesetze wird der „Nord. Allg. Ztg." aus Süddeutschland geschrieben: Die mehr und mehr fühlbar werdende Abnahme unserer Singvögel macht ausgedehntere Maßregeln zum Schutze dieser nützlichen Thiere nothwendig. Der Reichstag ist in die Berrathung eines bezüglichen Gesetzes eingctreten. Es sei uns gestattet, auf einen Punkt hinzuweiscn, auf welchen in dem Entwurf dieses Gesetzes unserer Ansicht nach viel zu wenig Gewicht gelegt wird. Wir meinen den Schaden, welchen die Katzen der Vogelwelt zufügen. Jahre langes Studium der Frage, Beobachtung im eingezäumten Besitz, wie draußen in Feld und Flur haben uns zu der festen Ueberzeugung gebracht, daß die Katzen mehr Schaden an den Singvögeln anrichten, als alle anderen Umstände zusammengenommen, welchen das Verschwinden derselben zugeschrieben wird, und daß keine Maßregel die Vögel wird schützen können, so lange nicht ihr schlimmster Feind allgemein als solcher anerkannt und behandelt wird. Die Hauskatze, welcher Herumschweifen in Gärten unv Feldern, insbesondere nächtlichrs Herumschweifen verwehrt, kurz welche mit Nachdruck dahin verwiesen wird, wohin sie gehört, nämlich in's Haus, ist ein Wesen, welches wegen seiner nützlichen und theilweise auch angenehmen Eigenschaften die Zuneigung aller Thierfreundc verdient. Die Unachlsamkait ihrer Besitzer aber, zusammenhängend mit dem Ueberfluß an Katzen, deffen sich so viele Häuser und Gehöfte erfreuen, macht aus der nützlichen Mäusevertilgcrin einen vagabondirenden Vogcljäger, deffen Thätigkeit sich in regelmäßigen Streifzügen innerhalb eines bestimmten Reviers durch Feld, Flur und Wald erstreckt. Was ferm von Städten und Dörfern an Vögeln verschont bleibt, das verfällt den Katzen, welche in unseren Häusern nur zu oft in unnörhiger Anzahl gehalten werden, und sind in dieser Beziehung ganz besonders die Bahnwärterhäuschen zu nennen, die den privilegirten Vogelfeind durch vas ganze Land zerstreuen und überall da importiren, wo die Gegend sonst von ihm frei sein könnte. Es ist rein unmöglich, daß irgend ein Nest eines niedrig nistenden Vogels — und zu diesen gehören gerade unsere nützlichsten Singvögel — da besteben kann, wohin die Streifzügc der Katzen sich erstrecken. Und man wird vergeblich Hecken anlegcn, um Nistplätze für die Vögel zu schaffen so lange Katzen nicht von ihnen fcrngehalten werden. Kaum sicherer aber sind vor ihnen die hochnistenven Vögel. Sobald sich eine Katze an die Vogeljagd gewöhnt hat, ist sie zugleich ihrem ursprünglichen Zweck, der Mäuscvcrtilgung entfremdet. Es ist damit der erste Schritt zu ihrer Verwilderung geschehen Es scheint fast gänzlich der allgemeinen Aufmerksamkeit zu entgehen, welche Unzahl von Katzen in halbverwildertem Zustande draußen im Freien durch Jagd, d. i. auf Kosten vorzüglich der Vögel sich nährt, unter verborgenen Schlupfwinkeln die Brut ablegend, welche die Alten an Wildheit noch übetrifft. Und leider ist so Wenigen jener Jammeruf der Vögel, vorzüglich bei der Annäherung ihres größten Feindes ausgestoßcn, bekannt, welcher vom Dogelfreunde nur zu häufig besonders in der Nähe der Wohnungen der Menschen zu seinem Schmerze vernommen wird. Die Richtigkeit der Auffassung, daß die Katzen vor Allem es sind, welche eine Vermehrung unserer Singvögel verhindern, läßt sich leicht genug praktisch erproben. Dom Einsender ist sie erprobr worden. Seitdem betreibe die Katzen von seinem Besitze fern hält, erfreut ein weit und breit nicht bekannter Vogel- reichthum eine ganze Gegend, in welcher vorher nur spärliche Sänger zu hören waren und seine Pflanzen sind auf das Reinlichste von dem verderblichen Ungeziefer befreit. Allgemein ange- wendete entsprechende Maßregeln würden überall in kürzester Zeit dieselben Erfolge aufweisen. Als solche Maßregeln würden wir vorschlagen- Die Katzen in derselben Weise zu besteuern, wie dies mit den Hunden der Fall ist, und zu bestimmen, daß jede herrenlose, d. i. nicht, mit einer nummerirten Marke versehene Katze, von einer öffentlich dazu angestellten Person, getödtct werde. Ferner, daß jede in fremdem Besitz hcrumschweifcnde Katze vom Grundeigenthümcr gc tobtet werden Darf; endlich, daß der Jagdpächter entsprechcnve Befugniß für die auf seinem Jagdgebiet herumschweifenden Katzen erhält. Nur mit solchen Bestimmungen versehen wird ein Vogelschutzgesetz seinen Zweck erreichen, und wir hegen die Hoffnung, daß naturkundige Abge^ ordnete sich der Frage in diesem Sinne annebmen und damit der Landwirthschaft erheblichen Nutzen, den Naturfreunden aber den Genuß der Vermehrung des fröhlichen Vogelgesanges in Feld und Wald verschaffen werden — selbst wenn dies auf Kosten ihrer eigenen Katzen geschehen müßte.


