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Nr. 88. Dienstag, den 29. April 1879.

Meßmer Wyeiger

A»M. M Amtsblatt für it« Kreis Gieße«.

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politisch

Aeutschkand.

Darmstadt, 25. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 11) enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial - Direktion Oberhessen, das Ausbringen der Mittel zur Beftrettung der Bedürfnisse der Landjuden- jchaft der Provinz Oberhessen für 1879 betreffend.

2 Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Alzey.

3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen in der Gemeinde Beuern für 1879 betreffend.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die für das Jahr 1879 zur Bestreitung der Communal-Bedürfmffe der Gemeinde Bieber zu erhebenden Umlagen betreffend.

5. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Friedberg.

6. Ordensverleihungen.

7. Dienstnachrichten.

8. Charakterertheilungen.

9. Ruheftandsverfetzungen. Am 1. März wurde der Schullehrer Johs. Reiß zu Auerbach auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treu geleisteten Dienste, am 2. März wurde der Schullehrer Jacob Volk zu Friedberg auf sein Nacksuchen bis zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit, am 10. März wurde der Schullehrer an der kath. Schule zu Fürth Franz Gremm unter Anerkennung seiner mehr als 50jähri- gen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste auf sein Nachsuchen, am 19. März wurden der erste Pedell an der Landes-Universität, Kaspar Ruckelshausen, und der zweite Pedell an der Landes-Universität, Johannes Kißler, beide mit Wirkung vom 1. April d. I. an, am 4. April wurde der Schullehrer an der evang. Schule zu Mommenheim Heinrich Jacob Katzenbach aus Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.

10. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: Die evang. Pfarrstelle zu Plantg mit einem dotattonsmäßigen Gehalt von 2321 Die Lehrerstelle an der kuth. Schule zu Seckmauern mit einem Gehalt von 900 J4, das Präsen­tationsrecht steht dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg in Gemeinschaft mit dem Herrn Fürsten-Wertheim-Rosenberg zu. Eine mit einem akademisch gebil­deten, vorzugsweise als Mathematiker geprüften Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Butzbach mit einem Anfangsgehalt von 2500 JL, aussteigend bis zu 3000 JC. jährlich m,d eventuell 200 «X jährlich für Leitung und Beaufsichtigung des gesammten Schulwesens zu Butzbach. Eine mit einem seminanstisch gebildeten Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der erweiterlen Volksschule daselbst mit einem Anfangsgehalt von 1500 Jt., aus- steigend bis zu 2000 «M. jährlich. Eine Lehrerstelle an der allgemeinen Volks­schule daselbst mit einem Ansangsgehalt von 1000 «X, aussteigend bis zu 1600 v4t. jährlich.

11. Sterbefälle. Gestorben sind : am 7. Febr. der Steuercor.troleur i. P. Heimich Becker zu Nidda; am 27. Febr. der Kreiswundarzt Heinrich Schenk zu Fri dberg; am 1. März der Kammersänger Karl Becker zu Darmstadt; am 3. März der Geh. ^iuanzrath Karl August Seederer zu Darmstadt; am 16. März der quiercirte evang. Pfarrer Konrad Uhrig zu Rohrbach; am 22. März ter Schullehrer i. P. Friedrich Göbel zu Mainz; an dems. Tage der Schullehrer i P. Schmitz zu Heimersheim; am 28. März der Steuer- ausseher i. P. Christoph Roth zu Grolsheim; am 29. März der Kreisarzt i. P. Dr. Wilhelm Sauerwald zu Alzey.

Darmstadt, 26. April. Namens des Finanzausschuffes der zweiten Kammer Hut ter Abg. Theobald über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bewilligung der Kosten zur besseren Instandsetzung der Localitäten und der Ausstattung der Uaiversitäts'Klinik, sowie die Erhöhung der Dolatton der medicinischen Klinik 2C- betr., Bericht erstattet. Hiernach dürfte nach Ansicht des Ausschusses kein Zweifel bestehen können, daß die Lebens­fähigkeit der Universität Gießen wesentlich davon abhängt, daß die medtci- niscke Fakultät in jeder Beziehung in solchem Stande erhalten wird, daß sie die Bedürsniffe der Studirenden befriedigt. Dazu gehöre selbstverständlich, daß die med-cinischen Lehrstühle mit tüchtigen Kräften besetzt sind, sowie, daß die Universitäts-Kliniken mit dem sonst erforderlichen Personal, den geeigneten Localitäten und Mobtliargegenständen genügend ausgestattet erscheinen. Der Ausschuß erkennt die in der Regierungsvorlage angeführten Gründe fir völlig gerechtfertigt an und bemerkt der Bericht, daß bezüglich der Bauten keine Mittel in Anspruch genommen werden, deren Kosten vielmehr aus den bereits be­willigten Summen für die laufende Unterhaltung bestritten werden sollen, daß dagegen die einmaligen Ausgaben für verschiedene nothwendige Anschaffungen im Ganzen zu 24,71-0 Mk., und die dauernden Ausgaben zu 4200 Mk. jähr­lich veranschlagt sind. Der Bericht sagt weiter:Mit Rücksicht daraus, daß die nothwendig werdende Wiederbesetzung des Lehrstuhles der Pathologie den

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Anstoß zur eingehenden Untersuchung der Verhältniffe der medicinischen Fakul­tät in Gießen gegeben hat, und zwar, wie die Regierungsvorlage angibt, dadurch, daß die Verhandlungen zur Gewinnung eines tüchtigen Nachfolgers für den abgehenden Docenten auf erhebliche Schwierigkeiten stießen, welche in den Desiderien ihren Grund halte«, Ne von den in Betracht gezogenen Prr- sönlichkeiten hinsichtlich der Localitäten und der Ausstattung der Universitäts- Klinik gestellt wurden, glauben wir uns grundsätzlich dagegen aussprechen zu muffen, daß die Errichtung von Instituten, Anstalten rc. an der Universität von den Wünschen und Ansichten der einzelnen jeweiligen Docenten abhängig gemacht w'-rd, erkennen vulmchr für die Einrichtung und Ausstattung derarti­ger Institute nur das wirkliche Becürfniß und die durch dieses Bedürfniß be­dingten Schranken für maßgebend an. Wenn wir es auch erklärlich finden, daß ein Gelehrter von Namen nur bann an eine Hochschule sich ziehen laffen wird, wenn an derselben für die nach seiner Ansicht erforderlichen Bedürfnisse der ihm anhertrauten Branchen hinreichend gesorgt ist und daß in dieser Richtung ein solcher Gelehrter die Annahme eines an ihn ergangenen Rufes nach Lage ter Verhältniffe an die Erfüllung von gewtffen Bedingungen knüpft, so darf doch auf dieselben nur insoweit eingegangen werden, als solche die Be­friedigung eines wirklichen Bedürfniffes zum Ziel haben. Weiter gehende Be­dingungen wären zu beanstanden." Für den vorliegenden Fall erkennt der Ausschuß das vorhandene Bedürfniß vollständig an und beantragt Bewilligung der von der Regierung angeforderten Beträge.

Berlin, 26. April. In dem Prozesse gegen die russtschen Studenten Liebermann (genannt Fieemann), Gurewitz und Aronson wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Thetlnahme an einer geheimen Verbindung erkannte das Criminalgencht deS hiesigen Stadtgerichts gegen Liebermann und Gme- witz auf eine neunmonatliche, gegen Aronson auf eine viermonatliche ®e» fängnißstrafe.

Dem Bundesrath ging eine Präüdial-Vorlage zu, welche in Vorschlag bringt, die §§ 25 und 35 des Reichs - Beamtengesetzes (die einstweilige Ver­setzung in den Ruhestand und die jederzeitige Entlaffung betr.) dahin abzu­ändern, daß dieselben auf die Vorstände und Directoren aller dem Reichs­kanzler unmittelbar unterstellten obersten Reichsämter Anwendung finden.

Berlin, 26. April. Zwischen den Bundesregierungen haben Verhand- lurgen geschwebt über die Stellung, welche der Bundesrath gegenüber der in der Reichstags-Commission nach den Ferien zur Verhandlung gelangenden Wucherfrage einzunehmen haben wird. Diese Verhandlungen sind nunmehr so weit gediehen, daß der Bundesrath in diesen Tagen darüber berathen und sich schlüssig machen wird. Nach den von den einzelnen Regierungen erfolgten Kund­gebungen ist nicht zu bezweifeln, daß die Mehrheit des Bundesraths im Prin- cip nut der Ergänzung des Strafrechts durch Einführung einer Strafvorschrift gegen den Wucher in das Strafgesetzbuch oder durch Formulirung eines Spectal- gesetzes sich einverstanden erklären wird.

Kesterreich.

Wien, 26. April. Abgeordnetenhaus. Der Handelsmtntster erklärte, daß die Verhandlungen mit Serbien wegen des Zollvertrages bald beginnen würden, dock habe Oesterreich als Stäikerer keinen Grund darauf zu drängen. Die beiderseitigen Regierungen hätten sich geeinigt, den Legislativen im Herbste die Gesetzentwürfe in Betreff der Einbeziehung Bosniens und der Herzegowina in das Zollgebiet vorzulegen; ebenso die Gesetzentwürfe in Betreff der Auf­hebung der Zollausschüffe, ausgenommen für Triest unb Fiume. Gegen die Türkei würden schon jetzt Zoll-Linien errichtet.

Pesth, 26. April. Absonderliche russische Nachrichten bringt der Pesther Lloyd" aus Berlin. Dieselben lauten: Nachrichten aus Petersburg stellen die Situation in sehr düsterem Lichte dar. In den intelligenten Kreisen herrscht hochgradige Aufregung gegen die Ausnahmegesetze. Die Universttäts- Prosefforen wollen unter dem Säbel-Regime ihre Thütigkeit nicht fortsetzen. Bis jetzt haben bereits 16 Profifforen ihre Demission eingereicht. Man glaubt, die Lehrer an den Gymnasien werden ihrem Beispiele folgen. Es herrscht die Befürchtung, daß eine große Anzahl Volks- und Mittelschulen geschloffen werden müffe. Man hat Besorgniffe, daß im Gouvernement Odessa eine Maffen- Erhebung stattfinden wird. Der Staatsanwalt von Kiew wurde nächtlicherwe le von einer bewaffneten Schaar gewaltsam entführt; die in der Prokuratur vor­handenen Aktenstöße wurden geraubt. Nach einer Untersuchung, welcher der Staatsanwalt unterworfen wurde, geleitete man denselben in seine Wohnung zurück mit dem Bedeuten, daß er demissioniren müsse, widrigenfalls das Executiv- Comite über ihn das Todesurtheil fällen müßte.

Arankreich.

Paris, 26. April. Prästdent Grery hat heute die Begnadigung von 307 wegen der Jnsurrection von 1871 Verurtheilten vollzogen. Eine Cir­cular-Note des Minister-Präsidenten und Minister des Aeuhern, Waddington, an die Mächte, in welcher deren Mediation bezüglich der griechischen Grenz- fragen provocirt wird, ist heute abgegangen. DerTemps" hat Grund zu glauben, daß der Stand der Verhandlungen zwischen den verschiedenen Mächten